Die Herbstsaison 2014/2015 in der tipico Bundesliga ist beendet. In dieser Serie nimmt abseits.at den bisherigen Saisonverlauf, die Taktik, die wichtigsten Team- und Spielerstatistiken... Unscheinbarer, aber effizienter Aufsteiger – Das war die Herbstsaison des SCR Altach

SC Rheindorf Altach - Wappen mit FarbenDie Herbstsaison 2014/2015 in der tipico Bundesliga ist beendet. In dieser Serie nimmt abseits.at den bisherigen Saisonverlauf, die Taktik, die wichtigsten Team- und Spielerstatistiken und die besten Akteure der zehn österreichischen Bundesligaklubs unter die Lupe. In diesem Artikel sehen wir uns den SCR Altach an.

Bisheriger Saisonverlauf

Die Aufsteiger der letzten Jahre schafften es stets, in der ersten Saison nach dem Aufstieg für Furore zu sorgen. Insbesondere der SV Grödig unter Adi Hütter tat dies aufgrund einer sehr spektakulären Spielweise. Dem SCR Altach traute man eine derartige Rolle nicht zu. Tatsächlich standen die Vorarlberger nie an der Tabellenspitze oder überhaupt in den Top drei, dennoch spielten sie eine sehr solide Herbstsaison und können ohne Abstiegsangst ins Frühjahr gehen.

Nur in den ersten Runden, als es bis auf die beiden überragenden Teams aus Salzburg und Wolfsberg, keine Konstanten gab, ging es bei den Altachern auf und ab. Nach dem ersten Saisonviertel setzten sie sich aber in den Europacupplätzen fest. In den letzten neun Spielen war sie sogar das beste Team der Liga. Nur Red Bull Salzburg holte in diesem Zeitraum ebenfalls 17 Punkte. Gegen die Bullen feierte Altach auch den höchsten Saisonsieg – 4:1 am 15. Spieltag.

Taktik und Spielweise

Ein Grund dafür, dass die Altach im Vergleich zu den letzten Aufsteigern weniger Glanz hat, ist die Spielweise des Teams von Damir Canadi. Die Admira überzeugte 2011/2012 mit einem enorm präzisen Konterspiel, der SV Grödig mit einem mutigen, aber chaotischen Pressing und auch die Spiele von Nenad Bejlicas Wolfsberger waren nicht selten ein Spektakel. Bei den Altachern fehlt hingegen diese klare, prägende Eigenschaft, was aber gleichzeitig ihr größter Trumpf ist.

Unter Canadi agieren die Vorarlberger sehr flexibel, passten sich im Herbst immer wieder gute an den Gegner und dessen Spielweise an. Sie neutralisierten ihn weitestgehend und konnten dann erfolgreiche Nadelstiche setzen. Formativ traten sie in mehreren Grundordnung an – unter anderem auch ein 3-5-2 gegen Red Bull Salzburg. Zu Beginn der Saison präsentierte man sich im Wesentlichen in einem 4-3-3, am Ende des Herbsts war es ein eher klassisches 4-4-2.

Teamstatistiken

Statistisch überzeugen die Altacher vor allem in jenen Kategorien, die auf eine hohe Stabilität schließen lassen. 23 Gegentore bedeuten die zweitbeste Defensive. Zum Vergleich: Grödig hatte letzte Saison nach 19 Spielen bereits 35 Gegentore am Konto, beim WAC waren in der Aufstiegssaison 32 und bei der Admira 28. Dafür haben sie nur 27 Tore geschossen, was aber in etwa der Bundesliga-Durchschnitt im Herbst war.

Zurückzuführen ist diese niedrige Zahl vor allem auf die schlechte Chancenauswertung (11,6%), denn nur ein Team schoss häufiger auf das gegnerische Tor als der SCR Altach (232). Auch die Direktheit in den Angriffen lässt sich anhand der Pässe-pro-Schuss-Statistik erkennen – nur die Rieder kommen schneller zum Abschluss. Dass die Altach nur schwer zu knacken sind liegt hauptsächlich an der guten Strafraumverteidigung (531 klärende Aktionen insgesamt), denn sie brauchen im Schnitt am häufigsten, bis sie dem Gegner das Spielgerät abjagen (11 gegnerische Pässe pro Balleroberung).

Spielerstatistiken

In diesem Abschnitt sehen wir uns die wichtigsten Spielerstatistiken, aufgeschlüsselt nach Positionen und normiert auf eine Einsatzzeit von 90 Minuten, an. Voraussetzung ist, dass ein Spieler mindestens 500 Minuten spielte.

Beste Zweikampfquote (Abwehr): Cesar Ortiz (63,6%)

Meiste Balleroberungen (Abwehr): Cesar Ortiz (7,5)

Meiste klärende Aktionen (Abwehr): Cesar Ortiz (9,6)

Meiste Pässe (Mittelfeld): Philipp Netzer (50,7)

Beste Passquote (Mittelfeld): Jan Zwischenbrugger (80,3%)

Meiste Torschussbeteiligungen (Mittelfeld): Ismael Tajouri-Shradi (3)

Meiste Balleroberungen (Mittelfeld): Philipp Netzer (7,9)

Meiste Pässe (Angriff): Ivan Kovacec (34)

Meiste Torschüsse (Angriff): Ivan Kovacec (3,1)

Beste Chancenverwertung (Angriff): Louis Ngwat-Mahop (21,7%)

Die Topspieler

Andreas Lienhart – Der 28-Jährige war wohl der auffälligste Außenverteidiger der Liga und wusste mit sieben Scorerpunkten (drei Tore, vier Assists) vor allem in der Offensive zu überzeugen. Außerdem hatte ligaweit nur ein Spieler in der Hinrunde insgesamt mehr Ballkontakte als er (1281).

Philipp Netzer – Das Metronom im Spiel der Vorarlberger. Netzer spielte pro Spiel aber nicht nur die meisten Pässe seines Teams, sondern sicherte die Vorstöße seiner Mitspieler strategisch gut ab. Kein Altacher fing mehr Bälle ab und verzeichnete mehr Tackles.

Ivan Kovacec – Die Offensive wurde sowohl taktisch als auch personell flexibel gestaltet, Kovacec war jedoch ein Fixpunkt. Der 26-jährige Flügelspieler war pro 90 Minuten Einsatzzeit an den meisten Torschüssen beteiligt (5,5). Ligaweit wird dieser Wert nur von einem Spieler überboten.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem