Nachdem der SK Rapid unter der Woche im Europacup einmal mehr siegen konnte, gab es am Sonntag in der Liga eine weitere Niederlage. Beim... Rapids Querpasskönig: Srdjan Grahovac und die Frage nach der passenden Einbindung

Srdjan Grahovac - SK Rapid Wien_abseits.atNachdem der SK Rapid unter der Woche im Europacup einmal mehr siegen konnte, gab es am Sonntag in der Liga eine weitere Niederlage. Beim 1:2 in Grödig wirkten die Hütteldorfer trotz großem Ballbesitzanteil weitestgehend zahnlos. Ein Spieler symbolisiert dies heuer besonders: Srdjan Grahovac. abseits.at wirft einen Blick auf die Probleme im Spiel des Bosniers.

Als den Hütteldorfern im Sommer 2014 die Verpflichtung von Grahovac bekanntgaben, sorgte das durchaus für Staunen – im positiven Sinn. Hinter dem damaligen Kapitän des bosnischen U21-Teams waren nämlich angeblich größere Klubs her. Rund eineinhalb Jahre nach dem Wechsel steht er bei manchen Fans aber stark in der Kritik.

Defensiv außerordentlich stark

Dabei begann die Saison für den jungen Mittelfeldspieler alles andere als schlecht. Es waren wohl vor allem seine Leistungen auf internationaler Ebene, die Bosniens Teamchef Mehmed Bazdarevic dazu veranlassten, den Rapidler erstmals für das Nationalteam zu berufen. Insbesondere in der Qualifikation zur Champions League zeigte Grahovac außerordentlich gute Qualitäten im Defensivspiel. Doch auch in der Bundesliga sind seine Leistungsdaten überdurchschnittlich gut, wie die nachstehende Grafik zeigt.

Nur fünf Mittelfeldspieler, die mindestens 20% der möglichen Spielminuten absolvierten, erobern den Ball häufiger als Grahovac, der auf 3,3 Tackles und 2,9 abgefangene Bälle pro 90 Minuten kommt. Auch hinsichtlich der Zweikampfquote liegt er unter den besten zehn Mittelfeldspielern ligaweit. Dabei legt er sein Spiel gar nicht wie ein klassischer Zerstörer an. Grahovac jagt den Bällen nicht blind und mit viel Laufarbeit hinterher, wie beispielsweise Stefan Kulovits – der Inbegriff eines solchen Spielertyps.

Strategische Fähigkeiten balancieren Pressing

Grahovac ist defensivstrategisch für österreichische Verhältnisse sehr gut. Er attackiert mit Bedacht und positioniert sich so, dass eine etwaige Lücke, die durch sein Herausrücken entsteht, nicht bespielt werden kann. Gerade diese Eigenschaft ist dafür verantwortlich, dass das grün-weiße Gegenpressing stabiler wirkt, wenn er auf dem Platz steht. Gerade in den internationalen Spielen ist diese Fähigkeit aktuell enorm viel wert.

Als Paradebeispiel sei hier das Heimspiel gegen Ajax genannt, als Stefan Schwab nach 60 Minuten mit Rot vom Platz flog, worauf Zoran Barisic mit der Einwechslung von Grahovac reagierte. Schwabs Defensivspiel ist äußerst aggressiv und mann- bzw. ballorientiert, was sich Ajax dahingehend zunutze machte, um in die Räume zwischen der ersten Pressinglinie und der Restverteidigung zu kommen. In der letzten halbe Stunde, mit Grahovac am Platz, konnten die Niederländer diese Räume nicht mehr bespielen und kamen auf diese Weise zu keiner Torchance mehr.

In der Bundesliga zeigt sich der Wert von Grahovac ebenfalls dann, wenn er nicht am Feld ist. So konnte die Wiener Austria im letzten Derby den Siegtreffer vor allem deshalb erzielen, weil Rapid praktisch keine zweite Pressinglinie hatte und der ballführende Austrianer ohne großen Druck einen Lupferpass hinter die Abwehr spielen konnte. Auf der anderen Seite – und das ist der Hauptkritikpunkt an seiner Spielweise – merkt man auch im Ballbesitzspiel, wann Grahovac am Platz ist und wann nicht.

Keine Vertikalität – auch ohne Ball

Wie man der obigen Radargrafik entnehmen kann spielt Grahovac die meisten Pässe aller Bundesligaspieler und zwar mit sehr hoher Genauigkeit. Hier wird jedoch nicht die Art der Zuspiele berücksichtigt. Nur selten sind sie bei Grahovac nämlich nach vorne gerichtet, was gerade in den Spielen gegen die tiefstehenden Teams der Bundesliga hemmend ist. Nachstehend sieht man seine Passschemata aus den letzten beiden Spielen gegen Grödig und den WAC.

Das Ziel von Rapids Ballbesitzstrategie ist es, den Gegner so lange hin und her zu schieben bis sich Lücken für einen sicheren Pass in die Tiefe auftut. Die Zirkulation erfolgt jedoch oft zu langsam, was unter anderem an Grahovac liegt. Neben der offensichtlich großen Anzahl an Querpässen, die noch dazu in tiefen und daher ungefährlichen Zonen gespielt werden, sind auch die Diagonalbälle nicht wirklich Pässe, mit denen der Abstand zum Tor effektiv verkleinert wird. Sie werden eher zum Akteur auf der ballnahen Außenbahn gespielt, als sofort auf den ballfernen Flügel zu verlagern.

Diese Charakteristiken sieht man jedoch auch bei Thanos Petsos regelmäßig und dennoch ist der Grieche in der Rolle als tiefster Sechser unerlässlich, wie zum Beispiel die Niederlage zuletzt gegen den WAC aufzeigte. Petsos kippt nämlich nicht nur stur ab, sondern bietet sich situativ auch etwas höher an und bewegt sich mit dem Ball am Fuß nach vorne. Grahovac hingegen fordert den Ball von den Innenverteidigern, passt weiter bzw. verlagert und fungiert dann lediglich als Sicherheitsoption. Damit wird weder der Gegner herausgelockt, noch kann das Spiel schnell verlagert werden. Zwei Punkte, die allerdings wichtig für den Erfolg des grün-weißen Spiels wären.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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