Bei der Austria herrscht aktuell nahezu kein Tag ohne eine Neuigkeit möchte man meinen. Ein weiteres neues Gesicht und der mittlerweile sechste Neuzugang der... Spielerinfo: Das ist der neue Austria-Stürmer Alon Turgeman

Bei der Austria herrscht aktuell nahezu kein Tag ohne eine Neuigkeit möchte man meinen. Ein weiteres neues Gesicht und der mittlerweile sechste Neuzugang der Wiener Austria wurde nämlich erst kürzlich vorgestellt. Dabei handelt es sich um den israelischen Nationalstürmer Alon Turgeman, der ablösefrei vom heimischen Tabellenvierten Hapoel Haifa in die österreichische Bundeshauptstadt wechselt und einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat. Doch wer ist dieser 26-Jährige Turgeman, dessen Visitenkarte doch etwas komisch anmutet? Mit dieser Frage wollen wir uns nun eingehender beschäftigen.

Berg- und Talfahrt in der Karriere des Alon Turgeman

Der israelische Angreifer feierte in der Saison 2010/2011 im zarten Alter von 19 Jahren sein Profidebüt für seinen  Heimatklub Hapoel Petah Tikva, der zum damaligen Zeitpunkt in den unteren Tabellenregionen der höchsten Spielklasse angesiedelt war. In seiner Debütsaison gelangen Turgeman bei seinem abstiegsbedrohten Verein in 25 Einsätzen immerhin 6 Treffer, womit er einen wichtigen Beitrag zum Klassenerhalt beitragen und sich in vielen Notizbüchern verewigen konnte. Daher folgte die Saison darauf auch der nächste Karriereschritt des jungen Angreifers und es ging zum israelischen Spitzenclub Maccabi Haifa. Nachdem er in den ersten beiden Saisonen meist in der Rolle als Ergänzungsspieler fungierte, folgte im dritten Jahr und in der Saison 2013/14 der endgültige Durchbruch zum Stammspieler und Leistungsträger. Turgeman konnte 15 Treffer verbuchen und wurde dadurch drittbester Torschütze der Liga – hinter Leuten wie Eran Zahavi und einem gewissen Omer Damari, der mit 21 Toren Torschützenkönig wurde und dadurch den Sprung zur Austria schaffte. Somit kam er nach den ersten drei Saisonen bei Maccabi Haifa in 84 Spielen auf immerhin 27 Treffer, und das oft auf der Position des Flügelstürmers.


Video seiner ersten drei erfolgreichen Jahre bei Maccabi

Nach seiner besten Karriereleistung in der Saison 2013/14, folgte im nächsten Jahr darauf jedoch der völlige Einbruch. Nicht nur, dass nach seiner starken Saison der Trainer seines Vertrauens den Verein verließ, es wurden auch zwei neue Stürmer verpflichtet – u.a. auch der israelische Nationalstürmer Iltay Shechter, der aus dem Ausland zurückehrte. Unter dem neuen Trainer fand er sich in der Saison 2014/15 nicht mehr wirklich zurecht und war bereits zu Saisonstart meist nur auf der Bank. Aber auch unter den nachfolgenden zwei Trainern, die in diesem turbulenten Jahr das Zepter innehatten, fand Turgeman nicht zu alter Stärke zurück. Da die Trainer nun auf andere Spieler setzten, pendelte er häufig zwischen der Ersatzbank und dem Spielfeld und konnte nicht wirklich überzeugen, weshalb seine Spielzeit im Vergleich zur vorherigen Saison um fast zwei Drittel schrumpfte und er in 2014/15 nur drei Tore erzielen konnte. Mit den Problemen des Vereins und dem kontinuierlichen Absturz aus der Spitzengruppe Israels in den nachfolgenden Jahren, fand auch Turgeman nicht mehr zurück in die Spur und konnte seine starke Spielzeit 2013/14 nicht bestätigen. Im Gegenteil, in der Saison 2015/16 kam er überhaupt nur mehr auf ganze sieben Einsätze, womit er das erste Mal in seiner Laufbahn weniger als 20 Spiele in einer Saison absolvierte.

Nach dieser verkorksten Saison, war für Turgeman die Zeit für eine Veränderung gekommen. Es ging zum Traditionsverein Hapoel Tel-Aviv, wohin er für die Saison 2016/17 ausgeliehen wurde. Diese Entscheidung sollte sich im Nachhinein als schlecht erweisen, denn bei Hapoel ging es aufgrund finanzieller Probleme drunter und drüber und man kämpfte ums nackte Überleben. Man konnte den Abstieg zwar gerade noch so verhindern, aber Turgeman spielte dabei faktisch keine Rolle, kam nur zu 14 Einsätzen und erzielte dabei einen mickrigen Treffer. Also hieß es erneut Abschied nehmen und die Sachen packen, allerdings blieb er in Tel-Aviv und ging zu Bnei Yehuda, einem Mittelständler der heimischen Liga. Bei einem kleineren Verein und mit dem ruhigeren Umfeld fand er nach zwei katastrophalen Jahren endlich wieder in die Spur zurück und ergatterte sich einen Stammplatz in der Mannschaft. Zwar fand er sich mit seinem neuen Arbeitgeber erneut im Abstiegskampf wieder, jedoch etablierte er sich immerhin als Fixpunkt und machte insgesamt 31 Spiele, in denen er als bester Torschütze seiner Mannschaft vier Treffer erzielen konnte und zum Klassenerhalt seinen Beitrag leistete. Viel wichtiger waren jedoch seine drei Tore im Cup, mit denen er seinem Verein den Weg ins Finale ebnete. Dort gelang dann als krasser Außenseiter die Sensation und man konnte den Vizemeister und Spitzenverein Maccabi Tel-Aviv im Elfmeterschießen bezwingen und sich so zum israelischen Cupsieger krönen.

Als frischgebackener Pokalsieger lief nicht nur die Leihe bei  Bnei Yehuda aus, sondern auch seine Zeit bei Maccabi Haifa war nun endgültig vorbei, weshalb er als ablösefreier Spieler auf dem Markt war. Turgeman entschied sich für einen Wechsel zu Hapoel Haifa und damit für einen Verein, der ebenfalls meist eher in den unteren Tabellenregionen beheimatet war. Er unterschrieb einen Einjahresvertrag (12.000€ Netto-Monatsgehalt) und wollte diesen Schritt als Chance wahrnehmen, um sich für einen nächsten größeren Schritt zu empfehlen. Und dieser Plan sollte letztendlich auch für Alon Turgeman voll aufgehen. Bewerbsübergreifend erzielte er beim Überraschungsteam der Saison in 40 Spielen 17 Tore, wurde in der Liga einer der treffsichersten Stürmer (12Tore / 3 Vorlagen) und verhalf so seiner Mannschaft zum vierten Tabellenrang, was für Hapoel Haifa die beste Platzierung seit dem Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse im Jahre 2009 war. Darüber hinaus steuerte er auch noch fünf Treffer im Pokal bei und erreichte dort mit seiner Mannschaft erneut das Finale. Im Endspiel krönte er sich im Spiel gegen Beitar Jerusalem zum zweiten Mal infolge zum Pokalsieger und konnte beim 3:1 Sieg nach Verlängerung auch noch einen wichtigen Treffer beisteuern.

Die guten Leistungen blieben auch dem israelischen Nationaltrainer nicht verborgen, weshalb er Turgeman bereits im März im Testspiel gegen Rumänien sein Debüt feiern ließ. Mit der Einberufung ins Nationalteam krönte er nicht nur seine starke Saison, sondern wurden immer mehr Vereine auf den 26-Jährigen Stürmer aufmerksam. Die beiden Spitzenvereine Maccabi Tel-Aviv und Hapoel Beer Sheva zeigten reges Interesse, wobei der israelische Meister Hapoel Beer Sheva Turgeman mit einem 300.000 $ Jahresgehalt köderte. Doch der Stürmer erklärte relativ rasch, dass sein erklärtes Ziel das Ausland sei und er diesen Schritt wagen möchte, was viele Hapoel-Haifa-Fans wohlwollend zur Kenntnis nahmen. Aber auch aus dem Ausland mangelte es nicht an Interessenten. So sollen laut israelischen Medienberichten russische, holländische und belgische Vereine Interesse an Turgeman gezeigt haben. Auch aus der heimischen Liga wollte mit Pokalsieger Sturm Graz ein Konkurrent der Austria den ablösefreien Nationalspieler verpflichten und soll sogar ein finanziell besseres Angebot abgegeben haben. Doch der Stürmer deklarierte sich dennoch für die Violetten, die dabei wohl von vergangenen erfolgreichen israelischen Transfers profitierten, wodurch man sich in Israel bereits einen guten Namen machen konnte.

Quelle: us.soccerway.com

Was für ein Spielertyp ist dieser Alon Turgeman?

Nachdem wir die Karriere von Alon Turgeman etwas Revue passieren ließen, widmen wir uns nun eingehender dem Fußballer dahinter. Dabei werfen wir zunächst einen Blick auf die Rolle des Stürmers bei Hapoel Haifa. Im asymmetrischen 4-3-3/4-5-1 von Haifa kam Turgeman hauptsächlich als einzige Spitze an vorderster Front und nur selten auf seiner Nebenposition auf dem Flügel zum Einsatz, wobei man vom System her sehr variabel agierte und dieses laufend veränderte. Mal lief man im 5-3-2 auf, dann wieder im 4-1-4-1 und ein 4-4-2 gab es auch schon zu sehen. Die Spielanlage seines Vereins wird bei einem Blick auf die Tabelle bzw. bei der Tordifferenz sofort erkennbar (46:39). In 36 Spielen erhielt man nur 39 Gegentore, was ein Schnitt knapp über einem Treffer pro Spiel bedeutet. Diese Tatsache wird auch gleich ersichtlich, wenn man sich Spiele von  Hapoel Haifa ansieht. Die Mannschaft von Erfolgstrainer Nir Klinger legt großen Wert auf die defensive Organisation und das Spiel gegen den Ball. Man verteidigt relativ tief und versucht die Räume eng zu halten, wobei Turgeman dahingehend meist mit der einfachen Deckung/Orientierung des Sechsers beauftragt war oder einen Innenverteidiger anlaufen sollte. Pressing spielt man nur höchstens situativ und eher selten, es galt nämlich vordergründig, die eigene Hälfte so gut es geht dicht zu machen und die Passwege zuzustellen. Dadurch hatte man zwar meistens weniger Ballbesitz als der Gegner, agierte jedoch äußerst effektiv und hatte trotz weit geringerer finanzieller Möglichkeiten eine ähnlich gute Defensive wie die beiden Spitzenteams Maccabi und Beer Sheva.

In der Offensive legte man naturgemäß viel Wert auf das Umschaltspiel,  wechselte jedoch immer wieder zwischen schnellen Kontern und längeren Ballbesitzphasen – je nach Situation. Und in beiden Phasen spielte Turgeman eine wichtige Rolle im System von Haifa. Der Stürmer hatte die Aufgabe, einerseits die Tiefe und den Raum hinter der Abwehr zu attackieren, andererseits sollte er immer wieder auf den Flügel ausweichen und Räume für seine Mitspieler schaffen – insbesondere für Kapitän Ben Basat, der nominell auf dem linken Flügel agierte, sich jedoch mit Turgeman gelegentlich abwechselte oder auch mal gemeinsam im Sturmzentrum auftauchte – wodurch das 4-3-3 System eben oft asymmetrisch wurde. Der Stürmer sollte also nicht nur vorne auf Bälle warten, sondern Räume für Mitspieler schaffen und sich auch mal fallen lassen, um sich am Kombinationsspiel zu beteiligen oder Bälle zu sichern.

Es war relativ bald klar, dass der Trainer von Hapoel Haifa sein System entsprechend auf das vorhandene Spielerpersonal anpasste. Womit wir zum Spielerprofil von Alon Turgeman kommen. Der israelische Nationalspieler ist ein spielstarker Stürmer. Er beteiligt sich gerne aktiv am Kombinationsspiel seiner Mannschaft und bietet sich immer wieder als Anspielstation an, sei es in der Mitte oder auf der Außenbahn. Dabei kommen ihm seine technischen Vorzüge zur Hilfe, die dem Israeli dieses Unterfangen merklich erleichtern. Beeindruckend ist bei Turgeman zweifellos seine Ballverarbeitung. Selbst unter Druck gelingt es ihm immer wieder den Ball sauber zu verarbeiten, wobei speziell sein erster Ballkontakt gut ist und ins Auge sticht. Oft macht er sich diese Qualität zunutze, um sich dynamisch von Gegenspielern wegzudrehen bzw. sich zu lösen, was eine hohe technische Qualität erfordert:


Beispielszene Minute 2:10

Durch seine gute Ballverarbeitung ist er fortlaufend in der Lage den Ball sauber anzunehmen und zu seinen Mitspielern weiterzuleiten. Durch diese Stärke unterlaufen ihm wenige Fehler und er agiert sehr sicher bei der Verteilung und beim „Prallenlassen“ der Bälle. Er spielt auch gerne ansatzlos den Ball mit dem Außenrist weiter oder schneidet den Ball gekonnt an, um ihn zum Mitspieler zu passen. Darüber hinaus zeigt er vor der Ballannahme auch Schulterblicke, womit er das Spielfeld scannt und Informationen sammelt, wodurch er seine Entscheidungsfindung erleichtert. Hinzu kommt, dass er trotz seiner Körpergröße von 1,79 Metern den Ball sehr gut abdecken kann. Er versteht es, seinen Körper einzusetzen und sich um den Gegner herum zu schlingen, um den Ball abzuschirmen und ihn zu sichern. Dadurch ermöglicht er seinen Mitspielern das Nachrücken und verschafft seinem Team Zeit, was bei seiner tiefstehenden Mannschaft sehr wichtig war.

Zwar weiß Turgeman seinen Körper gut einzusetzen, der Athletischste ist er jedoch nicht. Sein Antritt und seine Beweglichkeit sind eher durchschnittlich und er braucht ein paar Meter, um in Fahrt zu kommen. Er ist also keiner, der dem Gegner auf- und davonläuft, wobei seine Grundschnelligkeit durchaus in Ordnung ist. Dadurch ist es für ihn gegen schnelle Verteidiger umso wichtiger, bei seinen Läufen ein gutes Timing zu besitzen, um sich einen kleinen Vorsprung zu erarbeiten. Ein Kopfballungeheuer ist Turgeman ebenfalls nicht und sollte im Normalfall eher flach angespielt werden. Im Passspiel ist er auf den kurzen Distanzen zwar gut und weist mit 80 Prozent als Stürmer eine sehr ordentliche Passquote auf, er wird jedoch je weiter die Entfernung wird umso ungenauer und schlampiger. Komplexe und wohltemperierte Schnittstellenpässe wird man von ihm also eher nicht sehen, sondern meistens vor allem sichere Kurzpässe und auch mal technisch schöne Ablagen. Allgemein ist der Israeli kein spektakulärer Spieler und konzentriert sich eher darauf die einfachen Dinge richtig und sauber zu machen. Er ist also keiner, der auf eigene Faust mehrere Gegenspieler ausdribbelt bzw. mit Einzelaktionen kontinuierlich zum Torerfolg kommt, sondern er muss mit Bällen gefüttert und entsprechend eingesetzt werden. Er geht zwar auch gerne ins Dribbling und kann auch mal eines für sich entscheiden, jedoch ist seine Trickkiste nicht die Allergrößte und beschränkt sich meist auf Körpertäuschungen. Allerdings ist er eben durchaus auch in der Lage, Situationen einzuleiten und Mitspieler in Szene zu setzen – durch seine gute Ballverarbeitung und Technik.

Weitere Stärken sind zunächst einmal sein gutes Bewegungsspiel. Er weicht viel aus und versucht Räume für Mitspieler zu schaffen, hat einen guten Tiefgang und ein passendes Timing, wodurch er nur selten ins Abseits läuft und meist im richtigen Moment startet. Er versteht es sich aus dem Blickfeld der Verteidiger zu stehlen, positioniert sich gerne zwischen ihnen oder setzt sich nach außen ab, um quasi im Hintergrund auf Pässe zu lauern, was man bei ihm sehr oft sieht. Er gehört also eher nicht zu den Stürmertypen, die stur auf die erste Stange gehen, sondern variabel agieren und gerne etwas im Hintergrund lauern.

Eine positive Eigenschaft ist zweifellos seine Beidbeinigkeit. Er führt den Ball zwar mit dem rechten Fuß, aber im Abschluss kann er mit beiden Beinen gezielt abziehen und man merkt bei ihm keinen Unterschied, was für einen Stürmer sehr vorteilhaft ist und er dadurch seine Tore rechts wie links macht. Sein Abschluss ist allgemein recht ordentlich und er versucht seine Schüsse meist gezielt zu platzieren. Er ist außerdem sehr mannschaftsdienlich, versucht seine Ballkontaktzeiten kurz zu halten und den Ball schnell zu seinen Mitspielern weiterzuspielen. Seine mannschaftsdienliche Spielweise zeigt sich auch im Spiel gegen den Ball, wo er sehr diszipliniert agiert. Er übernimmt ohne zu Murren auch mal in der eigenen Hälfte die Arbeit von Kapitän und Linksaußen Ben Basat, aber auch bei knappen Spielständen ist er tief in der eigenen Spielhälfte zu finden und beteiligt sich an der Defensivarbeit.

Seine „Mannschaftsdienlichkeit“ wird ihm jedoch auch manchmal zum Verhängnis. Es ist nämlich ein schmaler Grat mit dem Räume schaffen und Mitspieler einsetzen, denn dadurch birgt es die Gefahr, dass dies auf Kosten der eigenen Torgefahr geht und man nicht „tororientiert“ genug agiert. Dadurch hat er auch Phasen in seinem Spiel, wo er nicht so richtig auffällt und weniger präsent ist. Wobei man auch anmerken muss, dass seine Mitspieler eher limitiert waren und er nicht umsonst gemeinsam mit Kapitän Ben Basat mit großem Abstand bester Scorer seiner Mannschaft ist. Viele brauchbare Bälle bekam der Stürmer nämlich nicht und dadurch litt auch die Frequenz seiner Torchancen. Umso erwähnenswerter ist jedoch seine Statistik, denn Turgeman gab in der Ligasaison 63 Schüsse ab, wovon 29 aufs Gehäuse kamen und letztendlich 12 im Tor landeten – somit also fast jeder zweite Abschluss aufs Tor zum Torerfolg führte, was eine recht gute Quote ist. Der israelische Nationalstürmer weiß also wo das Tor steht und dies lässt sich auch statistisch untermauern – ergo seine gute Saison kommt nicht von ungefähr.

Fazit

Die Austria bekommt also wieder einmal einen Spieler aus Israel, der in der heimischen Liga aufzeigen und sich so für einen Sprung nach Österreich empfehlen konnte. Mit Stürmern aus Israel fuhren die Violetten in der Vergangenheit bekanntlich nicht so schlecht, schlugen doch Damari und Kayode sofort ein und sind mittlerweile zu den teuersten Verkäufen in der langen Vereinsgeschichte aufgestiegen. Bei Alon Turgeman hätte man bei einem ähnlichen Ausgang nichts dagegen, wobei man die Trauben natürlich nicht zu hoch hängen lassen sollte. Es ist nämlich noch immer ein großer Schritt, aus der israelischen in die österreichische Liga zu wechseln, sowohl kulturell als auch fußballerisch. Während man in Israel mehr Wert auf technische und spielerische Aspekte legt und dadurch die Defensive gerne etwas vernachlässigt wird, ist in Österreich die Liga von wesentlich mehr Intensität und Physis geprägt und hat man weniger Raum/Zeit zur Verfügung – sind also die Anforderungen wesentlich höher und herausfordernder. Daher ist es immer schwer zu prognostizieren, wie sich Spieler auf diese Umstände einstellen können und wie viel Zeit die Umstellung in Anspruch nimmt.

Vom fußballerischen Standpunkt aus bringt Alon Turgeman einige interessante Fähigkeiten mit, welche der Austria sicherlich helfen können. Er ist ein spielerisch guter Mittelstürmer, der sehr mannschaftsdienlich agiert und sich gut bewegt, aber auch beidbeinig ist, den Ball gut sichern und weiterleiten kann. Die Frage wird nun sein, wie gut er sich einerseits mit den neuen Einflüssen und Umständen zurechtfindet und andererseits wie gut ihn Trainer Thomas Letsch ins eigene Spiel integrieren kann. Denn der Israeli dürfte jemand sein, der das Vertrauen und die Rückendeckung seines Trainers braucht, um sein volles Leistungspotenzial abzurufen. Das zeigte sich vor allem in seiner schlechten Karrierephase, als er viele Trainer kommen und gehen sah und es oft mit einem schwierigen Umfeld zu tun hatte, was sich negativ auf seine Leistungen auswirkte. Das dürfte dann auch der Grund gewesen sein, warum er in der Vergangenheit sein volles Leistungspotenzial nicht abrufen konnte und es ihm an der Konstanz mangelte. Nicht umsonst spricht der israelische Nationalspieler von seinem Trainer bei Hapoel Haifa Nir Klinger in den höchsten Tönen und bedankte sich immer wieder für dessen Vertrauen in ihn. Turgeman braucht aber auch ein gutes Gerüst um ihn herum und seine Stärken müssen ins Spiel seiner Mannschaft eingebunden werden, damit er entsprechend zur Geltung kommt. Er ist also mehr ein „Systemspieler“, der bei einem passenden Umfeld sein Potenzial abrufen kann,  als dass er individuell herausragt und unabhängig von seiner Umgebung seine Leistung bringt. Ergo spielt die Mannschaft gut und funktioniert, kommt auch Turgeman wesentlich besser zur Geltung und trägt seinen Teil dazu bei. Wobei man auch anmerken muss, dass es zumindest bei Hapoel Haifa einen großen Unterschied ausmachte, ob der Stürmer auf dem Feld stand oder nicht. Ohne Turgeman tat man sich nämlich richtig schwer und es war dadurch in der Offensive nicht wirklich viel los.

Der israelische Nationalstürmer bringt aber auch einiges an taktischen Optionen mit, kann sowohl als einzige Spitze, als auch mit einem Partner an vorderster Front agieren und hat genügend Spielintelligenz, um sich je nach Situation anzupassen, da er speziell im letzten Jahr einiges an Erfahrungen mit verschiedenen Systemen gesammelt hat. Jedenfalls hat Alon Turgeman das Potenzial, sich bei der Austria durchzusetzen und ein guter Bundesligaspieler zu werden. Ob es ihm auch gelingt, wird die Zukunft weisen.

Dalibor Babic