Einmal mehr sorgte der FK Austria Wien am Sonntagabend für eine spektakuläre Fußballpartie. Auch wenn sich die Veilchen darüber insgesamt nicht freuen können, kamen... Verschossener (!) Elfmeter bringt die Austria wieder ins Spiel – 2:2 gegen Wacker Innsbruck

Einmal mehr sorgte der FK Austria Wien am Sonntagabend für eine spektakuläre Fußballpartie. Auch wenn sich die Veilchen darüber insgesamt nicht freuen können, kamen sie dabei erneut auf ihr Lieblingsergebnis, nämlich das vierte 2:2 im sechsten Pflichtspiel in Folge.

Wacker Innsbruck kam besser in die Partie und führte nach einer halben Stunde überraschend mit 2:0. Peter Hackmair sorgte mit seinem ersten Bundesligator seit 8.August 2010 (damals für Ried und ebenfalls auswärts gegen die Austria) für den Führungstreffer, der 20-jährige Daniel Schütz stellte eine Viertelstunde danach auf 2:0. Für ihn war es sein erstes Bundesligator überhaupt. Dieses wiederum resultierte aus einem schönen Heber, nachdem die Abseitsfalle der Austria nicht funktionierte – ein Phänomen, das man in der laufenden Saison nicht erst einmal beobachten konnte, obwohl die etatmäßige Viererkette mit Klein, Margreitter, Ortlechner und Suttner bestens eingespielt sein sollte. Die Austria fand in der ersten Halbzeit spielerisch kaum Mittel, um die gut gestaffelte Innsbrucker Elf aus dem Konzept zu bringen. Aber es wäre nicht die Austria gewesen, wenn die zweite Halbzeit nicht doch noch turbulent und spannend geworden wäre.

Ouschan polarisiert

Zum ersten Mal wurde ein Spiel mit Austria-Beteiligung vom 27-jährigen Vorarlberger Dominik Ouschan geleitet. Die Fans, die etwa gegen Ende der zweiten Halbzeit „Schiebung“ vermuteten, meinten in der zweiten Halbzeit Grund für lautstarke Schiedsrichterkritik zu haben. Der Schuldige für eine spielerisch mäßige Darbietung war gefunden. In Wahrheit war der Schiedsrichter jedoch keine kleine Hilfe für die Wiener und eine wichtige Polarisierungsfigur, die das Spiel noch einmal hitzig machte – was der Austria am Ende wohl den Punkt rettete. Ouschan, der sich bisher in den meisten seiner Spiele auszeichnen konnte und als großes Schiedsrichtertalent gilt, verlor in der zweiten Halbzeit seine Linie aus den Augen. Zunächst pfiff der Nachwuchsreferee großzügig, ließ viel durchgehen, um dann aber in der zweiten Halbzeit muntere Kartenspiele zu starten. Und auch in zwei entscheidenden Situationen lag der Hohenemser höchstwahrscheinlich falsch.

Elfmeteralarm nach dem 1:2

In der 54.Minute sorgte Michael Liendl nach einer flachen Hereingabe von Nacer Barazite für das 1:2. Liendl konnte sich den Ball sieben Meter vor dem Tor stoppen, herrichten und ins lange Eck einnetzen. Es war die erste Situation, in der die Innsbruck-Abwehr, die bisher die Zentralachse sehr gut verschloss und dabei auch vom Mittelfeld sehr gut unterstützt wurde (Abraham spielte zeitweise die Position eines Vorstoppers), indisponiert war und hinter sich auf einen Austria-Akteur vergaß. Nur zwei Minuten später hätte Ouschan auf Elfmeter für Innsbruck entscheiden können. Peter Hackmair war auf dem Weg in Richtung Heinz Lindner, als ihn Manuel Ortlechner mit einem grenzwertigen Tackling im Strafraum von den Beinen holte. Auch in der fünften Zeitlupe war die Situation noch schwer auflösbar: Ortlechner traf Hackmair definitiv – ob er dem Ball die Richtungsänderung gab oder Hackmairs Außenrist war jedoch schwer zu sehen. Über einen Elfmeter hätte sich die Wiener Austria so oder so nicht beschweren dürfen – und das wäre die Chance auf ein postwendendes 1:3 für die Tiroler gewesen.

Kogler „besticht“ Ouschan

Zwischen dem 1:2 und dem Ausgleich in der Nachspielzeit liegen einige Leerläufe. Wacker Innsbruck verstand es weiterhin schnell mit einigen Spielern hinter den Ball zu kommen und der Austria somit das kreative Potential, vor allem im Flügelspiel, zu nehmen. Hohe Hereingaben waren an diesem Abend allgemein kein probates Mittel: Inmitten des Strafraums hatte Wacker dank Kofler, Dakovic und Abraham die Lufthoheit. Zu den Leerläufen gesellten sich aber auch grobe Unsportlichkeiten beider Parteien. Nach 78 Minuten pfiff die Austria aufs Fairplay und spielte den Innsbruckern einen Ball nicht „agreementgemäß“ zurück. Diese unüberlegte Aktion machte Spiel und Charaktere noch nervöser – es folgten weitere fünf gelbe Karten in den inklusive Nachspielzeit letzten 17 Minuten, insgesamt gab’s in einer Partie mit 47 Fouls sieben Verwarnungen. Für die Unsportlichkeit auf der anderen Seite zeichnete Gäste-Trainer Walter Kogler verantwortlich, der Schiedsrichter Ouschan hämisch einen Geldschein anbot und dafür auf die Tribüne musste.

Falscher Elfmeterpfiff in Minute 90

Dem ironisch-süffisanten Geldangebot des Kärntners auf der Wacker-Bank ging ein Elfmeterpfiff von Dominik Ouschan voraus. Nacer Barazite hatte zuvor Marco Kofler aus kurzer Distanz angeschossen und dessen Arm getroffen. Koflers Arm war eindeutig angelegt, der Elfmeter somit eine glatte Fehlentscheidung. Hätte Ouschan, der die Nachspielzeit erst nach Ausführung des Elfmeters auf fünf Minuten festlegte, nicht gepfiffen, wären die Tiroler wohl als Sieger vom Platz gegangen. So jedoch scheiterte Nacer Barazite an Szabolcs Safar und die Angriffe der Austria wurden noch wütender. Erst in der 93.Minute erlöste Zlatko Junuzovic die Veilchen, indem er aus einem Gestocher das 2:2 erzielte.

Ildiz nur ans Aluminium

Eine echte Erlösung war dies jedoch noch nicht – den Matchball vergab doch noch der FC Wacker! Muhammed Ildiz wurde nahe der Strafraumgrenze gefoult, Dominik Ouschan gab Freistoß und ließ gegen Alexander Grünwald Gnade vor Recht ergehen, ließ die Karte für den bereits gelbvorbelasteten Einwechsler der Austria stecken. Ildiz, Rapid-Leihgabe und als guter Freistoßschütze bekannt, zirkelte den Ball nahezu perfekt über die Mauer, doch die Stange verhinderte die neuerliche Führung für die Innsbrucker. Unterm Strich steht ein leistungsgerechtes 2:2, weil Innsbruck über weite Strecken defensiv sehr clever und offensiv sehr effizient spielte, andererseits jedoch in der zweiten Halbzeit gegen die klar feldüberlegene Austria keinen Stich machte. Und wie nach dem Linzer Derby sorgte der 27-jährige Ouschan für viel Gesprächsstoff, was jedoch die Innsbrucker eher wurmen sollte als die Wiener…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Gast

    7.November.2011 #1 Author

    ich bin auch der meinung, dass der hands-elfer nicht zu pfeifen war. dem freistoß der das 0:2 einleitete ging aber ein sehr ähnliches „handspiel“ voraus. (außerdem wurde die ausführung des freistoßes vom ort des vergehens ca. 7 meter richtung austria-tor verlegt) das sollte man gerechterweise auch erwähnen wenn man von schiedsrichter fehlentscheidungen spricht.
    ouschan hat generell katastrophal gepfiffen – welche mannschaft mehr darunter gelitten hat lässt sich schwer sagen!

    Antworten

  • Martin Böswarth

    7.November.2011 #2 Author

    „Nach 78 Minuten pfiff die Austria aufs Fairplay und spielte den Innsbruckern einen Ball nicht „agreementgemäß“ zurück.“

    soweit ich mich erinnern kann, war da die Austria in Ballbesitz

    Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.