Peter Hyballa verspricht Graz die Renaissance des Offensivfußballs. Die Umsetzung dessen wird auch mit Rückschlägen einhergehen, der Kader präsentiert sich als nicht immer zu... Kaderanalyse Sturm Graz – Im Zeichen des Wandels

Peter Hyballa verspricht Graz die Renaissance des Offensivfußballs. Die Umsetzung dessen wird auch mit Rückschlägen einhergehen, der Kader präsentiert sich als nicht immer zu 100 Prozent ausgewogen.

 

 

Die Tormänner 

Die logische Nummer eins in Graz ist natürlich Christian Gratzei (30). Der gebürtige Leobener kam über den DSV und die Amateure des GAK bereits 2002 zum Verein. Nach seinem Debüt am 8. März 2003 dauerte es ein bisschen, bis er sich endgültig als Stammkeeper etablieren konnte. Immer wieder warfen ihn Verletzungen und Patzer aus der Spur. Seit 2007 ist er, wenn fit, Stammgoalie, war 2007/08 und 2010/11 Bundesliga-Torhüter der Saison. Gratzei ist auch Nationalteamtorhüter, einer der wenigen Österreicher im sogenannten „besten Fußballeralter“. Unumstritten ist er aber weder im Nationalteam noch bei Sturm gewesen, höflich umschrieben ist er nicht DER herausragende Keeper. Wohl mit ein Grund, warum er den Sprung ins Ausland nicht wagte, lieber bis 2015 bei Sturm verlängerte.

Der Ersatzmann ist ein „Geschenk“ von Peter Hyballa. Johannes Focher (22) verbrachte seine gesamte bisherige Karriere im Nachwuchs des amtierenden deutschen Meisters Borussia Dortmund.  Der 1,99 Meter große Hüne traf dort auf seinen nunmehrigen ersten Profitrainer und soll Gratzei zu Höchstleistungen pushen. Focher ist eine interessante Verpflichtung, junge deutsche Keeper zeigten zuletzt ja auch auf höchstem Niveau in der Bundesliga auf. Als dritter Goalie steht Lukas Waltl (18) bereit. Der aktuelle U19-Nationalteamspieler ist ansonsten die Nummer eins der Amateure in der Regionalliga Mitte.

Die Kaderkostenreduktion geht hier zulasten eines zweiten, erfahrenen Torhüters. Hyballa wird um Fochers Potential Bescheid wissen, sein Stammgoalie ist aber eben nicht der Konstanteste. Somit gibt es leichte Abstriche, Nachwuchsgoalies bergen immer ein gewisses Risiko. Noch dazu ist es eben eine Frage, wie sich der Ersatzmann anstellt, auf Profiniveau absolvierte er erst fünf Spiele in der dritten Liga Deutschlands.

Der Abwehrverbund 

Hier hat Sturm einen guten Mix. Die routinierten Stützen in der Innenverteidigung sind Ferdinand Feldhofer (32) und Milan Dudic (32). Die größte Stärke des Österreichers ist sein großes Kämpferherz. Er ist ein „aggressive leader“, der durch seine Spielweise den jungen Spielern im Team eine mentale Stütze sein kann. Allerdings laborierte der Vorauer kürzlich an einem Muskelfaserriss, ist noch nicht gänzlich fit. Milan Dudic kam 2006 von Roter Stern Belgrad nach Österreich, wurde vor einem Jahr bei Red Bull Salzburg aber ausgemustert. Der Serbe ist nicht mehr der Schnellste, besticht aber durch sein Stellungsspiel und ist bei Standards immer brandgefährlich. Wie Feldhofer ist er ein wichtiger Faktor im Team. Große Chancen auf einen Stammplatz hat Nikola Vujadinovic (25). Der in Belgrad geborene Doppelstaatsbürger Montenegros und Bulgariens lernte das Kicken bei Roter Stern, machte bei FK Rad, FK Zeta, Radnički Pirot und CSKA Sofia erste Profierfahrungen, ehe ihn Udinese Calcio verpflichtete. Nach Leihen nach Rumänien, Schottland und Serbien unterschrieb der groß gewachsene Innenverteidiger zur Saison 2012/13 bei Sturm. Ebenfalls mit großen Chancen auf einen Stammplatz gekommen ist Michael Madl (24). Der U20-WM-Held aus dem Jahre 2007 entstammt dem Austria Wien-Nachwuchs, kam über Wacker Innsbruck zu Wiener Neustadt und wagte nun den nächsten Schritt zu Sturm. Madl ist ein „lauter“ Spieler, ganz nach dem Geschmack des Trainers und kann auch vor der Abwehr abräumen, was ihm gewisse Qualitäten in der Spieleröffnung bescheinigt. Mit Florian Neuhold (19) steht noch ein Talent zur Verfügung. Der U19-Teamspieler absolvierte schon sieben Bundesligaspiele und kickte bereits je einmal in der Europa League und der Champions League Qualifikation.

Auf der linken Abwehrseite können zwei Spieler zum Einsatz kommen. Einerseits das Eigengewächs Stefan Stangl (20), das das letzte halbe Jahr in Grödig verbrachte. Eher wahrscheinlich ist, dass Christian Klem (21), eigentlich linker Mittelfeldspieler, die Position einnehmen wird. Der U21-Teamspieler gilt als großes Talent, ist ebenfalls bei Sturm groß geworden,  und muss diese Saison zum großen Durchbruch nutzen. Die rechte Seite gehört Routinier Martin Ehrenreich (29). Er kam 2009 recht spät in die Bundesliga, ist aber ein solider Mann, ohne groß aufzuzeigen. Als Back-Up fungiert Philipp Hütter (20), der von den Amas hochgezogen wurde.

Im Prinzip ist die Abwehr gut aufgestellt. Routiniers, Spieler in den 20ern und junge Kicker bilden einen guten Mix. Sollte das Spiel tatsächlich durchgehend so offensiv angelegt werden, kommt viel Arbeit auf die Kicker zu.

Die Mittelfeldspieler 

Einen Fixplatz vor der Abwehr hat Jürgen Säumel (27). Der ehemalige Italien- und Deutschlandlegionär ist eine echte Integrationsfigur für die Fans und einer, der sich reinhaut. Seine Qualitäten als moderner Sechser sind unbestritten, das taktische Training in Italien sollte nun, bei vollem Fitnessstand, noch besser zu Tragen kommen. Als Vertretung steht Manuel Weber (26) bereit. Der Kärntner, der schon seit 2009 beim Verein ist, ist vielleicht noch einen Tick offensiver als Säumel, zog sich allerdings eine Fußverletzung zu und ist noch nicht fit. Matthias Koch (24) ist vom Typ her eher Weber ähnlich, tat sich seit seinem Wechsel von Altach an die Mur vor einem Jahr schwer, ist aber eine gute Alternative zu den beiden genannten.

Auf der rechten Außenbahn werkelt seit vier Jahren der Tiroler Andreas Hölzl (27). Der Nationalteamspieler ist ein starker Rechtsaußen, ist aber derzeit durch eine Schambeinentzündung außer Gefecht. Alternativen gibt es genug: Einerseits Patrick Wolf (31), der zwar sehr erfahren und vor allem schnell ist, aber ab und an eine gewisse Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor vermissen lässt. Leonhard Kaufmann (23) wurde „heim“ geholt, er verließ 2009 Graz, verdingte sich bei Austria Kärnten und dem LASK. Kaufmann ist ein sehr bulliger Spieler, der wie Wolf sehr schnell ist. Auf der linken Seite ist neben Klem vor allem Haris Bukva (24) zu Hause. Bei ihm dauerte es ein bisschen, bis er seine Vorschusslorbeeren ob seines Talents wirklich umsetzte, in dieser Spielzeit muss es klappen. Mit Marc Andre Schmerböck (18) wurde noch ein Nachwuchsnationalteamspieler von den Amateuren hochgezogen.

Hinter den Spitzen einsetzbar sind Florian Kainz (19) und Christoph Kröpfl (22) sowie Darko Bodul (23). Alle drei sind hoch veranlagt, allerdings mit verschiedenen Schwerpunkten. Kainz, der am 13. August 2010 debütierte, lebt auf der Überholspur, und ist ein echter Spielmacher. Kröpfl entstammt der eigenen Jugend, kam über Red Bull und den KSV zurück nach Graz und besticht durch seine Geschwindigkeit, muss nun aber richtig durchstarten. Bodul ging 2003 von der Vienna nach Holland, kickte im Nachwuchs von Heerenveen und Ajax sowie bei Sparta Rotterdam, ehe er sich bei Nacional Funchal den Feinschliff holte. Mit zwölf Toren und sechs Assists startete er in der Liga in der vergangenen Saison richtig durch, hat am meisten Zug zum Tor.

Im Mittelfeld ist Sturm Graz sehr breit aufgestellt, jede der vier Positionen ist gleichsam gut wie doppelt besetzt – eine Voraussetzung, um den Gegner zu überlaufen.

Die Angreifer 

Auch hier ist Sturm Graz breit aufgestellt. Ein Fixstarter wird Imre Szabics (31) sein. Der Ungar, der nach vier Jahren bei Sturm 2003 nach Deutschland ging, kam 2010 zurück, ist eine klassische hängende Spitze und lässt sich gern auf die Außenbahnen fallen. Gleiches gilt für Rubin Okotie (25). Er laborierte lange an einer Knieverletzung, konnte sich im Ausland deswegen nicht durchsetzen und kam im Winter nach Graz, wo er zu seiner alten Stärke finden will. Ebenfalls aus Deutschland kam Richard Sukuta-Pasu (22). Er entstammt der Leverkusener Nachwuchsabteilung, spielte in der vergangenen Saison bei Kaiserslautern gegen den Abstieg. Sukuta-Pasu durchlief alle deutschen Nachwuchsnationalteams und kann auch auf den Außenbahnen eingesetzt werden, wird vorerst ein Jahr bei den Blackies verbringen. Serkan Ciftci (22) kam von Wiener Neustadt und stellt eine junge und schon etwas erfahrene Alternative dar. Oldie Mario Haas (37) und Youngster David Schloffer (20) stehen auch noch im Kader.

Im Sturm ist der gleichnamige Verein wie im Mittelfeld gut aufgestellt, ein bisschen blieben aber alle noch den Beweis schuldig, der 15-Tore-Stürmer zu sein (Haas ausgenommen). Auch hier gilt: Wird die offensive Ausrichtung durchgezogen, werden alle zu ihren Tore kommen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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