Wenige Wochen vor dem Start in die Frühjahrssaison der tipp3-Bundesliga nimmt abseits.at die zehn Vereine genauer unter die Lupe. Nach den Spielerbewertungen und den... Toranalyse zur Herbstsaison der tipp3-Bundesliga | SC Wiener Neustadt

Peter Hlinka (SC Wiener Neustadt)Wenige Wochen vor dem Start in die Frühjahrssaison der tipp3-Bundesliga nimmt abseits.at die zehn Vereine genauer unter die Lupe. Nach den Spielerbewertungen und den Verbesserungstipps, werden in diesem Teil einige Besonderheiten und taktische Highlights im Hinblick auf die erzielten Tore betrachtet. In diesem Artikel betrachten wir den SC Wiener Neustadt, der mit 15 erzielten Treffern am Ende der Tor-Nahrungskette steht und dementsprechend wenig Stoff hergibt.

6. Runde: FC Red Bull Salzburg – SC Wiener Neustadt 0:1, Peter Hlinka

Fünf der 15 Treffer erzielte der SC Wiener Neustadt nach einer Freistoßflanke oder im Anschluss an einen Eckball. Die Laufwege gestalteten sie dabei meist zwar nicht überaus komplex, dafür aber effektiv. Lediglich das 1:0 in der sechsten Runde in Salzburg sticht in dieser Hinsicht deutlich heraus.

Hier sieht man die Ausgangspositionen der Spieler. Die Salzburger stehen größtenteils im Raum – nur um den Elferraum gibt es eine Mann-zu-Mann-Zuordnung – , was den Vorteil hat, dass sich Mitspieler beim Verfolgen der Gegenspieler gegenseitig im Weg stehen – wie es beispielsweise Wacker Innsbruck phasenweise ausnützt. Der Nachteil dieser Variante ist in diesem Fall erkennbar. Aufgrund der großen Abstände sind die Reaktionszeiten auf die Aktionen der Wiener Neustädter relativ groß. Blau hervorgehoben sind jene Spieler, die dadurch einen Nutzen ziehen werden. Weiters von Bedeutung sind die Bewegungen von Peter Hlinka (gelb) und Daniel Offenbacher (orange). Der 20-Jährige zieht seinen Gegenspieler Valon Berisha (rot) aus dem Zentrum weg und öffnet damit den Passweg entscheidend. Die einstudierte Variante sieht nämlich eine flache Hereingabe in den Elferraum vor, wie im nachstehenden Bild zu sehen ist.

Die vier Niederösterreicher haben den entscheidenden Vorteil agieren zu können und sind bereits zum Zeitpunkt des Abspiels entscheidend vorne. Die Bullen müssen reagieren, folgen ihren Gegenspielern, was den Gästen wiederrum viel Platz im Rückraum gibt. Dorthin orientiert sich indes Hlinka, der nach anfänglichem Zulaufen aufs Tor wendet. Da der Slowake von den Mozartstädtern nicht beachtet wird und sämtliche SCWN-Akteure über den Ball drübersteigen, kann er das erste seiner bisher zwei Saisontore erzielen.

20. Runde: SC Wiener Neustadt – SK Rapid Wien 1:0, Dario Tadic

Mit einem überraschenden 1:0-Heimsig gegen den SK Rapid Wien beendete Wiener Neustadt die Herbstsaison und entging so der Schmach die rote Laterne den Winter über herumzutragen. Den Siegtreffer erzielte Dario Tadic, der dabei vor allem mit einem gut gewählten Laufweg glänzte. Das vierte Saisontor des gebürtigen Bosniers hat seinen Ursprung in einem Ausschuss von Rapid-Tormann Lukas Königshofer.

Im Normalfall wissen die Spieler der ballbesitzenden Mannschaft wohin der Ball geschlagen wird und können sich in der entsprechenden Zone aufstellen um den Ballbesitz in der Folge zu gewährleisten. Im obigen Bild sieht man, dass dies bei Rapid allerdings nicht der Fall ist. Die Wiener überlassen ihrem Gegner am Mittelkreis – ein ohnehin sehr beliebtes Zielgebiet bei Ausschüssen – den Abschlag, der zugegebenermaßen auch wenig platziert und überhastet wirkte. Somit kann Wiener Neustadt den Ball postwendend retournieren, was insofern problematisch ist, als sie mit einem simplen Kopfball die gesamte grün-weiße Mittelfeldreihe überbrücken.

Daher muss, wie man hier erkennen kann, Gerson (orange) aus der Abwehrkette rausrücken um Daniel Offenbacher zu attackieren. Allerdings gelingt es diesem den Ball direkt auf Stefan Rakowitz (rot) weiterzuleiten, der in der Folge die geöffnete Schnittstelle, die sich durch Gersons Herausschieben ergab, anzulaufen. Tadic (gelb) befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer Abseitsstellung, da Mario Sonnleitner (grün) und Thomas Schrammel (blau) entsprechend hoch stehen. Der Stürmer profitiert aber vom Laufweg seines Teamkollegen – ebenso wie am oberen Bildrand Dominik Hofbauer (schwarz) gegen Michael Schimpelsberger (weiß).

Aufgrund der guten Bewegungen der Wiener Neustädter ist der Angriff ab diesem Zeitpunkt nur mehr schwer aufzuhalten. Tadic (gelb) kreuzt nicht nur den Diagonallauf von Rakowitz, er bewegt sich dabei auch gegen die Laufrichtung seiner Gegenspieler. Schrammel (blau) muss wenden, kommt aufgrund des dadurch auftretenden Geschwindigkeitsnachteils gegen Tadic am Ende aber zu spät. Weiters muss auch Sonnleitner (grün) seine Richtung ändern, da Rakowitz den Raum zwischen ihm und Schimpelsberger (weiß) andribbelt. Der Rechtsverteidiger rückt daher folgerichtig ein, öffnet dadurch aber die Außenbahn für Hofbauer (schwarz). Dieser kann den Steilpass seines Teamkollegen schließlich ohne Druck querlegen und sich über den zweiten Assist in der laufenden Saison freuen.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem