Der SK Rapid gewann am Samstag auch sein zweites Spiel im Abstiegsplayoff mit 2:0 gegen Wacker Innsbruck. Die Hütteldorfer überzeugten dabei mit einer starken... Rapids souveräner Auftritt mit einem Schönheitsfehler

Der SK Rapid gewann am Samstag auch sein zweites Spiel im Abstiegsplayoff mit 2:0 gegen Wacker Innsbruck. Die Hütteldorfer überzeugten dabei mit einer starken Konzentrationsleistung bis zum gegnerischen Tor, überraschend guter Fitness und hinterließen nur einen Schönheitsfehler.

Nach dem knochen- und nervenaufreibenden, schlussendlich aber erfolgreichen Cup-Fight mit dem LASK stand für Rapid das Auswärtsspiel in Innsbruck an. Der geneigte Rapid-Fan war sich im Vorfeld sicher, dass das Spiel kein Selbstläufer werden würde, aber Rapid ließ nichts anbrennen und spielte sogar deutlich besser als angenommen.

Schlagabtausch mit mitspielenden Innsbruckern

Wacker Innsbruck tat Rapid den Gefallen, mitspielen zu wollen. Dadurch entwickelte sich eine gefällige Partie mit drei absoluten Großchancen schon in den ersten fünf Minuten. Normalerweise müssen sowohl Badji und Dedic, vor allem aber Knasmüllner treffen. Dibons 1:0 nach der ersten Chancenserie war bereits die halbe Miete für Rapid. So konnte keine Unsicherheit oder „Verkopfung“ aufkommen und die Innsbrucker mussten schon früh noch mehr aufmachen.

Stabilität in der defensiven Zentrale

Mit Ausnahme einer Viertelstunde vor der Pause hielt Rapid die Intensität hoch und erarbeitete sich eine Vielzahl von Chancen, was mehrere Gründe hatte. Einer der Gründe war das gute Stellungsspiel im zentralen Mittelfeld, durch das Rapid das Spiel immer wieder gut verlagern und über die Flügel oder die Halbräume angreifen konnte. Auch die Aufbaustärke von Dibon und Müldür trug ihren Teil bei, auch wenn sie statistisch betrachtet nicht besonders auffiel. Vor allem die kurzen, schnellen Vorstöße Müldürs im „Galvao-Stil“ sind ein Segen für Rapids Aufbauspiel, weshalb es schwer nachvollziehbar ist, wieso der türkische Teamspieler nicht in der Innenverteidigung gesetzt ist, sondern immer wieder auf die Rechtsverteidigerposition ausweichen muss.

Sehr zielgerichtete linke Angriffsseite

Auch beide Flügel Rapids hatten ihre Vorzüge. Auf den ersten Blick präsentierte sich vor allem die linke Seite mit den beiden Freunden Bolingoli und Ivan äußerst homogen und einzig der letzte Pass (oder vergebene Chancen wie die von Knasmüllner nach zwei Minuten) stand zahlreichen Assists alleine über die beiden Linksfüße im Weg.

Hochinteressante Laufwege von Potzmann

Noch interessanter war jedoch das Gespann auf der rechten Seite nachdem Mateo Barac verletzt rausmusste und Müldür in die Innenverteidigung rückte. Marvin Potzmann spielte hier seine beste Partie seit Monaten und zeigte hochinteressante Facetten im Zusammenspiel mit Murg. Letzterer ließ sich zumeist weit nach außen fallen, um in Robben-Manier zur Mitte zu ziehen. Dabei wurde er aber von Potzmann seltener hinterlaufen als „vorderlaufen“. Potzmann orientierte sich also immer wieder zur Mitte, was die Defensivstruktur der Innsbrucker zerriss und Rapid im Strafraum präsenter machte. Gerade gegen spielerisch unterlegene Gegner könnte eine solche Variante auch in Zukunft erfolgsversprechend sein.

Badji vergibt zahlreiche Chancen – aber er hatte sie…

Zwei Minuten vor dem Ende – als Rapid eigentlich schon mit 5:0 oder 6:0 führen hätte können – sorgte der eingewechselte Deni Alar für die Entscheidung. Die hatte zuvor mehrfach der Startstürmer Aliou Badji auf dem Fuß: Der Senegalese kam auf sechs Abschlüsse, vergab aber teilweise stümperhaft, weshalb die Fans seine mangelnde Schusstechnik kritisierten. Allerdings ist die Tatsache, dass er zu solch vielen Abschlüssen kam, ein klarer Pluspunkt für Badji. In der jüngeren Vergangenheit hatten Rapid-Stürmer eher das Problem, dass sie nur zu wenigen Torraumszenen kamen und weitgehend abgemeldet waren – der Torschütze zum 2:0, Deni Alar, kann ein Lied davon singen. Die Tatsache, dass Badji häufiger zum Abschluss kam, macht Hoffnung, denn irgendwann wird der Ex-Schweden-Legionär, dem man noch eine „Schonzeit“ zugestehen muss, zu treffen beginnen. Die Ansätze zeigte er bereits.

Gut eingeteilt

Rapid spielte durch die Bank clever, teilte sich die Kräfte gut ein und ließ auch den Gegner weite Wege gehen. Dadurch wirkte die Kühbauer-Elf auch gegen Ende der Partie fitter und wacher als die Heimmannschaft. Das ist nach 120 Cup-Minuten gegen einen aggressiven LASK hoch zu bewerten, auch wenn Innsbruck spielerisch kein guter Gegner war. Die Hütteldorfer ließen nie den Schlendrian einkehren und man hatte dauerhaft das Gefühl, dass der Torhunger wieder Einzug in Wien-14 gehalten hat.

Minuspunkt: Deutlich zu wenige Tore

Womit wir zum einzigen Schönheitsfehler der Partie kommen: Rapid hätte sich nach guten Dedic-Chancen über ein oder zwei Gegentore nicht beschweren dürfen, aber selbst hätten die Wiener fünf, sechs, vielleicht sieben Tore erzielen müssen. Alleine Knasmüllner scheiterte zweimal vor dem leeren (!) Tor, was ihm glücklicherweise in dieser Partie und nicht im Cup-Finale passierte. Müldürs eigentlich regulärer Treffer wurde aberkannt und der bereits angesprochene Badji hätte alleine das Potential für zwei oder mehr Treffer gehabt.

Weiter am Kreieren der Chancen arbeiten, dann kommen die Tore von alleine

Eiskalt war Rapid am Samstag also nicht, was aber schon mal passieren kann. Deshalb ist es jetzt enorm wichtig, nicht stur Torabschlüsse zu trainieren, um das Runde wieder häufiger ins Eckige zu bugsieren. Viel wichtiger ist es, dass Rapid auch in den nächsten Spielen derartig viele Chancen herausarbeitet – dann kommt das Toreschießen automatisch hinzu. Das Kreieren von Überzahlsituationen und vor allem eine verbesserte Strafraumbesetzung sind der offensive Schlüssel für die nächsten Wochen. Fehlschüsse können durchaus passieren, aber Knasmüllner und Co. werden nicht noch einmal so leichtsinnig mit Sitzern umgehen, wie am vergangenen Wochenende am Tivoli.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen