In unserem Statistik-Rückblick auf die Herbstsaison der tipico Bundesliga haben wir uns bisher hauptsächlich mit Teamstatistiken beschäftigt. In diesem Artikel nehmen wir nun verschiedene... Statistikanalyse: Das waren die dominanten Spieler der Herbstsaison

Jonathan Soriano - Red Bull Salzburg_abseits.atIn unserem Statistik-Rückblick auf die Herbstsaison der tipico Bundesliga haben wir uns bisher hauptsächlich mit Teamstatistiken beschäftigt. In diesem Artikel nehmen wir nun verschiedene Spielerdaten unter die Lupe und gehen der Frage nach, welche Akteure dominante Rollen innerhalb ihres Teams einnahmen.

Im Folgenden sehen wir uns für vier verschiedene Positionskategorien – Verteidiger, defensive und offensive Mittelfeldspieler sowie Stürmer – je zwei repräsentative Daten an, die idealerweise nicht miteinander korrelieren sollten. Alle Daten sind dabei auf den Wert des entsprechenden Teams sowie auf 90 Minuten bezogen. Somit ist nämlich nicht nur eine Aussage über den Stellenwert der Spieler innerhalb eines Teams möglich, sondern es sind auch Schlüsse auf den jeweiligen Spielertyp möglich. Berücksichtigt wurden nur Spieler, die mindestens 20% der möglichen Spielzeit am Rasen standen.

Verteidigung

Bei den Abwehrspielern nehmen wir einerseits den Anteil an Balleroberungen unter die Lupe, andererseits den Anteil an Pässen, die die Spieler im Vergleich zu ihren Teamkollegen hatten. Die Resultate sind in der folgenden Grafik zu sehen, in der auch die jeweiligen Durchschnittswerte eingezeichnet sind. Die Charakteristiken eines Spielers lassen sich dann anhand des Quadranten ableiten, in dem sein Datenpunkt liegt.

Im linken oberen Quadrant sind jene Spieler zu finden, die hauptsächlich für das Aufbauspiel zuständig sind, in der Balleroberung aber kaum eine Rolle spielen. Die beiden FAK-Innenverteidiger Lukas Rotpuller und Vance Shikov stechen hierbei heraus. Im rechten oberen Quadrat stehen Verteidiger, die in beiden Kategorien tragende Rollen innerhalb des Teams einnehmen. Mit Michael Madl und Maximilian Hofmann findet man hier zwei der besten österreichischen Innenverteidiger des Herbsts. Interessant und wohl auch überraschend ist hingegen, dass mit Markus Wostry (Admira) und Fabio Strauss (Grödig) zwei eher unbekannte Spieler ebenfalls in dieser Zone herausragen.

Im unteren Bereich des Diagramms sind vermehrt Außenverteidiger zu finden, was deshalb nachvollziehbar ist, weil diese im Allgemeinen selten in die erste Phase des Aufbauspiels eingebunden werden. Da die Außenbahnen in der Defensive jedoch einen wichtigen Stellenwert einnehmen, lohnt sich auch ein Blick auf die zweite Dimension. Während Charalampos Lykogiannis beispielsweise bei Sturm ein enorm zuverlässiger Balleroberer ist, unterstreicht die Lage des Datenpunkts von Martin Ehrenreich dessen Mitläufer-Status. Ähnliches gilt für Rieds Florian Hart.

Defensives Mittelfeld

Bei den Mittelfeldspielern wurde bewusst eine Trennung in Spieler mit offensivem und defensivem Schwerpunkt vorgenommen, da die Aufgaben eines Sechsers bzw. Achters im Allgemeinen viel anders sind als jene eines Zehners oder Flügelspielers. Außerdem wollen wir damit auch auf einen früheren Artikel, in dem wir auf die Wechselwirkungen verschiedener Sechsertypen eingegangen sind, Bezug nehmen. Eine Folgerung damals war nämlich, dass die defensiven und offensiven Aufgaben im Verbund gelöst werden. Das müsste sich auch in den Zahlen widerspiegeln, wenn man die Anteile an Pässen und Balleroberungen gegenüberstellt.

Sieht man sich die obige Grafik an, erkennt man, dass kein Spieler signifikant im rechten unteren Quadrant heraussticht. Dort würde man klassische Sechser vermuten. Jene Spieler, die hauptsächlich dazu da sind, dem Gegner den Ball abzunehmen. Der Fußball hat sich jedoch von diesem Muster wegentwickelt. Auch wenn ein Akteur im technischen Bereich nicht besonders stark ist, so wird er zumindest dahingehend eingesetzt, um im Aufbauspiel ein Aufrücken eines spielerisch besseren Teamkollegen zu ermöglichen. Als tiefster Mittelfeldspieler kommt er dann zwangsweise öfter an den Ball.

Defensive Mittelfeldspieler, denen in der Balleroberung keine besondere Rolle zukommt, aber dennoch relative Ballmagnete sind, gibt es hingegen weiterhin. Boris Prokopic ist einer davon. Philipp Malicsek von der Admira ist dagegen ein äußerst unauffälliger Spieler, wenn man nur die erfassbaren Daten betrachtet. Das Gegenteil davon – also Spieler, die in der Balleroberung und bei den Pässen gleichermaßen dominant sind – findet man im rechten oberen Quadranten. Mit Mattersburgs Jano und Rieds Marcel Ziegl gibt es auch hier zwei äußerst interessante und landläufig unterbewertete Spieler.

Offensives Mittelfeld

Im Gegensatz zu defensiven interessieren bei offensiven Mittelfeldspielern vor allem die Eigenschaften im Kombinationsspiel bzw. die Fähigkeiten als Einfädler. Aus diesem Grund sehen wir uns im Folgenden anstatt der relativen Anzahl an Pässen den Einfluss auf die Torschüsse an. Diese relative Torschussbeteiligung errechnet sich aus dem Quotienten der auf 90 Minuten gerechneten Summe von Torschüssen und Torschussvorlagen und der Anzahl an Schüssen des Teams pro Spiel.

Im Gegensatz zu den defensiven Mittelfeldspielern gibt es hier eine größere Streuung, was zeigt, dass es mehr unterschiedliche Rollen gibt. Herausragend ist einerseits Srdjan Spiridonovic von Admira Wacker Mödling. Der Ex-Italien-Legionär zeigte vor allem gegen Ende der Herbstsaison groß auf und avancierte bei den Südstädtern zur tragenden Säule im Offensivspiel. Ligaweit gibt es – auch auf anderen Positionen – keinen anderen Spieler, der an mehr Torschüssen seines Teams direkt beteiligt ist (52,4). Wie man der obigen Grafik entnehmen kann, übernimmt Spiridonovic aber auch im Spiel gegen den Ball eine wichtige Rolle.

Unter den offensiven Mittelfeldspieler hat Felix Roth den größten Einfluss auf die Balleroberungszahlen seines Teams, der Deutsche ist aber im Allgemeinen keine direkte Gefahr für das gegnerische Tor. Eine Parallele zu den defensiven Mittelfeldspielern ist, dass es einen Spielertypen quasi nicht gibt – nämlich jenen, der weder Balleroberer, noch Einfädler ist. Das bedeutet, dass es keinen markanten Datenpunkt im linken unteren Quadrant gibt. Dass Manuel Seidl (WAC) und Christian Derflinger (Grödig) eine hohe relative Torschussbeteiligung haben, aber selten Bälle erobern, könnte an der Konterausrichtung der beiden Teams liegen.

Angriff

Abschließend werfen wir nun einen Blick auf die Daten der Stürmer, wobei auch hier Parallelen zu einem früheren Artikel untersucht werden sollen. Wir haben uns im Herbst nämlich bereits angesehen, wie man anhand von der verfügbaren Daten verschiedene Stürmertypen herausfiltern kann. Im Gegensatz zu den vorigen Positionen sehen wir uns jedoch nicht den Einfluss auf die Balleroberungszahlen an, weil hier die Datenbreite äußerst gering ist. Stattdessen betrachten wir die relative Torschussbeteiligung und den Anteil an Pässen pro 90 Minuten.

Auch bei den Stürmern gibt es einen Quadrant, der im Vergleich zu den anderen deshalb auffällt, weil er keinen herausstechenden Datenpunkt hat. Hier ist das der linke obere Bereich, der klassische Strafraumstürmer identifizieren würde. Am ehesten trifft dies auf Dario Tadic zu, der den SK Sturm mittlerweile verlassen hat. Am Ende es Spektrum findet man mit Havard Nielsen, der ebenfalls nicht mehr in Österreich kickt, und Silvio vom WAC zwei Stürmer, die häufig aus der Etappe kommen und daher selten in der Gefahrenzone sind. Dadurch sind sie aber häufiger am Ball als viele andere Stürmer.

Herausragende Werte liefert einmal mehr Jonatan Soriano, der sowohl häufig in Kombinationen eingebunden wird, als auch das Zugpferd im Abschluss ist. Gerade der steigende Einfluss des Spaniers, sollte den Bullen aus Salzburg jedoch zu denken geben. Auch bei den Wiener Klubs ist die Stürmersituation eine besondere. Während alle drei Austria-Angreifer ähnlich eingebunden werden, was wir schon im oben verlinkten Artikel herausgefunden haben, zeigt der Datenpunkt von Matej Jelic einen empfindlichen Punkt beim SK Rapid auf. Der Kroate konnte das Loch, das der Abgang von Robert Beric hinterließ, nämlich nicht mal ansatzweise schließen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem