Wir haben uns mit Ex-Rapidler Samuel Ipoua getroffen und ihm die Fragen der User im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußball-Community, gestellt. Sammy plauderte... Samuel Ipoua im Interview: „Jürgen Klopp sagte mir, dass er eines Tages der beste Trainer Deutschlands sein wird!“

Wir haben uns mit Ex-Rapidler Samuel Ipoua getroffen und ihm die Fragen der User im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußball-Community, gestellt. Sammy plauderte dabei über seine Erfahrungen vor und nach seiner Karriere, die Wiener Austria, Kontakte in internationale Topklubs und auch ein wenig aus dem Nähkästchen. Mit dabei war auch Peter Karlik vom Kurier, der parallel einige Fragen an den ehemaligen kamerunischen Teamspieler stellte.

Santiago82: An welchen Moment bei Rapid erinnerst du dich gerne? Was wird dir unvergessen bleiben?

Samuel Ipoua: Der Anfang war gut – Präsident Kaltenbrunner und Stefan Ebner kamen nach Mailand und schenkten mir sofort Vertrauen. Ich war verletzt und sie kannten mich nicht gut, aber sie haben sofort einen Vertrag aufgesetzt und mir vertraut. Mir wurde gleich warm ums Herz. Als ich nach Wien kam und das erste Spiel sah, sind mir gleich die guten Fans aufgefallen und die Atmosphäre war sehr warm. Ich bin ein Mann mit Temperament und brauche das. Meine Motivation kommt nicht vom Trainer sondern von den Fans. Unvergessen bleiben aber natürlich auch die roten Karten. Ich denke aber, dass nicht alles gerechtfertigt war.

 

Daniel Mandl: Zum Beispiel der Ausschluss in Israel gegen Hapoel Petah Tikva.

Samuel Ipoua: Stimmt. Die Rote in Israel war gar nichts. Außerdem habe ich das Gefühl, dass nach den roten Karte die Sperren immer viel zu hoch waren. Da bestrafte man Ipoua schon härter als man vielleicht andere Spieler bestraft hätte.

 

Daniel Mandl: Du weißt, dass dich die Fans bei Rapid noch immer lieben. Du hast Kultstatus in Wien.

Samuel Ipoua: Dankeschön :- ) Ich liebe die Fans von Rapid auch noch. Gleich im ersten Spiel gab es „Ipoua, Ipoua“-Sprechchöre. Ich bin Afrikaner und kam im Winter nach Wien – mir war eiskalt, aber wenn du dann gleich im ersten Spiel besungen wirst, ist dir gleich warm wie in Afrika. Heute bin ich Kommentator für das französische Fernsehen und jedes Wochenende schaue ich, wie Rapid gespielt hat und wie die Tabelle aussieht. Und wenn ich die Tabelle sehe, bin ich oft traurig, weil ich Rapid gleichauf mit Ried oder Admira sehe – das geht nicht! Dasselbe in der Europa League: Ihr habt gesehen, wie Rapid abgeschnitten hat. Wenn das einer kleinen Mannschaft passiert – OK. Aber bei Rapid geht das einfach nicht und das tut mir weh.

 

Santiago82: Warst du mit deiner Leistung bei Rapid zufrieden?

Samuel Ipoua: Natürlich hätte ich besser sein können, meine Bilanz hätte besser sein können. Aber ich war ja fast immer gesperrt :- ) Die Verantwortlichen haben sich damals auch nicht immer vor mich gestellt und mich beschützt. Familie ist meine Sache, darum kümmere ich mich – aber wenn die Presse und die Schiedsrichter nicht korrekt mit mir umgehen, dann ist es Sache der Verantwortlichen „Stop!“ zu sagen. Als ich damals das Stadion betrat, wurde ich immer sofort von den Schiedsrichtern provoziert und arrogant angesehen. Das habe ich gleich bemerkt und das kann ich nicht leiden. Ich habe dann immer gleich gesagt „ganz locker – ich bin hier um zu spielen“. Aber um zur Frage zurückzukommen: Meine Leistung hätte sicher besser sein können und meine Zeit bei Rapid war leider kurz, aber ich hoffe, dass ich jetzt anders helfen kann.

 

Peter Karlik: Das heißt, deine Mission bei Rapid ist noch nicht zu Ende?

Samuel Ipoua: Voilá! Ich kann mit Werner Kuhn, Stefan Ebner, dem neuen Sportdirektor oder Peter Schöttel sprechen – wieso sollte ich nicht versuchen zu helfen? Rapid kann von mir profitieren, weil ich viele Kontakte habe. Ich habe gute Kontakte zu Arsene Wenger von Arsenal, zudem Real Madrid, Inter Mailand, Paris St. Germain…

 

Daniel Mandl: Du hast regelmäßigen Kontakt mit diesen Klubs?

Samuel Ipoua: Ja. Immer wenn die französische Nationalmannschaft spielt, spreche ich mit Arsene Wenger. Ich kann immer zu Arsene gehen und ihn fragen, ob er nicht einen guten jungen Spieler hat, der in der ersten Mannschaft nicht zum Zug kommt und möglicherweise ein Thema für Rapid ist. Es gibt auch gute junge Spieler in Nizza, Toulouse oder Bordeaux – und ich habe Kontakt zu all diesen Vereinen. Das ist es was ich für Rapid machen möchte. Ich kann gut mit Leuten sprechen und man darf nicht glauben, dass ich der Sammy von früher bin. Das ist Vergangenheit.

 

Peter Karlik: Wie war das mit Gegenspielern wie Rashid Rachimov oder Andreas Ogris? Haben die dich auch so arrogant behandelt wie die Schiedsrichter?

Samuel Ipoua: Ich bin sicher, wenn ich ein Lokal mit Ogris oder Rachimov gehen würde, hätten wir vielleicht eine gute Zeit und würden uns gut verstehen. Sie sind so wie ich Leute mit Temperament und die sind fast immer gut. Ich habe kein Problem mit Ogris oder Rachimov, ich habe nur ein Problem mit der Austria und möchte gegen diesen Verein immer gewinnen. Ich mag einfach Violett nicht :- )

 

Daniel Mandl: Was ist damals mit Rachimov und Ogris passiert?

Samuel Ipoua: Wie ich schon sagte – wenn ich auf Violett treffe, werde ich eben nervös :- ) Einmal war ich verletzt und ging auf Reha – und auch Rachimov war dort. Er kam weiß gekleidet, wir haben geredet, „hallo, wie geht’s“, alles kein Problem – aber wenn er ein Trikot anhat, ist es vielleicht etwas anderes.

 

Peter Karlik: Das heißt, du würdest auch keinen violetten Pullover tragen?

Samuel Ipoua: Weißt du was? Nachdem ich von Rapid wegging, kamen Leute von Austria und Sturm Graz. Ich habe gesagt, dass ich momentan keine Mannschaft habe, aber es ist besser, wenn das auch so bleibt. In Österreich kann ich nur für Rapid spielen – ich würde eher nach China gehen als für eine andere österreichische Mannschaft zu spielen. Ich weiß nicht mehr, wie der Mann von Sturm Graz hieß, aber er lachte als ich ihm gesagt habe, dass ich grün hierher kam und auch grün gehen werde.

 

StepDown: Hast du Andi Ogris nach deinem Karriereende nochmal getroffen – bzw. habt ihr euch verstanden?

Samuel Ipoua: Leider nicht, nur auf dem Platz. Das finde ich schade.

 

Daniel Mandl: Vielleicht hätte es ja abseits des Platzes auch mit ihm funktioniert…

Samuel Ipoua: Ja, natürlich.

 

Santiago82: Hast du noch Kontakt zu Rapidlern?

Samuel Ipoua: Ich hatte früher Kontakt mit Andy Heraf, ein bisschen mit Michael Konsel und Trifon Ivanov. Aber es ist schon lange her, damals gab’s eben noch kein Facebook und andere Kommunikationswege. Die Mannschaft damals war wirklich gut – zum Beispiel Kühbauer, ein Mann mit Temperament, ich mochte das. Ich bin sicher, dass wir auch heute noch eine gute Zeit hätten, wenn wir uns wiedersehen. Sportlich war die Zeit bei Rapid enttäuschend, aber sie war eine gute Erfahrung und nicht schlecht für mich.

 

Daniel Mandl: Hast du in den Tagen, in denen du in Österreich zu Besuch bist, Kontakt mit Ebner oder Kuhn gesucht?

Samuel Ipoua: Ja. Ich liebe Rapid und das sage ich nicht einfach nur so. Das letzte Mal, als ich mit Stefan Ebner gesprochen habe, sagte ich ihm, dass ich helfen möchte, dass Rapid nach oben kommt. Vielleicht nicht in Europa, aber in Österreich schon. Ich kann Rapid dabei helfen, indem ich gute Spieler suche – man kann über alles reden, Kommunikation ist wichtig und ich kann mit korrekten Leuten gut sprechen. Ich kann über meine Kontakte versuchen, junge Spieler für Rapid zu finden und Peter Schöttel kann sich dann selbst ein Bild von ihnen machen.

 

Peter Karlik: Denkst du, dass zum Beispiel junge Arsenal-Spieler, die derzeit nicht zum Zug kommen, nach Österreich wechseln würden?

Samuel Ipoua: Es geht immer um Kommunikation. Ich bin sicher, dass der Verein mir einen jungen Spieler überlassen würde, wenn er dadurch Spielpraxis sammeln könnte. Man kann natürlich nie sagen, dass etwas hundertprozentig funktioniert, aber es ist trotzdem sehr wahrscheinlich. Hundertprozentig ist nur der Tod. Aber wenn zum Beispiel Schöttel mit mir zu Arsene Wenger gehen und mit ihm essen würde, hat man sicher Chancen zusammenarbeiten – warum auch nicht? Man muss nur mit den Leuten reden.

 

Daniel Mandl: Hast du noch Kontakt nach Douala, Kamerun?

Samuel Ipoua: Daniel, das ist mein Land! ;- ) Ich bin jeden Sommer in Kamerun.

 

Daniel Mandl: Denkst du, dass es auch in Kamerun interessante Spieler für Rapid gäbe bzw. ist es schwer diese Spieler zu holen? Es sind ja doch sehr viele große Vereine stark am afrikanischen Markt vertreten.

Samuel Ipoua: Ja, natürlich. Ob es schwer ist, ist wieder Kommunikationssache. Aber ich bin aus Kamerun, also wer könnte es besser als ich? Wer könnte es bei Rapid besser?

 

Daniel Mandl: Hast du einen grundsätzlichen Marktüberblick über den kamerunischen Fußball? Bist du in Kamerun häufig bei Vereinen zu Gast?

Samuel Ipoua: Ja, habe ich. Ich habe durch meinen Job beim Fernsehen nicht sehr viel Zeit, um mir regelmäßig Spiele anzusehen, weil ich zum Beispiel immer die Europa League Spiele sehe, werde aber auch immer wieder aus Kamerun angerufen und bekomme wertvolle Spielertipps.

 

Daniel Mandl: Denkst du, dass man in Kamerun auch „gestandene“ Spieler findet, Mitte/Ende 20? Oder ist das eher ein Markt für sehr junge Kicker?

Samuel Ipoua: Ja, findet man sicher auch. In Brasilien ebenso. Ich habe auch dorthin einen Kontakt zu einem ehemaligen Mitspieler von Nizza.

 

Peter Karlik: Wirst du von Rapid gehört?

Samuel Ipoua: Ich habe kein Problem mit Kuhn oder Ebner, sie hören mich, aber sie hören mich nicht, wie ich gehört werden will. Es darf niemand glauben, dass ich irgendjemandem den Job wegnehmen möchte – ich will einfach nur helfen und bin zufrieden, wenn ich das gut mache.

 

Daniel Mandl: Hast du auch anderen Vereinen schon Spieler empfohlen?

Samuel Ipoua: Ich habe das bereits für Nizza gemacht. Aber dort ist mittlerweile ein neuer Trainer und ich habe meinen Job beim Fernsehen und mache Sommercamps, somit hatte ich zuletzt etwas weniger Zeit.

 

Santiago82: Wann warst du das letzte Mal bei einem Rapid-Spiel?

Samuel Ipoua: Rapid gegen Austria vor zwei Jahren. Wir haben gewonnen. Und morgen bin ich in Wiener Neustadt [das Interview wurde am 14.12. geführt, Anm.]

 

GrüneJacke: Erzählen Sie uns bitte ein wenig über Ihr Leben nach der aktiven Karriere!

Samuel Ipoua: Ich habe nach meiner aktiven Karriere einen kompletten Stop gemacht. Ich bin ein bisschen gereist, war in Miami, habe mit Freunden Golf gespielt. Aber das hat mir bald gereicht. Beim Golfen war ich immer schlecht, also habe ich wieder einen Stop gemacht. Danach habe ich mit Freunden ein Camp in der Nähe von Toulouse aufgebaut. Und was ich auch nach meiner aktiven Karriere begann und immer noch mache, ist Fußballspielen mit Blinden. Mit der französischen Blindenmannschaft habe ich trainiert, sie wurden Zweiter bei den Paralympics hinter Brasilien. Das mache ich seit drei Jahren und wenn ich diesen Sportlern zuschaue, muss ich weinen. Fußball selbst ist schon schwer, selbst wenn du alles hast. Wenn du blind bist, ist es natürlich noch viel schwerer und ich habe großen Respekt vor diesen Menschen. Ich habe es selbst versucht: Geht nicht. Ich kenne die Lebensgeschichte einiger dieser Spieler und bin immer sehr gerührt, wenn ich mit ihnen spiele. Ein paar Freunde verstehen nicht, wieso ich das mache – ich bekomme kein Geld dafür, aber diese Menschen geben mir etwas Besonderes. Ich war immer ein Spieler, der mit Herz spielte und diese Leute tun das auch.

 

Peter Karlik: Warst du Trainer von dieser Mannschaft?

Samuel Ipoua: Nein, aber ich war zuerst mit dem Fernsehen für eine Reportage bei dieser Mannschaft und bin dann geblieben. Wenn sie gefragt haben, ob ich mit ihnen spielen möchte, war ich immer da.

 

Daniel Mandl: In der Saison 2007/08 warst du Trainer bei Rodéo FC Toulouse. Das war deine erste Trainerstation – wie kam das zustande?

Samuel Ipoua: Ich war bei einem Freund in Marseille und traf dort den Präsidenten von Rodéo FC Toulouse. Ich kannte ihn nicht, er stellte sich vor und erzählte mir, dass er der Chef eines französischen Viertligisten ist. Dann begannen wir über seine Mannschaft zu sprechen und ich habe ihm gesagt, dass er einiges falsch macht und die falschen Spieler hat. Ich erklärte ihm, um welche Spieler er sich bemühen muss und warum. Er brauchte einen Stürmer, der aus drei Chancen zwei Tore macht, oder zum Beispiel den einen oder anderen Spieler, der auf vier Positionen eingesetzt werden kann. Das Team hatte einen 20-Mann-Kader, aber zu viele Spieler, die nicht flexibel genug waren und ausschließlich auf einzelnen Positionen eingesetzt werden konnten. Der Präsident meinte, dass ihm das sein Trainer bisher nicht sagte. Also lud er mich nach Toulouse ein und wollte den bisherigen Trainer durch mich ersetzen. Ich habe ihm gesagt, dass er das so nicht machen kann, weil er mit dem bisherigen Trainer gerade einen Vertrag machte und dieser sich mit seiner Familie in Toulouse einrichtete. Da kannst du nicht einfach sagen, dass er jetzt wieder gehen muss. Also habe ich es gemeinsam mit ihm gemacht und hatte eine gute Kommunikation mit ihm. Aber der Präsident war etwas seltsam – er wechselte plötzlich die ganze Mannschaft aus, holte 20 neue Spieler und so konnte ich nicht mehr arbeiten. Die Arbeit mit ihm war mir nicht mehr ehrlich genug.

 

GrüneJacke: Was würden Sie afrikanischen Fußballern raten, bevor sie nach Österreich wechseln?

Samuel Ipoua: Zuerst würde ich ihm sagen, dass es kalt ist :- ) Und er muss wissen, dass der österreichische Fußball sehr körperbetont ist und er mit Herz spielen muss, um die Fans hinter sich zu bringen. Außerdem wirst du immer gewinnen, wenn du mit den Leuten ehrlich umgehst.

 

Daniel Mandl: Bei welchem deiner Vereine wurde am professionellsten gearbeitet?

Samuel Ipoua: Inter Mailand vor Torino. Aber auch 1860 München war gut. Nizza war ganz locker, noch dazu bin ich ein Kind Nizzas. Dort kam die südfranzösische Mentalität durch, wenn ich nicht trainieren wollte, dann trainierte ich eben nicht.

 

Daniel Mandl: Wie war es in Mainz und Aalen?

Samuel Ipoua: Aalen war amateurhaft. Zu Mainz gibt es eine Geschichte: Ich spielte damals mit Jürgen Klopp zusammen und er war mein Zimmerkollege im Trainingslager. Nach dem Training war ich immer müde, aber Klopp hat immer noch ein großes Bier getrunken. Und während er trank sagte er: „Sammy, weißt du was?“ – ich war völlig K.O. und sagte: „Jürgen, bitte, lass mich schlafen, ich kann nicht mehr“ – darauf er: „Nein nein nein, du musst hören, was ich dir sagen will! Sammy, eines Tages bin ich der beste Trainer Deutschlands“.  Ich musste lachen und sagte: „Jürgen, bitte, trink dein Bier, aber lass‘ mich in Ruhe“.  Jürgen war immer schon intelligent und er war einer, der schon als Spieler zu mir gesagt hat: „Sammy, wenn ich eines Tages dein Trainer bin, wirst du der beste Fußballer in Europa sein! Ich kenne keinen anderen Spieler mit deiner Qualität.“ – der Trainer in Mainz war damals Eckhard Krautzun. Er wollte immer, dass wir laufen gehen – nichts als laufen! Einmal haben wir in Berlin verloren und er schickte uns sofort alle zum Laufen in den Wald. Ich habe ihm gesagt, dass er alleine laufen gehen soll, ich muss zu meinem Kind nach Hause. Darauf meinte er „doch, du gehst jetzt in den Wald laufen!“ – und ich: „Nein, tu ich nicht“.

 

Peter Karlik: Ich habe heute mit Peter Schöttel telefoniert und habe ihn gefragt, ob er Anekdoten über dich hat. Er meinte, dass du nie mit Socken trainiert hast. Stimmt das?

Samuel Ipoua: Ja, manchmal habe ich auch ohne Socken gespielt. Ich schneide die Socken vorne ab, damit meine Zehen frei sind, so habe ich ein besseres Feeling.

 

Peter Karlik: Er sagte außerdem, dass er hofft, dass du mittlerweile ein besserer Autofahrer bist, als damals. In der Keißlergasse soll immer etwas passiert sein, wenn du mit dem Auto vorgefahren bist…

Samuel Ipoua: Ja, das ist richtig, aber ich weiß nicht wieso, ich fahre ganz normal :- ) Einmal sagte ich zu Marek Penksa, dass ich ein kleines Rennen machen will. 200 Meter, unter der Unterführung in Hütteldorf. Er sagte nur: „Du bist ja verrückt“ – und ich so: „Jaaa!!!“. Aber er hat gewonnen, weil er einen Ferrari hatte…

 

Daniel Mandl: Wer war damals bei Rapid dein bester Freund im Team?

Samuel Ipoua: Ich habe eigentlich mit allen ein gutes Feeling gehabt. Mit Krzysztof Ratajczyk weniger, er war immer vulgär, mit ihm war es etwas schwerer. Ich bin sicher, dass ich mit ihm nie nach Miami Golfspielen gehen werde. Gut war’s mit Heraf, Kühbauer, Pürk und Stumpf. Guten Kontakt hatte ich noch mit Konsel und Ivanov. Auch mit Dokupil und Feurer war alles gut. Dokupil ist ein guter Mensch. Wäre Dokupil nicht gut gewesen, wäre ich vielleicht nur drei Monate bei Rapid geblieben, aber er hat mir sehr geholfen, viel mit mir gesprochen.

 

Peter Karlik: Hast du Probleme mit Rassismus gehabt?

Samuel Ipoua: Bevor ich zu Rapid kam, habe ich niemals Rassismus erlebt. Wo ich hier in Wien Rassismus erlebt habe, war nicht im Stadion, sondern mit der Polizei. Wenn ich aus dem Urlaub aus Frankreich gekommen bin, haben mich die Polizisten am Flughafen sofort kontrolliert und meine Tasche auseinandergenommen – da hat das angefangen. Wenn ich in Wien unterwegs war und etwas getrunken habe, war immer sofort vor dem Lokal die Polizei da und ließ mich Alkotests machen. Einmal war meine Mutter zu Besuch und ich habe spätabends Heißhunger auf Schokolade bekommen. Also habe ich mich ins Auto gesetzt und fuhr zur Tankstelle, weil ich Schokolade kaufen wollte. Ich steige bei der Tankstelle aus und da war schon wieder die Polizei. Und gleich kam die Frage, was ich da mache. Ich habe gefragt, wo das Problem ist und er meinte, dass ich ihm zu antworten habe, wenn er mir eine Frage stellt. Ich habe gesagt, dass er seine Klappe halten soll und ich mache, was ich will. Ich habe nichts gemacht. Ich bin dann wieder ins Auto eingestiegen und nach Hause zu Mutti gefahren, aber die Polizei ist mir nachgefahren und stand plötzlich wieder vor meiner Türe. Zum Glück war meine Mutter da, das hat die ganze Situation beruhigt. Einmal haben sie mich aufgehalten und gefragt, ob ich etwas getrunken habe. Ich trinke keinen Alkohol, habe aber auf die Frage „hast du etwas getrunken“ gesagt „ja, viel“… dann musste ich einen Alkotest machen und die Polizisten meinten danach: „Du hast doch nichts getrunken!“ – ich habe gesagt, dass er eine schlechte Frage gestellt hat. Wenn er mich fragt, ob ich Alkohol getrunken habe, dann sage ich „nein“. Aber wenn er fragt, ob ich etwas getrunken habe, sage ich „ja“, weil ich den ganzen Tag Wasser getrunken habe. Ist ja logisch. Zurück zur Frage: Ich hatte nie Probleme mit Gegenspielern am Platz, ich hatte nie Probleme, wenn ich am Abend ins Restaurant gegangen bin, auch mit den Schiedsrichtern gab’s nie Probleme. Nur mit der Polizei.

 

Daniel Mandl: Was wärst du geworden, wenn du kein Fußballer geworden wärst?

Samuel Ipoua: Puh, schwer… Daniel, in der Schule war ich schlecht. Also nicht nur schlecht, sondern ganz schlecht. Ich saß immer hinten in der Ecke und hatte meine Hände in der Tasche. Ich habe immer alles gehört, was die Lehrerin gesagt hat und war sicher nicht dumm, aber ich war immer ein verbaler Mensch. Schreiben war nie meins. Anderer Beruf? Vielleicht wäre ich Feuerwehrmann geworden, oder Polizist :- )

 

stowasser: Herr Ipoua, wie feiern Sie Weihnachten?

Samuel Ipoua: Ich will einfach mit guten Leuten zusammen sein. Ich bin ja jetzt groß, ich brauche sonst keine Geschenke.

 

Das Interview führten Daniel Mandl und Peter Karlik (Kurier)

Hier findet ihr das Interview des Kurier!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • tramina

    20.Dezember.2012 #1 Author

    Super Interview.
    Bei den ersten beiden Sätzen von Sammy hats mir allerdings gleich einen Stich gegeben…

    „Der Anfang war gut – Präsident Kaltenbrunner und Stefan Ebner kamen nach Mailand und schenkten mir sofort Vertrauen. Ich war verletzt und sie kannten mich nicht gut, aber sie haben sofort einen Vertrag aufgesetzt und mir vertraut.“
    Verletzten Spielern die man nicht gut kennt gleich einen Vertrag zu geben passt wieder mal wie die Faust aufs Aug…

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