In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht...

René GartlerIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 30. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Rene Schicker (Admira Wacker), Silvio (WAC) und Rene Gartler (SV Ried) unter die Lupe.

Admira Wacker Mödling – SV Scholz Grödig 2:0, Rene Schicker (37. Minute)

Dem SV Grödig scheint im Kampf um einen Europacupplatz auf der Zielgerade die Luft aufzugehen. Der Aufsteiger hielt sich sensationell lange in den Top3, musste in den letzten beiden Spielen aber herbe Niederlagen hinnehmen. Gegen Sturm Graz setzte es ein 0:6-Heimdebakel und am vergangenen Wochenende folgte ein 0:4 bei Admira Wacker Mödling. Die Entstehung des zweiten Tors wollen wir uns genauer ansehen.

Ausgangspunkt ist ein langer Ball des Admira-Torhüters, infolge dessen es zum Kampf um den zweiten Ball kommt. Die Admira kommt zwar in Ballbesitz, wird jedoch sofort unter Druck gesetzt. Das Gegenpressing der Grödiger war ein wichtiger Baustein dafür, dass sie sich lange so weit oben in der Tabelle halten konnte. Dieses läuft gruppentaktisch allerdings oft nicht ideal ab, sondern gleicht vielmehr einem kollektiven Jagen des Balls ohne klare Positionszuordnungen. Auch bei diesem Tor war dies zu erkennen.

Im obigen Bild sieht man, dass vor der Abwehr ein großes Loch klafft, das davon rührt, dass das Mittelfeld ungeordnet steht. Die beiden Sechser sind auf den ballführenden Stephan Auer (blau) herausgerückt und Mario Leitgeb (rot) schließt die Lücke nicht schnell genug. Deshalb rückt Maximilian Karner (schwarz) aus der Innenverteidigung heraus, was in weiterer Folge jedoch ein großes Problem darstellt.

Rene Schicker (gelb) nutzt dies nämlich, indem er in die Tiefe sprintet. Peter Tschernegg (weiß) reagiert darauf zunächst auch richtig, indem er sich zu Schicker orientiert, allerdings will er den Admira-Stürmer anschließend ins Abseits stellen, was schiefgeht.

Wolfsberger AC – SC Wiener Neustadt 3:0, Silvio (10. Minute)

Auch der SC Wiener Neustadt träumte kurzzeitig vom internationalen Geschäft, da sie in der Winterpause das Spiel gegen den Ball neu gestalteten. In den letzten Spielen verfehlte das neue Pressing jedoch seine Wirkung und die letzten Spiele wurden allesamt verloren – noch dazu ohne eigenen Treffer. Im Auswärtsspiel gegen den Wolfsberger AC war das Spiel bereits nach zehn Minuten vorentschieden, da die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt bereits 3:0 führten. Ebendieses Tor sehen wir uns nun an.

Ein Problem vieler Teams, vor allem jener aus den unteren Tabellenregionen, ist ein zu hoher Ballfokus. Die Spieler orientieren sich bzw. schauen nur zum Ball und verlieren dabei Gegenspieler aus den Augen. Das führt dazu, dass diese Teams zwar engagiert wirken und tatsächlich einen hohen läuferischen Aufwand betreiben, dem Ball aber nur hinterherlaufen und keinen dauerhaften Zugriff bekommen. Ähnlich war es bei diesem Tor.

Im obigen Bild erkennt man, dass Wiener Neustadt in Ballnähe eine hohe Spielerdichte erreichen, obwohl der WAC zuvor gut kombinierte. Peter Hlinka (schwarz) sorgt zwar teilweise für Rückendeckung, der Raum, der zugestellt werden muss, ist aber zu groß, um diese Aufgabe alleine bewältigen zu können. So ist der Zugriff nur von kurzer Dauer und auf den schwer erarbeiteten Ballgewinn folgt ein prompter Ballverlust.

Die Wolfsberger spielen dabei jedoch kein überaus spektakuläres und gruppentaktische effizientes Gegenpressing, sondern der Ballgewinn geht im Grunde nur auf das Nachsetzen von Peter Zulj (blau) zurück. Der WAC-Zehner läuft Hlinka schon bei der Ballannahme aus dessen Rücken an. Wichtig ist dabei die Art und Weise, auf die er dies tut. Zwar gelingt es Hlinka zunächst den Ball abzuschirmen, Zulj zwingt ihn durch seinen bogenförmigen Lauf aber dazu nach hinten abzudrehen. Würde Hlinka nach vorne abspielen, würde sein Mitspieler unter großen Druck gesetzt werden und höchstwahrscheinlich den Ball verlieren.

Den ersten Schussversuch können die Niederösterreicher zwar blocken, jedoch wird ihnen danach erneut der zu hohe Ballfokus zum Verhängnis. Hier geht der Deckungsschatten von Mattias Sereinig ins Leere. Mit einer kurzen Bewegung zur Seite hätte er den Passweg auf Silvio zustellen können. Dafür hätte er sich allerdings nach dessen Position erkunden müssen.

SV Josko Ried – FK Austria Wien 2:1, Rene Gartler (79. Minute)

Das Sonntagsspiel zwischen der SV Ried und Austria Wien der 30. Runde brachte viel Diskussionsstoff mit sich – einerseits durch die Entscheidungen von Schiedsrichter Dominik Ouschan, andererseits aufgrund des Spielverlaufs. Der Austria gelang es nämlich trotz Unterzahl zweimal auszugleichen – das zweite Mal erst in der Nachspielzeit. Die Unterzahl war auch für das zwischenzeitliche 2:1 ein Faktor.

Ein Team, das mit weniger Spielern als der Gegner am Feld steht, hat es naturgemäß schwerer Druck auf den Ball auszuüben. Aufgrund des geringeren Zugriffs der Austria können die Oberösterreicher hier einen kontrollierten langen Ball auf Toni Vastic (blau) spielen. Ein individueller Fehler unterläuft dabei fraglos dem FAK-Linksverteidiger, der es trotz der langen Flugphase des Balls nicht gelingt, diesen zu klären.

Aber auch aus taktischer Sicht macht die Austria in dieser Szene einen Fehler, denn sie Verschieben zu inkonsequent, weswegen Rene Gartler (gelb) in der Mitte ungedeckt den Ball ins Tor schieben kann. Dieser Fehler wird von den Rieder aber auch teilweise provoziert. Man beachte dafür die Zuordnung. Im ersten Bild ist diese noch klar gegeben: Manuel Ortlechner (weiß) auf Gartler und Christian Ramsebner (rot) auf Jakob Kreuzer (schwarz).

Aufgrund des Seitenwechsels muss Ortlechner allerdings Richtung Ball herausrücken und Ramsebner müsste entsprechend nachschieben, was der spätere Last-Minute-Torschütze aber nicht macht. Da sich Kreuzer, wie im letzten Bild zu sehen ist, nach hinten zwischen die Linien fallen gelassen hat, geht Ramsebner nicht entschlossen genug auf Gartler, da sonst der Rückraum offen gewesen wäre.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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