Am dritten Spieltag der WM-Qualifikation trifft Österreich in Astana auf Kasachstan. Nachdem man sich am 11. September Deutschland knapp geschlagen geben musste, erhofft sich... Vorschau: WM-Qualifikation | Kasachstan – Österreich

Am dritten Spieltag der WM-Qualifikation trifft Österreich in Astana auf Kasachstan. Nachdem man sich am 11. September Deutschland knapp geschlagen geben musste, erhofft sich die ganze Nation, dass das ÖFB-Team auf dem Weg nach Brasilien die ersten Punkte einfährt. abseits.at wagt eine Vorschau auf das zweite Pflichtspiel unter Teamchef Marcel Koller.

Unter dem Schweizer erfuhr das arg gebeutelte Nationalteam in den letzten elf Monaten einen Aufschwung, besiegte Finnland, die Ukraine und die Türkei. Das Auftaktspiel gegen Gruppenfavorit Deutschland verlief durchaus vielversprechend und bringt Österreich in die Favoritenrolle gegen Kasachstan. Das Spiel gegen die Nummer 147 der Welt hat aber einen völlig anderen Charakter.

Wie offensiv spielt Kasachstan?

Wir gehen zwar voller Vorfreude in beide Spiele, wissen aber auch, dass wir klarer Außenseiter sind und Österreich im Normalfall beide Spiele gewinnt“, sieht Heinrich Schmidtgal, Kasachstans einziger Legionär im Kader, das ÖFB-Team als Favoriten. Dementsprechend werden die Gastgeber wohl ihr Spiel anlegen. Trainer Miroslav Beranek lässt sein Team aus einer sehr abwartenden 4-4-2-Grundformation heraus agieren. Zwei kompakte Viererketten sollen die Mitte versperren, Tore sucht man in erster Linie über Konter oder Standardsituationen. Die spielerischen Mittel des kasachischen Teams sind limitiert, daher ist nicht davon auszugehen, dass hohe Ballbesitzwerte angestrebt werden. Gegen Irland ging dieses Konzept beinahe auf, denn erst in den Schlussminuten drehte das Team von Giovanni Trapattoni die Begegnung. Eine ausführliche Teaminfo findet sich an anderer Stelle wieder.

Klein oder Garics?

Bis vor kurzem hätte man meinen können, die Viererkette würde gegenüber dem Auftaktspiel nicht verändert werden. Christian Fuchs ist als Kapitän gesetzt, der zweite Jubilar, Emanuel Pogatetz, gilt trotz schwacher Leistungen im Verein ebenfalls als unantastbar. Nachdem sich Aleksandar Dragovic am letzten Wochenende verletzte, ist auch die zweite Innenverteidigerposition vergeben – an Sebastian Prödl. Allerdings stattete Koller im Trainingslager auch Salzburg-Verteidiger Florian Klein mit einem Markierungsleibchen für die „Einser-Garnitur“ aus, was Medien damit spekulieren lässt, dass er statt György Garics rechts hinten verteidigen wird.

Bisher ließ sich der Bologna-Legionär aber nicht viel zuschulden kommen, bereitete in der aktuellen Saison bereits drei Tore vor. Gegen Deutschland wurde er durch die hohe Stellung seines Gegenspielers – ebenso wie Fuchs – hinten gebunden, was Vorstöße quasi ausschloss. Für Klein spricht die höhere Dynamik, was der entscheidende Faktor sein könnte. Denn die Außen gelten bei Kasachstan als Achillesferse.

Stürmt Janko?

Die weitestgehende Änderung könnte den Sturm betreffen. Martin Harnik zeigte zwar in seinen beiden Spielen als Mittelstürmer bisher gute Ansätze, dürfte aber Marc Janko weichen. Im Spiel gegen den Ball formierte der VfB-Angreifer mit Zlatko Junuzovic einen Zweiersturm, setzte den ballführenden Innenverteidiger unter Druck oder stellte ballfern den anderen Innenverteidiger zu. Nach Balleroberungen schaltete er gut und schnell um, hatte in den Anfangsminuten gegen Deutschland sogar den Führungstreffer am Fuß. Gegen Kasachstan ist seine Antrittsstärke an vorderster Front jedoch nur bedingt gefragt, da der Platz knapper bemessen sein wird.

Da die Hausherren wohl in erster Linie auf die Defensive achten werden, ist es wichtig deren Hintermannschaft zu beschäftigen, ihr mit physischer Präsenz zuzusetzen. Janko konnte seine Stärken stets dann ausspielen, wenn das Spiel seiner Mannschaft auf ihn ausgerichtet war. Zwar weicht der 29-Jährige kaum auf die Seiten aus oder sucht Kombinationen mit seinen Mitspielern, er ist aber durchaus geübt darin Raum für sie zu schaffen. Zudem ist er mit dem Rücken zum Tor der wohl stärkste Akteur im Kader und ein sehr guter Kopfballspieler.

Wer bildet die Flügelzange?

Die Hereinnahme von Janko würde bedeuten, dass die Konkurrenzsituation hinter ihm noch ein Stück intensiver wird. Die am wenigsten diskutable Position dürfte der linke Flügel sein. Andreas Ivanschitz zählt zu den Führungsspielern im Team und ist in blendender Form. Bereits zwei Tore und drei Assists stehen beim Burgenländer, der Platz sechs der Scorerliste innehat, zu Buche. Ivanschitz neigt zwar dazu im Teamdress eher das Zentrum anzusteuern, beherrscht allerdings auch das Flankenspiel. Nur sechs Bundesligaspieler bringen den Ball öfter in die Mitte als er. Man darf gespannt sein, ob der 28-Jährige diese Spielweise nun auch mit dem Bundesadler auf der Brust adaptiert, oder in erster Linie die Seite für Fuchs öffnen soll.

Auf der anderen Seite dürfte das Spiel weiter gestreckt werden, geht man davon aus, dass dort entweder Harnik oder Marko Arnautovic spielen werden. Ersterer repräsentiert den klassischen Außenstürmer-Typ, der mit seiner hohen Stellung für eine durchaus hohe Asymmetrie sorgt und zudem sehr torgefährlich ist. Allerdings ist er nicht dafür bekannt die Linie entlang zu marschieren um gefährliche Hereingaben zu servieren. Arnautovic hingegen legt sein Spiel variabler an. Bei Werder Bremen hält er lange die Breite um dann mit kurzen Sprints in den Strafraum zu ziehen, gehört aber gleichzeitig zu den 16 fleißigsten Flankengebern der Bundesliga. Außerdem zeigte er – beispielsweise gegen die Ukraine –, dass aufgrund seiner hohen individuellen Qualität den Unterschied zugunsten seiner Mannschaft ausmachen kann.

Junuzovic als Zehner, Achter oder auf der Bank?

Es besteht auch die Möglichkeit sowohl mit Harnik als auch Arnautovic zu beginnen um die Vorteile der beiden zu kombinieren. Will man die Seiten überladen würde Arnautovic ballseitig verschieben und könnte so die Flankenschwäche Harniks kaschieren. Gegen Deutschland brachte er einige gefährliche Pässe zur Mitte, wo jedoch kaum ein Abnehmer zugegen war. Leidtragender dieser Konstellation wäre Junuzovic, bei dem zwar ein Zurückweichen ins defensive Mittelfeld theoretisch möglich wäre, Koller diese aber bereits ausschloss: „Er hat bei Bremen gezeigt, dass er auf dieser Position mit seiner Spielintelligenz und Aktivität etwas bewegen kann. Ich sehe ihn aber bei uns schon eher im vorderen Bereich, schätze seine Qualitäten dort.

Junuzovic bekleidete die Zehnerpositon bisher einwandfrei, zeigte gegen Finnland, dass sie ihm besser liegt als Arnautovic. Die Pressingabläufe – zumindest in hohen Zonen – dürfte er ebenfalls sehr gut verinnerlicht haben, allerdings bringt der 25-Jährige nicht gerade die besten physischen Anlagen mit. Der Kader bietet Koller also jede Menge Möglichkeiten, aus denen der Schweizer offenbar schon eine gewählt hat: „Ich habe meine Aufstellung bereits im Kopf.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem