Sie sind weder die Superstars der Liga, noch die Hauptdarsteller in der wöchentlichen Fussballshow. Aber sie sind die Zukunft Österreichs. Abseits.at nimmt die hoffnungsvollsten... Schon gesehen, Marcel? Die „Men to watch“, Teil 1

Sie sind weder die Superstars der Liga, noch die Hauptdarsteller in der wöchentlichen Fussballshow. Aber sie sind die Zukunft Österreichs. Abseits.at nimmt die hoffnungsvollsten und talentiertesten Youngsters, die der durchschnittliche Fan nur vom Hörensagen kennt, unter die Lupe. In Teil 1 werden vier Herren vorgestellt, die in Zukunft gerne das österreichische Tor hüten würden.

 

1. Samuel Radlinger

(07.11.1992)

Von St. Florian in die Arenen der deutschen Bundesliga – und das in zwei Monaten. Samuel Radlinger muss in diesem Sommer einen schweren Kulturschock erlitten haben. Von der österreichischen Regionalliga wechselte er in die deutsche Bundesliga. Von Ried wurde der Keeper an St. Florian ausgeliehen, bis im Juni 2011 Hannover 96 seine Fühler nach Radlinger ausstreckte. Ried legte dem Nachwuchstalent keine Steine in den Weg und ließ Radlinger zu den 96ern wechseln. Dort hat Radlinger aber mit Ron-Robert Zieler einen ebenfalls jungen und sehr talentierten Mann vor sich. Vorübergehend sitzt Radlinger auf der Bank und holt sich immer wieder Spielpraxis in der zweiten Mannschaft, sein Ziel ist aber natürlich, so schnell wie möglich einen Platz in der Bundesliga zu bekommen. Bei der U-20-WM in Kolumbien konnte er leider keine Werbung für sich machen. War seine Leistung im Auftaktspiel gegen Panama (0:0) noch sehr in Ordnung, patzte Radlinger in den darauffolgenden Spielen gegen Ägypten (0:4) und Brasilien (0:3). Trotzdem war die Erfahrung für den jungen Tormann wichtig und das Turnier mit Sicherheit eine Reise wert. Zuletzt griff auch Andi Herzog beim U-21-Team auf ihn zurück, als Heinz Lindner von Marcel Koller ins A-Team einberufen worden war. Gegen Bulgarien war Radlinger wieder der gewohnt sichere Rückhalt. Vor allem seine Bereitschaft, sich immer wieder ins Spiel einzuschalten, wird sehr geschätzt.

 

2. Dejan Stojanovic

(19.07.1993)

Der 18-Jährige Doppelstaatsbürger spielte bereits drei Mal für das U-21-Nationalteam Mazedoniens, wurde aber im September 2011 von Rupert Marko erstmals ins österreichische U-19-Team einberufen. In den Spielen gegen Malta (3:0), Albanien (0:0) und Dänemark (0:0) saß der 1,96 Meter große Tormann aber nur auf der Bank. Trotzdem scheint sich Stojanovic endgültig für das österreichische Nationalteam entschieden haben. Bei seinem Verein ist Stojanovic aber eine fixe Größe. Erst in diesem Sommer wagte er den Sprung vom FC Lustenau nach Italien zum FC Bologna. In der Universitätsstadt im Norden Italiens erkämpfte sich Stojanovic auf Anhieb einen Stammplatz in der Primavera, der Reserve der Kampfmannschaft. Mit Gyuri Garics bildet Stojanovic, der mit der Nummer 32 aufläuft, den Österreicher-Block beim abstiegsgefährdeten Traditionsverein. Vor seinem Wechsel zu Bologna waren der AC Milan, Parma und Sampdoria Genua am Schlussmann interessiert. Stojanovic bekam in elf Spielen zwölf Gegentore, was allerdings vorwiegend an der löchrigen Abwehr, die vor ihm agiert, liegt. Zu den größten Stärken des in Feldkirch geborenen Stojanovic zählen das 1:1-Duell, Strafraumbeherrschung und schnelle Reflexe auf der Linie. Im technischen Bereich muss der junge Torhüter allerdings noch hart arbeiten. Auf jeden Fall stellt Stojanovic eine vielversprechende Hoffnung für das österreichische Nationalteam dar. Sollte sich der Youngster einen Platz in Bolognas erster Mannschaft erkämpfen, sollte er Marcel Koller auf jeden Fall eine Reise wert sein.

Eine Kostprobe von Stojanovic´ Stärken im 1:1-Duell zeigt dieses Video aus seiner Zeit in der AKA Vorarlberg.

 

3. Richard Strebinger

(14.02.1993)

Wenn Österreichs U-19-Nationalteam im Frühling in der Eliterunde zur Qualifikation der EM-Endrunde 2012 in Estland antritt, wird Richard Strebinger im Tor der Österreicher stehen. In der ersten Qualifikationsphase hielt Strebinger seinen Kasten in allen drei Gruppenspielen sauber und bekam kein einziges Tor. Ursprünglich in der Akademie in St. Pölten ausgebildet, wechselte der Tormannriese (1,94 Meter) im Sommer 2008 nach Berlin in die Nachwuchsabteilung von Hertha BSC. In der U17 des Hauptstadtklubs musste sich Strebinger erst einmal zu Recht finden, ehe er im Sommer 2010 zu den Amateuren aufstieg. Dort durfte Strebinger bereits sieben Mal in der Regionalliga Nord zwischen die Pfosten, zuletzt bei der 1:4-Niederlage gegen Havelse. In diesem Spiel sah Strebinger die gelb-rote Karte. Mit Marco Djuricin kann Strebinger wie Stojanovic bei Bologna ebenfalls auf einen weiteren Österreicher bauen. Strebinger gilt als besonderes Talent, allerdings gibt es mit Sascha Burchert und Thomas Kraft große Konkurrenz um die Nummer 1 bei den Profis. Dass Strebinger aber nicht chancenlos ist, zeigt schon alleine die Tatsache, dass Coach Markus Babbel den 18-Jährigen in der Sommervorbereitung als zweiten Tormann mit ins Trainingslager nahm. Er gilt als nervenstark und als ein Tormann, der auch in regelmäßigen Abständen scheinbar unhaltbare Bälle noch entschärft. Für ihn gilt, ähnlich wie für seinen Ersatzmann im U-19-Nationalteam Stojanovic: Wenn er es schafft, sich gegen die starke Konkurrenz bei seinem Verein durchzusetzen, kann es schnell gehen mit einer Karriere im Nationalteam.

 

4. Lukas Königshofer

(16.03.1989)

Was macht man als junger Spieler, wenn man einen Nationalspieler vor der Nase hat und der Verein trotzdem noch einen zusätzlichen Konkurrenten aus dem Ausland holt? Genau, man beißt sich weiterhin im Training durch und gibt in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Gas. So hat es Lukas Königshofer vorgemacht – und wurde dafür belohnt. Nachdem der 22-Jährige im Sommer 2009 aus Kärnten nach Wien-Hütteldorf kam, war klar, dass sich Königshofer erst einmal hinter Helge Payer anstellen müsste. Nach guten Leistungen in regelmäßigen Abständen bei den Amateuren wurde er immer wieder als zweiter Tormann in die Kampfmannschaft beordert, spielen durfte Königshofer aber kaum. Bis zum 26. November. Jan Novota war verletzt, mit Helge Payer war Peter Schöttel schon längere Zeit unzufrieden gewesen. Eine große Chance für Königshofer, der sie auch am Schopf packte und prompt den Sieg über Mattersburg in letzter Minute mit einer Glanzparade rettete. Gegen Kapfenberg durfte der Sohn eines Radrennfahrers und einer Handballerin wieder den Kasten des Rekordmeisters hüten. Es scheint so, als hätte sich Königshofer endlich seine Chance erkämpft. Auch das Nationalteam sollte für ihn ein logisches Ziel sein, absolvierte er doch bereits ein Spiel für die U-19, zwei Spiele für die U-20 und fünf Spiele für die U-21 Österreichs. Auch beim Projekt 12 des ÖFB ist „Luki“ ein fixer Bestandteil. Seinem Traum, einmal das Tor des großen FC Liverpool zu hüten, würde er ein entscheidendes Stück näher kommen, wenn er den Platz im Rapid-Tor über einen längeren Zeitraum behaupten könnte. Vor allem an der Strafraumbeherrschung und dem Verhalten bei hohen Bällen muss Königshofer aber noch arbeiten. Mit starken Leistungen in der Bundesliga kann man sich aber schnell in den Notizblock von Marcel Koller spielen – das bewies zuletzt auch Jörg Siebenhandl.

Im nächsten Teil unserer „Men to watch“ – Serie: Die Verteidigung

Archimedes, abseits.at

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