Im zweiten Teil unseres ausführlichen Portraits von Marcel Koller liegt der Fokus auf der bisherigen Trainerkarriere des Zürchers. Dabei ist der Übergang fließend gewesen:... Wer ist Marcel Koller? (2/3) – Die Trainerkarriere des Marcel Koller

Im zweiten Teil unseres ausführlichen Portraits von Marcel Koller liegt der Fokus auf der bisherigen Trainerkarriere des Zürchers. Dabei ist der Übergang fließend gewesen: In der Spielzeit 1996/97 spielte er im Dezember noch in der Champions League um nach einer Achillessehnen-Operation endgültig nur noch als Assistenztrainer zu arbeiten.

Die reine Konzentration auf den Co-Trainerposten fiel Koller schwer. Als der damalige Zweitligist FC Wil anrief, entschied er sich, nach 25 Jahren seinen Herzensverein zu verlassen und das Kommando an der Outlinie zu übernehmen. Von Juli 1997 bis Dezember 1998 leitete er die Geschicke des Klubs aus der Ostschweiz. In der ersten Saison landete Wil auf dem Mittelfeldplatz sieben, nur drei Punkte hinter dem viertplatzierten FC Solothurn. Statt einem Einstand nach Maß nach 22 Spielen, 34 Punkten und einer Bilanz von acht Siegen, zehn Unentschieden und nur vier Niederlagen um den Aufstieg in die Nationalliga A mitzuspielen, musste Kollers Elf im Abstiegsplayoff antreten. Dort landeten die Wiler auf Platz vier und konnten die Klasse deutlich halten, auch wenn die Bilanz mit 4/5/5 nicht mehr ganz so positiv ausfiel. Elf Punkte waren aber doch ein deutlicher Vorsprung auf den FC Winterthur, der absteigen musste. Besser lief es in der nächsten Spielzeit. Obwohl Wil zu den Vereinen in der zweiten Spielklasse gehörte, die über ein geringes Budget verfügten, stand der Verein mit 43 Punkten nach 22 Spieltagen im Dezember 1998 auf Platz eins. Nur drei Niederlagen und sieben Unentschieden standen zu Buche, zwölf Mal verließ Kollers Team den Platz als Sieger. Aufgrund seiner Erfolge wurde er in der Winterpause vom FC St. Gallen eine Spielklasse höher verpflichtet.

Zwei Jahre St. Gallen, dann rief die Heimat

Die St. Gallener wollten vom achten Tabellenplatz, der für die Teilnahme am Meisterplayoff berechtigte, weiter nach oben. In den vierzehn Begegnungen der Finalrunde verließen die Ostschweizer aber acht Mal als Verlierer den Platz, gewannen lediglich zwei Mal. Im Sommer 1999 begann Kollers Philosophie aber zu greifen. 42 geschossene Tore im Herbst 1999 und nur 25 kassierte, nur drei Niederlagen Unentschieden – Das System K funktionierte und tat dies auch in der Finalrunde. Nur eine Niederlage sollte im Frühjahr folgen und St. Gallen wurde Meister. Und das, obwohl damit gerechnet wurde, dass St. Gallen nicht an der Finalrunde teilnehmen würde. Der erste Meistertitel seit 1904 war die Konsequenz aus Kollers harter Arbeit – 10 006 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Begegnungen in dieser Spielzeit, fast 3000 mehr als beim großen FC Zürich, dem Zweitplatzierten der Zuschauerstatistik. Nach dem Ausscheiden gegen Galatasaray Istanbul in der Qualifikation für die Champions League folgte im UEFA-Cup eine Riesenüberraschung: Der Chelsea FC wurde ausgeschalten. Trotz vieler Abgänge beendete der Verein aber auch die Vorrunde 2000/01 als Zweiter, nur zwei Punkte hinter dem FC Lugano. Nach zwei Jahren kam dann aber ein Anruf des Drittplatzierten – dem Herzensclub Grasshoppers.

Nächster Titel, diesmal mit GC, dann kam Deutschland

Eine Mannschaft mit großer Qualität – so nennt Marcel Koller die Mannschaft, die er im Januar 2002 übernahm. Gleich in den 14 Spielen der Finalrunde konnte Koller Vizemeister werden. Die Saison 2002/03 war dann aber so richtig gut. An allen 36 Spieltagen hieß der Tabellenführer Grasshoppers Club – die Bilanz 24/9/3 spricht Bände. In der Finalrunde blieb man zudem ungeschlagen. Sommer und Herbst 2003 waren durchwachsen. Anfang Oktober trat der ehrgeizige Trainer zurück, beschreibt die Situation heutzutage auf seiner Homepage mit folgenden Worten: „Ich konnte die aktuelle Situation mit meinem Verständnis für den Grasshopper Club, immer bei den Besten zu sein, nicht vereinbaren.“ Nach zwei Meistertiteln in der Schweiz sollte daraufhin der Wechsel ins Ausland folgen und damit ein Schritt, den er als Spieler nie wagte. Die Erfolge des akribischen und verbissenen Übungsleiter hatten sich bis an den Rhein herumgesprochen und der 1. FC Köln war der Überzeugung, in Koller den richtigen Mann gefunden zu haben, um den Klassenerhalt zu schaffen. Dies gelang aber nicht, der FC musste als abgeschlagener Letzter den Gang in Liga zwei antreten. Entdeckt und gefördert hat der Schweizer aber damals ein heutiges deutsches Nationalheiligtum: 22.11.2003 debütierte Lukas Podolski. Er dankte es seinem Trainer mit zehn Saisontoren. Aufgrund des Abstiegs musste Koller aber den Trainerstuhl räumen. Im Mai 2005 trat er dann das Traineramt beim VfL Bochum an.

Die Jahre im Revier

Bochum war gerade aus der Bundesliga abgestiegen und die Verantwortlichen sahen in Marcel Koller den richtigen Mann. Die Saison verlief sensationell, der Meistertitel konnte mit einem Punkt Vorsprung und zehn auf Platz vier eingefahren werden. 19 Siege, neun Unentschieden und nur sechs Niederlagen standen zu Buche. Wie schon in der Schweiz galt auch bei Kollers drittem Titel: Wenn es läuft, dann läuft es richtig gut. In der Folgesaison landeten die Bochumer auf dem nicht weniger tollen achten Platz, zur Freude der Fans vor dem BVB. Ein Riesenerfolg für den Club mit den bescheidenen finanziellen Mitteln. Mit Platz zwölf in der Spielzeit 2007/08 und zehn Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz bestätigten die vom Zürcher betreuten Bochumer ihre gute Platzierung aus der Vorsaison und schafften wiederum deutlich den Klassenerhalt. Knapp war es dann im Frühjahr 2009, lediglich zwei Punkte trennten den Revierklub vom ominösen Strich und im September kam es dann zur Trennung. Viele Gründe seien ausschlaggebend gewesen, aber den VfL über drei Saisonen im Oberhaus zu halten, gelang davor 16 Jahre keinem Trainer. Darüber hinaus entwickelte der Schweizer noch einige Spieler weiter: Zvjedzdan Misimovic, Theofanis Gekas, Jaroslav Drobny, Stanislav Sestak – sowie Christian Fuchs.

Arbeitslose Jahre

Drei Meistertitel stehen auf Kollers Visitenkarte, dazu eine erfolgsorientierte Spielweise. Wie bereits erwähnt konnten die Spieler in den erfolgreichen Saisonen die Ideen des Trainers sehr gut umsetzen. In den vergangenen zwei Jahren blieb er ohne Job, aber nicht untätig, hospitierte in Deutschland und Italien, bildete sich sprachlich weiter. Ein Grund für die Arbeitslosigkeit ist, dass das Stigma des Abstiegs mit Köln und der unsaubere Abschied bei Bochum doch Spuren am Image des Trainers hinterlassen haben. Darüber hinaus gibt es Stimmen, die den „Ergebnisfußball“ als langweilig beschreiben.

Im dritten Teil der Serie beschäftigen wir uns mit Spielweise und der Philosophie des neuen österreichischen Nationalteamtrainers.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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