Nach dem historischen Dreifach-Double gilt Red Bull Salzburg auch in der kommenden Saison als größter Favorit auf die beiden wichtigsten Titel im österreichischen Fußball.... Transfers erklärt: Darum wechselten Munas Dabbur und Fredrik Gulbrandsen zu Red Bull Salzburg

_Oscar Garcia 2 - Red Bull SalzburgNach dem historischen Dreifach-Double gilt Red Bull Salzburg auch in der kommenden Saison als größter Favorit auf die beiden wichtigsten Titel im österreichischen Fußball. Das liegt vor allem daran, dass sie im Sommer bisher mächtig aufrüsteten. abseits.at wirft einen genauen Blick auf die Sommerneuzugänge des Titelverteidigers.

Abgesehen vom jüngsten Transfers von Stefan Stangl verpflichtete Red Bull Salzburg bisher ausschließlich Spieler für die Offensive. Schon im Winter wollte Oscar Garcia in diesem Bereich angeblich nachbessern, musste aber mit dem vorhandenen Personal vorliebnehmen. Nicht immer wirkte es so als ob dieses zum gewünschten Spielstil passen würden. Mit den Sommerneuzugängen sollte dies behoben werden.

Der nächste potenzielle Superstar der Bundesliga

Unter anderem bekam Garcia seinen Wunschspieler Munas Dabbur. Dieser spielte schon bei Maccabi Tel Aviv unter dem Spanier und kam nun vom Grasshopper Club Zürich. Für die Schweizer erzielte er in den letzten zweieinhalb Jahren in 92 Pflichtspielen 49 Tore und legte 26 weitere vor – eine beeindruckende Quote. Gerade von ihm darf man sich daher aus Salzburger Sicht sehr viel erwarten. Generell bringt der 24-jährige israelische Nationalspieler alle Anlagen mit um der gesamten Liga seinen Stempel aufzudrücken.

Keine augenscheinlichen individuellen Schwächen

Sieht man sich die zahlreichen Highlight-Videos an, die im Netz kursieren, dann erkennt man auf den ersten Blick kaum Schwächen. Er wirkt technisch sehr sauber, überaus explosiv, variantenreich im Abschluss und Dribbling, hat ein Auge für die Mitspieler und ist körperlich robust. Es ist also weniger die Torgefährlichkeit, die Dabbur zum potenziellen neuen Superstar der Bundesliga macht, sondern vielmehr sein individuell extrem breites Fähigkeitsprofil und seine sehr intuitive Spielweise. All das macht ihn natürlich auch zu einem weitaus spektakuläreren Spieler als beispielsweise Rapid-Königstransfer Arnor Ingvi Traustason.

Die Systemfrage

Sowohl in Tel Aviv als auch bei den Grasshoppers spielte Dabbur fast ausschließlich als Solostürmer, was die Frage aufwirft, inwiefern das mit der Einbindung von Jonatan Soriano vereinbar ist. Der Spanier konnte in den letzten Jahren bei den Bullen mit einer noch größeren Konstanz und Torquote beeindrucken, wird – sofern fit – auch in der kommenden Saison unumstritten sein. Was könnte Garcia also unternehmen um beide Torjäger gemeinsam am Feld zu haben?

Zweistürmersystem naheliegend, aber nicht perfekt

Die naheliegende Antwort lautet natürlich: Ein System mit zwei Stürmern. Etwas, das man bei den Salzburgern im Frühjahr regelmäßig, aber nicht durchgehend sah. Markant war dabei vor allem die unkonventionelle Einbindung des Zehners. Aufgrund der vielseitigen Anlagen von Dabbur und Soriano dürfte das auch weiterhin kein Problem darstellen. Im Gegenteil: da sich Dabbur ebenfalls gerne aus dem Sturmzentrum zurückfallen lässt, würde das die Salzburger vermutlich noch schwerer zu verteidigen machen.

Wie Soriano verfügt der Israeli über einen sehr starken First Touch, kann Bälle schnell und präzise ablegen sowie sich selbst um den Gegner drehen. Das macht auch den Einsatz des lange praktizierten 4-4-2 grundsätzlich möglich. Prinzipiell war das auch mit Omer Damari möglich, doch Dabburs Landsmann fokussierte sich zu sehr auf die Gefahrenzone, was einige Probleme mit sich brachte. Auch weil die personelle Besetzung der Flügel nicht zu den Profilen der Stürmer passte. Während Red Bull am Höhepunkt in Kevin Kampl und Sadio Mane zwei sehr dribbelaffine Spieler dort hatte, waren es zuletzt eher Zuarbeiter, die die nötige Dynamik nicht erzeugten.

Mehrere 4-3-3-Abwandlungen möglich

Schwieriger wäre der gleichzeitige Einsatz von Dabbur und Soriano im von Garcia angeblich präferierten 4-3-3. Grundsätzlich bringt der Neuzugang zwar die individuellen Anlagen mit, um die Rolle am Flügel einzunehmen, inwiefern er dazu auch die passenden Bewegungen zeigen könnte, ist fraglich. Als Kompromiss wäre eine leichte Abwandlung in Richtung 4-3-2-1 möglich, mit Dabbur als tororientierte und dynamische hängende Spitze. Hier könnte es zudem zu Rochaden mit Soriano und, je nach personeller Besetzung, auch mit dem dritten Angreifer kommen.

Ein weiterer wichtiger Entscheidungspunkt ist aber auch, wie die Besetzung Mittelfeldzentrum aussehen wird. Gibt es die nötige Absicherung für Dabbur und einen vertikalen, spielmachenden Achter, dann ist auch ein asymmetrisches 4-3-3 realistisch. Ein 4-3-2-1 würde hingegen auch dann möglich sein, wenn das Mittelfeldtrio mit stabilisierenden und balancierenden Akteuren besetzt wird.

Ein Überraschungstransfer aus dem Norden

Neben Dabbur holte Red Bull Salzburg noch einen zweiten nominellen Stürmer: Fredrik Gulbrandsen. Angesichts der oben beschriebenen offenen Fragen und den starken Youngsters Dimitri Oberlin und Smail Prevljak scheint dies eine durchaus ungewöhnliche Verpflichtung zu sein. Gulbrandsen kommt von Molde, wo er nach einer schweren Verletzung einen starken Saisonstart mit sechs Scorerpunkten in neun Spielen hatte. Im Gegensatz zu Dabbur ist der 23-jährige Norweger allerdings ein ganz anderer Spielertyp, der auf den ersten Blick auch nicht zur anvisierten ballbesitzorientierten Spielidee Garcias passt.

Gulbrandsen ist ein sehr weiträumiger und laufstarker Spieler, der selten spektakuläre Einzelaktionen zeigt. Obwohl er eine durchaus gute Torquote hat, so ist er dennoch eher ein Zuarbeiter als Vollstrecker. Jemand, der durch seine ständigen, gruppentaktisch nicht immer passenden Bewegungen Räume öffnen kann und vor allem mit Pässen hinter die gegnerische Abwehr eingesetzt werden sollte. Insofern ist er wohl weniger eine Option für die Rolle des Solostürmers, sondern ein mögliche Ergänzung, sollte entweder nur Soriano oder nur Dabbur spielen.

Potenzieller Top-Joker

Dass die drei gemeinsam am Platz stehen werden, wird wohl eher die Ausnahme sein und wäre wohl am besten im bereits erwähnten 4-3-2-1 zu realisieren. Ansonsten darf man Gulbrandsen hauptsächlich in der Joker-Rolle erwarten, was ihm durchaus liegen dürfte. Mit seinem laufintensiven Spiel könnte er die in aller Regel schon müden und daher taktisch nicht mehr einwandfreien Verteidiger stark beschäftigen und ständig zu Entscheidungen zwingen.

So oder so: die Verpflichtungen von Dabbur und Gulbrandsen heben Salzburgs Angriff nicht nur individuell auf ein höheres Niveau, sondern erlauben eine viel variablere Spielweise – genau das, das sich Garcia bei seinem Amtsantritt gewünscht hatte.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem