Die Schuhe derer, die trafen. Die Handschuhe derer, die Elfmeter hielten. Die Pokale, die man in deutlich glorreicheren Zeiten in den Nachthimmel über Hanappi-Stadion,... Von Schöneckers Taschenuhr, Krankls Schuhen und Happels Tschick – das „Rapideum“ ist eröffnet!

Die Schuhe derer, die trafen. Die Handschuhe derer, die Elfmeter hielten. Die Pokale, die man in deutlich glorreicheren Zeiten in den Nachthimmel über Hanappi-Stadion, Pfarrwiese oder sonstigen triumphalen Orten stemmen durfte. Das neue Museum des SK Rapid, genannt „Rapideum“, steht unter dem Leitspruch „Gemeinsam. Kämpfen. Siegen.“ – und es öffnete am vergangenen Donnerstag seine Pforten.

Was internationale Großklubs schon seit langere Zeit haben, braucht auch der österreichische Rekordmeister: Ein Klubmuseum, in dem man in schönen Erinnerungen schwelgen und in den Exponaten den Verein fühlen kann. Dies schuf Rapid nun am Fuß der Südtribüne des Hanappi-Stadions, erreichbar von der Keißlergasse. Die Eintrittspreise zur Dauerausstellung belaufen sich auf 3 bis 6 Euro und obwohl das Museum zunächst nicht sonderlich imposant, weil ziemlich klein wirkt, wird schnell sichtbar, dass Rapid hier sehr ökonomisch und liebevoll arbeitete.

Pfarrwiese ist Trumpf

Die Herzstücke des Museums springen sofort ins Auge: Direkt vor dem Eingang, mitten auf der Keißlergasse, steht eine Statue von „Mister Rapid“ Dionys Schönecker. Der 1938 verstorbene Spieler, Trainer und Funktionär prägte den berühmten „Rapid-Geist“ und ist das Flaggschiff des Museums. Ebenso wie Erinnerungen an die erfolgreichsten Zeiten des Vereins: Mitten im einzigen Ausstellungsraum findet sich ein nachgebautes Modell der legendären Pfarrwiese, direkt daneben eine Original-Sitzbank aus Rapids alter Heimstätte.

Vitrinen – aber vor allem Schubladen!

Im etwa 100m² großen Raum springen zunächst einige hübsch gestaltete Vitrinen und Trophäen ins Auge. Aber der erste Schein trügt, denn die Kuratoren des Museums, natürlich selbst glühende Rapid-Fans, ließen sich kein Platzproblem aufzwingen. Zusätzlich zu den Vitrinen und einigen kleinen Screens, auf denen der Fan die legendärsten Momente aus fast 113 Jahren Klubgeschichte Revue passieren lassen kann, entdeckt der Besucher schnell die zahlreichen Schubladen und Kästchen – allesamt gefüllt mit Rapid-Geschichte.

Jede Lade eine Überraschung

Man fühlt sich wie in einer Hochschaubahn durch die Zeit: In besagten Schubladen finden sich etwa die Spielerpässe von Legenden wie Robert Körner, die Handschuhe mit denen Payer und Hedl Elfmeter in Birmingham gegen Aston Villa parierten, die Schuhe, mit denen Christian Stumpf oder Hans Krankl im Europacup netzten. Man wird an legendäre Europacup-Spiele wie gegen Dresden, Nantes, Partizan Belgrad oder den Hamburger SV erinnert, ebenso wie an die schlechten Zeiten, als man etwa der Austria haushoch unterlag. Jede Schublade offenbart neue Schätze – und nach einiger Zeit wundert man sich nicht mehr darüber, wenn man eine Lade öffnet und darin so etwas Extravagantes findet, wie die Taschenuhr des Dionys Schönecker, oder so etwas Banales, wie die Zigaretten von „Wödmasta“ Ernst Happel.

Grün-Weiß unterm Hakenkreuz

Einen besonders eindrucksvollen Part der Ausstellung nimmt der Bereich über den SK Rapid Wien im Dritten Reich ein. Museumskurator Domenico Jacono arbeitete selbst am Buch „Grün-Weiß unterm Hakenkreuz“ mit, ist wie kein Zweiter über die Geschichte des Klubs informiert – und gestaltete deshalb eine kritische Schau, die unter dem Motto „Niemals vergessen“ steht. Mit der Rolle Rapids in der wohl dunkelsten Zeit der Menschheitsgeschichte wird offen umgegangen. Gewagt, mutig und dennoch sensibel.

Ansehen – und nochmal ansehen

Das Rapideum steckt wenige Tage nach seiner Eröffnung noch in seinen Kinderschuhen und präsentiert dennoch bereits eine Fülle an Exponaten, die das Herz jedes Rapid-Fans  höher schlagen lassen. Auch wenn der Ausstellungsraum zuerst danach aussieht, als müsste man sich auf keinen längeren Aufenthalt gefasst machen, darf man hier schon mal die eine oder andere Stunde verbringen, um intensiv in einen Verein mit abwechslungsreicher Geschichte einzutauchen. Ein Besuch reicht oft nicht aus, um die vielen Details zu erkennen, die diese Ausstellung zu etwas Besonderem machen.

Hard-Chorus „Rapid bin Ich“

Übrigens: Bei Rapid wusste man durchaus, wie man seinen Fans im Vorfeld der Eröffnung den Mund wässrig machen kann. Bekannte Fans aus der aktiven Szene, ehemalige Spieler, Klubservice-Leiter Andy Marek und Kapitän Steffen Hofmann fanden sich bereits vor einigen Wochen zu einem „Hard Chorus“ hinter der Westtribüne ein. Dabei wird das Lied „Rapid bin Ich“, die alte Vereinshymne des SK Rapid, dargeboten – eine virale Marketingkampagne für das Rapideum, die den Rapid-Geist und den generationsübergreifenden, traditionellen Zusammenhalt hervorkehrt.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen