Noch 90 Minuten schwitzen, dann geht es für Österreichs Bundesligaprofis in die wohl verdiente (oder teilweise auch weniger verdiente) Winterpause, die bis zum 10.Februar... tipp3 Bundesliga, 19.Runde: Kühbauer erstmals als Trainer vor Publikum im „alten Wohnzimmer“

Noch 90 Minuten schwitzen, dann geht es für Österreichs Bundesligaprofis in die wohl verdiente (oder teilweise auch weniger verdiente) Winterpause, die bis zum 10.Februar andauern wird. Die letzte Runde vor dem Winter ist voll von spannenden Partien und könnte auch die Tabelle noch ein wenig über den Haufen werfen – der Kampf um den Winterkönig findet realistischerweise nur noch zwischen Ried und Rapid statt.

SV Ried – SK Sturm Graz

Samstag, 16:00 Uhr | Keine-Sorgen-Arena | SR Krassnitzer

Als alter neuer Herbstmeister empfängt die SV Ried zu Hause den Meister aus Graz. Die Rieder sind im Gegensatz zum SK Sturm ausgeruht und werden mit geringfügigen Änderungen im Vergleich zur letzten Partie im gewohnten 3-3-3-1-System auflaufen. In der Abwehr ist Jan-Marc Riegler fraglich, im Sturm völlig offen, wer aus dem Trio Guillem-Casanova-Zulj beginnt. Mit einem Sieg überwintert Ried definitiv auf dem ersten Tabellenplatz. Hinum, Hadzic und Rotpuller sind gelbvorbelastet.

Der SK Sturm pfeift aus dem letzten Loch – der Winterpause fiebert man schon entgegen. Auf das überzeugende 5:1 gegen den FK Austria Wien folgte ein ernüchterndes 1:3 gegen die B-Elf von AEK Athen. Personelle Probleme findet man auf jeder Position: Kienast ist nach seinen drei Toren gegen die Austria gelbgesperrt, Szabics weiterhin verletzt. Hinter den Spitzen fehlen mit Hölzl und Muratovic zwei weitere wichtige Alternativen und noch weiter hinten muss man Säumel, Dudic, Neuhold, Feldhofer, Sandro Foda und Gratzei vorgeben. Auch die Einsätze von Weber und Klem sind noch nicht gesichert – möglich also, dass beim Meister zwölf Spieler ausfallen. Dadurch ist auch eine Systemumstellung in Ried nicht unwahrscheinlich – möglich, dass Foda von seinem klassischen 4-4-2 abweicht und eine Variante mit Bodul als Solospitze aufbietet.

Man to watch: Thomas Reifeltshammer. Der 23-jährige Rieder Abwehrchef spielte einen sensationellen Herbst und machte das Karriereende von Oliver Glasner vergessen. Es ist allerdings denkbar, dass das Heimspiel gegen Sturm sein letztes Spiel für die SV Ried ist. Reifeltshammer steht im Osten Österreichs hoch im Kurs…

 

SV Mattersburg – SC Wiener Neustadt

Samstag, 18:30 Uhr | Pappelstadion | SR Grobelnik

Mit derselben Aufstellung wie in den letzten Wochen geht Mattersburg ins letzte Spiel der Herbstsaison und könnte den SC Wiener Neustadt mit einem Sieg überholen und auf den neunten Platz der Bundesligatabelle drängen. Aus den letzten fünf Spielen holte Mattersburg respektable acht Punkte, die Formkurve zeigt – spät aber doch – nach oben. Besonders treffsicher: Naumoski und Bürger, die in den letzten acht Spielen sieben Tore erzielten. Naumoski, Mörz und Seidl sind gelbgefährdet.

Auch in Wiener Neustadt ändert sich im Vergleich zu den letzten Runden nichts. Das Überraschungsteam aus Niederösterreich muss weiterhin auf Reiter verzichten, Ramsebner dürfte allerdings fit werden, zumindest im Matchkader stehen. Stöger setzt erneut auf sein 4-4-2, das sich bekanntlich erst im Laufe der Saison entwickelte. An vorderster Front spielen Ciftci und Friesenbichler, dahinter hofft man in Wiener Neustadt wieder auf Genieblitze von Tomas Simkovic. Neustadt holte aus den letzten fünf Spielen immerhin sechs Punkte, verlor nur ein Spiel (0:2 in Ried vergangene Woche). Gelbgefährdet sind derzeit Klapf, Wolf, Reiter, Madl und Stanislaw.

Man to watch: Patrick Bürger. Gut möglich, dass der 24-jährige Bürger als bester Torschütze der Liga überwintert. Aktuell hält der bullige Kopfballspezialist bei acht Saisontreffern, in den letzten drei Duellen mit Wiener Neustadt traf er zweimal.

 

Kapfenberger SV 1919 – FC Wacker Innsbruck

Samstag, 18:30 Uhr | Franz-Fekete-Stadion | SR Lechner

Psychologisch wichtige Partie für die Elf von Thomas von Heesen. Bei einer Niederlage entfernt man sich höchstwahrscheinlich noch weiter vom rettenden neunten Platz, da von einem Punktgewinn der Mattersburger gegen Wiener Neustadt auszugehen ist. Zudem muss der deutsche Coach auch noch auf seinen Schlussmann, die „Lebensversicherung“ Raphael Wolf verzichten, der sich das Knie verdrehte. Sicher ist, dass Kapfenberg gegen Wacker Innsbruck auf Angriff spielen wird – ein Remis ist gegen die starke Tiroler Auswärtsmannschaft fast schon zu wenig. Auch ein 4-1-3-2 könnte angedacht sein – der letzte volle Erfolg der Kapfenberger ist fast drei Monate her. Sharifi, Sencar, Elsneg und Gregoritsch sind gelbgefährdet.

Nach dem Heimsieg gegen Sturm und dem Auswärtsremis bei Rapid strotzt der FC Wacker Innsbruck vor Selbstvertrauen. Vor allem defensiv zeigten die Tiroler starke Leistungen, ließen wenig zu und standen stets nah beim Mann. Das Spiel gegen Kapfenberg wird jedoch einen anderen Charakter haben, da die Innsbrucker gegen eine andere destruktiv agierende Mannschaft anders spielen muss. Das Spiel wird für die Spieler von Walter Kogler vermutlich schwerer als die Duelle mit den Großklubs. Von den letzten sechs Spielen verlor Wacker nur eines, jede zweite Partie der Tiroler endete Unentschieden (9 von 18). Hauser, Kofler und Schütz sind gelbgefährdet.

Man to watch: Christopher Wernitznig. Der 20-Jährige gilt als Senkrechtstarter des FC Wacker in der Herbstsaison 2011. Und seine Qualitäten, vor allem im Konter, werden in einer zerfahrenen, kalten Partie in der Obersteiermark mehr denn je gefragt sein.

 

SK Rapid Wien – FC Trenkwalder Admira

Samstag, 18:30 Uhr | Gerhard-Hanappi-Stadion | SR Schörgenhofer

Neben den Langzeitverletzten Schrammel und Novota muss Rapid nur auf einen weiteren Stammspieler verzichten – den gesperrten Guido Burgstaller. Die wahrscheinlichste Variante ist die, dass Schöttel den Kärntner Angreifer direkt durch Atdhe Nuhiu ersetzt und das 4-2-3-1 weiter praktiziert. Aber auch eine Art 4-1-3-2-System, in dem Heikkinen einen alleinigen Abräumer spielt, ist denkbar. Dann hätten Nuhiu und Salihi gemeinsam die besten Chancen auf einen Einsatz im Rapid-Sturm. Rapid war in der ersten Runde die erste Mannschaft, die den Aufsteiger aus der Südstadt schlagen konnte, würde aber bei einer Niederlage wieder hinter die Admira zurückfallen. Allerdings spielt Rapid erst nach der SV Ried und kann sich nachmittags zurücklehnen und auf das Ergebnis aus der Keine-Sorgen-Arena warten. Wenn Ried gegen den SK Sturm nicht gewinnt und Rapid die Admira bezwingt, überwintert man auf dem ersten Platz (es sei denn Ried spielt hoch Remis und Rapid gewinnt nur 1:0 oder 2:1). Gelbgefährdet sind Trimmel und Schimpelsberger.

Die Admira muss erneut ihre Abwehr umkrempeln: Windbichler und Palla fallen weiterhin aus, Abwehrchef ist hingegen immer noch Christopher Dibon, der unter anderem bei Rapid hoch im Kurs steht. Statt Palla wird Auer auflaufen, ansonsten ändert sich an der Aufstellung der Admira nichts. Die Admira konnte die letzten sieben Pflichtspiele nicht gewinnen, präsentierte sich zuletzt dennoch verbessert. Nichts desto trotz erzielte das Team von Ex-Rapidler Didi Kühbauer in den letzten sechs Ligaspielen nur drei Treffer. Gelbvorbelastet sind Ouedraogo und Plassnegger.

Man to watch: Issiaka Ouedraogo. Bereits beim Geisterspiel im Hanappistadion ließ der Mann aus Burkina Faso sein Potential aufblitzen, im Heimspiel in der Südstadt war er wohl der beste Mann am Platz. Der unermüdliche Arbeiter ist ein heißer Kandidat dafür, die Admira wieder aus der Tormisere zu schießen.

 

Red Bull Salzburg – FK Austria Wien

Sonntag, 16:00 Uhr | Red Bull Arena | SR Drachta

Im Duell der Europacup-Fighter muss Ricardo Moniz nur noch auf den rekonvaleszenten Alan und den glücklosen Mendes da Silva, der sich erneut verletzte, verzichten. Ansonsten ist der gesamte Kader mit von der Partie und es gibt keine Personalausreden. In der Innenverteidigung wird nach zahlreichen Schnitzern in Bratislava wieder Douglas da Silva beginnen und auch Christoph Leitgeb rutscht wieder in die Mannschaft. Salzburg spielt in einem klassischen 4-2-3-1 mit dynamischen Flügelspielern und ist gegen die Wiener Austria auch aufgrund der längeren Matchpause (die Austria spielte erst am Donnerstag, Salzburg mittwochs) Favorit. Gelbgefährdet ist nur Leonardo.

Die Austria tankte mit dem 2:0 gegen das harmlose Team von Malmö FF zwar Selbstvertrauen, konnte aber nur phasenweise überzeugen. Margreitter sollte wieder fit werden, wodurch Remo Mally  wieder aus dem Team rutscht. Nach dem überraschenden, „schmutzigen“ 4-4-2-System mit Barazite als offensiven Freigeist gegen Malmö, wird Daxbacher wieder auf sein bewährtes 4-2-3-1 umstellen und Barazite als Solospitze agieren lassen. Roland Linz dürfte in Salzburg als Joker auf der Bank bleiben, wodurch Daxbacher mehr Möglichkeiten hat, um gegen eine offensive Salzburger Mannschaft ein Übergewicht im Mittelfeld zu gewinnen. Grünwald und Barazite sind gelbgefährdet.

Man to watch: Stefan Maierhofer. Sein Stern ging in Wien-Hütteldorf bei einem Derby gegen die Wiener Austria so richtig auf – und auch heute sind Spiele gegen die Veilchen für den 202cm-Mann etwas Besonderes. Gerade gegen die aktuell unsichere Innenverteidigung der Austria wird Maierhofer Chancen bekommen – und dann vielleicht seinen berühmten Phantomjubel reaktivieren…!?

 

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen