Die Europameisterschaft 2016 in Frankreich rückt für das österreichische Nationalteam immer näher. Im Auswärtsspiel gegen Russland gewann die rot-weiß-rote Auswahl mit 1:0 und festigte... Weiter auf EM-Kurs: Österreich kontrolliert Russland ohne Ball und gewinnt 1:0

Die Europameisterschaft 2016 in Marc Janko - Sydney FC, ÖFBFrankreich rückt für das österreichische Nationalteam immer näher. Im Auswärtsspiel gegen Russland gewann die rot-weiß-rote Auswahl mit 1:0 und festigte damit die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe G. Siegtorschütze war Marc Janko, der in 33. Minute per Fallrückzieher traf.

In der Otkrytie Arena in Moskau begann das ÖFB-Team sehr gut, presste früh und hatte schon in der Anfangsphase die eine oder andere Möglichkeit. Danach fokussierte sich die Elf von Marcel Koller verstärkt auf ein Mittelfeldpressing, mit dem die Russen auch ohne Ball kontrolliert wurden. Erst in der zweiten Hälfte kamen diese ab und zu gefährlich vor das Tor.

Unerfahrene Russen, Ilsanker statt Alaba

Russlands Teamchef Fabio Capello konnte nicht aus dem Vollen schöpfen. Neben Denis Cheryshev, einem der stärksten Akteure im Hinspiel, fehlte mit Sergei Ignashevich auch der Abwehrchef. Ihn ersetzte der unerfahrene Ivan Novoseltsev. Darüber hinaus musste früh in der Partie mit Vasili Berezutski der zweite routinierte Innenverteidiger vom Platz. Für ihn kam mit Nikita Chernov ein weiterer junger Verteidiger. Dies schlug sich in einigen Unsicherheiten nieder – unter anderem dem 0:1. Zudem stand mit Oleg Ivanov im Zentrum ein Akteur in der Startelf, der ebenfalls erst ein Länderspiel vorweisen konnte.

Bei den Österreichern gab es keine Überraschung, denn anstelle des verletzten David Alaba begann erwartungsgemäß Stefan Ilsanker im defensiven Mittelfeld neben Julian Baumgartlinger. Der Neo-Leipziger spielte dabei markant höher als in Wien und schob vor allem gegen den Ball weit nach vorne. Mit seinem guten Gefühl im Pressing bekam man so effizienten Zugriff und konnte die Russen ohne Ball kontrollieren.

Auch im Ballbesitzspiel zeigte Ilsanker trotz seiner überschaubaren Technik ein sehr gutes Spiel. Einerseits bewegte er sich gut, ging mutig in die Tiefe, hielt das Kombinationsspiel im Fluss, andererseits zeigte er ein äußerst gutes Umblickverhalten. Er lockte den Gegner immer wieder aus seiner Position, blickte vorausschauend über die Schulter und spielte dann den Ball so, dass seine Mitspieler umgehend in den geöffneten Raum kamen.

Ausbaufähiges Ballbesitzspiel auf beiden Seiten

Spielerische Höhepunkte vonseiten der Österreicher durfte man sich schon im Vorfeld kaum erwarten. Einerseits weil mit Alaba der große Antreiber dafür fehlte und im Kader kein Ersatzmann stand, der die entsprechenden Elemente bringen könnte. Ilsanker erfüllte seine Aufgaben im Rahmen der Möglichkeiten sehr gut, und auch die Staffelung war besser als im Hinspiel, im Endeffekt war er aber naturgemäß mehr Stabilisator als Antreiber. Andererseits war aufgrund der Ausgangslage auch eher die Sbornaja gefordert, das Spiel zu machen.

Wie im Hinspiel bot Capello auch in diesem Spiel mit Yuri Zhirkov und Oleg Shatov auf den Flügeln zwei zentrumsorientierte Spieler auf. Letzterer zeigte die eine oder andere gute Einzelaktion, beschleunigte das Spiel aus dem Stand und zog beim Stand von 0:0 auch einmal ansatzlos gefährlich ab. Ersterer ist ein kombinativer Akteur, der aber kaum zur Geltung kam – vor allem weil das ÖFB-Team im Spiel gegen den Ball gut dicht hält.

ÖFB-Team kontrolliert im 4-4-2-Pressing

Das Kernproblem im Hinspiel aus österreichischer Sicht war, dass Russland das Zentrum im Ballbesitz kontrollieren konnte und in weiterer Folge über den Zwischenlinienraum nach vorne kommen konnte. Koller korrigierte dies gut und behielt die damalige Strategie auch in Moskau bei. Russland formierte sich im Aufbauspiel weitetestgehend in einem 4-1-4-1, bei dem die Außenverteidiger eher zurückhaltend agierten und die Flügelspieler im späteren Stadium einrücken wollten. Dies gelang aufgrund der guten Zentrumskontrolle der Österreicher jedoch nicht.

Hier sieht man die gewohnte 4-4-2-Pressingodrung des ÖFB-Teams. Die beiden Angreifer laufen dabei nicht die Innenverteidiger an, sondern stellen den zentralen Mittelfeldspieler zu. So wurde verhindert, dass die Russen aus der Mitte heraus die Bälle verteilen konnten und sie wurden auf die Seiten geleitet. Auch die an und für sich gute Staffelung der Achter hat die Koller-Elf gut in Griff. Die Flügelspieler arbeiteten wieder diszipliniert nach hinten und positionierten sich situativ eng an den ÖFB-Sechsern.

Andererseits ist für die Innenverteidiger auch ein direkter Pass auf einen Flügel nicht wirklich sinnvoll, da Österreich dort durch den aufrückenden Außenverteidiger, den rückwärtspressenden Flügelspieler und den nachschiebenden Sechser schnell in Überzahl kommen kann. Die eingangs erwähnte Unsicherheit der Innenverteidiger erkennt man auch hier. Sie stehen nämlich sehr tief. Würden sie etwas aufrücken, hätte man durch die entstehende Dynamik die Österreicher aus ihren Positionen herauslocken können.

So blieb das russische Aufbauspiel aber äußerst statisch und sie griffen in der ersten Halbzeit zu vielen langen Bällen. Diese wurden aber von den Gästen, wie man im obigen Bild sehen kann, gut belauert. Der linke Flügelspieler belauert den Passweg auf den russischen Flügelspieler ebenso wie der linke Außenverteidiger. Darüber hinaus könnte auch der linke Sechser hier sofort herausschieben und den Russen so unter großen Druck setzen. Die beiden stehen gleichzeitig auch gut auf den langen Ball in den Rücken, den der ausweichende russische Zehner anvisiert. Im Abwehrzentrum sieht man zudem, dass die ÖFB-Innenverteidigung Aleksandr Kokorin eng deckt.

Capellos Wechsel nur partiell wirksam

In der Halbzeitpause nahm Capello eine Umstellung vor, brachte mit Alexei Miranchuk für Ivanov neuen Schwung fürs offensive Zentrum. Der 19-Jährige agierte als Zehner, während Roman Shirokov zurückrückte. Der Kapitän hatte in der ersten Halbzeit zwar einen großen Aktionsradius, es fehlten jedoch die Aktionen in die Tiefe. Anstelle des kombinationsfokussierten Shirokov gab es nun in Miranchuk einen Spieler, der diese Elemente hineinbrachte. Fairerweise muss auch erwähnt werden, dass Österreich nach dem Seitenwechsel tiefer stand und Russland schneller ins zweite Drittel kam.

Trotz dieser merkbaren Anpassung wurde Russland aber nicht wirklich gefährlich. Die Österreicher hatten durch den eingewechselten Marcel Sabitzer sogar die beste Möglichkeit der zweiten Hälfte. Deshalb wechselte Capello in der Folge noch einmal offensiver und brachte Aleksandr Kerzhakov für Linksverteidiger Dmitri Kombarov, dessen Rolle Zhirkov übernahm. Kokorin ging auf den Flügel. Letztlich blieb aber auch diese Umstellung ohne entscheidende Wirkung, sodass die Russen nun bereits acht Punkte Rückstand auf das ÖFB-Team hat, das schön langsam das EM-Quartier buchen kann.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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