In Kürze trifft der SK Rapid Wien auf Red Bull Salzburg und uns erwartet im Hanappi-Stadion eine Partie der Ungewissheit. Einerseits darf Rapid nicht... Was man heute von Rapid erwarten darf: Mehr Einsatz, sonst nichts…

In Kürze trifft der SK Rapid Wien auf Red Bull Salzburg und uns erwartet im Hanappi-Stadion eine Partie der Ungewissheit. Einerseits darf Rapid nicht so auftreten wie im Derby und gegen Leverkusen, andererseits stellt sich die Frage, ob die Grün-Weißen derzeit überhaupt mehr zu leisten im Stande sind. Die Fans fordern Veränderung im Verein – spontan wird es diese aber nicht geben.

Gegen Leverkusen wurden Rapid die eigenen Grenzen noch deutlicher aufgezeigt, als im Wiener Derby vier Tage zuvor. Rapid war über die gesamte Spielzeit „Zweiter“ und einigen Spielern durfte man nicht mal unbändigen Willen und Einsatz attestieren. Was übrigens auch für Rapid-Trainer Peter Schöttel gilt, der einmal mehr viel zu vorsichtig blieb.

Vier Sechser zu vorsichtig – gegen jeden Gegner!

Klar: Gegen eine Spitzenmannschaft wie Leverkusen kann man nicht von Minute 1 an auf Biegen und Brechen angreifen. Das wäre zweifelsohne ein Schuss ins eigene Bein. Allerdings ist auch eine Variante mit allen (!) vier Sechsern, die Schöttel zur Verfügung standen, kein klares Zeichen, dass man an einer Sensation interessiert wäre. Auch in den wichtigen Wechselphasen machte Schöttel Fehler, missinterpretierte die eigene Spielweise.

Leverkusens „hohes Spiel“ wäre eine Chance gewesen

Leverkusen stand allgemein in Vorwärtsbewegung sehr hoch – vor allem die Dreierreihe im Mittelfeld setzte Rapid mit der offensiven Grundposition stark unter Druck. Dahinter taten sich allerdings Räume auf und Rapid versuchte das Mittelfeld zu überbrücken, indem man hohe Bälle in den Rückraum der Leverkusener Mittelfeld-Dreierreihe spielte. Doch Solospitze Deni Alar war alleine auf weiter Flur ein „armes Schwein“, konnte sich logischerweise als Alleinunterhalter gegen die guten Leverkusener Abwehrspieler nicht durchsetzen.

Spontanes 4-3-1-2 hätte einiges verändert

Ein logischer Ansatz um dem entgegenzuwirken wäre etwa die Umstellung auf ein 4-4-2-System gewesen. Spielt man dieses in Form eines defensiven 4-3-1-2 hätte man nicht mal personell viel umstellen müssen und das Überbrückungsspiel wäre aufgrund der größeren Entlastung in der Spitze viel effizienter möglich gewesen. Da Leverkusen (naturgemäß) die meisten Angriffe über rechts aufbaute, bot sich ebendieses Überbrückungsspiel durch die Mitte durchaus an – wenn man schon nicht mit spielerischen Mitteln überzeugen kann. Der passiveren, linken Seite der Leverkusener wurde mit dem einmal mehr inferioren Prager und dem oft glücklosen Trimmel ebenfalls keine große Offensivpower entgegengesetzt.

Personalprobleme. Allgemein.

Der Trainer erkannte diese Probleme nicht und auf dem Platz gibt es – wenn Steffen Hofmann ausfällt – keinen Spieler, der taktische Eigeninitiative oder Überraschungsmomente in eine verunsicherte Mannschaft pumpen kann. Dass Rapids Grundprobleme personeller Natur sind – einerseits in der Geschäftsstelle, andererseits auf dem Rasen – wurde auf abseits.at schon mehrfach beschrieben.

Positive Party durch Rapid-Fankurve

Nun werden aber auch die Fans wieder laut. Und das auf eine unerwartete Art und Weise. Die Blöcke C und D des Ernst-Happel-Stadions feierten ab dem 0:3 durch Bellarabi eine Party, die in letzter Zeit Ihresgleichen suchte. Während man auf den Längstribünen, speziell von sporadischen Stadionbesuchern, eher Spott und Häme wahrnahm, zündeten die vielgescholtenen Fans in der Kurve ein positives Supportfeuerwerk, das später auf das ganze Stadion übergriff. Die Mannschaft wurde freilich nicht „gefeiert“, dazu gab es schon in den Wochen davor keinen Grund. Was wiederum bedeutet, dass der Block sich eher selbst feierte, was das zynische und an diesem Tag nicht unrichtige „wir sind Rapid und wer seid ihr?“ untermauerte.

Peinliche erste Reaktion der Rapid-Elf

Wenn Fans im Stadion eine Party „für sich selbst“ veranstalten, ist dies für die Mannschaft meistens ein schlechtes Zeichen. Wenn die Mannschaft nach dem Schlusspfiff den direkten Weg in die Kabine sucht, ohne sich von den treuesten Stimmungsmachern zu verabschieden, tut sie sich jedoch auch keinen Gefallen. Es war nicht nur die Leistung, sondern auch die Reaktion der Spieler nach dem Schlusspfiff, die für Pfiffe aus der Fankurve sorgte.

Heute wird (spielerisch) nicht viel anders werden…

Der Haussegen hängt also gehörig schief, bei Rapid kommt vieles zusammen. Ungeduldige Fans sind dabei das geringste Problem, verglichen etwa mit einigen katastrophalen Spielerleistungen, einem zu wenig fordernden, mutlosen Trainer (weiteres Stichwort: Drei Sechser zu Hause gegen Wiener Neustadt), einem verletzten Kapitän und der totalen Machtlosigkeit spontan etwas an diesen Problemen zu verändern. Die Veränderungen, die Rapid benötigt, sind mittel- bis langfristiger Natur, also darf man sich auch heute gegen den Tabellenführer keine großen spielerischen Verbesserungen erwarten.

Salzburg mit mehr Qualität

Was man jedoch schon erwarten darf ist, dass sich die ersatzgeschwächte Mannschaft des SK Rapid Wien voll ins Zeug haut und die oft kitschig anmutenden Rapid-Tugenden zu verkörpern versucht. Salzburg hat zweifelsohne mehr Qualität, auch wenn der Meister auf Svento, Alan, Schwegler, Sekagya und Hierländer verzichten muss. Auf Seiten Rapids fehlen Trimmel und Prager gesperrt, wobei vor allem der Ausfall des defensiven Mittelfeldspielers aktuell eher Vor- als Nachteil ist – ganz egal wie dünn die Personaldecke ist.

Hofmann als Schlüssel

Die Schlüsselpersonalie ist heute auf jeden Fall Steffen Hofmann, dessen Einsatz noch nicht gesichert ist. Ein solcher wäre aber dringend notwendig, zumal er der Rapid-Spieler ist, der am ehesten den Unterschied ausmachen kann. Der Schiedsrichter der Partie ist der Steirer Alexander Harkam, Anpfiff ist um 16 Uhr.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • bustn

    28.Oktober.2012 #1 Author

    Den Spielern wurde mit den Pfiffen am Schluss deutlich gemacht, sich besser nicht in Kurvennähe zu wagen. Deswegen sind sie direkt in die Kabine gegangen.

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