Elf Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen die Schweiz traf die Österreichische Frauennationalmannschaft auf den Weltranglisten-15. Dänemark. Zum Abschluss der Vorbereitung in Österreich entwickelte... Analyse: ÖFB-Frauen schlagen Dänemark mit 4:2 im letzten Test vor der EURO

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Elf Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen die Schweiz traf die Österreichische Frauennationalmannschaft auf den Weltranglisten-15. Dänemark. Zum Abschluss der Vorbereitung in Österreich entwickelte sich in Wiener Neustadt ein intensives Spiel, in dem die Österreicherinnen mehr als verdient siegreich hervorgingen.

Ausgangslage

Nachdem es in den zwei letzten Tests gegen England und die Niederlande deutliche Niederlagen gegeben hatte, wurde in vereinzelten Medien schon ein Erfolgserlebnis gefordert.  Den jungen Österreicherinnen gelang dies souverän und mit einer eindrucksvollen Leistung. Obwohl man schon in der ersten Halbzeit ein deutliches Chancenplus hatte, wurde das Spiel erst in der zweiten Halbzeit mit drei Toren in 14 Minuten entschieden.

Teamchef Thalhammer schickte seine Damen in einer 4-4-2-Formation mit folgender personeller Besetzung auf den Rasen: Zinsberger; Schiechtl, Wenninger, Kirchberger, Aschauer; Feiersinger, Zadrazil, Puntigam, Makas; Burger, Bila

Anfangsphase

Nach dem Blitzstart zum 1:0 durch Bila, wollten die ÖFB-Damen den Schwung ausnutzen und gingen sehr aggressiv zu Werke. Die Däninnen die im 4-4-2/4-2-3-1 antraten, wurden sofort durch die zwei österreichischen Spitzen im anfänglichen 4-4-2 mit Burger und Bila angelaufen. Vereinzelt rückte Zadrazil im hohen Pressing nach vorne, wodurch sich ein 4-1-3-2 ergab. Die Innenverteidigerinnen wurden immer im höchsten Tempo angesprintet, auch der Pass zur Torfrau wurde durchattackiert.

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Österreicherinnen verteidigen tief und schalten um

Vereinzelt ab der zehnten Minute, sowie in längeren Phasen ab der 20 Minute, verteidigten die ÖFB-Damen im tiefen 5-4-1. Puntigam rückte als linke Halbverteidigerin nach hinten, Bila übernahm ihre Position im linken zentralen Mittelfeld und Burger verblieb als Solospitze. Diese Variante funktionierte ausgezeichnet, die dänische Mannschaft war gezwungen das Spiel zu machen und hatte sichtbar große Probleme damit. Auch die Umstellung auf ein 3-2-4-1 nach circa 25 Minuten brachte keinen Umschwung. Generell wirkte das dänische Spiel im Ballbesitz improvisiert bzw. nicht abgestimmt. Sehr oft wurde überhastet der vertikale Ball gespielt, manchmal sogar direkt in die Füße einer Österreicherin.

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Dementsprechend gab es sehr viele Umschaltsituationen in denen obwohl der Weg zum Tor sehr weit war, die Österreicherinnen regelmäßig den Weg in den Strafraum fanden, aufgrund der schlechten Staffelung der Däninnen im Ballbesitz bzw. des mangelnden Gegenpressings.

Speziell Feiersinger und Burger konnten hier ihren Speed ausnutzen, der Torerfolg blieb aber noch aus, da einerseits der letzte Pass nicht optimal gespielt wurde, andererseits ein Quäntchen Glück (3 x Aluminium) fehlte.

Das hohe Tempo im Umschalten, oft waren wenige Sekunden nach einem Ballgewinn bis zu fünf Österreicherinnen am generischen Strafraum, machte sich kurzzeitig zwischen der 20. und 30. Minute bemerkbar. Die Däninnen konnten sich nicht aus dem eigenen Drittel befreien und Bälle wurden zu leichtfertig verloren bzw. schlecht geklärt.

Zwei bis drei Mal zeigten die Däninnen ein probates Mittel gegen das tiefe 5-4-1. Durch diagonale Pässe der Halbverteidigerin, sowie diagonale Sprints aus dem Zentrum raus hinter die österreichische äußere Mittelfeldspielerin wären sie anfällig gewesen, da die dänische Flügelspielerin durch ihre breite Position die österreichische Außenverteidigerin band.

Lange Bälle und der zweite Ball

Ein wichtiges Mittel für die ÖFB-Ladies in diesem Spiel war der lange Ball. Da auch die dänische Mannschaft versuchte hoch anzulaufen wurde der kontinuierliche Spielaufbau ad acta gelegt und bewusst auf den zweiten Ball gespielt. Burger erwies sich hierbei durch exzellentes Timing als herausregende Kopfballspielerin. Durch gute Raumbesetzung konnten eine Vielzahl an zweiten Bällen erobert und sofort in die Tiefe gespielt werden.

Das ging schon beim Abstoß los, der oft so gelöst wurde, dass sich Aschauer nach dem vermeintlichen Herausrücken der gesamten Mannschaft blitzartig absetzte, den Ball bekam und bevor der Gegner Druck machte, einen gezielten Ball Richtung Burger spielte.

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Es gab aber auch zwei andere Mittel um den langen Ball sinnvoll zu verwerten.

Zum einen versuchte Burger den Ball hinter die Abwehr zu verlängern, hier tat sich Feiersinger durch intelligente Läufe gepaart mit dem nötigen Speed hervor. Zum anderen wurden oft sogenannte „Chips“, also gehobene Bälle hinter die Abwehr gespielt, ein Mittel welches Thalhammer auch beim Lehrgang in Bad Tatzmannsdorf immer wieder einforderte.

Zusätzlich zeigten die Österreicherinnen eine enorme Aggressivität, sowie großen Mut im Attackieren – perfekte Bedingungen also für den Kampf um den zweiten Ball.

Zweite Halbzeit

Durch eine tolle „Steil-Klatsch-Steil“-Kombination konnte früh der erneute Führungstreffer erzielt werden, anschließend legte Zadrazil nach einer Situation in der zwei Österreicherinnen mit vollem Risiko jeweils am gegnerischen Sechzehner ins Gegenpressing  gingen, das 3:1 nach.

Das 4:1 resultierte aus einem der vielen Eckstöße, die durchgängig für große Gefahr sorgten und immer nach dem gleichen Muster abliefen.

Fünf Österreicherinnen stellten sich im Fünfer auf und blockierten somit die gegnerische Torfrau. Sobald der Corner getreten wurde, liefen sie vom Tor weg und versuchten ihre Überlegenheit in der Luft auszuspielen.

Die Spielweise wurde gnadenlos durchgezogen, das tiefe 5-4-1 wurde immer mit hohem aggressivem Anlaufen gepaart. Speziell die hohe horizontale Kompaktheit war in diesem Spiel herausragend.

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Die Däninnen zeigten sich weiterhin einfallslos und ließen jegliche Geduld am Ball vermissen.

Fazit und Ausblick auf Euro

Ein überaus verdienter und eindrucksvoller Sieg zur Generalprobe lässt für die EM hoffen. Ob die äußerst intensive Spielweise dreimal in kurzer Zeit auf den Platz gebracht werden kann wird sich weisen, mit der heutigen Leistung ist in der starken Gruppe auf alle Fälle einiges möglich.

Alexander Diridl, abseits.at

Alexander Diridl

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