Unglaublich aber wahr, Österreichs Fußballnationalmannschaft der Damen besiegt zum Abschluss der Vorrunde Island mit 3:0 und beendet die Gruppe C mit 7 Punkten auf... Analyse: Österreichs Damen besiegen Island verdient mit 3:0

Unglaublich aber wahr, Österreichs Fußballnationalmannschaft der Damen besiegt zum Abschluss der Vorrunde Island mit 3:0 und beendet die Gruppe C mit 7 Punkten auf Platz 1. Selbst die kühnsten Träumer hätten nicht damit gerechnet, vor Turnierbeginn wurde sogar jeder gewonnene Punkt als Erfolgserlebnis eingestuft.

Der überzeugende Sieg gegen Island in der Analyse.

Aufstellungen und Herangehensweisen

Österreich begann mit der gleichen Elf wie aus dem ersten Spiel gegen die Schweiz.

Die zwei Hauptpunkte waren das aggressive Angriffspressing und das gezielte Spiel auf den zweiten Ball. Das situative tiefe Verteidigen im 5-4-1 worin Puntigam links in die Dreierkette und Billa ins linke zentrale Mittelfeld rutschte gab es aufgrund der Überlegenheit am Platz eher selten zu sehen.

Island startete in einem variablen System, dass am ehesten als 5-2-3/3-4-3 bezeichnet werden konnte.

Ihrer Herangehensweise bestand defensiv daraus kompakt um den eigenen Sechzehner zu verteidigen, situativ vorne anzulaufen und offensiv aus der Dreierkette im Aufbau schnell den Weg in die Spitze zu suchen, wobei man oft am österreichischen Pressing scheiterte.

Österreichische Pressing greift exzellent

Schon von Anpfiff weg zeichnete sich ein offenes Spiel ab, in dem die Österreicherinnen aufgrund ihrer hohen Kompaktheit bei zweiten Bällen rasch die Oberhand gewannen.

Österreich griff auch gegen die isländische Dreierkette auf das bewährte Angriffspressing zurück. Die generische Halbverteidigerin wurde von einer Sturmspitze im Bogen nach außen gelenkt, sofern nötig kam auch die Flügelspielerin dazu und versperrte den Passweg entlang der Outlinie. Dieses Pressing ist extrem ausgereift, die Spielerinnen wissen ganz genau wann sie durchschieben müssen und nutzen klug ihre Deckungsschatten. Auch gegen die Isländerinnen war es ausschlaggebend, dass Österreich die dominante Mannschaft war, obwohl es diesmal kaum direkte Ballgewinne in der generischen Hälfte gab.

Zwei Spielerinnen laufen die Nummer 4 an, ihr bleibt nur der Pass zur Torfrau, die den Ball unter aufrechtem Druck anschließend ins Out befördert.

Die Isländerinnen versuchten anfangs ebenfalls hoch anzulaufen und nach Ballverlust nachzusetzen, wodurch es von den Österreicherinnen kaum Pässe innerhalb der eigenen Viererkette gab. Durch die deutlich bessere Staffelung bei langen Bällen bzw. der total offenen Spielweise von Island, kam man relativ leicht zu deutlich besseren Chancen.

Das Führungstor zeichnete sich ab

Die Österreicherinnen hatten vor dem glücklichen 1:0 bereits einige gute Abschlüsse, in diesem Spiel war es verhältnismäßig einfach in das letzte Drittel zu kommen, wobei es im Herausspielen von Chancen noch einigermaßen Luft nach oben gab.

Oft gab es nach langen Bällen nur eine isländische Spielerin im Zentrum, die sich oft bis zu drei österreichischen Spielerinnen im Kampf um den zweiten Ball gegenüber sah.

Langer Ball der österreichischen Innenverteidigung, Drei-gegen-Eins-Überzahl im Zentrum

Dadurch konnte man sich nicht nur oft in der generischen Hälfte festsetzen, da sich die Isländerinnen oftmals mit neun Spielerinnen um den Sechzehner zurückzogen und auch gefährliche Angriffe starten, in denen man in Gleichzahl auf die isländische Dreierkette zulaufen konnte. Diesen Aspekt kann man in der ersten Halbzeit sicherlich kritisieren, da hier einige Angriffe schlecht ausgespielt wurden. Gründe dafür waren unpassende Laufwege der Spielerinnen ohne Ball als auch schlechte Entscheidungen der Ballführenden.

3 vs. 3 Konter, beide Spielerinnen laufen in die gleiche Lücke, Burger schießt am Tor vorbei

Österreich war daher viel präsenter und oftmalig im Ballbesitz im letzten Drittel. Die Isländerinnen agierten dabei passiv mit vielen Spielerinnen um den eigenen Sechzehner – dadurch konnten die Österreicherinnen auch viele Bälle im Gegenpressing gewinnen.

Den tiefen Block im 5-4-1 gab es nur selten zu sehen, vereinzelt nach Standardsituationen in der eigenen Hälfe bzw. kurz ab der 25 Minute.

Um Minute 30 konnten die Isländerinnen dann erstmals Österreich in der eigenen Hälfte festhalten, viele lange Bälle und Einwürfe waren schwierig zu klären. Das 1:0 beendete diese kleine Drangphase aber rasch.

Ein weiterer Kritikpunkt war das fehlende Ballbesitzspiel. Da die isländische Formation oft große Lücken aufwies und kein konstantes Rückzugverhalten an den Tag gelegt wurde, wäre hier eine noch dominantere Vorstellung möglich gewesen.

Im Zentrum ist äußerst viel Platz, der Ball wird aber sofort wieder tief Richtung Sechzehner gespielt

Der Sieg wird trocken heruntergespielt

Anfang der zweiten Halbzeit gab es wieder sehenswerte Phasen im Angriffspressing. Island kam überhaupt nicht ins Spiel, agierte mit dem Mute der Verzweiflung und hinterließ große Lücken, die nicht mit Kontern bestraft wurden.

Kurzzeitig gab es sogar das 3-2-4-1 mit falschen Außenverteidigerinnen zu sehen, eventuell wollte Thalhammer es nur antesten, da es nach 10 Minuten wieder verschwand.

Österreich agierte im Laufe der zweiten Halbzeit abwartender und zog sich nach Ballverlust schneller zurück. Viele Fouls, Outs und Unterbrechungen verminderten den Spielfluss. Eine kurze Drangphase mit vielen Standardsituationen, speziell Einwürfen, die auch der Teamchef nach der Partie ansprach, konnte schadlos überstanden werden.

Die fehlenden Ballbesitzphasen waren kein Problem, die vielen Ballverluste Islands gaben den Österreicherinnen genug Möglichkeiten in die gegnerische Hälfte vorzudringen und Zeit von der Uhr zu nehmen.

In einer kontrollierten Schlussphase konnte mit dem 3:0 sogar noch ein perfekter Abschluss der Vorrunde erzielt werden.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Eu(ro)phorie ist perfekt! Österreich schließt die Gruppenphase, in der sehr vieles gepasst hat, auf Rang Eins ab und tritt Sonntag im Viertelfinale an. Obwohl die Spielverläufe, sowie die Entstehung der Tore immer ideal und teilweise glücklich abgelaufen sind, ist eine weitere Überraschung durchaus möglich. Die Grundpfeiler des ÖFB-Teams, aggressives Spiel gegen den Ball gepaart mit Nadelstichen vor dem Tor, können jeder Mannschaft Probleme bereiten.

Man darf gespannt sein, wie weit die Reise geht, das Turnier ist aber definitiv schon jetzt ein Meilenstein für den österreichischen Frauenfußball.

Alexander Diridl, abseits.at

Alexander Diridl

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