Heute Abend trifft das österreichische Nationalteam im Rahmen der WM-Qualifikation auf die Auswahl aus Schweden. Zwei Spieltage vor dem Ende hat die Mannschaft von... Taktische Vorschau zu Schweden – Österreich: Entscheidet wieder das Zentrum?

Marcel KollerHeute Abend trifft das österreichische Nationalteam im Rahmen der WM-Qualifikation auf die Auswahl aus Schweden. Zwei Spieltage vor dem Ende hat die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller die Möglichkeit an den Skandinaviern vorbeizuziehen. Die Euphorie ist deshalb so groß wie schon lange nicht mehr in diesem Stadium einer Qualifikation. abseits.at wirft einen Blick darauf, was das ÖFB-Team in Schweden erwartet.

Das erste Spiel in Wien konnte die rot-weiß-rote Elf dank der Tore von David Alaba und Marc Janko mit 2:1 gewinnen. Der Grundstein für den damaligen Erfolg lag im stabilen und aktiven Zentrum. Österreichs Doppelsechs waren im Pressing sehr aggressiv, Zlatko Junuzovic davor der bessere Verbindungsspieler verglichen mit Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic. Das wirft die Frage auf, ob auch heute Abend das Zentrum über den Ausgang des Spiels entscheiden wird.

Österreichs Kader mit positiver Entwicklung

Im Vergleich zum Spiel im Juni hat sich jedoch auf beiden Seiten einiges geändert. Aufseiten der Österreicher liefen fünf Spieler auf, die zum damaligen Zeitpunkt wenig oder gar keine Spielpraxis bei ihren Vereinen hatten. Dass die Startelf in Stockholm jener von damals sehr ähnlich sein wird, ist aufgrund der auf Kontinuität ausgelegten Philosophie Kollers sehr wahrscheinlich. Allerdings ist die Ausgangsposition für manche Spieler bedeutend anders, um nicht zu sagen besser. Robert Almer zeigte beispielsweise nach seinem Wechsel zu Energie Cottbus mit starken Paraden auf.

Marko Arnautovic leistete sich bei Stoke City bislang noch keinen Fehltritt, zog die englischen Medien mit guten Leistungen auf seine Seite. Janko zählt bei Trabzonspor noch immer nicht zum Stammpersonal, allerdings ist ihm unter dem neuen Trainer der Schritt von der Tribüne auf den Rasen gelungen. Der Stürmer kam in den letzten drei Ligaspielen auf immerhin 69 Spielminuten. Auch Emanuel Pogatetz, der im Juni noch die Ersatzbank bei West Ham drückte, spielt mittlerweile wieder regelmäßig. Zwar versäumte er beim 1. FC Nürnberg bisher noch keine Minute, allerdings konnte er mit den Franken noch nicht gewinnen.

Hamren vergibt neue Rollen im Zentrum

Während man bei den Österreichern nahezu eine identische Mannschaft wie beim letzten Aufeinandertreffen erwarten darf, dürfte sich jene von Schweden an einigen Positionen anderes besetzt zeigen. Nach der 1:2-Niederlage stellte Trainer Erik Hamren vor allem im Zentrum um. So fand sich Innenverteidiger Jonas Olsson seit besagtem Zeitpunkt auf der Bank wieder, sein damaliger Nebenmann Andreas Granqvist begann nur mehr im Spiel gegen die Färöer, in dem er in der 79. Minute die rote Karte sah. Das neue Duo im Abwehrzentrum bilden nun Mikael Antonsson, ehemals bei der Wiener Austria und nun beim Garics-Klub Bologna, sowie Per Nilsson, Pogatetz‘ Nebenmann in Nürnberg.

Aus taktischer Sicht interessanter sind jedoch die Umstellungen auf der Doppelsechs im 4-4-1-1. In Wien agierten dort mit Kim Källström und Rasmus Elm zwei dynamische Spieler, die im Pressing hoch aufrückten und das Aufbauspiel des ÖFB-Teams abschnitten. Als neues Gespann im zentralen Mittelfeld kristallisierte sich in den letzten Spielen Anders Svensson und Albin Ekdal heraus. Dabei überzeugte der 37-jährige Svensson mit viel Übersicht und erzielte auch den 2:1-Siegtreffer in Irland. Daneben spielte Ekdal etwas höher und hatte einen größeren Aktionsradius, allerdings wird der Cagliari-Legionär im Spiel gegen Österreich verletzt fehlen. Wer ihn ersetzen wird könnte im Sinne der eingangs gestellten Frage durchaus entscheidend sein.

Probleme in Kasachstan auf den Seiten

Neben den bereits erwähnten Källström und Elm steht Hamren mit Pontus Wernbloom ein physisch und defensiv starker Akteur zur Verfügung. Allerdings würde unter einer Aufstellung des 27-Jährigen wohl das Aufbauspiel, das ohnehin stark vom meist hoch stehenden Ibrahimovic abhängt, leiden. Källström und Elm sind ähnliche Spielertypen, technisch beschlagen und würden vermutlich im Spiel gegen den Ball höher stehen. Das hat seine positiven und negativen Seiten. Einerseits konnte man in den letzten Jahren erkennen, dass es dem ÖFB-Team gar nicht behagt, früh angepresst zu werden, andererseits könnte ein situatives 4-1-3-2 empfindliche Räume für Österreich bieten.

Aufgrund der Tatsache, dass man bei dieser Konstellation vor der Abwehr nur einen Sechser als Absicherung hat, räumt man dem Gegner Platz in den Halbräumen ein. Das sah man unter anderem auch im Spiel gegen Kasachstan, wie das obige Video zeigt. Immer wieder wurden die Außenverteidiger aus ihren Positionen gezogen um danach schnell in den geöffneten Raum dahinter zu spielen. Dafür ließen sich entweder die Flügelspieler fallen oder der Zehner brachte sich in eine anspielbare Position, woraufhin der schwedische Außenverteidiger nach vorne musste. Auch im Umschaltspiel sind die Schweden in diesen Zonen verwundbar. Den Kasachen mangelte es jedoch an Durchsetzungskraft bzw. individueller Klasse um diesen Vorteil entscheidend auszuspielen.

Taktische Umstellungen möglich, Experimente nicht

Das ÖFB-Team ist im Vergleich dazu nominell besser aufgestellt und könnte die Schweden dadurch empfindlich treffen. Mit Arnautovic und Martin Harnik hat man zwei antrittsschnelle Flügelspieler, die die geöffneten Räume schnell besetzen können. Aber auch Junuzovic bringt die nötigen Voraussetzungen mit um diagonal hinter die Außenverteidiger zu gehen bzw. sich im Aufbau fallen zu lassen. Zudem könnte Koller anstelle von Janko mit Andreas Weimann einen weiteren umschalt- und antrittsstarken Spieler bringen. Der England-Legionär ist im eigenen Aufbauspiel zwar zu eindimensional, jedoch zeigte Koller in den bisherigen Auswärtsspielen die Tendenz, einen solchen Spielertypen als Solospitze aufzubieten.

Zudem ist davon auszugehen, dass Schweden vor eigenem Publikum um Ballkontrolle bemüht sein wird. Das spielt zum einen der österreichischen Pressing-Philosophie in die Karten und könnte auch David Alaba mehr Raum bieten. Der Bayern-Legionär ist das Um und Auf im Spiel des ÖFB-Teams und es nicht anzunehmen, dass er von Koller – wie von vielen Fans gewünscht – nach links hinten beordert wird. Die Schweden werden wie gewohnt hoch pressen, was Julian Baumgartlinger oder Veli Kavlak eher zu Ballverlusten zwingen würde. Auf dem Zentrum dürfte also auch heute Abend der Fokus liegen – wenn auch in anderer Art und Weise als vor vier Monaten.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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