In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 3. Runde der tipp3-Bundesliga | Kerhe, Stankovic, Vujadinovic

Marko StankovicIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 3. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Manuel Kerhe (Wolfsberger AC), Marko Stankovic (Austria Wien) und Nikola Vujadinovic (Sturm Graz) unter die Lupe.

SC Wiener Neustadt – Wolfsberger AC 0:1, Manuel Kerhe (1. Minute)

Keine Mannschaft, die in der dritten Runde 1:0 in Führung ging, gewann am Ende auch. So wartet auch der Wolfsberger AC trotz eines schnellen Tors in Wiener Neustadt auf den ersten vollen Erfolg unter Neo-Coach Slobodan Grubor. Dennoch wollen wir uns den Führungstreffer durch Manuel Kerhe genauer ansehen.

Hier erkennt man, dass die Wiener Neustädter weitestgehend in ihrer 4-1-4-1-Grundordnung stehen. Des Weiteren fällt auch das gegenteilige Verhalten der Außenspieler auf beiden Seiten auf. Beim WAC lässt sich links Sandro Gotal (blau) fallen, während rechts Kerhe (gelb) bemüht ist das Spiel zu strecken. Dementsprechend verhalten sich deren direkten Gegenspieler. So wird SCWN-Rechtsverteidiger Michael Berger (weiß) von Gotal aus seiner Position herausgezogen. Dies öffnet den Raum hinter ihm (grün), den die Gastgeber in der Folge nicht schließen können.

Ein Grund dafür ist, dass die Wolfsberger aus ihrem Dreieck an der Mittellinie schnell nach vorne kommen. Zwar gelingt es den Niederösterreichern Gotal den direkten Weg zum Tor zu versperren, allerdings bedrängen sie ihn nicht stark genug, sodass dieser flanken kann. Auf der gegenüberliegenden Seite lässt Christoph Martschinko (rot) Kerhe zu viel Platz und der 26-Jährige kann einköpfen.

FK Austria Wien  SV Josko Ried 1:0, Marko Stankovic (22. Minute)

Auch die Wiener Austria konnte am vergangenen Wochenende nicht gewinnen. Gegen die SV Ried führte der amtierende Meister bereits mit zwei Toren, verspielte aber aufgrund zweier später Tore den Sieg. Dabei kontrollierten die Veilchen die Partie weitestgehend, zeigten unter anderem beim 1:0 Abläufe, die an die letzte Saison erinnerten.

Ein Markenzeichnen der Meistersaison war das Abkippen von James Holland (rot) aus der Sechserposition zurück in die Verteidigungslinie. Die Admira zeigte im Eröffnungsspiel, wie man dagegen ankämpfen kann und nahm den Australier mit einem mutigen Zwei-Stürmer-Pressing aus dem Spiel, schnitt so das Aufbauspiel des FAK ab. Auch die SV Ried setzte auf dieses Konzept, wie man im obigen Bild sieht. Ein großer Raum entsteht zwischen erster und zweiter Linie.

Doch die Austria scheint dazugelernt zu haben. Zum einen lässt sich Alexander Grünwald (orange) fallen, zudem kommt auch Tomas Jun (weiß) entgegen. Allerdings wird der Tscheche von Marcel Ziegl (schwarz) umgehend verfolgt, weswegen der Pass auf ihn zunächst ausbleibt. Stattdessen beginnt das ursprüngliche Spiel erneut.

Dieses Mal lässt sich Markus Suttner (blau) fallen. Der Linksverteidiger wird jedoch nicht so konsequent verfolgt wie Jun davor. Dieser dreht währenddessen im Zentrum ab und geht in den Raum, den Suttner mit seinem Entgegenkommen öffnet. Da sich Ziegl ausschließlich auf den Ball konzentriert, kommt Jun frei und wird Teil einer vier-zu-drei-Überzahlsituation.

In dieser legt er auf Marko Stankovic (gelb) quer, der sein zweites Saisontor erzielt. Dabei erkennt man die Qualitäten, die er im Vergleich zu den anderen Achtern mitbringt. Das Spiel des 27-Jährigen zeichnet sich durch vertikale Läufe aus der Tiefe zum Strafraum hin aus – egal ob mit oder ohne Ball.

SK Sturm Graz – SK Rapid Wien 1:0, Nikola Vujadinovic (3. Minute)

Im Sonntagsspiel setzte sich Rapid Wien trotz 90 Minuten in Unterzahl auswärts beim SK Sturm Graz mit 4:2 durch. Bereits in der ersten Minute sah Maximilian Hofmann bei seinem Startelfdebüt in der Bundesliga die rote Karte. Den verhängten Elfmeter verwertete Nikola Vujadinovic sicher. Auf die Entstehung dieser Aktion sei nun genauer eingegangen.

Der Ausgangspunkt ist ein Ballverlust von Thanos Petsos in der Grazer Spielfeldhälfte. Sieht man sich die Konstellation an, scheint dies zunächst keine große Überraschung, denn die Gastgeber stehen mit neun Feldspielern hinter Ball und lauern auf den Konter. Rapid hingegen stellt in der Angriffszone nur fünf Spieler, davon gleich vier vor dem Ballführenden.

Das bedeutet ein hohes Risiko bei Ballverlusten, weswegen solche umso besser abgesichert werden müssen. Bei den Wienern ist dies jedoch nicht der Fall, denn Sturm hat im Mittelfeld – wie oben ersichtlich (grün) – extrem viel Platz. Üblicherweise hätte diesen Bereich der nominelle Sechser Brian Behrendt abgedeckt, jedoch lag dieser zu diesem Zeitpunkt angeschlagen am Boden.

Für die Grazer entsteht daher eine äußerst günstige Situation. Anel Hadzic kann nahezu ungestört durchs Mittelfeld laufen und Stürmer Robert Beric (gelb) steil schicken. Der Slowene nutzt seine Vorteile im Antritt gegen die Rapid-Verteidiger aus und wird schließlich im Strafraum gefoult. Es stellt sich nun die Frage, wie Rapid einen derartigen Konterangriff hätte vorbeugen können. ORF-Experte Roman Mählich meinte, man hätte durch noch engeres Stehen der verbliebenden Dreierkette dem Schnittstellenpass vorbeugen können. Ein wichtigerer Schlüssel wäre aber Christopher Trimmel (blau) gewesen.

Hier sieht man die Raumaufteilung noch bevor Petsos (rot) an den Ball kommt. Der Grieche verschiebt richtigerweise zum Ball um sich ins Spiel zu bringen, jedoch folgt Trimmel diesem Laufweg nicht und bietet daher nicht die Rückendeckung, die in diesem Fall extrem wichtig gewesen wäre. Stattdessen orientiert er sich nach hinten, reißt ein Loch zwischen Defensive und Offensive auf. Dabei wären die Rapid-Innenverteidiger ohnehin in Überzahl gegen Beric gewesen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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