Dietmar Constantini wird nicht zerrissen, zu dominant war das Auftreten gegen die Slowakei. Dass Österreich trotzdem verlor, lag wieder einmal an der eigenen Angst,... Starke Leistung im Mittelfeld, eine zusammenwachsende Truppe – und dennoch 1:2 gegen die Slowakei…

Dietmar Constantini wird nicht zerrissen, zu dominant war das Auftreten gegen die Slowakei. Dass Österreich trotzdem verlor, lag wieder einmal an der eigenen Angst, den Ball im Tor des Gegners unterzubringen. Da muss gar nicht lang darüber gesprochen werden, dass das zweite Tor der Gäste nicht gegeben werden hätte dürfen.

Angeführt von Kapitän Marc Janko schickte Constantini seine Elf in einem 4-2-3-1-System auf den Platz. Eine gute Idee. Die eingesetzten Spieler durften auf ihren angestammten Positionen ran und darüber hinaus dürfen sich fast alle Spieler Stammspieler nennen – dass Julian Baumgartlinger bei Mainz noch auf der Bank sitzen muss ist genauso wenig schlimm wie, dass David Alaba mit 19 noch nicht jedes Spiel für die Bayern spielt. Die Marschroute war von der ersten Minute an klar: Mit Pressing sollten die Slowaken unter Druck gesetzt werden, zu Fehlern gezwungen werden. Apropos Gäste: Diese spielten in einem breit gefächerten 4-5-1, in dem die Stars Juraj Kucka und Marek Hamsik, der überraschend auf der Seite statt zentral spielte, die Fäden zogen. Die Nummer 29 der Welt und punktegleich Führender der EM-Qualigruppe präsentierte sich ebenso wie Österreich mit einigen Stars, aber wirkten besser organisiert.

Das individuelle 4-2-3-1 am Feld

Gleich die erste Aktion der von Beginn an spielbestimmenden Gastgeber zeigte zwei Dinge: Erstens, dass es auf dem Niveau, wo Österreich hin will, ausgezeichnete Einzelspieler von Nöten sind und zweitens, dass in weiterer Folge Einzelaktionen das Spiel bestimmen würden. Letzteres kann je nach Grundstimmung gegenüber DiCo positiv – Er fördert die Stärken der Spieler. – oder negativ – Alles Zufall, nur eine Aufstellung zeichnen reicht nicht! – verstanden werden. Jedenfalls legte der hoch motivierte Stuttgart-Legionär Martin Harnik ein Solo von der Mittellinie bis 20 Meter vorm Tor hin, gab zu Alaba, der sich in der Mitte anbot, ab. Das Bayern-Talent dribbelte sich mit etwas Ballglück durch die Abwehr und setzte den Ball neben das Tor. Die Erarbeitung der Chance war im Stile von Xavi und Messi, der Abschluss eher Klaas-Jan Huntelaar 2010/11. Diese erste Angriffszene konnte als symptomatisch für den Rest des Spiels verstanden werden, da sich die Einzelspieler immer gut durchspielten, vor dem Tor aber versagten die Nerven.

Sporadische Angriffe und zwei Tore

Slowakei-Teamchef Weiss wird wohl gewusst haben, was die Österreicher spielen können und verlegte sich in den Anfangsminuten, den eingebürgerten Guede auf der rechten Seite arbeiten zu lassen. Alaba und Pogatetz konnten gefährliche Aktionen aber entschärfen. Nach Pogatetz-Rettungsaktion gegen Holosko folgte das 0:1. Eine Flanke nach einem Eckball flog in den Strafraum, Genua-Star Kucka stieg hoch, vernaschte Dragovic und köpfte via Stange und Gratzeis Rücken in das Tor. Warum und weshalb sich kein Österreicher bemüßigt fühlte, neben dem langen Pfosten zu stehen, bleibt dahin gestellt. Entgegen früherer Spiele gaben sich die Spieler aber nicht sofort auf. Mehr als ein Freistoßtrick, der offensichtlich einstudiert wirkte, schaute nicht heraus. Aus doch deutlicher Abseitsposition fiel das 0:2 durch Robert Jez. Holosko ließ ihn neben der Innenverteidigung stehend den Ball abtropfen, Jez war durchgelaufen und schob an Gratzei vorbei zum Tor ein. Da konnten Austria, Basel, Hannover und Schalke noch so tolle Abseitsfallen haben und diese vereinigt haben, das slowenische Schiedsrichterteam gab den Treffer. Auch diese Gegentore zeigten eines: Durch kleine Fehler fallen Tore und wenn man kein Glück hat, kommt Pech auch noch dazu.

Harnik spielt groß auf

Angetrieben von den Deutschland-Legionären wurde nun furios aufgespielt. Fuchs kurbelte auf links an, Harnik auf rechts. Einzig Janko war in der Abwehr gut aufgehoben, aber aufgrund seiner individuellen Klasse konnte er auch ohne viele Ballkontakte Räume schaffen. Brachte Martin Harnik am Wochenende noch die neu renovierte Cannstädter-Kurve in der Mercedes Benz-Arena zur Verzweiflung, so ließ er aufblitzendem Genie im Abschluss immer wieder Wahnsinn folgen. Eine Maßflanke von Fuchs erlief er sich im Strafraum und erwischte den wuchtigen Kopfball doch zu zentral. Everton-Schlussmann Mucha war am Posten, bei Harniks nächster Aktion aber chancenlos. Genial eroberte sich der gebürtige Deutsche den Ball in der eigenen Hälfte, lief, ganz Ösi, Slalom durch die gesamte slowakische Mannschaft, nur um dann, ganz Huntelaar, nach einem Messi-Sololauf den Ball neben das Tor zu setzen. Die erste Halbzeit in einem Satz zusammengefasst: Österreich spielt, Slowakei trifft.

Zweite Halbzeit, selbes Spielchen

Nachdem das Spiel in den ersten zehn Minuten so dahingeplätschert war – Alaba wechselte neben Baumgartlinger auf die Sechs, der solide Kulovits machte für Daniel Royer Platz, der sich auf der linken Seite versuchte – stellte Constantini in Minute 55 um. Der eher blass gebliebene Junuzovic ging und Erwin „Jimmy“ Hoffer gesellte sich neben Marc Janko ins Sturmzentrum. Damit wurde aus dem 4-2-3-1 ein 4-4-2. Die spielstarke Zentrale mit Alaba und Baumgartlinger sollte Royer, Harnik und Hoffer mit schnellen Pässen füttern. Das Gästeteam stellte das gesamte Spiel nicht oft um, Weiss zog lediglich Hamsik in die Zentrale und brachte den ehemaligen Austrianer Filip Sebo. Auch hier konnte man eine klare Absicht erkennen, das Ergebnis sollte abgesichert werden, ein drittes Tor durch den schnellen Sebo aus Kontern erzielt werden. Das schwache Schiedsrichterteam um den Slowenen Ceferin hatte in dieser Phase, als es für ein Freundschaftsspiel zusehends ruppiger wurde, große Probleme, das Spiel zu leiten. Weiss nahm seinen Sohn nach einer für Reklamation erhaltenen gelben Karte vom Feld und machte seinem Unmut über die Spielführung deutlich Luft.

Der Kleinste springt am höchsten

In Minute 66 macht sich die Umstellung bezahlt. Klein schlug eine Maßflanke – scharf, leicht vom Tor weggedreht – in den Strafraum, die Innenverteidigung konzentrierte sich auf Janko und Jimmy Hoffer konnte den Ball ohne Bedrängnis zum Anschlusstreffer unhaltbar ins Eck köpfeln. In der gesamten zweiten Halbzeit musste Gratzei auf der Gegenseite nur einmal eingreifen, als der eingewechselte Jendrisek von der Strafraumgrenze nach einem Eckball das Leder Richtung langes Eck jagte. Ansonsten spielte Österreich. Die Slowaken beschränkten sich, angeführt von Abwehrchef Michalik und Hamsik, alle Spieler bis auf Sebo hinter den Ball zu bringen, was ihnen auch gut gelang. Einmal zappelte der Ball noch im Tor, Hoffer stand aber im Abseits, nachdem eine lange Flanke aus dem Halbfeld über Jankos Kopf und durch einen Fallrückzieher von Harnik im Fünfer landete. Baumgartlinger, Fuchs und der aufgerückte Dragovic kamen noch zu Schüssen aus guten Positionen, nach 94 Minuten war die Niederlage jedoch besiegelt. Jimmy Hoffer blieb damit der einzige Österreicher, der am Wörthersee netzen konnte.

Stamm gefunden, Glück verloren

Constanini und seine Jungs machten vieles richtig. In einem Punktspiel zählt aber nun mal nur das Ergebnis, auch wenn sich die gesamte Mannschaft defensiv gut präsentierte. In der Offensive gab es auch gute Ideen. Marc Jankos Ruf nach dem starken Saisonstart beim FC Twente eilt ihm voraus, dadurch konzentrierte sich ein Manndecker auf ihn und ein zweiter Verteidiger war meist zu Stelle. Dies schaffte Räume in der sonst dicht gestaffelten Defensive der Slowaken. Auch Junuzovic konnte, wenn auch sonst nicht viel am Spiel beteiligt, immer wieder Gegenspieler auf sich ziehen. Das größte Manko ist aber der Abschluss. Ein abgezocktes Team führt zur Pause trotz Schirifehler, Alaba und Harnik fehlt aber noch die Ruhe vor dem Tor. Aufgrund der eigenen individuellen technischen Fähigkeiten blieb der Slowakei nach dem Seitenwechsel nichts Anderes übrig, als sich defensiv gut zu organisieren.

Dietmar Constanini sagte nach dem Spiel, dass man mit einer Niederlage nie zufrieden sein kann. Damit hat der oberste Fußballlehrer recht. Der freundschaftliche Vergleich war sowohl für DiCo-Befürworter und -Gegner ein Beweis. Ob die Dominanz über fast die gesamte Spielzeit auf die im Ausland gut ausgebildeten Akteure zurückzuführen ist oder tatsächliche Trainerarbeit, lässt sich auch nach dem dritten guten Spiel in Folge nicht feststellen. Dass das Team aber zusammenwächst und die Experimente weniger werden, ist zu sehen.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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