Nature versus nurture: Was macht uns zu dem Menschen der wir sind? Wer bestimmt unsere Neigungen, Interesse, Geschicke und Talente? Der Gen-Pool oder unsere... Im Namen des Vaters (1): Die Flögels und die Vastics

Ivica Vastic FK Austria WienNature versus nurture: Was macht uns zu dem Menschen der wir sind? Wer bestimmt unsere Neigungen, Interesse, Geschicke und Talente? Der Gen-Pool oder unsere Lebenssituation? Fest steht, dass wir dann und wann die Berufe unserer Eltern ergreifen. Auch Fußballer haben Söhne und werden oft mit der Frage konfrontiert, ob diese in ihre Fußstapfen treten werden. Ist Ballgefühl erblich oder weckt die tägliche Konfrontation mit dem Sport die Lust dem Papa nachzueifern? Geben Väter ihren Jungspunden wertvolle Tipps oder haben diese es schwerer weil sie die Bürde des Namens ihres Vaters tragen?

Andi Herzog, Sohn von Ex-Admira-Spieler Anton „Burli“ Herzog, sieht seinen Erzeuger als ausschlaggebend für seine spätere Laufbahn: „Ich war von klein auf immer schon mit im Stadion, beim Training, als mein Vater am Ende seiner Karriere noch bei der Admira gespielt hat. […] Und ich bin auf allen Plätzen und in der ganzen Umgebung herumgelaufen. So bin ich schon als kleiner Bub mit Fußball infiziert worden.“

Die Verhaltensgenetik erforscht die Übertragung von Talent und Begabung. Doch grundsätzlich ist es egal wie Fußballersöhne ihre Leidenschaft für den Ball mitbekommen. Tatsache ist, es gibt weltweit einige Spieler deren Väter schon auf dem Rasen aktiv waren: Frank Lampard sen. und jun., Cesare und Paolo Maldini, Miguel und „Pepe“ Reina sind als erfolgreiche Beispiele zu nennen. Aber auch in der Alpenrepublik haben so manche Vater-Sohn-Gespanne den Rasen betreten. Einige waren bedeutend, andere Söhne machten dem Herrn Papa wenig Ehre. Auf einzelne dürfen sich die rot-weiß-roten Fußballfans noch freuen: So manches Juwel kickt zurzeit in einer Jugendmannschaft. Hier wird- ohne Anspruch auf Vollständigkeit- eine kleine Auswahl österreichischer Fußballfamilien präsentiert:

FLÖGELstürmer mal drei – „Rudi“, Thomas und Alec.

Bereits über drei Generationen wird der Ballsport in der Familie Flögel geliebt und gelebt. Opa Rudolf „Rudi“ schnürte seine Kickschuhe 14 Saisonen lang beim SK Rapid Wien, Papa Thomas „Sir Tam“ war für den Stadtrivalen tätig und der jüngste Spross der Familie Enkel Alec ist ebenfalls ein Violetter. Er kickt derzeit in der Nachwuchsabteilung der Favoritner.

Das Schicksal war entscheidend, dass „Rudi“ eine grün-weiße Legende wurde, „Tommy“ aber in Wien 10 aufgeigte.

Auch Flögel senior war als Kind den Veilchen zugetan: „Ich war Austria-Anhänger! Wegen ihrem Spiel. Weil ich selbst auch eher ein Techniker war. Ich war kein Hüne, habe eigentlich zu wenig Gewicht gehabt, war aber dafür technisch gut und quirlig. Schnell, flink.“ Dem damaligen Austria-Jugendtrainer war der Techniker aber zu schmächtig. Er vertröstete Rudi auf später. Zwischenzeitlich griff Rapid ein und verpflichtete den Burschen aus der Leopoldstadt kurzerhand. Mit Zeman, Hanappi, Happel, Dienst und Alfred Körner geigte er in der „Ersten“ auf. Vier Mal Meister und genauso oft Cupsieger wurde Flögel senior. Seine Rücknummer 10, der beidbeinige Volleyschuss und seine vielfältige Einsetzbarkeit im Sturm und im Mittelfeld machten ihn zu einem der besten österreichischen Spieler seiner Zeit. Auch international konnte Flögel aufhorchen lassen: Mit Rapid wurde Real Madrid aus dem Europacup geworfen. In 40 Länderspielen stand der Torjäger für Österreich auf dem Platz. Beim SV Admira Wiener Neustadt und beim 1. Simmeringer SC ließ „Rudi“ seine Karriere ausklingen.

Sohn Thomas wuchs wie sein Vater im zweiten Wiener Gemeindebezirk auf. Als junger Bursche sah er vom Stadionbad aus auf die Trainingsplätze der Austria und bestimmte Herbert „Schneckerl“ Prohaska zu seinem Idol. „Tommy“ durchlief alle Jugendmannschafte der Veilchen und wurde anschließend ebenso wie sein Vater vier Mal Meister und vier Mal Cupsieger. Der Sohn trug dabei allerdings ein violettes Trikot.

1997 wechselte Flögel nach Schottland zu Heart of Midlothian, dort holte er als erster Österreicher den schottischen FA-Cup. Danach agierte er wieder zwei Jahre bei der Austria. Nach zwei einjährigen Intermezzi beim FC Superfund Pasching und bei Admira Wacker Mödling wollte „Sir Tam“ eigentlich seine Karriere beenden, spielte jedoch noch für die Vienna, für Blau-Weiß Hollabrunn und für den 1. Simmeringer SC.

„Tommy“ Flögel trainiert heute die Damenmannschaft USC Landhaus. Der Mittelfeldspieler kam auf 37 Länderspiele für Österreich und war zeitweise Kapitän. Auch Thomas Flögel war für seinen Torhunger und seine Technik bekannt. Sein schönstes Tor erzielte er in der Stadthalle: Ein Ferserl im Fallen genau in die rechte Torecke. Wie der Vater, so der Sohn.

Der bisweilen jüngste Familienspross, Alec, ist auch gut dabei. Opa „Rudi“ zeigt sich stolz: „[…] er stellt sich ganz gut an, der Bua! Ich darf gar nicht drüber nachdenken, wenn er der Rapid im Hanappi ein Tor schießt – da kriege ich ja vor lauter Freude UND Verzweiflung einen Herzkasperl!“

Sollte Alec das Talent von Opa und Papa geerbt haben, steht einer großen Laufbahn wenig im Wege. Den Flögel-Jungs liegt Technik und Finesse einfach im Blut.

Der Apfel fällt weit vom Stamm, aber er fällt – Ivica und Toni.

1996 war es endlich so weit: Ivica „Ivo“ Vastić – der Torjäger von Sturm Graz wurde eingebürgert und war somit für die österreichische Nationalmannschaft spielberechtigt. Er schien der Heilsbringer des österreichischen Fußballs zu sein. Weit gefehlt. Das A-Team spielt eben nicht in der Bundesliga.

In seiner Glanzzeit brachte „Ivo“ jedoch Balkanmentalität gepaart mit Durchsetzungsvermögen und technischer Klasse in die Alpenrepublik. Der in Split geborene Stürmer kam während des Jugoslawien-Krieges nach Österreich und kickte zunächst bei der Vienna und später in St. Pölten. Danach versetzte er gegnerische Abwehrreihen in Schrecken, wenn er als Spielmacher und Torjäger für Sturm Graz aufgeigte. „Ivo“ wurde Fanliebling der „Schwoazen“, zweimal Torschützenkönig (1996 und 2000) und öfters von verschiedenen Gremien zum besten Spieler der Liga gewählt.

0:2 verlor Sturm Graz 1999 beim CL-Gruppenspiel gegen Manchester United: Vastić düpierte die englischen Superkicker aber reihenweise. Seine Klasse ließ er mehrmals aufblitzen als er Spieler wie Scholes „auseinandernahm“.

Für Sturm war der gebürtige Kroate ein wahrer Glücksgriff: Acht Jahre war er für die „Blackies“ aktiv. Eine Zeit die von Meistertiteln, Cup-Triumphen und internationalen Achtungserfolgen gekrönt waren.

An der WM 1998 und der Europameisterschaft 2008 konnte „Ivo“ ebenfalls teilnehmen. 2008 ließ er die Hoffnungen einer ganzen Nation durch einen verwandelten Elfmeter gegen Polen kurz aufleben.

2002 verbrachte der gelernte Schiffsbauer ein Jahr in Japan um anschließend bei Austria Wien zu spielen. Seine letzte Karrierestation war der LASK, mit dem er in die erste Liga aufstieg. Vastić konnte aber nicht als der geniale Spieler abtreten, als der er gekommen war: In seiner letzten Saison „eierte“ er eigentlich nur noch herum.

Vastić wurde so zum ältesten Torschützen bei einer EM-Endrunde. Seine Trainerkarriere führte ihn von Waidhofen/Ybbs wieder zur Wiener Austria. Die zweite Mannschaft konnte unter seiner Führung schon die Rapid-Kampfmannschaft im Cup ärgern (2010), sein Intermezzo bei den Profis verlief unglücklicher: Der Verein verspielte im Frühjahr den Europacupstartplatz und beendete die Saison 2012 nur auf Platz vier.

Der Spieler Ivica Vastić hat die österreichische Bundesliga der 90er und 2000er geprägt wie kein Zweiter. Klarerweise setzt da so mancher große Zukunftshoffnungen in seinen ältesten Sohn Toni. Dieser spielte im Nachwuchs von Sturm und der Austria ehe er zu den Blackburn Rovers nach England transferiert wurde.

2011 verließ er die Insel in Richtung Bayern München II. „Ich würde wieder alles genau gleich machen, es war ein perfekter Mix“, sagte der Stürmer als er 2013 das Angebot der SV Ried annahm und zurück nach Österreich kam. In England habe er gelernt sich körperlich gut einzusetzen, spielerische und taktische „Upgrades“ wurden ihm von Gerland und Co. beigebracht, meinte Toni. 25 Spiele hat Toni für die Reserve der Münchner absolviert. Seit der U 16 wird er regelmäßig in den österreichischen Nachwuchsnationalteams eingesetzt. Sein Aussehen gleicht dem eines Südamerikaners, fußballerisch ist Toni aber vom Panamakanal weit entfernt: Er ist sehr robust und torgefährlich, seine Größe macht ihn auch zu einem guten Kopfballspieler.

Ried-Coach Angerschmidt setzt vor allem auf die Spielintelligenz von Vastić junior. Tatsache ist aber, dass Toni dem Fußballer Ivica Vastić nicht besonders ähnlich ist: „Ivos“ Ballverliebtheit hat der Spross nicht abbekommen. Er ist ein Strafraumstürmer mit Zug zum Tor. Diese Torgefährlichkeit hatte der Vater auch, er betätigte sich nur stärker am Spielaufbau. Auch technisch konnte Toni nicht halten, was „Ivos“ Gene versprochen haben. Der Apfel fällt also relativ weit vom Stamm. Apropos fallen: Von Gegnern und Fans wurde Vastić oft vorgeworfen, dass er sich zu leicht fallen lassen würde. Auch Toni wird eine Affinität zu Schwalben nachgesagt. Der zwanzigjährige Tattooliebhaber kommt wenigstens in dieser Sache nach dem Papa. Oder nach Jürgen Klinsmann.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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