Franco Foda wird mit Ende Mai 2012 seine Tätigkeit bei Sturm Graz beenden. Warum kommt ein Vertrag, der mündlich schon von beiden Seiten abgesegnet... Umbruch in Graz – Eine schiefe Optik

Franco Foda wird mit Ende Mai 2012 seine Tätigkeit bei Sturm Graz beenden. Warum kommt ein Vertrag, der mündlich schon von beiden Seiten abgesegnet wurde, nicht zustande? Warum verlässt ein Trainer seinen Klub nach mehr als zehn Jahren? Fragen über Fragen. Was bleibt, ist eine schiefe Optik.

 

Erfolge über Erfolge

Franco Foda wurde im Jahr 2003 als Nachfolger von Michael Petrovic als neuer Sturm-Trainer vorgestellt. Der Deutsche war bereits als Spieler äußerst erfolgreich für Sturm im Einsatz gewesen und erreichte mit den Grazern zuvor drei Mal die Gruppenphase der Champions League. Foda war Teil der legendären Sturm-Elf mit Vastic, Haas und Reinmayr gewesen. Als der Defensivspezialist aber das Traineramt beim Traditionsverein aus Graz übernahm, mehrten sich die kritischen Stimmen. Foda hatte bis dahin lediglich ein Jahr als Trainer der Amateure Erfahrung, was vielen Fans zu wenig war. Doch Foda zeigte, was in ihm steckt und führte Sturm nach finanziellen Schwierigkeiten und dem kurzfristigen Absturz langsam aber sicher wieder an die Spitze des österreichischen Fußballs. Und das, obwohl die Grazer nach dem unrühmlichen Abgang von Ex-Präsident Kartnig finanziell herbe Einbußen zu verdauen hatten.

Internationale Highlights, aber (fast) keine Titel

National erreichte man immer wieder beachtliche Ergebnisse, Titel hatten allerdings Seltenheitswert. 2010 gewann Sturm den ÖFB-Cup, davor gab es aber schon den Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Dort verpasste man zwar klar den Aufstieg, holte aber Punkte gegen Galatasaray Istanbul und verdiente gutes Geld für die Vereinskassa. Foda war bereits nach wenigen Jahren Tätigkeit als Sturm-Coach dafür bekannt, dass er ein Trainer ist, der kein Problem damit hat, junge Spieler aufzubauen und auf große Namen zu verzichten. So entwickelten sich unter Foda Spieler wie Jürgen Säumel, Christoph Leitgeb oder Sebastian Prödl zu Nationalspielern und brachten dem Klub teilweise wichtiges Geld ein. Als Foda den in Österreich kaum mehr beachteten Roman Kienast nach Graz holte, erntete er Hohn und Spott. Doch Kienast schoss Tor um Tor, und Sturm befand sich plötzlich im Titelrennen.

Der große Wurf

Als im Mai 2011 der Meistertitel nach Graz wanderte, verstummten die Lästermäuler. Eine Bestätigung für Foda und die ganze Mannschaft, auch wenn man in der darauffolgenden Champions-League-Qualifikation knapp an BATE Borisov scheiterte. Mit dem Meistertitel setzte sich Foda in Graz ein Denkmal, das dafür sorgen wird, dass der 45-Jährige nicht in Vergessenheit geraten wird. Mit Salzburg, Rapid und der Wiener Austria galt es drei Klubs, die allesamt höher und finanziell potenter eingeschätzt wurden, zu übertrumpfen. Foda gelang es.

Begehrlichkeiten aus dem In- und Ausland

Die konzentrierte Arbeit Fodas blieb den Vereinen und Verbänden im In- und im Ausland nicht verborgen. Immer wieder tauchten Gerüchte über einen Wechsel in die deutsche Bundesliga auf. Foda lehnte Vertragsverhandlungen aber stets ab – aus einem guten Grund: er hatte mit seiner Frau vereinbart, dass die Familie solange in Graz bleibe, bis Fodas jüngster Sohn die Matura absolviert hatte. Daran hielt sich der Stratege, ein Wechsel ins Ausland war damit schnell vom Tisch. Auch als Teamchef Österreichs war Foda lange im Gespräch, manche österreichischen Tageszeitungen vermeldeten sogar bereits Vollzugsmeldungen und eine Einigung zwischen Foda und dem ÖFB. Doch wie sich herausstellte, waren diese Meldungen das Produkt kreativer Möchtegerninsider. Foda blieb in Graz, die Vertragsverlängerung bei Sturm war nur eine Frage der Zeit. Oder doch nicht?

Das große Mysterium

Dann ging alles ganz schnell. Foda und Sturm einigten sich mündlich, einige Wochen später sickerte aber durch, dass kein neuer Vertrag zustande kommt. Warum plötzlich die Wende? Foda gab zu Protokoll, der Verein hätte sich nicht an die mündliche Abmachung gehalten und wichtige Details plötzlich entscheidend verändert. Präsident Stockenhuber wiederum behauptete, Foda wäre zum Unterschriftstermin plötzlich mit neuen Forderungen erschienen. Aussage gegen Aussage, mit einer logischen Folge: es kommt kein Vertrag zustande. Was bleibt, ist eine etwas schiefe Optik. Zwei Vertragspartner, deren über ein Jahrzehnt lange Zusammenarbeit erst kürzlich ihren Höhepunkt erreichte, können sich nicht einigen und beschuldigen sich gegenseitig öffentlich der Lüge. Unabhängig davon, wer in der rätselhaften Geschichte des doch nicht verlängerten Vertrags ein bisschen geschummelt hat: Fodas jüngster Sohn darf seit dem Sommer offiziell von sich behaupten, „reif“ zu sein. Seine Matura ist abgeschlossen.

Der Weg ist frei – wird Foda ein Bulle?

Somit wäre für Foda der Weg zu einem neuen Klub – möglicherweise auch im Ausland – frei, seine Frau würde ihm keine Steine in den Weg legen. Der Grund für Fodas plötzlichen Umschwung? Wie man hört, soll Foda auf eine Ausstiegklausel für ausländische Vereine bestanden haben. Doch plötzlich mangelt es an ernsthaften Interessenten. Hertha BSC, wo sich der Name Foda lange und hartnäckig als Nachfolger von Markus Babbel hielt, verpflichtete Michael Skibbe; das ÖFB-Team wird bekanntlich von Marcel Koller betreut. Die Austria, die nach dem Rauswurf von Karl Daxbacher ebenfalls die Fühler nach Foda ausgestreckt haben soll, wird neuerdings von Ivica Vastic gecoacht. In der deutschen Bundesliga scheint nicht allzu bald ein Trainerposten frei zu werden – in Österreich bleibt noch Red Bull Salzburg. Dass Foda das Projekt Red Bull – in welcher Funktion auch immer – reizen würde, ist mittlerweile in Grazer Kreisen ein offenes Geheimnis. Ricardo Moniz ist bei den Bullen trotz des Aufstiegs in der Europa League nicht unumstritten – außerdem wurde Sportchef Heinz Hochhauser kürzlich gefeuert. Ein Job, den Foda schon bei Sturm inne hatte. Wird Foda also ab nächstem Jahr ein Bulle? Was bliebe, wäre – ganz genau – eine schiefe Optik.

Archimedes, www.abseits.at

Archimedes

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