In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 31. Runde der tipp3-Bundesliga | Potzmann, Seebacher, Koch

Taktik, Theorie, TaktikboardIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 31. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Marvin Potzmann (SV Grödig), Rene Seebacher (WAC) und Matthias Koch (Wiener Neustadt) unter die Lupe.

SV Scholz Grödig – Red Bull Salzburg 1:3, Marvin Potzmann (83. Minute)

Nachdem Red Bull Salzburg in der Bundesliga zuletzt zweimal in Folge den Platz nicht als Sieger verlassen konnte, drehte der Meister im Salzburger-Duell gegen den SV Grödig wieder auf und gewann 3:1. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei das zweite Tor der Partie, denn es war das 100. Saisontor der Bullen. Wir wollen uns in dieser Toranalyse aber mit dem abschließenden Treffer von Marvin Potzmann auseinandersetzen.

Infolge eines Freistoßes von Grödig wird der Ball nach außen abgelenkt und es ergibt sich die oben zu sehende Situation. An der Eckfahne wird der Ballführende von zwei Salzburgern attackiert – eigentlich eine ausweglose Situation, denn die Gäste verfügen prinzipiell über ein sehr gutes und gruppentaktisch geschlossenes Defensivspiel.

Christoph Leitgeb (rot) orientiert sich zu Tomi (schwarz) und Dusan Svento (weiß) läuft so an, dass er ohne abzubremsen auf den aufrückenden Potzmann (gelb) gehen kann. Salzburg versucht also das Spiel auf den Rechtsverteidiger zu lenken. Allerdings spielt der Ballführende nicht diesen zu erwartenden Pass, sondern direkt auf Tomi, was die Salzburger überrascht und sie dementsprechend träge reagieren.

Leitgeb ist zu spät bei Tomi, sodass dieser auf Philipp Huspek (blau) zurücklegen kann. Dieser spielt dann einen Vertikalpass auf den einrückenden Potzmann, der den Ball ins lange schlenzt. Auffallend und entscheidend ist, dass der Torschütze so viel Platz an der Strafraumgrenze hat. Dieser rührt daher, dass zuvor mit einer Flanke zu rechnen war und sich sowohl Salzburg als auch Grödig mit vielen Spielern im Strafraum aufgehalten hat.

Dadurch klaffte ein Loch zwischen diesem Block im Strafraum und den ballnahen Spielern, das aber erst über den überraschenden Pass auf Tomi bzw. der guten Dreiecksbildung bespielt werden konnte. Wie gut dieser Überraschungsmoment wirkte erkennt man beispielsweise auch an der Position von Svento im zweiten Bild. Der Slowake hat seinen geplanten Lauf fortgesetzt, obwohl sich Potzmann bereits in die Mitte orientiert hat.

FC Wacker Innsbruck – Wolfsberger AC 0:1, Rene Seebacher (90. Minute)

Zwar sind in der laufenden Saison noch fünf Runden ausständig, allerdings scheint der Absteiger bereits festzustehen. Mit zwölf Punkten Rückstand liegt der FC Wacker Innsbruck nämlich abgeschlagen am letzten Tabellenplatz. Symptomatisch für die Situation der Tiroler ist der Last-Minute-KO am vergangenen Wochenende gegen den Wolfsberger AC, als man in der Nachspielzeit das 0:1 kassierte.

Wie der SV Grödig zuvor agiert der WAC in dieser Situation gedankenschneller als der Gegner. Der Freistoß wird schnell abgespielt, wodurch die Kärntner eine Überzahlsituation in der letzten Linie bekommen. Christopher Wernitznig (rot) orientiert sich hier ins Zentrum anstatt auf den allein stehenden Joachim Standfest (blau) herauszurücken.

Dass er den Rechtsverteidiger gleich bei der Ballannahme stellen könnte, ist zwar unwahrscheinlich, allerdings würde ein konsequenteres Verteidigungsverhalten dazu führen, dass Standfest für die Flanke nicht so viel Zeit hätte und der WAC die Überzahl nicht so gut ausspielen könnte. Rene Seebacher (gelb) kann in die Mitte gehen ohne von seinem direkten Gegenspieler verfolgt zu werden. Dieser muss nämlich den Weg für Standfest zum Tor blockieren. Im Zentrum steht der WAC dann drei gegen zwei, was mit Seebachers zweiten Saisontor die logische Folge findet.

SC Wiener Neustadt – SV Josko Ried 1:1, Matthias Koch (53. Minute)

Zum Abschluss dieser Toranalyse wollen wir noch nach Wiener Neustadt blicken. Die positive Stimmung aus den ersten Spielen nach der Winterpause ist dort zwar endgültig verflogen – aktuell ist man auf den vorletzten Tabellenplatz abgestürzt – allerdings zeigten die Niederösterreicher beim 1:1 gegen die SV Ried, wie man durch sogenanntes Kreuzen Räume öffnen und bespielen kann.

Hier hinterläuft Stefan Stangl (weiß) den Ballführenden und zieht damit einen Rieder aus dem Zentrum heraus. Das ermöglicht es Lukas Denner (blau) in die Mitte zuziehen. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist hier die Stellung von Julian Baumgartner (schwarz). Dieser positioniert sich so, dass er bei einem Pass auf den hinterlaufenden Spieler sofort auf diesen herausrücken kann. Da der Gegner mit einem Dribbling aber in die Mitte zieht, muss sich der Rechtsverteidiger entgegen seiner ursprünglichen Bewegungsrichtung nach innen drehen und verliert daher den direkten Kontakt zum Gegenspieler.

Man erkennt dies in diesem Bild. Stangl hat hier keinen Druck und kann auf Matthias Koch (gelb) spielen, der sich gut in den freien Raum bewegt. Koch kreuzt hier vor dem Ball und bringt dadurch seinen Körper zwischen diesem und seinem Gegenspieler. Das bringt ihm den entscheidenden Vorteil und er kann gleich mit dem ersten Ballkontakt sein drittes Saisontor erzielen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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