Das österreichische Nationalteam verpasste den dritten Sieg in Folge. Gegen defensiv auftretende und gut stehende Gäste blieben die Überraschungsmomente aus, auch weil dem über... Ein Hauch mehr Risiko, aber ohne Glück – Österreich erreicht ein 0:0 gegen Rumänien

Das österreichische Nationalteam verpasste den dritten Sieg in Folge. Gegen defensiv auftretende und gut stehende Gäste blieben die Überraschungsmomente aus, auch weil dem über weite Strecken beherzten Auftritt des ÖFB-Teams in den entscheidenden Phasen die Genieblitze abgingen, die den 3:2-Sieg gegen die Ukraine am vergangenen Freitag ausgemacht hatten.

Die Ausgangslage

Teamchef Marcel Koller stellte im Gegensatz zum Spiel am Freitag an einigen Positionen um. Im Tor begann Routinier Christian Gratzei, hinter Almer und vor Lindner die Nummer zwei im Team. Aleksandar Dragovic und György Garics begannen statt Sebastian Prödl und Florian Klein in der Verteidigung, Marko Arnautovic wechselte auf Ivanschitz‘ linke Seite. Guido Burgstaller sollte seinen wuchtigen Körper über die rechte Flanke ins Spiel bringen. In der Zentrale agierte neben dem Spielmacher David Alaba mit Besiktas-Legionär Veli Kavlak die etwas offensivere Variante als am Freitag, Julian Baumgartlinger erhielt eine Pause. Auch gegen einen sehr defensiv zu erwartenden Gegner hielt der Schweizer am 4-2-3-1 fest – möglicherweise wäre ein weiterer Offensivspieler besser gewesen.

Die rumänische Mannschaft, die ebenfalls nicht in Bestbesetzung angetreten war, versteht sich nicht erst seit den letzten Spielen auf Defensive und Konter. Dabei ziehen sich die Spieler weit in die eigene Hälfte zurück, die flinken Außenbahnspieler wie Gabriel Torje von Udinese Calcio über rechts und Cristian Tanase von Steaua Bukarest über links sollten offensiv für Gefahr sorgen und zuschlagen, wenn der Gegner nach Ballverlusten noch die Defensivordnung sucht. Vorne weg: Richtig gefährlich wurde es zwei Mal, in der 36. Minute, als Gratzei gegen Solospitze Daniel Niculae zur Stelle war und in der 43. Minute, als der Schlussmann einen Flachschuss von der Strafraumgrenze schlechte zentral prallen ließ.

Alaba im Stile eines „Quarterback“

Nach 20 Minuten betrug der Ballbesitz 64 zu 36 Prozent für Österreich, in der 40. Minute hatte der Staatsfunk fünf Torchancen für die Heim- und eine für die Auswärtsmannschaft gezählt. Das gut gestaffelte Mittelfeld der Rumänen zwang die Österreicher, den Spielaufbau tief in der eigenen Hälfte zu starten. Obwohl mit Dragovic und Scharner zwei eher moderne Innenverteidiger am Platz waren, ließen diese einen geordneten Spielaufbau vermissen. Vor allem David Alaba ließ sich in der Anfangsphase sehr weit zurückfallen, um die Bälle zu holen. So ergab sich rund um den „Quarterback“ ein optisches Übergewicht.

Janko etwas verbessert

Überzahlsituationen konnten in der ersten Halbzeit aber nicht gut genug kreiert werden, auch wenn Marc Janko im Gegensatz zum Ukraine-Match mehr mitspielte, auch des Öfteren von seinen Mitspielern gefunden wurde. Nach drei Minuten ließ er sich gut anspielen, wollte den Ball auf einen Mitspieler weiterleiten – der war nur nicht da. In der 20. Minute leitete er auf Alaba weiter, der aus vollem Lauf das Leder Richtung Schlussmann Tatarusanu knallte. Doch ansonsten mussten vor allem Standards herhalten, Janko (16., 30.) erwischte aber Hereingaben von Junuzovic und Alaba nicht.

Guter Beginn des Nationalteams

Die gut begonnenen, zielgerichteten Offensivaktionen versandeten aber zumeist. Arnautovic wollte in der 23. Minute nach einem Doppelpass mit der Solospitze durch die rumänischen Verteidiger durchrennen, räumte diese zwar ab, die Aktion kam aber der eines „Running Backs“ gleich, weswegen die Pfeife von Spielleiter Danny Makkelie stumm blieb. Schlüsselpunkt ist das „wollte“, denn bereits im Ansatz war offensichtlich, dass der Wiener versuchte, einen Elfmeter zu erzwingen. Andere Schiedsrichter hätten wohl auf den Punkt gezeigt. Eher zufällig waren weitere große Chancen von Junuzovic (58.) und Dragovic (65.) gewesen. Der Coach der Rumänen, der sich wohl die alte Footballweisheit „offense sells tickets, defense wins championships“ stets zu Gemüte führte, verhinderte mit der Konsequenz der Abwehrarbeit ein geordnetes Offensivspiel der Österreicher. Die Aktionen des rot-weiß-roten Nationalteams waren oftmals zu durchschaubar, schnelle Aktionen, die die Breite des Spielfelds ausnutzten – etwa, als Suttner in der 60. Minute von der linken Seite in Fuchs-Manier flankte – wurden zu selten durchgezogen.

Das, was Ricardo Moniz „konkret“ nennt…

Auch die Einzelaktionen waren zu unwirsch. Obwohl Alaba und Arnautovic viel unterwegs waren und Scharner sich auch des Öfteren mangels Beschäftigung nach vorne mit einschaltete. Im Gegensatz zum Spiel am Freitag gelang kein „lucky punch“. Das Spiel lief ähnlich ab, wie viele Spiele von Red Bull Salzburg. Eine spielerisch überlegene Mannschaft agierte in vielen Szenen überhastet, dachte Spielzüge nicht zu Ende – Ricardo Moniz beschreibt das mit dem geflügelten Wort des „nicht-konkret-genug-Seins“. Das änderte sich auch nicht, als zur Pause der deutlich laufstärkere Patrick Bürger Marc Janko im Sturm ersetzte und später Marcel Sabitzer für Burgstaller (65.) und Andreas Ivanschitz für Junuzovic kam. Yasin Pehlivan und Julian Baumgartlinger bescherten durch ihre Einwechslung eher Alaba und Arnautovic einen gesonderten Abgangsapplaus.

Systemimanentes Problem?

Die Umsetzung des Flügelspiels funktionierte über weite Strecken nicht wirklich, vor allem die rechte Seite mit Garics/Burgstaller blieb einiges schuldig. Das Hinterlaufen des Offensivmannes auf einer Seite über die berühmten Offensivdreiecke im Zusammenspiel mit einem weiteren Mittelfeldspieler funktionierte allgemein wenig bis gar nicht, der Flügelspieler auf der anderen Seite konnte den Mittelstürmer dadurch auch nicht in der Zentrale unterstützen, wie das beim Tor von Arnautovic zum 2:2 gegen die Ukrainer der Fall war. Schnelles Flachpassspiel fand ebenfalls zu wenig statt, so hätten es wieder Einzelaktionen von Arnautovic oder Weitschüsse von Alaba sein müssen, die den Sieg hätten bringen können. Es scheint, als ließe Koller in der Offensivbewegung zu viel auf Zufall zu basieren. Die Spieler agierten nicht genug in die Tiefe, nach Ballverlust der Rumänen im Aufbau wurde vielleicht zwei, drei Mal wirklich vertikal nach vorne gespielt. So konnten die Gegner ihre defensiven Linien wieder ordnen und das Spiel begann im Mittelfeld von neuem.

Lösungsansatz durch Konsequenz

Ein offensives Übergewicht wäre durch eine andere Ausrichtung möglich gewesen. Gegen eine derart defensiv agierende Mannschaft braucht es im Grunde genommen einen weiteren Offensivspieler, um Überzahlsituationen und Anspielstationen zu schaffen. Die Doppelsechs ist ein probates Mittel gegen ebenbürtig bis deutlich stärkere Mannschaften, gegen diese Rumänen wäre ein weiterer Mann, der stetig im letzten Angriffsdrittel agiert, die bessere Wahl gewesen. Eine Möglichkeit wäre gewesen, Alaba neben Junuzovic spielen zu lassen oder ihn ganz nach links außen zu ziehen und Arnautovic neben seinem Werder-Kollegen agieren zu lassen.

Offensive Struktur als Auftrag für das Türkei-Spiel im August

Es ist nicht die mangelnde Kreativität gewesen, die dem Spiel der Österreicher den Sieg verweigerte, sondern zu wenig offensive Struktur. So schön es ist, hinten kein Tor zu bekommen, so wenig kann man sich vorne auf Zufall verlassen. Das kann gegen Deutschland gut gehen, aber in den Schnittpartien gegen Irland und Schweden müssen Tore her und diese sollten, wenn möglich, in größerer Anzahl fallen. Die vorhandenen Ansätze des flinken Flachpassspiels und des Flügelspiels müssen schlichtweg konsequent und konkret sowie in sehr hohem Maße umgesetzt werden. Denn in der Tabelle um die WM-Qualifikation für 2014 wird nach Sieg und Niederlagen abgerechnet, nicht nach einigen gefälligen Offensivaktionen. Ansonsten bleibt das ÖFB-Team weiterhin eine Elf, die zwar über viele Mögichkeiten verfügt, aber in der Endabrechnung nicht das gewünschte Ergebnis liefert.
Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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