Österreichs Cheftrainer der höchsten Spielklasse sind naturgemäß unterschiedliche Charaktere, mit individuellen Karrieren. Sie sind die ersten, die in der Kritik stehen, wenn’s mal nicht... Zwei Legionäre, ein Wissenschaftler und zwei Vereins-Urgesteine – das sind die Trainer der Bundesliga, Teil 1

Österreichs Cheftrainer der höchsten Spielklasse sind naturgemäß unterschiedliche Charaktere, mit individuellen Karrieren. Sie sind die ersten, die in der Kritik stehen, wenn’s mal nicht läuft, erreichen dafür Kultstatus sobald sich der Erfolg einstellt. Abseits.at beleuchtet die Entwicklungen der Trainer auf und neben dem Spielfeld. Vier der 10 Trainer spielten beispielsweise in einem Europacupfinale, eine Erfahrung, die sie als Trainer einer österreichischen Mannschaft wohl nicht so bald machen werden.

1.) Franco Foda (SK Sturm Graz)

1966 in Mainz geboren, gewann er zweimal den DFB-Pokal als Spieler (mit Kaiserslautern und Leverkusen). Als 33-jähriger wechselte er 1999 zum SK Sturm Graz, wo er neben je zwei Meistertiteln und Cupsiegen drei Champions-League-Teilnahmen (einmal Gruppensieger und Aufstieg in Zwischenrunde!) bejubeln durfte. Foda brachte es außerdem auf zwei Teameinsätze in Deutschland.
Seit 2001 arbeitet er im Trainerstab der Blackies, wobei er zunächst nur als Amateur- bzw. Interimscoach gefragt war. Seit 2006 arbeitet Foda als Cheftrainer der Grazer und ist, an Titeln gemessen, der erfolgreichste Bundesliga-Coach der Gegenwart (Cupsieg 2010, Meister 2011). Neben diesen Erfolgen beweist er immer wieder aufs Neue, Aderlässe gut kompensieren zu können, und die Fähigkeit aus jungen Spielern ein Team zu formen. Der traditionelle Einbruch nach der Winterpause blieb in den vergangenen Jahren aus, sodass Sturm als erfolgreichste Mannschaft der unmittelbaren Vergangenheit dasteht.

2.) Ricardo Moniz (Red Bull Salzburg)

Der Niederländer (Jahrgang 1964) ist seit April 2011 Cheftrainer bei Vizemeister Red Bull Salzburg und folgte auf Huub Stevens, der als erster Trainer unter der Saison aus dem Bullenstall gejagt wurde. Als Spieler blieb ihm der große Durchbruch verwehrt – Moniz kickte in der ersten und zweiten Division in den Niederlanden. Eine Saison absolvierte Moniz in der zweiten belgischen Liga.
Die Stationen als Trainer jedenfalls sind weit prominenter, so arbeitete Moniz für die Tottenham Hotspurs (Co-Trainer von 2005 bis 2008) und den HSV (2008 bis 2010 als Co-Trainer), den er ab April 2010 interimistisch als Cheftrainer betreute. In diese Zeit fällt auch das Europa League Halbfinale gegen Fulham (Gesamtscore 1:2 aus Sicht der Hamburger). Seit Juli 2010 arbeitet Moniz für Red Bull. Zunächst als Nachwuchskoordinator engagiert, beerbte er gemeinsam mit Niko Kovac den glücklosen Huub Stevens.
Moniz, ausgebildeter Physiotherapeut, setzt nach eigenen Angaben besonders auf den körperlichen Zustand seiner Teams, da er in der „physischen Überkapazität“ die Basis für Erfolg sieht. Neben Franco Foda ist Moniz der einzige nichtösterreichische Trainer in der Heimischen Liga.

3.) Karl Daxbacher (FK Austria Wien)

Daxbacher (Jahrgang 1953) spielte von 1971-1985, nachdem er vom ASV Statzendorf nach Favoriten wechselte, für die Wiener Austria. Während seines Engagements bei den Veilchen wurde er siebenmal österreichischer Meister und gewann viermal den Cupbewerb. Am 3. Mai 1978 stand er in der Startelf der Austria, als man gegen den RSC Anderlecht das erste Europacupfinale mit österreichischer Beteiligung (in der Fußballmoderne) bestritt – die Austria unterlag klar mit 0:4. Neben Daxbacher arbeiten mit Thomas Parits (Sportdirektor) und Robert Sara (Co-Trainer bei den Amateuren) auch weitere Finalisten heute im Verein.
Seine Karriere als Spieler ließ er beim SC Krems in der Saison 85/86 ausklingen. Während seiner aktiven Laufbahn brachte es Daxbacher auf sechs Teameinsätze.

Nach einigen Jahren abseits des Fußballs (Daxbacher betrieb eine Tankstelle) führte Daxbachers Weg auf die Trainerbank. Mit St.Pölten gewann er die 2. und 1. Landesliga und führte den Niederösterreichischen Hauptstadtklub so in die Regionalliga Ost.
Ab 2002 trainierte er die Amateure seines Stammvereins, der Austria, bis Sommer 2006 und führte sie 2005 als Regionalliga Ost Meister in die Erste Liga (damals war es Amateurmannschaften von Bundesligisten noch erlaubt in der zweithöchsten Spielklasse zu spielen). 2007 führte er den LASK in die Bundesliga und betreute die Linzer in ihrer ersten Bundesligasaison. Seit 2008 ist er Cheftrainer beim FAK, mit dem er 2009 den Cupsieg holte.
Daxbacher fällt durch seine ruhige und sachliche Art auf, besonderen Wert legt er nach eigenen Angaben auf das Kurzpassspiel.

4.) Paul Gludovatz (SV Ried)

Gludovatz ist der älteste Trainer der heimischen Liga (Jahrgang 1946) und ein Kuriosum fällt beim Betrachten seiner bisherigen Laufbahn auf: Er war nie Profifußballer, sondern entschied sich für die Trainerlaufbahn. Von 1981 trainierte er diverse Nachwuchsteams des ÖFB.
Dass er weiß, wie man mit jungen Spielern umgehen kann, beweist ein Blick auf die Erfolge: Vizeeuropameister U-16 (1997); 3.Plätze bei der U-19-EM (2003 und 2006) sowie (natürlich) der 4.Platz bei der U-20-WM 2007 (mit Spielern wie Prödl, Harnik, Junuzovic, Hoffer u. v. m.). Neben der Nachwuchsbetreuung war Gludovatz auch in der Trainerausbildung tätig. Als 62 jähriger feierte er 2008 sein Debüt als Trainer in der höchsten Spielklasse bei der SV Ried. 2011 feierten die Innviertler ihren zweiten Cupsieg der Vereinsgeschichte und werden dafür mit der Qualifikation zur Europa League belohnt (Bröndby wurde mit 4:4 dank Auswärtstorregel eliminiert; nächster Gegner ist der PSV Eindhoven).
Gludovatz gilt als Taktikfuchs und Koryphäe auf dem Gebiet der Spielerentwicklung.

5.) Peter Schöttel (SK Rapid Wien)

Schöttel (Jahrgang 1967) ist wohl der Trainer, der am meisten mit dem Verein in Verbindung gebracht wird, den er trainiert. Rapid und Schöttel gehören scheinbar zusammen. Von 1986- 2001 absolvierte der legendäre Abwehrspieler mit der Nummer fünf 524Pflichtspiele, unter anderem das Finale im Cup der Cupsieger am 8.5.1996, wobei Schöttel den entscheidenden Freistoß zum 0:1 Endstand für Paris St.Germain abfälschte. Schöttel wurde als Spieler dreimal Meister, zweimal Cupsieger und bestritt die Weltmeisterschaften 1990 sowie 1998. Insgesamt absolvierte er 63 Teamspiele.

Nach dem Ende der aktiven Laufbahn war Schöttel zunächst Nachwuchskoordinator beim SCR, später Trainer der Amateurmannschaft und schließlich Sportdirektor, ehe es 2006 zu einem unschönen Abgang kam. Nach einer durchwachsenen Saison kam es zu Fanprotesten und Schöttel verließ seinen Stammverein, um über die Stationen Wiener Sportklub (Trainer) bzw. Vienna (Sportdirektor) bei Wiener Neustadt wieder in der Bundesliga zu landen, wo er 1 ½ Jahre arbeitete. Seit dieser Saison ist Schöttel Cheftrainer bei Rapid. Eine Aufgabe, die nach der vergangenen Saison (kein Europacup-Platz) schwieriger kaum sein könnte.
Schöttel tritt in der Öffentlichkeit zumeist ruhig und besonnen auf. In einem Kurier Interview äußert er sich als selbstkritisch und pingelig.

Patrick Redl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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