„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ – Andreas Brehme. Der deutsche Weltmeister von 1990 beglückte die Fußballwelt mit vielen tollen Sprüchen, unter... Wenn’s nicht läuft – Modelle zum Beenden der Negativspirale

„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ – Andreas Brehme. Der deutsche Weltmeister von 1990 beglückte die Fußballwelt mit vielen tollen Sprüchen, unter anderem mit diesem. Aber ist die Erklärung für eine Negativserie wirklich so einfach? Eine Spurensuche anhand aktueller Ereignisse zum Thema Negativserie.

Jeder Verein will etwas Anderes. Will der Eine Meister werden, möchte der Andere bloß nicht absteigen. Ein Europacup-Startplatz oder ein Rang im gesicherten Mittelfeld sind die weiteren Ziele, die es in Österreich gibt. In der Liga, in der der Drittletzte derzeit lediglich neun Punkte Rückstand auf die vier punktegleich Führenden hat, gestaltet sich dies sehr schwierig. Aktuell haben zwei Mannschaften einen Lauf, der von den Zielvorstellungen abweicht. Wie gehen Red Bull Salzburg oder der KSV 1919 damit um?

Das Trainerproblem

Erwin Fuchs hat in seinen 15 Jahren als Präsident des Kapfenberger Sportvereins eigentlich alles erreicht, was mit den Falken möglich ist. Aufstieg in den Profifußball 2002/03, Vizemeistertitel in der zweiten Spielklasse 2004/05, mit Glück am grünen Tisch durch den gleichzeitigen Lizenzentzug des GAK und der Admira 2006/07 in der Liga geblieben, der sensationelle Aufstieg in die Bundesliga im Jahr danach. Kapfenberg etablierte sich in den letzten drei Jahren unter Werner Gregoritsch als kampfstarke Bundesliga-Truppe. Junge Talente konnten an den Verein gebunden werden, der Transfer von Trainersohn Michael Gregoritsch zur TSG 1899 Hoffenheim im kommenden Sommer sollte der erste in der Reihe vieler Spielerentwicklungen sein. Doch die Probleme mit dem Trainer häuften sich. Neben dem lokal wichtigen Sieg gegen Sturm Graz in Runde drei und dem nicht minder wichtigen Erfolg über den SV Mattersburg konnten in 15 Runden nur noch drei Unentschieden geholt werden. Nach dem Interregnum von Manfred Unger und einem 6:0-Debakel in Salzburg übernahm nun Thomas von Heesen den KSV.

Diese Entscheidung des Präsidiums ist deshalb sehr gut, da Fuchs nicht mit der grundsätzlichen Trainerphilosophie brach. Von Heesen gilt als Happel-Schüler ebenfalls als Schleifer. Mit ihm holte das Präsidium quasi eine aktualisierte Version dessen, was Kapfenberg in den letzten Spielzeiten auszeichnete. Es ist davon auszugehen, dass ein Kumpeltyp oder Konzepttrainer nicht funktionieren würde. Der Deutsche schaffte bislang ein 0:0 gegen Rapid. Auch wenn es sehr glücklich war: Im Abstiegskampf zählt jeder Punkt.

Das Kopfproblem

Ricardo Moniz hatte Pech. Einige Transfers floppten, ehemalige Stützen waren nicht in Form, der Verletzungsteufel wütete nach Belieben. Doch trotz einer noch nie da gewesenen Negativserie in der Liga sitzt Moniz nach dem 2:0 über Paris St. Germain wieder fest im Sattel. Auch wenn der Niederländer ein schwieriger Typ ist und im öffentlichen Umgang mit Spielern immer wieder Fehler begeht – wie bei seiner Kritik an Simon Cziommer, einem, der sich zumindest immer zerreißt – besteht für die Verantwortlichen in Salzburg noch keine Eile, am Chefsessel zu sägen. In der Europa League müssen die Bullen bei Slovan Bratislava nur noch irgendwie gewinnen, um zum zweiten Mal nach 2009 international zu überwintern. In der Liga hat man zwar in Wiener Neustadt zwei Punkte liegen gelassen, spielte aber wieder gefälliger als in den Wochen zuvor.

In der Mozartstadt steigen noch zwei wichtige Spiele. Sowohl die Austria als auch die Admira sind noch in der Bullenarena zu Gast. Das Ziel kann nur sein, den Bundesligaherbst mit nicht zu viel Rückstand auf Platz eins zu beenden. In der Winterpause werden die wichtigen Stützen Mendes und Douglas endgültig in die Mannschaft zurückkehren, Alan wird im Frühjahr auch sein Comeback geben. Mit Schwegler und Schiemer werden zwei weitere derzeit Verletzte wieder voll zu Kräften kommen. Natürlich wirkt es unerklärlich, warum eine Mannschaft, die in Bilbao oder gegen Paris überzeugt, in der Liga wochenlang mäßige Leistungen zeigte. Mit Standgasfußball wird es in Österreich schwer, sich international zu qualifizieren. Dass die Mannschaft aber im Stande ist, unter Moniz gut zu spielen, steht außer Frage.

Weder Red Bull noch der KSV kann es sich leisten, einen ganzen Kader vor die Tür zu setzen. Darum haben die Verantwortlichen bei den Vereinen nur eine Möglichkeit: Herauszufinden, ob die gesteckten Ziele mit dem Trainer zu erreichen sind oder nicht. In beiden Fällen bedarf es einer genauen internen Analyse der Gründe, warum es nicht funktioniert. Am Ende des Tages zählen nämlich nur die Punkte, die geholt wurden. Stimmt die Mannschaftsleistung über einen langen Zeitraum nicht, liegt es nahe, dass es am Trainer liegt. Die Tore müssen die Spieler aber selbst schießen, das kann ihnen kein Übungsleiter abnehmen. Hilft in ersterem Fall der Austausch ebenjener, braucht es in Fall zwei Geduld. Brehmes Spruch gilt demnach nur für Teams, die es spielerisch grundsätzlich beherrschen, das Runde im Eckigen unterzubringen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander