Österreich erwartet heute in Moldawien die große Unbekannte der EM-Qualifikationsgruppe. Bisher spielte Österreich erst zweimal gegen Moldawien und beendete die Qualifikation zur EM 2004... Defensiv ausgerichtet und robust: Das ist die Nationalmannschaft der Republik Moldau!

Marcel KollerÖsterreich erwartet heute in Moldawien die große Unbekannte der EM-Qualifikationsgruppe. Bisher spielte Österreich erst zweimal gegen Moldawien und beendete die Qualifikation zur EM 2004 nur drei Punkte vor den Moldauern. In Wien gewann die ÖFB-Elf mit 2:0, in Tiraspol verlor man mit 0:1. Der einzige Österreicher, der bereits gegen die Republik Moldau traf, ist Andreas Herzog, der in 2002 Wien beide Tore erzielte.

Die Mannschaft des jungen Trainers Alexandru Curteian wird in einem sehr defensiv ausgerichteten 4-5-1-System erwartet, das vor allem darauf bedacht ist, die Mitte zuzumachen. Zwei straffe Viererketten werden die Räume vor dem moldawischen Strafraum eng machen, während das aktive Pressing vorwiegend durch einen offensiveren Mittelfeldfreigeist vorgenommen wird. Der einzige Angreifer läuft dabei die aufbauenden Spieler an, presst aber eher passiv und hält sich dauerhaft auf Höhe der Mittelinie auf. Nach Ballgewinnen versucht Moldawien das Mittelfeld schnell zu überbrücken und den routinierten Stürmer Igor Picusceac in Szene zu setzen.

Torhüter mit Österreich-Vergangenheit

Moldawien verfügt nur über wenige erstklassige Legionäre. Die meisten von ihnen spielen in Russland oder Rumänien. So zum Beispiel der Torhüter Ilie Cebanu, der für Mordovia Saransk spielt und nicht gerade als verlässlicher Rückhalt gilt. Gerade in der Strafraumbeherrschung hat der 27-Jährige große Probleme und bei Flanken ist Cebanu anfällig. In der Saison 2006/07 spielte der Keeper für den Kapfenberger SV und Kindberg. Dabei stand er aber nur in einer Zweitligapartie gegen die Admira zwischen den Pfosten.

Robuste Innenverteidigung

Der „Star“ im Team ist Abwehrchef Alexandru Epureanu, der in der Türkei für Istanbul Büyüksehir spielt. Der 28-jährige Innenverteidiger bestritt bisher 63 Länderspiele, gilt als zweikampf- und kopfballstark und war früher unter anderem Stammspieler bei Dinamo Moskau und Anzhi Makhachkala. Neben ihm kann man mit dem 192cm großen Igor Armas rechnen, der jedoch ebenfalls nicht als Schwachstelle zu bezeichnen ist. Der 27-Jährige ist ein Verteidiger, der keine Gefangenen macht und gegnerische Stürmer abmontieren kann.

Defensiv ausgerichtete, einrückende Außenverteidiger

Die Außenverteidiger der Moldawier haben ihre Stärken eindeutig im Defensivbereich. Rechtsverteidiger Victor Golovatenco von Sibir Novosibirsk ist 30 Jahre alt, zweikampfstark und robust, allerdings auch nicht der Schnellste. Der Flottere der beiden ist der 27-jährige Linksverteidiger Petru Racu, der auf mehreren Positionen zum Einsatz kommen kann und auch im Mittelfeld recht gute Figur macht. Er fabriziert weniger Fouls als Golovatenco, ist aber defensiv insgesamt unsicherer und fällt immer wieder mit schwachem Stellungsspiel im Einrückverhalten auf. Racu spielt in Moldawien beim FC Veris Draganesti und erzielte in den letzten beiden Runden je einen Treffer.

Zentrales Mittelfeld als Herzstück

Die Mittelfeldzentrale gehört Alexandru Gatcan und Artur Ionita. Gatcan ist ein robuster Sechser, der in der Luft stark ist und zahlreiche Zweikämpfe annimmt. In Ballbesitz versucht er das Spiel meist schnell zu machen und zieht dennoch recht viele Fouls. In der laufenden Saison weist er für den FK Rostov eine gute Passquote von über 80% Genauigkeit auf, was für den 30-Jährigen aber eigentlich untypisch ist. Der 24-Jährige Ionita nimmt die Achterrolle ein, spielt für Hellas Verona und gilt momentan als bester Fußballer Moldawiens. Ionita ist ein guter Dribbler, spielt eher kurze Pässe und hat heuer in der Serie A bereits zwei Tore in fünf Spielen erzielt. Der 15-fache Nationalspieler überzeugte in der bisherigen Saison mit einer Passquote von 87%, was ebenfalls überraschend ist.

Wenig spektakuläre Außenspieler

Die äußeren Mittelfeldspieler nehmen im Nationalteam eine defensivere Rolle ein, als bei ihren Klubs. Rechts spielt Alexandru Antoniuc vom FC Milsami Orhei, der im Nationalteam allerdings umstritten ist und keine Konstanz in seine Leistungen bringt. Antoniuc gilt zwar als guter Fußballer, ist aber zu leicht berechenbar und spielt sehr geradlinig. Ähnliches gilt für Alexandru Dedov auf der linken Seite. Der 25-Jährige von Zimbru Chisinau ist auch eher ein nichtssagender Spieler, der offensiv zu viele Fehler macht und auf höherem Niveau wenig Gefahr ausstrahlt.

Der Zehner für die Standards

Der Offensivfreigeist im Team ist Eugen Sidorenco, der im Nationalteam traditionell gute Leistungen abruft. Der 25-Jährige spielt in Israel für Hapoel Nazareth Ilit, schießt recht gute Standards, ist auch aus Fernschüssen immer wieder gefährlich und versucht sich häufig mit Dribblings und kurzen Interaktionen mit seinem vorgelagerten Angreifer in Szene zu setzen. Bei gegnerischem Ballbesitz spielt er höher als Gatcan und Ionita und presst aktiv, während der Angreifer eher „mitverschiebt“ oder sich gar nicht am Pressing beteiligt.

Moldauische Stürmerkrise

Vorne soll Igor Picusceac von Amkar Perm für die Tore sorgen – allerdings spricht man in Moldawien von einer Stürmerkrise. Der 31-jährige Russland-Legionär kommt nur zu wenigen Chancen, ist zu leicht vom Ball zu trennen und auch in der Luft keine echte Waffe. Allerdings versucht Picusceac immer wieder Fouls in aussichtsreichen Positionen zu ziehen und Verteidiger des Gegners zu binden. Wie bereits erwähnt, ist der Stürmer ins Pressing der Moldawier kaum eingebunden und naturgemäß hat Picusceac in einem Spiel nur sehr wenige Ballkontakte. Für das Nationalteam erzielte er in 20 Spielen erst zwei Tore. Alternativen für den Amkar-Stürmer gibt es allerdings auch keine…

Nur wenige Alternativen

Alternativen für die Startelf gibt es im moldauischen Team nur wenige. Der 23-jährige Innenverteidiger Veaceslav Posmac wäre eine robuste Option für die Abwehrzentrale, für den Fall, dass das Team gegen Ende des Spiels ein Ergebnis halten muss. Für das rechte Mittelfeld könnte Trainer Curteian zudem Serghei Gheorghiev bringen, den viele Fans lieber sehen würden als Antoniuc. Der Zimbru-Spieler ist aber ebenfalls eher ungefährlich, wenn auch defensiv etwas besser. Wenn Moldawien die Mittelfeldzentrale massiver machen will, könnte man zudem auf die beiden Sechser Andrei Cojocari (27) vom FC Milsami Orhei oder den jungen Catalin Carp (20) aus der zweiten Mannschaft des CFR Cluj zurückgreifen. Am meisten schmerzt es jedoch, dass es keine Optionen für die vorderste Front gibt. Der durchaus gefährliche Viorel Frunza ist bereits 34 Jahre alt und spielte seit Jänner nicht mehr für die Nationalmannschaft. Rekordtorschütze Serghei Clescenko (11 Tore in 69 Länderspielen) beendete 2007 seine Karriere.

Knappe Niederlagen und das erste Heimspiel 2014

Im Jahr 2014 verlor die Republik Moldau sechs ihrer neun Spiele, gewann nur gegen Andorra (3:0) und Saudi-Arabien (4:0). Allerdings verlor das Team fünf der sechs Spiele nur mit einem Tor Unterschied. Gegen Montenegro (0:2) war Moldawien offensiv praktisch unsichtbar. Kurioserweise ist das heutige Aufeinandertreffen mit Österreich das erste Heimländerspiel des Jahres. In Heimspielen ist das Nationalteam seit fünf Spielen unbesiegt, trotzte im Juni des Vorjahres zum Beispiel Polen einen Punkt ab. Die letzten großen Schlappen setzte es 2013 und 2012 gegen England (0:4 a, 0:5 h).

Powerplay und Bewegung

Auf Österreich wartet eine defensive und durchaus kampfstarke Truppe, der jedoch nach vorne die systematischen Verbindungen fehlen. Powerplay und viel Bewegung ohne Ball sollten die Moldauer in die Knie zwingen, allerdings steht der Koller-Elf ein Geduldspiel bevor. Wichtig ist es, Standardsituationen und Fouls in gefährlichen Regionen zu verhindern. Dies sind zwei der wenigen Optionen, die Moldawien gefährlich machen könnten. Aus dem Spiel heraus sollte das Team keine große Gefahr darstellen bzw. muss sich Österreichs Defensive nicht gerade auf viele aktive Offensivakteure einstellen, sondern eher „abmontieren“.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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