Die letzte erfolgreiche Qualifikation Österreichs liegt schon einige Zeit zurück, die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich war das letzte Großereignis für welches sich die Nationalmannschaft... Krankls Wunsch nach einem österreichischen Teamchef und die Gegenargumente

Die letzte erfolgreiche Qualifikation Österreichs liegt schon einige Zeit zurück, die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich war das letzte Großereignis für welches sich die Nationalmannschaft sportlich qualifizieren konnte. Es könnte also ein besonderes Rendezvous in Frankreich für die ÖFB-Elf werden. Die Kicker mit den meisten Einsätzen, unter dem damaligen Teamchef Herbert Prohaska, waren Andreas Herzog und Toni Polster, zwei Koryphäen des österreichischen Fußballs. Auch der Rest der Mannschaft liest sich wie eine All-Star-Auswahl der besten Österreicher der 90er-Jahre. Peter Stöger, Michael Konsel, Toni Pfeffer und Peter Schöttel sind nur eine kleine Auswahl, die gesamte Liste der erwähnungswerten Spieler würde den Rahmen sprengen. Zusammengefasst kann man behaupten dass Herbert Prohaska einige der besten Spieler in der Geschichte der Nationalmannschaft zur Verfügung hatte.

Die Nationalmannschaft welche sich unter Josef Hickersberger für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien qualifizierte hat einiges mit jener von Prohaska gemein. Auch hier sind große Spieler wie Polster und Schöttel dabei. Andreas Herzog war 1990 erst 22 Jahre, Toni Pfeffer 25 und Peter Schöttel 23 Jahre alt.

Eine große Rolle in Hickersbergers Teams spielte Heribert Weber. Der damalige Rapidler bekam unter Teamchef Hickersberger zu 18 Einsätzen, davon 15 als Kapitän. Torwart war Klaus Lindenberger, selbst Herbert Prohaska kam unter seinem Mitstreiter von 1978 viermal zum Einsatz, das letzte Mal im Alter von 34 Jahren gegen Island im Jahre 1989. Hickersbergers Mannschaft befand sich damals also in einer Phase des Umbruchs. Altehrwürdige Spieler wie Prohaska und Weber spielten ihre letzten Länderspiele, während die neue Generation von Herzog, Polster und Co. heranwachsen konnte.

2006 zum Beginn von Hickersbergers zweiter Amtszeit sah die Situation anders aus. Die großen Namen waren längst Geschichte. Andreas Ivanschitz, Rene Aufhauser, Roland Linz und Martin Stranzl hießen nun die Stützen der Nationalmannschaft. Allesamt zu dieser Zeit formidable Nationalspieler. Trotzdem erreichte Hickersbergers Team im Durchschnitt 0,96 Punkte pro Spiel und fiel in der FIFA-Weltrangliste auf einen historisch schlechten 105. Platz. Die Stimmung in der Bevölkerung vor der Heim-EM war auf einem Tiefpunkt, es gab sogar Petitionen zum Rückzug der Nationalmannschaft aufgrund ihrer Leistungen. All diesen Dingen zum Trotz sollte man diese zweite Amtszeit von Josef Hickersberger ausklammern. Damals herrschte die außergewöhnliche Situation, dass die ÖFB-Elf ausschließlich Freundschaftsspiele bestreiten konnte, da man als Gastgeber für die EURO 2008 fix qualifiziert war. Da Freundschaftsspiele generell einen anderen Charakter als Qualifikationsspiele haben und oft von experimenteller Natur sind, kann schnell einmal ein schlechtes Ergebnis zustande kommen. Der damalige 105. Platz war auch den Eigenheiten der FIFA-Weltrangliste geschuldet, da Freundschaftsspiele im Vergleich zu Qualifikationsspielen viel weniger Punkte liefern. Trotz der, zugegeben, bestenfalls mittelmäßigen Leistungen die das Team damals ablieferte, war die Nationalmannschaft hinter No-Names des Weltfußballs wie Nordkorea, Benin oder Syrien abgerutscht. Dieser 105. Platz stellt eher die Absurdität der FIFA-Weltrangliste besser dar, als die damalige Leistung der Nationalelf. Abgesehen davon endete mit der EURO 2008 auch die letzte Amtszeit Hickersbergers. Eine Amtszeit mit geringem Erfolg.

Nach 220 Tagen Karel Brückner bekam also nun endlich Didi Constantini seine große Chance als Teamchef. 23 Spiele und einige vergraulte Spieler später wurde auch er entlassen. Ihm zu Gute halten muss man, dass er damals einige der heutigen Stützen an die Nationalmannschaft heranführte. David Alaba, Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic debütierten unter ihm. Spieler die heute nicht mehr wegzudenken sind. Der Kollateralschaden den er verursacht hat war jedoch zu groß. Nicht nur die Stimmung in der Öffentlichkeit kippte, Spieler wie Alexander Manninger, Martin Stranzl, Andreas Ivanschitz und György Garics hatten sich mit ihm überworfen. Manninger und Stranzl beendeten ihre Nationalmannschaftskarrieren sogar vollständig. Sager wie jener dass „Taktik generell überbewertet“ sei und die Roland Linz-Fahrrad-Geschichte trugen ihr übriges zur damaligen Situation bei. Constantini sah sich damals mit viel Kritik konfrontiert, jedoch war nicht alles fair, das man ihm an den Kopf warf. Er übernahm die Nationalmannschaft welche nach der Ära Brückner am Boden war und legte einige Weichen für die Zukunft. Weichen, von denen Marcel Koller zum Teil heute profitiert.

Ungerecht behandelt fühlte sich nach seiner Ablöse auch Hans Krankl, einer der lautesten Befürworter der „österreichischen Lösung“. Er baute damals hauptsächlich auf Rene Aufhauser, Markus Schopp und Martin Stranzl. Selbst Andreas Herzog und Didi Kühbauer kamen im Alter von jeweils 34 Jahren noch zu Einsätzen im Nationalteam. In Erinnerung bleiben aber hauptsächlich seine Sager. Dass etwas auch „irreregulär“ sein kann wissen wir seit dem Qualifikationsspiel in Nordirland im Jahr 2004. Auch die Vorhersage „Um diesen Sturm wird uns noch ganz Europa beneiden“ brannte sich in das österreichische Fußballhirn ein. Gemeint waren damals übrigens Roland Linz und Roman Wallner. Obwohl sich Europas Neid dann doch in Grenzen hielt, war Krankl ein großartiger Motivator, der sich halt dann auch mal zu solchen Aussagen hinreißen ließ.

Der Neid Europas dürfte eher David Alaba gelten. Er ist sicherlich der herausragende Spieler in der heutigen Nationalmannschaft. Doch er ist Teil einer Mannschaft, die gespickt ist mit feinen Fußballern. Von vorne bis hinten ist die ÖFB-Elf besser besetzt als noch vor gut zehn Jahren. Beinahe alle Spieler sind Stammkräfte im Ausland. Blicken wir zum Vergleich auf die Mannschaft welche am 30.03.2005 unter Hans Krankl 1:0 gegen Wales gewinnen konnte: Bis auf Martin Stranzl, der beim VfB Stuttgart seine Brötchen verdiente, und Mario Haas, der damals in Japan bei JEF United unter Vertrag stand, stand kein Legionär in der Startelf. Beim Spiel Österreichs in Liechtenstein, knapp zehn Jahre später, stand nur ein Spieler in der Startelf der in der österreichischen Bundesliga kickt. Die Qualität des Kaders ist heute also unbestritten höher als damals.

Krankl meinte weiters dass Koller Glück hatte, „[…]eine Mannschaft übernehmen zu können, die aus guten Legionären bestand, die aber als Team nicht optimal funktionierten.“ Jedoch beißt sich sein Argument hier in den Schwanz, denn dass Koller diese Spieler zu einer Mannschaft formen konnte, welche funktioniert, von der man von außen den Eindruck hat, dass sie zusammenhält, welche endlich wieder guten Fußball spielt, ist sein Verdienst. Ein österreichischer Trainer, sprich Constantini, hat das nicht hinbekommen. Auch Koller hatte mit Querulanten in seiner Mannschaft zu kämpfen. Der etwas eigenwillige Paul Scharner hatte 2012 nach seiner Degradierung großen Stunk gemacht. Die Innenverteidigung ist heute jedoch gefestigter als noch vor zwei Jahren, unter anderem dank einem bärenstarken Dragovic und einem mittlerweile erfahrenen Prödl.

Auf der dritten Seite nehmen wir mögliche österreichische Lösungen unter die Lupe.

Vorige Seite Nächste Seite

Markus Bariszlovich

  • Koryo

    2.April.2015 #1 Author

    Ich finde den Artikel dahingehend ausgewogen, als er den (vielleicht einzigen) Verdienst von Constantini als Nationaltrainer erwähnt, nämlich dass er nach der erfolglosen EM ’08 einen personellen Umbruch eingeleitet hat. Neben den im Artikel erwähnten Spielern kamen auch Junuzovic, Kavlak und Klein zu einigen Starteinsätzen im Team. Aus meiner Sicht wäre Constantini ein durchaus geeigneter Scout, aber als Trainer kann er offensichtlich weder in menschlicher noch in fachlicher Hinsicht mit einer Mannschaft längerfristig arbeiten. Ich hoffe, dass die 78er-Clique bald ihren Einfluss in den Klubs, Verbänden und Medien verlieren wird, aber was kommt danach: die 98er-Clique?…bitte nicht! So gesehen hoffe ich, dass Peter Stöger weiterhin erfolgreich in Deutschland ist und Marcel Koller noch lange unser Teamchef bleibt.

    Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.