In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 1. Runde der tipp3-Bundesliga | Hosiner, Micic, Szabics

Imre SzabicsIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 1. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Philipp Hosiner (Austria Wien), Danijel Micic (Wolfsberger AC) und Imre Szabics (Sturm Graz) unter die Lupe.

FK Austria Wien – FC Admira Wacker Mödling 1:0, Philipp Hosiner (77. Minute)

Wir beginnen unsere Toranalyse mit dem ersten Tor der Saison 2013/2014. Passenderweise erzielte es mit Philipp Hosiner der amtierende Torschützenkönig. Die Austria tat sich gegen Admira Wacker Mödling lange Zeit schwer, ehe das erste Saisontor des Burgenländers den Bann brach. Entscheidend dafür war – wie in der Spielanalyse ausgeführt – zum einen die physische Überlegenheit und zum anderen Eingriffe des neuen Trainers Nenad Bjelica. Neben der Einwechslung von Marko Stankovic für James Holland war auch die Hereinnahme Rubin Okoties ein wichtiger Faktor, wie das 1:0 zeigte.

Mit der Einwechslung des Rückkehrers stellte die Austria auf ein 4-1-3-2 mit hohen Flügeln um. Damit wollte man die Kompaktheit des bis dahin so starken Admira-Pressings weiter lösen. Man erkennt dies im obigen Bild. Während der Offensivblock Admira weiter früh Druck auf den Spielaufbau des Gegners ausüben will, wird die Viererkette vom violetten Offensivquartett – Hosiner (gelb), Okotie (schwarz) und die beiden Flügel (blau) – zurückgedrängt. Es entsteht ein Loch im Mittelfeld, wodurch der Ballführende mehr Zeit bekommt. Entscheidend sind dann die gegenläufigen Bewegungen von Hosiner und Okotie.

Aufgrund des oben erwähnten Lochs ist der Passweg für den ballführenden Linksverteidiger in die Spitze offen. Er hat dabei zwei Optionen: Okotie kurz und Hosiner lang. Ersterer ändert schnell seine Laufrichtung, kommt Markus Suttner entgegen und zieht so seinen Gegenspieler Thomas Ebner (rot) aus der Abwehrkette heraus. Hosiner nutzt seine Antrittsstärke und geht in den geöffneten Raum hinter den Innenverteidiger. Der lange Pass wird zum richtigen Zeitpunkt gespielt, sodass die Austria den Vorteil des agierenden Teams ausnutzen kann.

Wolfsberger AC – SK Rapid Wien 1:2, Danijel Micic (57. Minute)

Während die Austria mit einem Sieg in die Saison startete, war das erste Saisonspiel für den SK Rapid Wien eine gefühlte Niederlage. Beim Wolfsberger AC lagen die Grün-Weißen 2:0 in Front, kassierten aber nach zwei ruhenden Bällen noch Gegentore und traten mit einem Punkt die Heimreise an. Den Anschlusstreffer durch Danijel Micic wollen wir uns nun genauer ansehen.

Hier sieht man die Ausgangsposition beim Eckball des WAC. Die Gäste haben im Strafraum doppelt so viele Spieler wie die Kärntner, was das Verteidigungsverhalten Rapids in ein noch schlechteres Licht rückt, denn Mihret Topcagic (blau) und vor allem Torschütze Micic (gelb) können nach dem Eckball ohne große Gegenwehr walten. Die Strategie und Zuordnung der Grün-Weißen, so es diese überhaupt gab, ist in diesem Fall äußerst schwer zu durchblicken.

So stehen etwa drei Spieler – Christopher Dibon (schwarz), Thomas Schrammel (rot) und Branko Boskovic (weiß) – bei Topcagic, ohne jedoch den Gegner entscheidend zu bedrängen oder an den Ball zu kommen. Offenbar versuchte man lediglich mit der hohen Spielerdichte und der daraus resultierenden Überzahl die Wahrscheinlichkeit einer Balleroberung zu erhöhen, was den hohen Ballfokus erklären würde. Wegen diesem kann auch Micic völlig frei den Ball ins Netz dreschen.

FC Wacker Innsbruck – SK Puntigamer Sturm Graz 1:0, Imre Szabics (60. Minute)

Im ersten Sonntagsspiel der Saison trennten sich Wacker Innsbruck und Sturm Graz 2:2. Während die letzten beiden Tore nach Standardsituationen fielen, geht das erste auf die bessere Raumaufteilung und gruppentaktische Verhalten zugunsten der Gäste zurück.

Andreas Hölzl (grün) läuft Wacker-Keeper Szabolcs Safar nach einem Rückpass mit Tempo an. Die nahen Anspielstationen sind für den Ungarn aufgrund des hohen Pressings der Steirer zugestellt, weshalb er einen langen Ball schlägt.

Wie man im obigen Bild sieht ist dies prinzipiell keine schlechte Idee. In der vordersten Linie haben die Innsbrucker nämlich eine Gleichzahl, allerdings erreicht der Pass diese nicht, sondern fällt an der Mittellinie runter. Dort haben die Gäste die besseren Karten, den zweiten Ball zu erobern, da sie in einer Vier-zu-Zwei-Überzahl stehen. Zudem ist auch das Zentrum – insbesondere der grüne Bereich, wo der Ball schließlich landet – fest in der Hand der Grazer. Die Innsbrucker haben auf dieser Höhe lediglich die Außen besetzt (rot).

Auch in der Abwehr passt aufseiten der Innsbrucker die Aufteilung nicht. Die beiden Innenverteidiger (schwarz) stehen zu breit, folglich ist der Passweg durchs Zentrum auf den späteren Torschützen Imre Szabics (gelb) völlig offen. Es kommt somit lediglich auf die individuellen Fähigkeiten von Robert Beric (blau) an, der seinen Mitspieler einsetzen muss. Doch nicht nur die direkte Weiterleitung des Neuzugangs ist positiv zu erwähnen, auch sein Verhalten, das ihn erst in diese Position brachte.

Wie man im ersten Bild sieht, positioniert er sich – genauso wie die beiden anderen Grazer – nicht direkt neben dem entsprechenden Gegenspieler, sondern lediglich so nah, dass ein Zuspiel auf diesen ein zu hohes Risiko für Safar bedeutet hätte. Dadurch stehen die Grazer im Rückwärtspressing auf den zweiten Ball günstiger und können die großen Abstände zwischen den Wacker-Spielern nützen.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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