Sie sind weder die Superstars der Liga, noch die Hauptdarsteller in der wöchentlichen Fussballshow. Aber sie sind die Zukunft Österreichs. Abseits.at nimmt die hoffnungsvollsten... Schon gesehen, Marcel? Die „Men to watch“, (Teil 3)

Sie sind weder die Superstars der Liga, noch die Hauptdarsteller in der wöchentlichen Fussballshow. Aber sie sind die Zukunft Österreichs. Abseits.at nimmt die hoffnungsvollsten und talentiertesten Youngsters, die der durchschnittliche Fan nur vom Hörensagen kennt, unter die Lupe. In Teil 3 werden vier Herren vorgestellt, die in Zukunft die rot-weiß-roten Fäden im Mittelfeld ziehen könnten

1. Raphael Holzhauser

(16.02.1993)

Holzhauser begann seine Karriere in Niederösterreich bei Teesdorf. In der Jugend geigte das Talent auf, bis es als 14-jähriger Sprössling vom SK Rapid gescoutet wurde. Der Rekordmeister sah das große Potential von Holzhauser und nahm ihn sofort unter seine Fittiche. Auch bei den Hütteldorfern stach Holzhauser nicht nur wegen seiner für seine Position ungewohnten Größe (Holzhauser misst als zentraler Mittelfeldspieler stolze 1,93 Meter) regelmäßig heraus. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ein größerer Verein anklopfen würde. Im Sommer 2009 war es dann soweit, Holzhauser verließ Rapid als 16-Jähriger in Richtung Deutschland. Der VfB Stuttgart, mittlerweile traditionell Anlaufstelle für viele österreichische Kicker, sicherte sich die Dienste des kreativen Wiener Neustädters. In Stuttgart hoffen neben Holzhauser auch Kevin Stöger, Phillip Mwene, Alexander Aschauer, Francesco Lovric und Fabian Gmeiner auf eine Karriere in der Bundesliga. Bereits geschafft hat es Martin Harnik, der immer wieder seinen jungen Landsleuten auf die Beine schaut. Aber auch der Cheftrainer, Bruno Labbadia, kennt Holzhauser bereits bestens. Immerhin nahm er Holzhauser und Stöger im Sommer bereits in der Vorbereitung mit zu den Profis. Holzhauser scheint in der Gunst Labbadias einen besonderen Stellenwert zu genießen. Der beste Beweis dafür ist Labbadias Absage an Andreas Heraf, als dieser wegen der Abstellung Holzhausers für die U-20-WM in Kolumbien anfragte. „Ich bin auch sehr froh, dass er bei uns bleibt.  Er hat gute Fähigkeiten und muss in den nächsten Wochen und Monaten schauen, dass er den Tempo-Wechsel und auch die Zweikampf-Führung verbessert“ gab der Coach damals zu Protokoll. Womit wir auch schon bei Holzhausers Stärken und Schwächen wären: Der 18-Jährige verfügt über ein gutes Auge, ein sicheres Passpiel, einen scharfen und präzisen Schuss und überragende technische Fähigkeiten. Im Zweikampfverhalten ortet aber nicht nur Labbadia Schwächen. Auch das hohe Tempo bei den VfB – Profis macht ihm noch sehr zu schaffen. Im mentalen Bereich muss sich Holzhauser ebenfalls noch steigern. Im U-21-Team gehört er zwar zu den Jüngsten, trotzdem müsste er mit seiner Klasse zu den Führungsspielern gehören. Zu oft taucht er aber noch in wichtigen Phasen unter. Auch der verschossene Elfmeter im EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande (0:1) zeigt, dass Holzhauser mental noch Luft nach oben hat. Zehn Tore in sechs Spielen für die U-21 zeigen aber, dass Holzhausers Weg langfristig zwangsläufig ins Nationalteam führen wird, wenn er von Verletzungen verschont bleibt und konsequent an sich arbeitet.

2. Tobias Kainz

(31.10.1992)

In den Niederlanden gibt es die beste Nachwuchsausbildung in ganz Europa. Wer in den letzten zwanzig Jahren diesen oder ähnliche Sätze von sich gab, wurde schnell als Fußball-Experte geadelt. Was folgte, war eine wahre Invasion von Talenten bei den niederländischen Spitzenklubs. Diese nutzten ihren extrem guten Ruf und pickten sich nur die Besten der Besten heraus. Was dann noch übrig blieb, war die Elite. Mittendrin statt nur dabei war Tobias Kainz. Der in Feldbach geborene Kainz hatte bereits innerhalb Österreichs einige Wechsel hinter sich, bevor er sich seinen Traum erfüllte und dem Ruf aus dem Land des Vizeweltmeisters folgte. Vom USV Edelsbach über Sturm Graz und die Wiener Austria landete Kainz kurz vor Beginn der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz beim SC Herenveen. Dort hatte man bereits mit Thomas Prager, der einst von Stadlau nach Herenveen gekommen war, gute Erfahrungen gemacht. Kainz spielte drei Jahre im Nachwuchs, wo er schnell als Legionär zum Kapitän wurde, und der zweiten Mannschaft, ehe er im Sommer 2011 endgültig fixer Bestandteil des Profiteams wurde. Aber die Konkurrenz ist groß. Im zentralen Mittelfeld verfügt Herenveen über viele starke Talente, die bereits in der Kampfmannschaft gezeigt haben, was sie drauf haben. Dazu steht der SC so gut da wie selten zuvor. Hinter den Großen Alkmaar, Ajax, Twente und Eindhoven ist man die fünfte Kraft im Land, noch vor Kapazundern wie Feyenoord oder Utrecht. Kainz muss aber auf seine Chance warten. Leistung zeigen kann der 19-Jährige aber in den österreichischen Nachwuchsnationalteams. So war er fixer Bestandteil des U-20-Teams bei der WM in Kolumbien. In den ersten beiden Vorrundenspielen spielte Kainz im zentralen Mittelfeld durch, gegen die Ägypter blieb er nach den ersten 45 Minuten in der Kabine. Insgesamt absolvierte er bereits 34 Einsätze für diverse Nachwuchsauswahlen. Kainz ähnelt als Spielertyp ein wenig Julian Baumgartlinger. Ein spielender Sechser, der Bälle erkämpfen, aber auch verteilen kann. Leider teilen beide auch die gleiche Schwäche: durch Unkonzentriertheiten und Schlampereien gehen viele Bälle, die mühsam erkämpft wurden, wieder verloren. Kainz lässt sich von seinem Ziel trotzdem nicht abbringen: „Stammspieler werden.“ Na dann – gutes Gelingen!

3. Marcel Büchel

(18.03.1991)

Es gibt in Österreichs Fußballgeschichte nicht viele Spieler, die von sich behaupten können, mit 19 Jahren für einen der größten Klubs auf diesem Planeten debütiert zu haben. Marcel Büchel gehört zu dieser erlesenen Auswahl an Akteuren. Im November 2010 wurde Büchel im Europa-League-Spiel gegen Red Bull Salzburg in der 63. Minute eingewechselt. Ein Meilenstein in der noch jungen Karriere des Vorarlbergers. Mit 19 Jahren hatte Büchel aber nicht nur bereits die europäische Fußballbühne betreten, sondern auch eine Odyssee durch halb Europa hinter sich. Bevor er in seiner Heimat Feldkirch in Vorarlberg seine Karriere als Kicker begann, galt Büchel auch im Skisport als riesiges Talent. Doch er entschied sich, anders als sein prominenter Namensvetter Marco Büchel aus Liechtenstein, nicht für eine Karriere im Schnee, sondern versuchte sein Glück mit dem runden Leder. Der Fußball brachte ihn über das BNZ Vorarlberg zum FC St. Gallen, nachdem Inter Mailand ihn zwar zu einem Probetraining eingeladen, dann aber aufgrund von Büchels schmächtiger Statur abgesagt hatte. Von der Schweiz aus, wo er nach seinen Jahren im Nachwuchs nur ein Spiel in der zweiten Mannschaft bestritten hatte, wechselte Büchel schließlich nach Italien zum AC Siena. Dort reichte es schnell zu einem Platz auf der Ersatzbank der Profis, aber zu keinem Einsatz. Nach dem Abstieg Sienas in die Serie B unterschrieb Büchel einen Vertrag bei Juventus Turin, der ihm einen Platz in der Primavera und Einsätze in der Kampfmannschaft zusicherte. Die folgten in der Europa League gegen Salzburg und Manchester City. Derzeit sammelt Büchel in der Serie B beim AS Gubbio Spielpraxis, steht aber unter ständiger Beobachtung von Juventus. Von vielen Experten wird Büchel, der am liebsten am Flügel im offensiven Mittelfeld spielt, als begnadeter Linksfuß beschrieben. Auch der damalige U-20-Teamchef Andreas Heraf war von Büchel begeistert. Als Heraf Büchel aber nur auf Abruf nominierte und der Offensivgeist nach Frankreich reisen sollte, weigerte sich Büchel der Nominierung nachzukommen. Heraf kündigte an, Büchel nicht mehr einzuberufen. Abgesehen von derartigen Eitelkeiten verfügt Büchel aber über Riesentalent. Überlebt er das Stahlbad Serie B, könnte sich Österreich nach Alexander Manninger bald wieder einen Spieler bei Juventus Turin freuen.

4. Marcel Ritzmaier

(22.04.1993)

Noch nie den Namen Marcel Ritzmaier gehört? Zum heutigen Tag ist das keine Schande. Doch das könnte sich bald ändern. Der 18-Jährige aus Knittelfeld ist am besten Weg, in die Fußstapfen von Thomas Prager und Marko Arnautovic zu schlüpfen. Während Prager bei Herenveen und Arnautovic bei Twente den Sprung aus dem Nachwuchs in die Eredivisie und in weiterer Folge ins Ausland schafften, schnürt Ritzmaier seit Jänner 2010 die Schuhe für den PSV Eindhoven. Ein wertvoller Schritt: „Man kriegt im Ausland einen neuen Blickwinkel auf den Fußball“, sagt Ritzmaier. Nur ein halbes Jahr brauchte er, um von der U-19 in die zweite Mannschaft aufzurücken. Davor kickte Ritzmaier, der zentral und links im Mittelfeld eingesetzt werden kann, bei Judenburg, in der Akademie Kärnten und Austria Kärnten. Bei den Qualifikationsspielen in der Europa League gegen die SV Ried saß er noch auf der Bank des Phillips-Werksklubs, in der Gruppenphase gegen Legia Warschau war es dann aber soweit: nachdem Ritzmaier bereits seit Monaten im Training Teil des Profikaders war und immer wieder auf der Ersatzbank saß, debütierte er am 30. November beim 3:0-Auswärtssieg in Polen für Eindhoven. Im niederländischen Cup hatte Ritzmaier ebenfalls bereits 17 Minuten Profiluft schnuppern dürfen. Für Österreichs U-19 traf Ritzmaier beim 3:0 über Malta einmal, gegen Albanien und Dänemark spielte er über die gesamte Spielzeit für Rot-Weiß-Rot. Auch in der zweiten Phase der EM-Qualifikation wird der Mittelfeldmann von Eindhoven unverzichtbar bleiben. Beim PSV, wo Ritzmaier der drittjüngste Kaderspieler ist, wird es zwar noch etwas dauern, aber auch hier ist ein Stammplatz sein Ziel. Dafür muss Ritzmaier aber sein Defensivverhalten noch verbessern. Die Arbeit gegen den Ball bekritteln seine Trainer zumeist noch an Ritzmaier. Dass er seine Stärken eher im offensiven Bereich hat, wissen wohl alle – auch sein Trainer Fred Rutten.

Archimedes, www.abseits.at

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