Sie sind die Spieler, über die im Voraus gesagt wird, dass sie eine „Bereicherung für die Liga“ sein werden. Und viele von ihnen spielen... Vom Schützenkönig bis zum Flop in Australien – das machen unsere Ex-Bundesliga-Legionäre (Teil 1)

Sie sind die Spieler, über die im Voraus gesagt wird, dass sie eine „Bereicherung für die Liga“ sein werden. Und viele von ihnen spielen nur kurze Zeit in Österreich. Wohin verschwanden die „Stars“, die vorallem von Mäzenen zugekauft wurden, teilweise in Österreich Meister wurden, teilweise floppten? Hier der erste von drei Teilen über die verlorenen Legionäre der letzten Jahre.

Die Wiener Austria unter Frank Stronach war ein Garant für spektakuläre Transfermeldungen – die sich einige Monate später nicht selten als Flops herausstellten. Die Arbeitsweise der „Chefeinkäufer“ rund um Frank Stronach war allerdings auch schwer egoistisch geprägt. Der „Alte“ warf eine Menge Geld ins Rennen, die Hintermänner der damaligen Austria-Transfers wirtschafteten konsequent in die eigene Tasche. So etwa beim Verkauf von Rabiu Afolabi an den FC Sochaux oder beim Kauf des Stronach als „belgischer Torschützenkönig“ (was er erst ein Jahr NACH seinem Austria-Gastspiel wurde!) präsentierten Tosin Dosunmu. Der spielt mittlerweile übrigens in der zweiten holländischen Liga bei MVV Maastricht. Der Nigerianer feiert in zwei Wochen seinen 31.Geburtstag und erzielte, nachdem er 2005/06 mit 18 Toren Schützenkönig bei Germinal Beerschot wurde, in fünf Jahren nur noch 21 Ligatore.

DER MANN MIT DEN 15 VEREINEN

Erinnert ihr euch an Júlio César? Der war damals gemeinsam mit Superstar Djalminha zur Austria gestoßen und wurde von Peter Svetits in der ersten Pressekonferenz als „Julius Cäsar“ angekündigt. Bevor der Brasilianer zur Austria wechselte, kickte er für Real Madrid, den AC Milan und Benfica Lissabon. Sein Highlight in Wien-Favoriten war ein Derbytor im Hanappistadion, das seinem Team einen Punkt rettete. Nachdem Júlio César die Austria im Sommer 2003 verließ, kickte er für acht (!) weitere Klubs: Real Valladolid, Bolton Wanderers, Tigres, Olympiakos Piräus, Dinamo Bukarest, Gaziantepspor, Maritimo Madeira und mittlerweile in den USA für Sporting Kansas City. Der mittlerweile 32jährige hält damit mittlerweile bei 15 Stationen als Profi!

AKOTO DOWN UNDER

Einer, der in Österreich nicht nur die Austria, sondern auch den GAK, die Admira und Kapfenberg abklapperte, war Eric Akoto. Der heute 30jährige Togolese war zeitweise statistisch belegt der beste Zweikämpfer der heimischen Bundesliga, zudem einer der besten Kopfballspieler. Nachdem seine Österreich-Karriere im Sommer 2009 bei Kapfenberg endete, kamen wieder Bewegung und viele Kilometer in seine Karriere: Eine halbe Saison kickte der Innenverteidiger für Maccabi Ahi Nazareth in der israelischen Liga, im Frühling 2010 wechselte Akoto zu OFI Kreta in die zweite griechische Liga, spielte zudem im Mai sein bis dato letztes Länderspiel für Togo. Seit Juli 2010 steht er in Australien unter Vertrag, wurde mit North Queensland abgeschlagener Letzter der australischen A-League…

DIE NORWEGER KÖNNEN’S NOCH!

Goalgetter Sigurd Rushfeldt kann’s übrigens noch immer: Mittlerweile ist der einstige Brecherstürmer der Austria 38 Jahre alt und spielt seit seinem Abgang aus Favoriten 2006 wieder bei seinem Stammklub Tromsö, wo er seitdem in 111 Spielen 46 Tore erzielte. Erst vor fünf Wochen gelang dem Routinier beim 4:0 gegen Brann Bergen ein Hattrick. Torinstinkt bleibt eben! Noch lauter ließ es Rushfeldts Landsmann Thorstein Helstad (34) krachen: Nach seinem Austria-Abgang erzielte er zuerst in 1 1/2 Jahren 15 Tore für Rosenborg Trondheim, danach in 2 1/2 Jahren 35 Tore für Brann Bergen und zuletzt in weiteren 2 1/2 Jahren wieder 35 Tore für Le Mans, wo er vergangene Saison Zweiter in der Torschützenliste der zweiten französischen Liga wurde. Le Mans verpasste den Aufstieg knapp und verlor Helstad damit an einen nächstjährigen Gegner: Der Norweger wurde von Überraschungsabsteiger AS Monaco verpflichtet.

WECHSELHAFTE KARRIERE-VERLÄUFE DER MEISTER

Und was passierte mit den Protagonisten der letzten Austria-Meistermannschaft? Fanliebling Joey Didulica (33) wechselte zu AZ Alkmaar und bestritt für den holländischen Spitzenklub nur noch 29 Spiele in fünf Jahren, wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Libor Sionko (34) kam über die Glasgow Rangers und den FC Kopenhagen zu Sparta Prag, wo er zwischen Startelf und Bank pendelt. Der 25fache bosnische Teamspieler Sasa Papac (31) machte es geschickter: Der ist nämlich seit 4 1/2 Jahren ein fester Bestandteil der Glasgow Rangers. Der Schwede Mikael Antonsson (30), der vor seinem Transfer zur Austria hochgelobt wurde, dann aber hauptsächlich durch mangelhafte Fähigkeiten im Spielaufbau auffiel, wechselte zuerst zu Panathinaikos Athen, wo er sich nicht durchsetzen konnte, danach zum FC Kopenhagen, wo er zwei Jahre Akklimatisierungszeit brauchte, dann aber zwei Jahre lang zum Stammpersonal gehörte und unterschrieb erst vor wenigen Tagen einen neuen Vertrag in Italien – der Innenverteidiger wechselt zum FC Bologna. Und dann wäre da noch der Slowake Filip Sebo (27), der mit der Austria nie richtig warm wurde. Nach nur sechs Pflichtspieltoren für Violett verließ der damals 22jährige die Austria in Richtung Glasgow. Nachdem er sich bei den Rangers nicht durchsetzen konnte, ging es weiter nach Frankreich, wo er bei Valenciennes floppte. Eine Rückkehr in die Slowakei erwies sich vor einem Jahr als Glücksfall für Sebo: Mit Slovan Bratislava wurde er, quasi vor den Toren Wiens, slowakischer Meister und mit 22 Saisontoren Schützenkönig. Alleine in den letzten drei Runden der Meisterschaftssaison 2010/11 erzielte er sieben von neun Slovan-Treffern!

BOSKOVIC MIT KREUZBANDRISS OUT

Die Transfers im Westen Wiens können von der Medienwirksamkeit nicht mit Stronachs Ära bei der Wiener Austria mithalten, werfen wir dennoch einen Blick nach Hütteldorf. Branko Boskovic, mittlerweile 31 Jahre alt, zeitweise der wohl beste Fußballer/Techniker der heimischen Bundesliga, verließ Rapid aus finanziellen Gründen, ist nun seit über einem Jahr ein „designated player“ in der amerikanischen Profiliga MLS. Dies bedeutet, dass er mehr verdienen darf, als der „Durchschnittskicker“. Der Montenegriner ist in Washington D.C. allerdings unglücklich, hadert mit dem spielerischen Unverständnis seiner Mitspieler, kann in der läuferisch harten und taktisch schwachen MLS „sein“ Spiel nicht aufziehen. Gerade als es danach aussah, dass sich Boskovic in den USA durchsetzen könnte, wurde er wieder jäh gebremst. Kurze Zeit nachdem er in einem Vorbereitungsspiel drei Tore für D.C. United erzielte, zog er sich einen Kreuzbandriss zu und fällt noch mindestens bis Oktober aus…

RAPIDS „KULT-ZWEIER“ VOR SEINER ABSCHIEDSTOURNEÉ

Und auch einen Kultstar aus länger vergangenen grün-weißen Zeiten gibt es noch: Der polnische Allrounder Marcin Adamski (böse Zungen behaupten er konnte jede Position gleich schlecht spielen) wechselte mit einem kleinen Umweg über Erzgebirge Aue zurück in seine Heimat, wo der heute 35jährige seit vier Jahren beim LKS Lódz unter Vertrag steht und bis Sommer 2010 zum Stammpersonal gehörte. Der an der Grenze zu Deutschland in Swinoujscie geborene Adamski, der vier Jahre für Rapid spielte, einst im Stadio delle Alpi Juventus-Star Pavel Nedved kaltstellte, absolvierte insgesamt drei Länderspiele für Polen, wird seine Karriere jedoch aller Voraussicht nach in der kommenden Saison ausklingen lassen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen