Heute vor 23 Jahren verstarb die größte und einflussreichste Persönlichkeit des österreichischen Fußballs. Ernst Franz Hermann Happel wurde am 29. November 1925 in Wien... 23.Todestag: Der „Wödmasta“ und seine bewegte Karriere

Ernst Happel_abseits.atHeute vor 23 Jahren verstarb die größte und einflussreichste Persönlichkeit des österreichischen Fußballs. Ernst Franz Hermann Happel wurde am 29. November 1925 in Wien geboren und verstarb am 14. November 1992 in Innsbruck.

Happel war als Spieler und Trainer einer der wenigen Österreicher, die das Prädikat Weltklasse verdienten. Aus der Jugend wurde er 1942 in die Kampfmannschaft von Rapid Wien geholt. Nach den Kriegswirren folgte der Aufstieg zum strategischen Genie im Spiel der Grün-Weißen. Als einer der beiden Doppelstopper im 2-3-5 fungierte Ernst Happel neben Max Merkel – beide im Grunde „Männer fürs Grobe“ mit harten und fein getimten Tacklings. Aschyl – wie Happel zur der Zeit gerufen wurde – übernahm aber auch das Spiel nach vorne und bestach mit Technik, Präzision und Ballgefühl.

Später wurde Happel im 3-2-5 zum Vorgänger des Liberos. Vor allem mit dem technisch starken, aber leider in Vergessenheit geratenen Franz Golobic als rechter Außendecker, sowie den beiden Läufern Hanappi und Gießer vor ihm wurde Rapid zu einer gefürchteten, von hinten heraus agierenden Offensivmaschine.

Heute vor 59 Jahre spielte Happel eines seiner größten Spiele für Rapid. Im Achtelfinale des Europacups der Landesmeister wurde die Jahrhundertmannschaft und als unschlagbar geltende Elf von Real Madrid mit 3:1 besiegt. Happel gelangen mit einem lupenreinen Hattrick alle drei Treffer zur 3:0-Pausenführung. Der Anschlusstreffer durch Real-Legende Di Stefano zwang die beiden Mannschaften in ein Entscheidungsspiel. In Summe würde es zusammen mit der 2:4-Niederlage in Madrid nach heutigen Regeln zum Aufstieg führen. Das Recht auf Platzwahl wurde von Rapid verkauft und so verlor man das Entscheidungsspiel vor 100.000 Zuschauern in Madrid 0:2.

1953 wurde Happel in die Weltauswahl berufen.

Mit der österreichischen Nationalmannschaft wurde Ernst Happel bei der Weltmeisterschaft 1954 Dritter des Turniers. Er lief in allen fünf Spielen auf. Die „Hitzeschlacht von Lausanne“ ist bis heute das trefferreichste WM-Spiel aller Zeiten. Im Viertelfinale wurde die Schweiz mit 7:5 besiegt. Happel trug 51-mal das österreichische Nationaltrikot.

Nach der beeindruckenden Karriere als Spieler folgte eine noch eindrucksvollere als Trainer. Als Visionär des Fußballs hinterließ er auf all seinen Trainerstationen Handschrift und Erfolg und war maßgeblich an der taktischen Entwicklung des Spiels beteiligt.

Er wurde Sektionsleiter bei Rapid und übernahm mit Robert Körner die Leitung der Mannschaft. Rapid wurde Meister, Cupsieger und erreichte das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister – kurz darauf wechselte er in die Niederlande.

Überliefert ist die Anekdote von seinem ersten Training bei ADO Den Haag. Da es furchtbar regnete, wollten die Spieler das Training „spritzen“. Happel stellte eine Bierdose auf die Latte über dem Kreuzeck, ging zum Sechzehner zurück und schoss sie hinunter. Er forderte die Spieler auf es ihm gleich zu tun. Wer es schaffte durfte duschen gehen – das Team nahm vollzählig am Training teil!

ADO Den Haag wurde unter seiner Ägide zum Titelanwärter und Cupsieger. Dies ermöglichte den Wechsel zu Feyenoord Rotterdam. Dort konnte er erstmals auch auf europäischer Ebene auf sich aufmerksam machen. Er gewann in den Niederlanden das Double und in weiterer Folge den Europacup der Landesmeister und den Weltpokal. Franz Hasil war Teil dieser Mannschaft und wurde in den Niederlanden zum besten Legionär aller Zeiten gewählt.

Anschließend führte Happel Real Betis Sevilla von der zweiten in die erste Liga und erreichte im Aufstiegsjahr fast den UEFA-Pokal. Er verließ die Spanier und heuerte beim FC Brügge an, den er drei Saisonen lang trainierte und dabei ebenso oft Meister bzw. zweimal im Europapokalfinale stand. Sowohl im UEFA-Cup als auch im Landesmeister-Cup war der FC Liverpool die siegreiche Mannschaft.

1978 wurde der „Wödmasta“ auch fast Weltmeister. Er übernahm das niederländische Nationalteam für die WM in Argentinien und führte es bis ins Finale. Nachdem Österreich in der Vorrunde noch vor Brasilien Gruppensieger wurde, setzte es gegen Happels Mannschaft eine herbe 1:5-Klatsche. Im Finale mussten sich die Niederlande in Buenos Aires Argentinien in der Verlängerung 1:3 geschlagen geben.

Nach einem zweijährigen Zwischenstopp bei Standard Lüttich folgte beim Hamburger SV seine längste Zeit als Trainer. Er blieb sechs Jahre und führte den HSV in nie mehr erreichte Höhen. Er gewann Meisterschaft, Pokal und erneut den Europacup der Landesmeister. Er war der erste Trainer der mit zwei verschiedenen Vereinen die Landesmeistertrophäe gewann. Bis heute schafften es erst vier weitere Trainer diesen Erfolg zu wiederholen.

Bereits vom Lungenkrebs gezeichnet ging es zurück in die Heimat. Er führte den FC Swarovski Tirol noch zu zwei Meistertiteln und einem Cupsieg. Um als Trainer die österreichische Mannschaft zu Erfolgen zu führen, fehlte ihm leider die Zeit. Er betreute Österreich neunmal. Sein letztes Spiel war ein spektakuläres 5:2 gegen Israel drei Wochen vor seinem Tod.

Das Wiener Praterstadion wurde kurz nach seinem Ableben in Ernst-Happel-Stadion umbenannt und Ernst Happel wurde am Hernalser Friedhof in einem Ehrengrab bestattet.

1997 wurde in Rotterdam eine Straße nach ihm benannt. Er ist Teil der 100 bedeutendsten Spieler des 20. Jahrhunderts und Österreichs Jahrhunderttrainer.

Ernst Happel konnte als Spieler und Trainer 16-mal Meister und weitere neunmal Vizemeister werden. Er erreichte 12 Cupfinali, von denen er acht gewann. Er wurde einmal Zentropapokalsieger und stand in fünf Europapokalendspielen. Von den drei im Europapokal der Landesmeister gewann er zwei; zudem stand er in zwei weiteren UEFA-Cup-Endspielen. Er wurde Weltpokalsieger und Vizeweltmeister.

Seine Idee des Fußballspiels etablierte die Abseitsfalle und das Pressing. Er war seiner Zeit Jahre voraus und seine ausgeprägte taktische Raffinesse stellt in die Riege der größten Trainer dieses Sports.

Florian Bauer

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