Mit Anfang des neuen Jahres startet die Winterübertrittszeit – traditionell eine Transferperiode, die Meisterschaften entscheiden kann. Welche Teams werden noch nachrüsten, wer muss um... Wer rüstet nach, wer verliert an Klasse, wer krempelt um? – Das passiert bei den Bundesligaklubs in der Winterpause!

Mit Anfang des neuen Jahres startet die Winterübertrittszeit – traditionell eine Transferperiode, die Meisterschaften entscheiden kann. Welche Teams werden noch nachrüsten, wer muss um seine Topstars bangen und wer macht den Kader kleiner? Abseits.at wirft einen Blick auf mögliche Transferaktien und die Klubs, die international nach einem Winterschlussverkauf Ausschau halten.

Bei Tabellenführer Rapid wird sich nicht viel tun. Zwar sind die Innenverteidiger Christopher Dibon (Admira) und Thomas Reifeltshammer (SV Ried) für die Hütteldorfer interessant, durch die passablen – oder zumindest ausreichenden – Leistungen von Sonnleitner und Pichler besteht jedoch kein akuter Handlungsbedarf auf der Position des Abwehrchefs. Erst im Sommer wird die Position aufgrund des Abgangs von Ragnvald Soma – beschlossene Sache, allerdings höchstwahrscheinlich noch nicht im Winter – vakant. Saurer und Salihi dürfen den Verein verlassen, sofern Angebote ins Haus flattern, aktuell herrscht jedoch noch Funkstille. Möglich, dass einer der beiden spontan den Verein verlässt; Zeit bliebe bis zum 31.1. Gerüchte gab es zuletzt um Christopher Drazan. Aus dem Umfeld seines Managers vernimmt man vage Infos über unterschriftsreife Verträge im Ausland, einer der Topkandidaten auf einen Drazan-Transfer, der FC Basel, dementierte jedoch zuletzt inoffiziell. Dafür nimmt Rapid einige Amateure mit ins Trainingslager: Grozurek, Dobras, Wydra und Behrendt sind die heißesten Kandidaten auf Plätze im Training und da Leihspieler wie Ildiz, Bergmann oder Kerschbaumer noch nicht zurückbeordert werden, auch auf Einsatzminuten im Frühjahr.

Reifeltshammer und Hadzic die interessantesten Rieder

Ried wirtschaftet weiterhin nach dem Motto „geht ein Spieler, kommt ein Spieler“. Aber Abgänge sind im Innviertel zumindest im Winter unwahrscheinlich. Einen winterlichen Abgang von Thomas Reifeltshammer schloss Manager Stefan Reiter kategorisch aus. Ebenso verhält es sich mit einem Transfer des neuen Mittelfeld-Organisators Anel Hadzic. Dieser soll jedoch das Interesse finanzstarker Klubs auf sich gezogen haben – und wenn das Geld passt, wird man in Ried auch im Winter nicht nein sagen. Mögliche Ersatzleute? Auf jeden Fall wären es welche, die in die Vereinsphilosophie passen, womöglich anfänglich nicht wie adäquate Verstärkungen aussehen, dann aber im „System Gludovatz“ aufgebaut werden. Es wäre nicht das erste Mal…

Salzburg „muss“, Wallner dürfte

In Salzburg passiert auf jeden Fall etwas: Red Bull stellt den einzigen Bundesligaverein, der wirklich Geld hat und kann daher im Winter auf dem Transfermarkt aktiv werden. Außerdem wird in Salzburg auch deshalb Geld fließen, weil Geld fließen muss. Diverse Manager werden Salzburg über die kalte Jahreszeit kaum in Ruhe lassen, weil man weiß, dass es an der Salzach immer ein schönes nachträgliches Weihnachtsgeld zu lukrieren gibt. Vakante Positionen gibt’s nicht: Red Bull Salzburg wird allgemein zuschlagen, wenn es auf dem Markt etwas zu erben gibt. Abgänge? Roman Wallner müsste nur „ja, ich mach’s“ sagen und wechselt zu RasenBallsport Leipzig. Dazu müsste der nicht immer zufriedene Torjäger nicht mal den Arbeitgeber wechseln. Ein Verbleib der Brasilianer Jefferson und Alex Rafael ist ebenso unwahrscheinlich, wie der des Spaniers Chema Anton.

Vrsic statt Junuzovic? Und was passiert mit Barazite?

Die Austria hat vorerst in erster Linie mit möglichen Abgängen zu kämpfen: Zlatko Junuzovic besitzt einen Vorvertrag in Deutschland, brächte der Austria nur noch im Winter eine Ablösesumme. Angesichts seiner jüngsten Leistungen wäre es ein günstiger Zeitpunkt für einen sofortigen Abgang. Ein Nachfolger stünde bereits ante portas: Dare Vrsic (27) von Olimpija Ljubljana traf bereits in der Europa League Qualifikation zweimal gegen die Austria, spielte sich zuletzt zurück ins slowenische Nationalteam und hält in der Liga bei 14 Toren aus 21 Spielen, was ihn zum überlegenen Führenden in der Torschützenliste macht. Spannender könnte es noch um Nacer Barazite werden. Der 21-jährige Niederländer erzielte im Herbst 19 Pflichtspieltore und hat angeblich sogar Angebote aus der englischen Premier League. Wenn englische Millionen winken, muss die Austria – genau wie jeder andere Klub in Österreich – schwach werden…

Admira-Umbruch erst im Sommer

Die Überraschungself aus der Südstadt wird zerfallen – aber noch nicht im Winter. Spieler wie Dibon, Windbichler, Schwab oder Hosiner werden nicht ewig südlich von Wien spielen. Auch Ouedraogo machte sich durch einen Riesenschritt im letzten halben Jahr für größere Klubs interessant. Vorerst wird jedoch nicht viel passieren und der erste große Umbruch findet erst im Sommer statt.

Kienast schon im Winter ins Ausland?

Die heißeste Transferaktie beim Meister aus Graz heißt Roman Kienast. Der 27-Jährige würde den Grazern im Winter noch dringend benötigtes Geld bringen und neigt ohnehin selbst zu einem Wechsel ins Ausland. Im Sommer informierte sich etwa Maccabi Haifa über die Stärken und Schwächen des Angreifers, auch italienische Klubs streckten ihre Fühler nach dem besten Sturm-Torschützen der vergangenen Saison aus. Ein Wechsel innerhalb Österreichs erscheint unwahrscheinlich – einziger Kandidat wäre Red Bull Salzburg und das hat auf Kienasts Position vorerst keinen Bedarf. Transfers zu Rapid oder der Wiener Austria sind wohl auszuschließen. Klingende Namen wird man in Graz in nächster Zeit kaum holen – das liebe Geld fehlt. Und zudem auch bald Franco Foda, denn der Abgang des Meistertrainers – womöglich auch schon im Winter – ist in Graz derzeit Thema Nummer Eins und wird direkte Auswirkungen auf das Management und mögliche weitere Veränderungen auf dem Personalsektor haben.

Innsbruck und Mattersburg setzen auf Kontinuität

Nichts Neues gibt’s aus Innsbruck. Der FC Wacker verstärkte sich bereits im September, nach Ende der Sommerübertrittszeit, mit dem damals vereinslosen Ex-Rieder Peter Hackmair, der seine Rolle bisher solide abspulte. Nach momentanem Ermessen wird es im Westen keine bemerkenswerten Transfers geben. Selbiges gilt übrigens auch für den äußersten Osten: Der SV Mattersburg wird an seinem Team für die Frühjahrssaison nichts ändern, es sei denn ein größerer Klub legt Scheine auf den Tisch, um Patrick Bürger vom SVM loszueisen.

Mögliche Abgänge der Neustädter Stützen

Wenn es nach Trainer Peter Stöger ginge, müsste man in Wiener Neustadt ebenfalls nicht viel ändern. Aber die Liste der auffälligen Stützen ist in Niederösterreich etwas länger und so sind etwa Torhüter Jörg Siebenhandl, Abwehrspieler Michael Madl oder Kapitän Tomas Simkovic immer wieder Themen für mögliche Transfers. Zwar ist die Wechselwahrscheinlichkeit der Genannten nicht sonderlich hoch, aber man dürfte sich im nicht mehr im Geld schwimmenden Wiener Neustadt nicht wundern, wenn eine der Stützen abgegeben wird, um die Kasse füttern zu können.

Großes Aufräumen in Kapfenberg

Beim Schlusslicht aus Kapfenberg wird definitiv etwas passieren. Der Kader ist völlig unausgeglichen, einige Spieler erwiesen sich in den letzten Monaten als nicht bundesligatauglich. Neo-Coach Thomas von Heesen darf sich jetzt austoben und das Team aufräumen. Zahlreiche Spieler dürften den Verein noch im Winter verlassen – Kandidaten dafür sind unter anderem Sand, Prokoph, Micic oder Tieber. Von Heesen braucht „drei, vier neue Leute“ – wahrscheinlich sind Transfers aus der Ersten Liga oder das eine oder andere Schnäppchen aus dem Ausland, wofür Thomas von Heesen durchaus seine Kontakte spielen lassen könnte. Ausländerplätze gäbe es noch: Gesetz des Falles, dass Prokoph den Verein verlässt, hätten die Kapfenberger mit Wolf, Sharifi, Mavric und Ordos nur vier Legionäre, die regelmäßig eingesetzt werden. Allerdings ist auch ein Verbleib des „schlampigen Routiniers“ Matej Mavric in Kapfenberg noch nicht beschlossene Sache.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen