In diesem Artikel blicken wir ins Jahr 1982 zurück, wo Österreichs Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in einer knappen Partie mit 1:0 gegen Chile gewann.... Ein Blick ins Jahr 1982: Österreich – Chile 1:0

In diesem Artikel blicken wir ins Jahr 1982 zurück, wo Österreichs Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in einer knappen Partie mit 1:0 gegen Chile gewann.

 

Chiles Aufstellung

Die Südamerikaner begannen in einer Art 4-4-2-Formation, welche aber sehr fluid ausgelegt wurde. Immer wieder gingen die Außenverteidiger nach vorne, die Mittelfeldspieler ließen sich fallen und im Endeffekt gab es eine Art „Zweierkette“ aus Rene Valenzuela und Kapitän Elias Figueroa. Die beiden waren die Absicherung für sämtliche Offensivbewegungen und auch die wichtigsten Ballzirkulatoren.

Vor ihnen spielten Eduardo Bonvallet und Rodolfo Dubo als nominelle Sechser mit unterschiedlichen Aufgaben. Bonvallet war etwas offensiver und stärker ins Offensivspiel involviert, während Dubo aufkommende Löcher im Defensivverbund sicherte und sich ziemlich tief positionierte. Passend zu dieser unterschiedlichen Aufgabenverteilung zeigte sich der Rechtsaußen Miguel Neira stärker invers und spielgestalterisch.

Er füllte somit das Loch in der Mitte, welche durch Dubos tiefere Positionierung entstand, welches mit weiteren Wechselwirkungen im letzten Spielfelddrittel aufgefangen wurde. Patricio Yanez als zweiter Stürmer bewegte sich entlang der Horizontale und wich immer wieder auf die rechte Seite, wo er sich dann zwischenzeitlich als Flügelstürmer bewegte.

Dadurch hatte er einen Geschwindigkeitsvorteil und außerdem war die Manndeckung der österreichischen Abwehr komplexer zu spielen, weil sich immer wieder die Zuteilungen änderten oder lange Wege gegangen werden mussten. Chile hingegen spielte mit einer Art Raumdeckung, auch wenn sie sich ebenfalls stark an den jeweiligen Gegenspielern orientierten.

Die Aufstellung Österreichs

Hans Krankl, Herbert Prohaska und Walter Schachner – allesamt österreichische Fußballlegenden. Doch der auffälligste von ihnen war lange Zeit Deutschland-Legionär Reinhold Hintermaier, welcher sich am Ball und in der kollektiven Bewegung sehr elegant zeigte. In einer schwachen Offensivabteilung hatte er noch die meisten Lichtblicke, während Herbert Prohaska als zentraler Mittelfeldakteur nur gelegentlich durch seine Vorstöße auffiel.

Defensiv wurden diese beiden von Roland Hattenberger abgesichert. In der Abwehr gab es mit Heribert Weber als linken defensiven Außenspieler und Bernd Kraus auf der gegenüberliegenden Seite zwei defensive Spieler auf den Seiten. Als Innenverteidiger gab es mit Josef Degeorgi einen manndeckenden Akteur, Bruno Pezzey und Kapitän Erich Obermayer interpretierten ihre Rollen stärker raumdeckend und organisierten sich oftmals sehr gut in einer Linie.

Chile mit Bewegung gegen die Manndeckungen

Um eben diese Spielweise mit drei und teilweise sogar vier manndeckenden Akteuren auszuheben, waren die Bewegungen von Chile sehr wichtig. Immer wieder versuchten sie mit einem aufrückenden Außenverteidiger eine Seite zu überladen oder durch das Verlassen von Positionen die gegnerische Formation zu knacken. Österreich ließ dementsprechend auch einige Chancen zu, tat aber im Großen und Ganzen das Richtige.

Man positionierte sich nach der Führung tief und überließ Chile das Spiel. Diese hatten somit wenige Räume zum Anstarten von Sprints, allerdings konnten sie durch ihren gute Dribblings nach vorne kommen und auch Pässe in die Löcher spielen. Beim Abschluss war es aber ein paar Mal Torwart Friedrich Koncilia, der dem Torerfolg mit hervorragenden Paraden und sogar einer guten Strafraumbeherrschung im Weg stand.

Ein weiterer Punkt waren die schlechten Platzverhältnisse. Durch das schlechte Geläuf rutschten insbesondere die österreichischen Fußballer mit ihren Plastiknoppen häufig aus und taten sich offensiv wie defensiv schwer. Der Ball war schwer, das Spiel langsam und die Akteure hatten sichtliche Probleme. Dennoch gab es einige interessante individualtaktische Aspekte zu beobachten.

Krankls Spielweise

Eine Überraschung für jeden jüngeren und womöglich auch älteren Zuseher dürfte die Leistung von Hans Krankl sein. Dieser zeigte sich um und im Strafraum herum kaum präsent, weil er sich als einziger wirklicher Mittelstürmer einer gegnerischen Überzahl sowie dem Weltklasseverteidiger Elias Figueroa, Weltfußballer von 1976, gegenüber sah.

Allerdings reagierte er auf dieses Problem intelligent, indem er sich oft fallen ließ, auf die Flügel auswich oder gar im Mittelfeld das Offensivspiel unterstützte. In gewisser Weise agierte er phasenweise sogar als „falsche Neun“ und ermöglichte in vereinzelten Aktionen ein Herausrückcen aus der Abwehr und eine höhere Stellung. Dadurch fand man Entlastung von der Überlegenheit der Chilenen und konnte ein paar Konter fahren, welche aber nur ungenau zu Ende gespielt wurden.

Krankls Spielweise war somit ein zweischneidiges Schwert – er ermöglichte zwar öfter ein Aufrücken, aber es fehlte dann die Anspielstation in der Tiefe, was effektive Abschlüsse auf das Tor der Chilenen verhinderte. Ein ähnliches Problem gab es mit Walter Schachner.

Die Rolle von Schachner

Schachner, zu jener Zeit wie Prohaska in Italien aktiv, spielte eine Mischposition aus rechtem Außenstürmer und zweitem Mittelstürmer. Ziel war es, dass er freie Räume attackieren, Konter über die rechte Seite ermöglichen und Krankl in der Mitte unterstützen sollte. Einige Male bewegte er sich auch entlang der Horizontale und wechselte nach links, um dort Löcher in der gegnerischen Formation auszunutzen.

Durch die dynamische Positionsinterpretation erhielt Schachner letztlich auch einig Bälle und sorgte auch für einige Kontermöglichkeiten – ein Plus für ihn. Allerdings ging er zu oft und zu schnell in die Vertikale, was das Bespielen dieser Konter ineffektiv machte, ebenso wie die Spielweise Krankls es tat. Diese beiden sorgten also dafür, dass Österreich Entlastung fand und aufrücken konnte, aber gleichzeitig für eine mangelnde Präsenz im letzten Spielfelddrittel.

Die Aufgabenteilung zwischen Hattenberger, Prohaska und Hintermaier

Ein weiterer großer Faktor war das Mittelfeld Österreichs, welche die Zentrale vor der Abwehr intelligent komprimierte. Chile musste deswegen öfters über die Seiten und Halbräume kommen, von wo sie aus wenig Zugriff erhielten. Roland Hattenberger, Herbert Prohaska und Reinhold Hintermaier bedeuteten drei Mann in der Mitte. Letzterer ging aber öfters auf den linken Flügel und agierte von dort aus spielgestalterisch oder half defensiv aus.

Prohaska hingegen spielte auffallend defensiv. Seine obligatorischen Vorstöße gab es fast nie, weil er auf dem nassen Grund und dank der Führung lieber Vorsicht walten ließ. Er sicherte die Defensive und nur bei weit offenen Räumen unterstützte er den Angriff, während Hattenberger nahezu durchgehend absicherte und dies auch sehr gut machte.

Fazit

Es war kein Paradespiel – von beiden Seiten nicht. Bei schwierigen Platzverhältnissen taten sich beide Teams schwer, wobei die Chilenen individuell und kollektiv etwas überlegen waren. Österreich stand hinten aber trotzdem zumeist sicher und hätte bei besserer Ausnutzung der Konterräume die Lücken in der allenfalls soliden Raumdeckung aufzeigen können. Letztlich war es ein Ausflug ins Jahr 1982, der klar vom modernen Fußball abweicht: kein kollektives und organisiertes Pressing, deutlich größere Lücken und weniger taktisch hochwertige Aspekte.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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