Das erste Viertel der Saison 2011/12 in der tipp3-Bundesliga ist seit Sonntag absolviert. Zeit also um die einzelnen Teams einmal genauer zu beleuchten und... Rückblick auf das erste Bundesliga-Viertel: Mattersburg glücklos, Innsbruck Remis-König und Kapfenberg defensivschwach

Das erste Viertel der Saison 2011/12 in der tipp3-Bundesliga ist seit Sonntag absolviert. Zeit also um die einzelnen Teams einmal genauer zu beleuchten und ein erstes Fazit zu ziehen. Im ersten Teil des Mannschaftsüberblicks beschäftigen wir uns mit den Plätzen zehn bis acht.

SV MATTERSBURG

Von Anfang an war für viele Experten klar, dass die Burgenländer wieder einmal gegen den Abstieg diese Saison spielen werden. Und die Mannschaft von Trainer Franz Lederer bestätigte dies bereits in Runde 1 im Spiel gegen den Abstiegskonkurrenten aus Wiener Neustadt. Bereits nach 81 Sekunden geriet der SVM durch ein unglaubliches Abschlagtor aus rund 80 Metern durch Torhüter Jörg Siebenhandl in Rückstand. Die Mannschaft zeigt sich danach ideenlos, alleine Neuzugang Domoraud sorgte für Überraschungsmomente. Glücklos setzte sich die Leistung in den kommenden Runden fort. Das Spiel der Mattersburger ist sehr stark auf Physis und Robustheit aufgebaut, es fehlt teilweise an technischen Fertigkeiten und vor allem an Überraschungsmomenten. Aus den ersten fünf Spielen holte man lediglich zwei Punkte, nach neun insgesamt gar nur vier und wartet weiterhin auf den ersten vollen Erfolg.

Dabei war man vor allem gegen spielerisch stärkere Teams (Remis bei Sturm, Rapid und Salzburg) immer nahe dran an einem vollen Erfolg. In Graz zeigte Mattersburg eine der besten spielerischen Leistungen der letzten Jahre. Das große Manko des Tabellenletzten ist jedoch, dass er sich selten selbst belohnt mit Toren und die Chancenauswertung um einiges besser sein könnte, im Grunde sogar müsste. Immer wieder bringt sich die junge Mannschaft durch Unkonzentriertheiten in der Defensive und leicht vermeidbaren Fehlern im Spielaufbau um die Früchte der Arbeit. Stürmer Patrick Bürger (vier Saisontore bisher) spielt bisher eine gute Saison, in der Offensive ist der SVM aber zu sehr abhängig von der Kaltschnäuzigkeit des Keilstürmer, der vor allem durch sein Kopfballspiel besticht. Michael Mörz versteckt sich nach guten Auftritten im darauf folgenden Spiel zu oft und ist alles andere als der Chef und die Führungsposition am Platz. Gut zeigte sich bisher Mittelfeldspieler Manuel Seidl, der immer wieder durch seine Distanzschüsse für Gefahr sorgt und bei der 2:4-Heimniederlage gegen die Austria bereits einen herrlichen Treffer erzielen konnte (nachdem er auch in Graz bereits traf).

Im Spiel am vergangenen Samstag in Kapfenberg waren die Mattersburger die agilere, zweikampfstärkere und gefährlichere Mannschaft, Mörz sah eine harte rote Karte und wenig später traf der eingewechselte Ordos für die Hausherren unverdienter Weise zum 1:0-Sieg für Kapfenberg. Die unglückliche Niederlage war Sinnbild für die ersten neun Runden für die Burgenländer, die schleunigst ihre Chancenauswertung verbessern sollten und auch ihr Offensivspiel variantenreicher gestalten sollten. In der Defensive steht man auch aufgrund der Größe der Verteidiger sehr stabil, vor allem bei Standards ist dies der Fall.

FAZIT:
Die Mattersburger hätten sich schon den ein oder anderen Punkt mehr verdient gehabt (z.B.: 2:3-Heimniederlage gegen Ried in letzter Sekunde). Lederer geht den Weg mit den jungen Spielern (Gartner, Röcher) konsequent weiter und ist der dienstälteste Trainer aller zehn Vereine. Der Verein muss jedoch vor allem seine Heimbilanz verbessern, wo man aus vier Spielen drei verlor und nur ein Remis verbuchen konnte.

SV KAPFENBERG

Der Start der Kapfenberger war mit einer Heimniederlage, (2:3 gegen Innsbruck) einem 1:1-Unentschieden bei Aufsteiger Admira und dem tollen 3:0-Heimsieg gegen Meister Sturm Graz völlig durchwachsen. Trainer Werner Gregoritsch hat mal wieder den größten Kader aller Bundesligavereine, probierte einiges aus und rotierte immer wieder neue Spieler in die Startelf. Bei Sohn Michael merkte schon nach den ersten vier Runden, dass der 17-Jährige im Sturm überfordert war und den treffsicheren Deni Alar noch nicht ersetzen kann. Neuzugang Danijel Micic überzeugte zunächst im defensiven Mittelfeld, mit Fortdauer fehlte es dem 22-Jährigen wie der gesamten Mannschaft an Konstanz und Zuverlässigkeit. Vor allem in der Defensive liegt das Hauptproblem der Steirer, die mit 20 Gegentreffern die meisten der Liga einstecken mussten und somit die schlechteste Abwehr stellen. Bei der Austria (0:5) und bei Rapid (1:5) setzte es hohe Niederlagen, dies ein Beleg für die Unsicherheiten in der Defensive der Steirer. Innenverteidiger Matej Mavric zeigt sich schon seit Wochen als großer Unsicherheitsfaktor, Nebenmann Taboga fehlt oft die Abstimmung zu seinem Nebenbann im Defensivverbund. Auf den Außenverteidigerpositionen versuchte es Coach Gregoritsch mit verschiedenen Varianten, kehrte aber zu dem offensiv limitierten Naim Sharifi und David Harrer zurück. Auch weil die Alternativen überfordert waren.

Mit Torwart Raphael Wolf verfügt man über einen ausgezeichneten Rückhalt, der kaum Fehler machte und bei den vielen Gegentreffern schuldlos war. Der Heimsieg gegen Mattersburg wird der Elf von Gregoritsch vor allem einen psychologisch-positiven Schub geben, der Trainer sollte jedoch darauf achten, endlich eine Art Stammformation zu finden, denn ansonsten kann es in diesem Spieljahr durchaus eng im Abstiegskampf werden. Im Mittelfeld ist genügend Potential mit Felfernig, Sencar, Gucher oder auch Elsneg vorhanden, nur im Sturm hapert es noch in wenig. Michael Gregoritsch ist noch nicht so weit wie erhofft, Prokoph überzeugte auch nicht wirklich – so ruhen die Hoffnungen auf Rückkehrer Srdjan Pavlov. Der 1,90m große gebürtige Serbe war lange verletzt, könnte aber vor allem durch seine Körperstatur die Bälle im Angriff abschirmen und im Sturmzentrum für Gefahr im gegnerischen Strafraum sorgen.

FAZIT: Es fehlt ein sicherer Abwehrchef und treffsicherer Stürmer. Mit dem 1:0-Sieg gegen Mattersburg verschaffte man sich jedoch ein wenig Luft im Tabellenkeller, eine Steigerung im gesamten Spiel der Kapfenberger ist aber von Nöten. Kompaktheit, Treffsicherheit, Ideenreichtum im Offensivspiel und Sicherheit in der Defensive (vor allem auch bei Standards) sind die wichtigsten Elemente, um im Abstiegskampf diese Saison bestehen zu können.

FC WACKER INNSBRUCK

In Innsbruck gibt es vor allem immer wieder mal Gerüchte um finanzielle Probleme des Vereins, zu wenig Unterstützung durch das Land Tirol und die Politik und Ungereimtheiten innerhalb des Vereins. Fast schon ein Wunder, dass sich die Spieler von all dem nicht beunruhigen lassen und Woche für Woche Leistung bringen. Der einzige Saisonsieg wurde gleich in der ersten Runde beim 3:2 in Kapfenberg geschafft, seitdem wartet die Elf von Trainer Walter Kogler auf einen vollen Erfolg. Die Innsbrucker verkrafteten den Ausfall von Innenverteidiger Svejnoha durch Kofler recht gut, der 22-Jährige überzeugte zunächst als Ersatzmann. Nebenmann Inaki Bea bestach wieder einmal durch seine Routine. Still und heimlich mauserte man sich zum Remis-König der Liga (fünf am Stück) und hatte nichts mit dem Tabellenende zu tun.

Das Spiel der Innsbrucker ist auf eine stabile Defensive aufgebaut. Es gibt jede Menge Spieler mit reichlich Potential (Kofler, Löffler, Köfler, Bergmann), diese müssen jedoch mehr Konstanz und Nachhaltigkeit in ihre Leistungen bringen. Einzig bei den beiden Niederlagen gegen Ried (0:5) und Rapid (0:3) war man chancenlos. Bemerkenswert, dass beide Niederlagen vor heimischem Publikum passierten. Dies ist ein eindeutiger Beleg für das Spiel der Innsbrucker. Die Tiroler tun sich auswärts leichter, warten hier zunächst ab und versuchen durch rasches Umschalten in die Spitze zum Erfolg zu kommen. Gerät die Elf von Trainer Kogler zuhause früh in Rückstand, verliert Innsbruck schnell den Kopf und die nötige Ruhe im weiteren Spielverlauf. Auffällig ist auch, dass arrivierte und erfahrene Spieler wie Schreter oder Harding immer wieder mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen müssen.

FAZIT: Den Innsbruckern fehlen die großen Alternativen im Kader, vor allem mit Spielmacher Merino steht und fällt das Spiel von Wacker. Trainer Walter Kogler wird im Verlauf der Saison jeden Spieler in seinem Kader benötigen. Die Niederlage gegen Rapid war ganz klar und zeigt den Abwärtstrend der Tiroler. Man benötigt unbedingt einen Sieg in den nächsten Runden (Kapfenberg H, Salzburg A, Admira A, Wiener Neustadt H), sonst könnte auch der FCW schnell in den Keller rutschen.

Otto Rosenauer, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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