In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 1. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Ulmer, Walch, Kamara

Clemens Walch (SV Ried)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 1. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Andreas Ulmer (Red Bull Salzburg), Clemens Walch (SV Ried) und Ola Kamara (Austria Wien) unter die Lupe.

 

FC Red Bull Salzburg – SK Rapid Wien 1:0, Andreas Ulmer (30. Minute)

Die Auftaktpartie der neuen Saison brachte einen überraschend klaren Sieg von Red Bull Salzburg gegen Rapid Wien. Der Titelverteidiger schickte den Vizemeister mit einer 6:1-Packung nach Hütteldorf zurück. Ein großes Gesprächsthema war dabei der Einsatz von Maximilian Hofmann als Rechtsverteidiger. Der 20-Jährige sah in einigen Szenen sehr schlecht aus, wurde aber teilweise von seinen Mitspielern schlecht unterstützt – so auch beim 1:0.

Das Tor fällt aus dem normalen Aufbauspiel heraus. Salzburgs linker Innenverteidiger führt den Ball und spielt einen simplen Steilpass auf Andreas Ulmer, der anschließend einnetzt. Hofmann ist hier insofern zu kritisieren, als er sehr unkoordiniert wirkt und von seinem Gegenspieler recht einfach überlaufen wird. Bei genauerer Betrachtung erkennt man allerdings, dass es aus gruppentaktischer Sicht den einen oder anderen Aspekt gab, der das schwache Stellungsspiel des jungen Rapidlers erst zum Vorschein kommen lässt.

RBS-SCR1

 

Rapid formiert sich hier in einer 4-4-2-Pressingordnung, wobei Louis Schaub (grün) nach vorne rückte und Steffen Hofmann (schwarz) nach hinten fiel. Hier gibt es nun die ersten Abstimmungsprobleme. Schaub lenkt den Ballführenden prinzipiell gut nach außen, indem er den Weg zur Mitte versperrt. Dass er ihn dabei nicht attackiert ist an und für sich kein Fehler, da ein verlorener Zweikampf bedeuten würde, dass die Salzburger noch schneller nach vorne kommen würden. Erst wenn die nötige Rückendeckung gegeben ist, wäre ein aktives Attackieren sinnvoll.

Schaub wartet auf diese Unterstützung aus dem Mittelfeld, die hier jedoch viel zu spät kommt. Steffen Hofmann bleibt zu lange zentral, was gar nicht nötig wäre, da hinter ihm ein weiterer Rapid-Spieler als Absicherung bereitstünde. Aus Salzburger Sicht ist hingegen die Aufteilung der Offensivspieler äußerst interessant.

Ulmer (gelb) positioniert sich sehr breit, während Sadio Mane (blau) in die Mitte eingerückt ist. Dadurch ergibt sich auf dieser Seite eine Gleichzahlsituation, die die Salzburger gut ausspielen. Mane deutet zunächst einen Lauf in die Spitze an, geht dann aber wieder dem Ball entgegen und sorgt so dafür, dass Rapids rechter Innenverteidiger den Steilpass nicht antizipieren bzw. abfangen kann. Jonathan Soriano (weiß) fällt indes aus dem Sturmzentrum zurück und hat mit seiner Präsenz im grün-weißen Sechserraum wohl auch seinen Anteil daran, dass die Zentrumsspieler zaghaft herausrücken.

SV Josko Ried – SC Wiener Neustadt 1:0, Clemens Walch (4. Minute)

Die SV Ried startete unter der Leitung von Neo-Coach Oliver Glasner mit einem 3:1-Heimsieg gegen den SC Wiener Neustadt in die neue Saison. Der 39-Jährige fungierte in den letzten zwei Jahren als Co-Trainer bei Red Bull Salzburg und versucht das dort so toll funktionierende Konzept nun auch im Innviertel zu implementieren. In einigen Szenen funktionierte dies bereits sehr gut, beispielweise beim 1:0, das wir uns nun genauer ansehen wollen.

Dass die Rieder ein aggressives Spiel gegen den Ball und Gegenpressing pflegen, ist an und für sich nichts Neues. Allerdings wird dieses nun noch etwas höher angesetzt. Ausgangspunkt des Tors ist ein Kampf um den zweiten Ball. Nachdem Marcel Ziegl (schwarz) bereits einmal in einen Zweikampf ging, attackieren anschließend sofort die nächsten beiden Oberösterreicher. Von hinten kommt zudem noch Linksverteidiger Oliver Kragl nachgeschossen, der letztlich auch den Ball erobert und im nachstehenden Bild in Ballbesitz ist.

Vorne zeigen die Rieder die gewohnten Abläufe einer Mannschaft, die gerade in Ballbesitz gekommen ist, und versuchen dementsprechend das Spiel breit zu machen. Hier ist es Dieter Elsneg (blau), der nach außen geht. Sein direkter Gegenspieler, Remo Mally (rot), orientiert sich mit, während der verbliebene Zentrumsspieler der Wiener Neustädter ins Gegenpressing auf den Ballführenden geht. Die Rieder haben dadurch vor der Abwehr der Niederösterreicher Platz. Ziegl erkennt das und bietet sich zentral an – der entscheidende Punkt in dieser Szene.

Weil der Ball nämlich erneut in die Mitte gespielt wird, orientiert sich Mally wieder nach innen und Elsneg bekommt wieder mehr Raum. Hätte Kragl den Ball direkt auf Elseng gespielt, hätte sich dieser sofort in einem Eins-gegen-Eins mit seinem Gegenspieler wiedergefunden und nicht sofort flanken können. Ziegl verarbeitet den Ball schnell und spielt nach außen, sodass Elsneg problemlos die Hereingabe auf Clemens Walch (gelb) spielen kann. Dieser kommt aus der Etappe und kann daher mit viel Wucht in die Flanke gehen – für die Abwehrspieler quasi nicht zu verteidigen.

FK Austria Wien – SV Scholz Grödig 1:1, Ola Kamara (93. Minute)

Zum Abschluss der ersten Runde empfing die Wiener Austria den SV Grödig. Das Spiel charakterisierte sich insbesondere durch einen sehr aggressiven Rhythmus, denn beide Teams sind mittlerweile Anhänger der „nach vorne verteidigen“-Philosophie, das heißt sie setzen auf ein schnelles Gegenpressing. Das ist mit viel Risiko verbunden, da man hinten Räume bewusst Räume offen lässt. Gewinnt man den Ball nicht, wird dies problematisch. Die Grödiger nahmen auch noch in der Nachspielzeit dieses Risiko und wurden mit dem Ausgleich bestraft, da die Austria in zwei Momenten trotz großen Drucks die Ruhe bewahrte.

Hier sieht man, dass die Grödiger sich nach vorne orientieren obwohl sie nicht vollen Zugriff haben. Der zentrale Mittelfeldspieler spekuliert auf einen Rückpass um sofort einen Konter setzen zu können. Der defensive Mittelfeldspieler ist aber noch zu weit weg um den angespielten Austrianer zu einem Fehlpass zu zwingen. Durch sein Aufrücken versperrt aber er den direkten Passweg auf Florian Mader (schwarz), der aber dennoch an den Ball kommt weil der angespielte FAK-Akteur den Ball gehoben weiterleitet.

Danach ergibt sich eine weitere Aktion, in der die Grödiger erneut umgehend attackieren. Zu dritt wird hier Druck auf Mader ausgeübt, dieser befreit sich aber ebenfalls mit einem Lupfer über die Grödiger von diesem Druck und spielt damit Daniel Royer (blau) im Rücken des aufgerückten Rechtsverteidigers frei. Die Folge dessen ist, dass Matthias Maak (rot) aus der Innenverteidigung herausrücken muss, wie man im nächsten Bild sieht.

FAK-SVG3

Dadurch ergibt sich zentral im Strafraum eine drei-gegen-drei-Situation, bei der die Grödiger Probleme beim Übergeben haben. Maximilian Karner (weiß) orientiert sich zwar etwas nach vorne um auf eine kurze Flanke gehen zu können, Robert Strobl (grün) geht aber erst zu spät auf Ola Kamara (gelb). Der Norweger steht daher tornäher und kann zum umjubelten Ausgleich einköpfen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.