In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 28. Runde der tipp3-Bundesliga | Jacobo, Boyd, Mane

Terrence Boyd (SK Rapid Wien)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 28. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Jacobo Ynclan (Wolfsberger AC), Terrence Boyd (Rapid Wien) und Sadio Mane (Red Bull Salzburg) unter die Lupe.

FK Austria Wien – Wolfsberger AC 0:1, Jacobo Ynclan, (2. Minute)

Die Überraschung der Runde lieferte der Wolfsberger AC mit einem souveränen 4:0-Auswärtssieg bei der Wiener Austria. Das richtungsweisende 1:0 erzielte Jacobo Ynclan bereits in der zweiten Minute. Mit gutem Gegenpressing provozierten die Kärntner dabei einen Fehlpass nach einem zweiten Ball infolge eines Einwurfs.

Das obige Bild zeigt einen Moment der Flugphase des Balls nach dem Einwurf. Für ein erfolgreiches Gegenpressing ist es notwendig bereits jetzt geeignete Positionen einzunehmen, dabei sich aber die Möglichkeiten offenzuhalten um in Ballbesitz schnell aufs Tor ziehen zu können. Die WAC-Kicker machen das in dieser Situation äußerst gut. Wie man sieht stehen sämtliche Spieler bereit um den jeweiligen Gegner umgehend zu attackieren. Zudem läuft sich Jacobo (gelb) schon jetzt frei um im Falle eines gewonnen Kopfballduells offensiv gut postiert zu sein.

Der zweite Ball landet allerdings bei einem Wiener. Doch wie man sieht schalten alle Wolfsberger sehr schnell um. Geschlossen rücken sie, obwohl der Ballführende noch nicht die hundertprozentige Ballkontrolle hat, zu ihren Gegenspielern auf um diese unter Druck zu setzen. Auch auf James Holland (rot) wird sofort gepresst und dem Australier unterläuft deshalb ein folgenschwerer Fehlpass. Besonders wichtig ist hier das Verhalten von David de Paula (blau). Der Spanier blockiert Tomas Simkovic (schwarz) als nahe Anspielstation, weswegen Holland zum schwierigeren Wechselpass auf die linke Seite gezwungen wird.

Auch danach schaltet de Paula sehr gut und schnell. Austrias Linksverteidiger muss aufgrund des Fehlpasses herausrücken, was hinter ihm den Raum öffnet. Genau in diesen sprintet de Paula schneller als Simkovic und kann anschließend in die Mitte flanken. Dort setzt sich Jacobo durch; unter anderem deswegen, weil er zunächst abwartet und dann aus dem Rücken seines Gegenspielers, Fabian Koch (weiß), mit Tempo herausbeschleunigen kann.

FC Wacker Innsbruck – SK Rapid Wien 0:1, Terrence Boyd (66. Minute)

Der SK Rapid Wien befindet sich weiter in einer Krise. Am letzten Samstag konnten die Hütteldorfer trotz einer Zwei-Mann-Überzahl gegen den FC Wacker Innsbruck nicht gewinnen. Noch beschämender ist dies wenn man bedenkt, dass sie gegen den Tabellenletzten sogar führten. Beim 1:0 durch Terrence Boyd sah man, wie schwer es ist in Unterzahl Druck auf den Gegner auszuüben – besonders wenn nicht alle mitmachen.

Die Grundordnung der Innsbrucker passt soweit. Die Viererkette und die Doppelsechs positionieren sich um den eigenen Sechzehner herum und der Linksverteidiger schiebt auf den ballführenden Rapidler heraus. Das Problem in dieser Szene ist allerdings, dass die Grün-Weißen ebenfalls einige Spieler in diese Zone bringen. Deshalb muss Tomas Abraham (grün) stärker zum aktiven Flügel rücken, was allerdings Dominik Wydra (blau) mehr Platz eröffnet. Für Entlastung hätte eine tiefe Stellung von Daniel Schütz (rot) sorgen können, da er von dort aus Wydra schneller attackieren hätte können.

Der Halbraum vor der Abwehr bleibt jedoch die gesamte Szene über unbesetzt. Wydra kann aufgrund des zu geringen Drucks gegen Abrahm nach vorne dribbeln und abschließen. Den Rest erledigt der ausgeprägte Torinstinkt von Stürmer Boyd.

FC Red Bull Salzburg – SK Sturm Graz 3:0, Sadio Mane (80. Minute)

Als Gewinner der Runde kann man Red Bull Salzburg sehen, denn der amtierende Meister konnte den Rückstand zur Tabellenspitze mit einem 3:0-Sieg über Sturm Graz um drei Punkte verkürzen. Im Zentrum dieses Spiels standen die Löcher im Mittelfeld und das geringe Risiko im Spielaufbau auf beiden Seiten. Erst nachdem man 0:2 im Rückstand war, attackierte Sturm höher – allerdings nicht geschlossen genug. Dies mündete schließlich im 3:0 durch Sadio Mane.

Die Offensivspieler der Grazer pressen, wie man im obigen Bild sieht, sehr hoch. Richard Sukuta-Pasu (grün) stellt den Innenverteidiger zu, Florian Kainz (weiß) attackiert den Ballführenden. Allerdings fehlt die nötige Rückendeckung, was auf die fehlende Kompaktheit zurückgeht. Jürgen Säumel (rot) steht so vor der Entscheidung, entweder Salzburgs Zentrumspieler zuzustellen oder absichernd auf Kevin Kampl (blau) zu gehen. Aufgrund der Spielsituation entscheidet er sich für die erste Option, weswegen Red Bulls Nummer 44 enorm viel Platz hat und durchs Mittelfeld dribbeln kann. Dies rührte, wie oben erwähnt, vom nicht geschlossenen Pressing der Steirer. Die konservative Spielweise der Viererkette erkennt man im nächsten Bild.

Zusätzlich zu ihrer tiefen Stellung wird sie auch noch von den Salzburger Angreifern zurückgedrängt. Aufgrund dieses Mechanismus hat Kampl freie Bahn und für Sturm ergibt sich später nur mehr eine Möglichkeit den Angriff zu unterbinden. Außerdem sei an dieser Stelle auf die Situation von Mane hingewiesen, der sowohl im obigen als auch in diesem Bild noch von einem Gegenspieler (quasi) gedeckt wird.

Hier sieht man den erwähnten Moment, in dem die Blackies den rollenden Angriff noch hätten abwürgen können. Kampl sieht sich drei Gegenspielern gegenüber und droht den Ball zu verlieren, allerdings kommt er mit einem Haken nach links scheinbar einfach vorbei. Tatsächlich hat hier Valon Berisha (orange) einen großen Anteil daran, da er mit seinem Laufweg nach vorne den äußersten der drei Grazer wegzieht und so Platz für Kampl macht. Mane steht auf der linken Außenbahn mittlerweile komplett alleine und vollendet den Angriff mit einem sehenswerten Lupfer.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.