Das erste Auswärtsspiel in der EM-Qualifikation konnte das österreichische Nationalteam gegen die Republik Moldau mit 2:1 gewinnen. Der Erfolg in Chisinau fällt dabei in... 2:1-Auswärtssieg: ÖFB-Team bespielt passive Moldawier mit Fluidität, ist aber nur bei ruhenden Bällen gefährlich

Das erste Auswärtsspiel in der EM-Qualifikation konnte das östDavid Alaba - FC Bayern München ÖFB Nationalteamerreichische Nationalteam gegen die Republik Moldau mit 2:1 gewinnen. Der Erfolg in Chisinau fällt dabei in die Kategorie „dreckiger Sieg“, denn die Auswahl von Marcel Koller kontrollierte die Partie zwar, hatte aber aus dem Spiel heraus kaum Chancen. Alle Tore fielen nach ruhenden Bällen.

Die Österreicher starteten sehr gut in dieses Spiel, hatten zunächst eine Halbchance, ehe David Alaba per Elfmeter die Führung besorgte. Danach mussten die passiv eingestellten Moldauer aktiver werden, kamen – ebenfalls per Elfmeter – zum Ausgleich. In der 51. Minute gelang dann der Siegtreffer – erzielt von Marc Janko, der 82. Minute nach einer Tätlichkeit ausgeschlossen wurde.

Prödl und Sabitzer für Hinteregger und Harnik

Im Vergleich zum 1:1 gegen Schweden nahm Koller zwei Umstellungen vor. Martin Hinteregger fiel verletzungsbedingt aus und wurde von Sebastian Prödl ersetzt. Anstelle des formschwachen Martin Harnik begann Marcel Sabitzer. Der Salzburger hatte zwar kaum nennenswerte Aktionen am Ball und wurde zur Pause ausgewechselt, hatte aber eine interessante Rolle inne. Er driftete oft in die Mitte und besetzte das Zentrum, während sich Zlatko Junuzovic relativ frei durch die Offensivräume bewegte. Allerdings wurden diese Bewegungen in der ersten Halbzeit kaum eingebunden, was ein Grund für den unscheinbaren Auftritt Sabitzers war.

Ansonsten sah man bei den Österreichern das gewohnte Bild. Janko an vorderster Front war im Kombinationsspiel bemüht, Räume freizuziehen und wurde häufig mit Flanken gesucht. Alaba war erneut der tiefere der beiden Sechser und kippte vor allem in der ersten Hälfte zur Seite heraus, wodurch er mehr oder weniger in der gleichen Position wie bei den Bayern stand. Julian Baumgartlinger positionierte sich im Aufbauspiel ebenfalls tief vor der situativ entstehenden Dreierkette, besetzte aber auch den Zehnerraum, wenn der Ball in höheren Zonen war.

ÖFB-Team bespielt Schwächen des moldawischen 5-3-2

Die Gastgeber agierten im ersten Spiel unter Neo-Teamchef Alexandru Curtianu wie erwartet passiv. Sie liefen in einer 5-3-2-Grundformation auf, die sie horizontal sehr eng hielten. Andrei Cojocari war dabei der zentrale Sechser und verschob im Raum, während die beiden Achter mannorientiert auf den abkippenden ÖFB-Sechser nachrückten. Die beiden Stürmer positionierten sich für eine derartige Formation ungewöhnlich breit, weshalb Österreich zunächst recht schnell durchs Zentrum nach vorne kam.

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Hier sieht man die Defensivordnung Moldawiens und die Probleme der breiten Stürmer bzw. engen Positionierung des restlichen Teams. Der Ballführenden, obwohl er von vier Spielern umstellt ist, problemlos auf die rechte Seite verlagern. Dort können der Rechtsverteidiger, der rechte Flügelspieler, der rechte Sechser und der ausweichende Zehner die linke Abwehrseite Moldawiens überladen. Es ist dies die Szene, die zum Elfmeter führte. Doch nicht nur hier konnten die Österreicher auf den Seiten durchbrechen. Kurz zuvor gab es beispielsweise eine ähnliche Aktion auf der linken Seite, wo die Flanke allerdings zu unpräzise geschlagen wurde.

Diesen Ablauf – Überladen des Halbraums mit anschließendem Durchbruch auf der Seite – sah man in mehreren Szenen. Das war neben der zuvor erwähnten, problematischen Staffelung Moldawiens auch eine Konsequenz der nominellen zwei-zu-eins-Überzahl der österreichischen Außenbahnspieler. Insbesondere die Außenverteidiger konnten oft aus der tiefe unbedrängt nach vorne gehen. Ihre moldawischen Pendants waren zwar bemüht, kamen aber meist zu spät.

Fehlende Kompaktheit im moldawischen Pressing

Nach dem Führungstreffer des ÖFB-Teams, aber auch infolge des Ausgleichs wurde Moldawien aktiver und traute sich gegen den Ball zunächst mehr zu. Ihr Pressing war dabei durchaus interessant und wurde in zwei Variationen gespielt. Beide hatten jedoch das Problem, dass sie nicht kompakt genug waren um dauerhaft Zugriff entwickeln zu können.

Hier steht das Mittelfeldtrio auf einer Linie, was durch das Aufrücken des zentralen Sechsers hervorgerufen wurde. Die Stürmer positionieren sich wieder breit, während die Fünferabwehr sich tief positioniert. Die Linien der Moldauer stehen weit auseinander, weshalb Alaba in dieser Szene problemlos durch die Schnittstellen auf die rechte Seite verlagern kann. Der große Raum zwischen der Abwehr- und Mittelfeldlinie hätte ebenfalls bespielt werden können. Im Endeffekt haderte das ÖFB-Team hier jedoch mit einer schlechten Entscheidungsfindung beim Übergang ins Angriffszentrum. Das Spiel wird verzögert und Moldawien kommt wieder geordnet nach hinten.

Die zweite Variante der Moldauer bestand darin, einen Achter zwischen die breiten Stürmer zu ziehen und das Zentrum zu verschließen. Der zweite Acher (am oberen Bildrand) stand zwischen linken ÖFB-Außenverteidiger und Sechser. Aus der Tiefe fehlte jedoch die Unterstützung, sodass sich Baumgartlinger und Alaba im Rücken der ersten Pressingwelle freilaufen konnten und Moldawien nach hinten drängten.

Moldawien in in Halbzeit zwei kompakter, Österreich fluider

Nach dieser versuchten Drangphase formierte sich Moldawien wieder tiefer und stand kompakter im gleichen 5-2-3, das man auch im obigen Bild sieht. Dadurch standen die Österreicher, wie schon gegen Schweden, vor dem Problem, eine enge Formation aufreißen zu müssen. Anders als gegen die Skandinavier klappte das Kombinationsspiel deutlich besser und war vor allem fluider. Insbesondere durch die Wechselwirkungen auf der rechten Seite mit dem vor- und situativ einrückenden Florian Klein, dem diagonal spielenden Harnik sowie ausweichendem Junuzovic entstand dort in dieser Phase ein durchschlagskräftiges Dreieck. Es wurde gegebenenfalls von Alaba und Baumgartlinger als Ankerpunkte in zwei Ebenen ergänzt.

Unter anderem die Entstehung des Eckballs, der zum Siegtreffer führte, war auf diese erhöhte Fluidität zurückzuführen, die man anhand des obenstehenden Bildes sehr gut erkennen kann. Klein und vor allem Arnautovic sind weit eingerückt. Sie unterstützen den Ballführenden zwar nicht aktiv, indem sie anspielbar wären, sorgen mit ihrer Präsenz aber für eine gewisse Passivität des moldawischen Zentrums. Harnik ist von der Rechtsaußen-Position ins Sturmzentrum gerückt, während Junuzovic sehr breit steht. Der Ball kommt zum Bremen-Legionär, der auf den freien und anschließend flankenden Klein ablegt – erneut eine Überladung gegen den moldawischen Linksverteidiger.

Neben diesem Ablauf ist bei der Entstehung des Eckballs aber generell das Kombinationsspiel positiv zu erwähnen. Der Gegner wurde mit ständigen Positionswechseln und versuchten Vertikalpässen beschäftigt, kam mit dem Verschieben nicht nach, sodass auch Fehlpässe mit geringem Aufwand im Gegenpressing zurückgewonnen wurden.

Kontrolle, aber kaum Chancen

Im Gegensatz zur ersten Hälfte änderte sich das Bild nach der erneuten Führung des ÖFB-Teams nicht, wenngleich Moldawien wieder früher attackierte. Dabei ergaben sich erneut die oben erwähnten Probleme. Die Gastgeber pressten im 5-2-3, Österreich verlagerte über Baumgartlinger und Alaba klug auf die Außenverteidiger, die den Ball dann diagonal in den Zwischenlinienraum bzw. das Angriffszentrum brachten. So hatte die Koller-Elf das Spiel unter Kontrolle, zu zwingenden Torchancen kam man aber nicht.

Nach dem Ausschluss von Janko kamen die Österreicher dann wieder in Bedrängnis, wobei sie sich dabei offenbar vom Chaos und der Hektik im Spiel Moldawiens anstecken ließen, und in der Nachspielzeit sogar beinahe den Ausgleich kassiert hätten. So geht das Nationalteam aber ungeschlagen in das nächste Länderspiel am Sonntag gegen Montenegro.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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