Der FC Wacker Innsbruck konnte sich im ersten Tiroler-Derby der neuen Spielzeit gegen die WSG Wattens mit 3:1 durchsetzen. Das Spiel war durch den... Analyse: Wacker Innsbruck gewinnt Pressing-Duell mit Wattens

Der FC Wacker Innsbruck konnte sich im ersten Tiroler-Derby der neuen Spielzeit gegen die WSG Wattens mit 3:1 durchsetzen. Das Spiel war durch den Pressing-Fokus beider Mannschaften von vielen engen Zweikämpfen geprägt, permanenten Umschaltsituationen sowie einem konsequent geführten Kampf um die zweiten Bälle.

Die Innsbrucker waren aber über 90 Minuten die cleverere Mannschaft und wussten vor allem im eigenen offensiven Umschaltspiel mit den schnellen Flügelspielern zu überzeugen, wodurch sie sich letztlich auch die besseren Abschlusssituationen erarbeiten konnten und unterm Strich verdient gewonnen haben.

Grundordnungen und Personal

Sowohl Tom Silberberger als auch Karl Daxbacher schickten ihre Mannschaften in einer 4-4-2-Grundordnung auf das Feld. Während man bei Wattens davon ausgehen konnte, war es beim FC Wacker doch zumindest ein wenig überraschend, dass man sich für dieses Spiel vom bisher genutzten 4-1-4-1 verabschiedete. In Anbetracht der Charakteristik dieses Spiels war es im Nachhinein aber eine gute und effektive Umstellung. Mit zwei Stürmern und zwei Sechsern konnte der Kampf um die zweiten Bälle druckvoller gestaltet werden, weil dadurch die personelle Präsenz im Übergang vom zweiten zum dritten Drittel größer war und durch die engeren Abstände zwischen den einzelnen Spielern eine bessere Absicherung aufgezogen werden konnte.

Beim Sky-Interview nach dem Spiel führte Karl Daxbacher aus, dass sich der bisherige Shootingstar Daniele Gabriele in höheren Zonen etwas wohler fühlt als auf der bisher gespielten Acht. Auch das könnte mit ein Grund für den Systemwechsel gewesen sein.

Wenig Überraschendes gab es auch personell bei der WSG Wattens. Vor Tormann Oswald positionierten sich die schnellen Pellizzari und Neurauter in der Innenverteidigung. Die beiden wurden flankiert vom agilen Santin auf rechts und Buchacher auf der linken Abwehrseite. Das Mittefeld-Band wurde wie gewohnt im Zentrum von Mader und Kekez stabilisiert, auf den Flügeln sollten Pranter und Kovacec ihre Schnelligkeit und individuelle Klasse im Dribbling ausspielen. Ex-Wacker Spieler Simon Zangerl bildete gemeinsam mit Jurdik die Sturmreihe.

Die größte Überraschung in der Aufstellung des FC Wacker war, dass der eigentliche Kapitän und Sechser Christoph Freitag auf der Bank Platz nehmen musste. Für ihn spielte Martin Harrer im zentralen Mittelfeld neben Roman Kerschbaum. Florian Jamnig rückte wieder auf den rechten Flügel, sein Pendant auf der linken Seite war Stefan Rakowitz. Wie bereits erwähnt, bildeten Neuzugang Zlatko Dedic und Daniele Gabriele den sehr beweglichen und aktiven Sturm der Innsbrucker.

Aggressives Angriffspressing

Die Zuschauer im Gernot-Langes Stadion bekamen ein typisches Pressing-Spiel zu sehen. Dieses war gekennzeichnet von hoher Kompaktheit bei beiden Mannschaften, wenig Zeit für den ballführenden Spieler und einem Kampf um die zweiten Bälle mit anschließenden Umschaltsituationen. Längere Ballbesitzphasen oder klare Aufbausituationen waren dadurch de facto nicht möglich. Wirklich forciert hat dies aber auch keine der beiden Mannschaften. Das Risiko eines frühen Ballverlustes wäre zu groß gewesen.

Verblüffend war, wie ähnlich im Spiel gegen den Ball die Matchpläne der beiden Teams waren. Beide Mannschaften starteten ihr Pressing aus einer 4-4-2-Ordnung heraus, beide Mannschaften praktizierten ein aktives Angriffspressing und sogar das individualtaktische Verhalten der zentralen Mittelfeldspieler im Pressing war ident.

Unterstützt wurde dies dann auch noch dadurch, dass bedingt durch die gleichen Grundordnungen recht klare Zuordnungen entstanden. Dadurch entstand ein Spiel mit vielen eng geführten Zweikämpfen und vielen lokalen Mannorientierungen. Offene Räume zwischen den Linien des Gegners waren dadurch schlichtweg nicht vorhanden oder aufgrund des hohen Drucks auf den ballführenden Akteur nicht bespielbar. Durch diesen Pressing-Fokus in den Matchplänen beider Trainer neutralisierten sich die Teams in der ersten Halbzeit vorwiegend. Durch Kombinationen herausgespielte Torchancen gab es keine zu bewundern, infolgedessen mussten die ersten beiden Treffer nach Standardsituationen fallen.

In der Grafik sieht man eine typische Szene aus der ersten Halbzeit. Der Ball ist bei Wattens-Tormann Oswald und Wacker stellt sofort alle nahen und flachen Optionen zu. Die beiden Stürmer Dedic und Gabriele gehen mannorientiert auf die WSG-Innenverteidiger, die Flügelspieler Rakowitz und Jamnig rücken zwar etwas in die Halbräume ein aber behalten den Zugriff auf die Außenverteidiger.

In dieser Situation versuchte sich Florian Mader etwas fallen zu lassen, um den Ball von Oswald zu bekommen. Dabei wurde er aber ebenfalls mannorientiert von Harrer verfolgt und war dadurch nicht stabil anspielbar. Den geöffneten Raum im Sechserraum neben Kerschbaum konnten die Wattener nicht bespielen. In der Grafik sieht man auch die klaren Zuordnungen im vorderen Spielfeldbereich. Die beiden Innenverteidiger von Wacker kümmerten sich um die Stürmer Zangerl und Jurdik, welche sie über 90 Minuten sehr gut im Griff hatten und mit ein Schlüssel zum Sieg waren.

Ebenfalls gut aufgehoben waren Pranter und Kovacec bei den Außenverteidigern der Innsbrucker. Nennenswerte Positionswechsel oder fluide Rochaden gab es keine zwischen den vorderen vier WSG-Spielern.

Kampf um die zweiten Bälle

Wie bereits weiter oben in der Analyse erwähnt, kamen durch das frühe Pressing beider Mannschaften über die ganze erste Hälfte keine ruhigen Aufbausituationen zustande. Und die Akteure auf dem Platz machten auch nicht den Eindruck, dass sie das ändern wollten. Die zwei Sechser der beiden Mannschaften rückten in frühen Aufbauphasen bereits sehr hoch auf und waren darauf fokussiert, die zweiten Bälle nach weiten Abschlägen der Tormänner bzw. Innenverteidiger aufzusammeln und den Angriff weiterzuleiten. Ein aktiveres Anbieten der Sechser für die Innenverteidiger wäre zu Lasten der Kompaktheit in diesen Zonen gegangen.

Wacker Innsbruck hatte bei diesen zweiten Bällen gefühlt immer ein leichtes Übergewicht. Das lag vor allem auch daran, dass sie individuell in allen Mannschaftsteilen cleverer und schneller agierten. Ein Schema konnte man dabei immer wieder beobachten: Weite Abschläge von Ferdinand Oswald. Diese Bälle gewannen praktisch immer die sehr stark spielenden Innenverteidiger Maak und Baumgartner gegen die WSG-Stürmer. Diese zweiten Bälle sammelten Harrer und Kerschbaum auf und spielten sofort diagonal in die Tiefe auf Jamnig oder Rakowitz. Sechs Spieler von Wattens waren durch diesen einfachen Ablauf aus dem Spiel genommen. Die Flügelspieler suchten dann häufig das Dribbling und brachen bis zur Grundlinie durch oder sie nahmen mit einem weiteren vertikalen Pass die ausweichenden Stürmer mit. Mit zwei bis drei einfachen Pässen war man somit vor dem Tor, wo man mit etwas mehr Nachdruck (oder auch Glück) noch mehr Top-Chancen kreieren hätte können. Auch die läuferischen Wege waren für die WSG-Spieler dadurch immer sehr weit.

Wacker steht tiefer und findet gute Positionen im Umschaltspiel

In der zweiten Halbzeit zog sich der FC Wacker Innsbruck, bedingt wohl durch die Führung, bezüglich der Pressinghöhe etwas weiter zurück. Ab und an versuchte man zwar noch in das Angriffspressing zu kommen, aber dafür fehlte dann häufig die Geschlossenheit und wohl auch etwas die Überzeugung. In ein paar wenigen Situationen wirkten sie sogar passiv, weil sich die Flügelspieler sehr weit nach hinten fallen ließen und fast schon neben den Außenverteidigern verteidigten. Jedoch waren das eher Ausnahmesituationen und die Innsbrucker reagierten auf den erhöhten Druck der Wattener im weiteren Spielverlauf sogar sehr gut.

Durch die tiefere Abwehrlinie von Wacker ergaben sich für die Kristallstädter mehr klare Aufbausituationen. In dieser Phase holte sich Mader viele Bälle von den Innenverteidigern ab und kippte hin und wieder auch auf der linken Seite zwischen Neurauter und Buchacher heraus.

Der nach einer Stunde eingewechselte Toplitsch sorgte durch seine technischen Qualitäten für einen besseren Kombinationsfluss in höheren Zonen. Insgesamt stand der Mannschaftsverbund im eigenen Ballbesitz um einiges höher als in Halbzeit eins. Allein das bringt aber relativ wenig, außer einer höheren Anfälligkeit für Konter. Silberberger musste das auch erfahren. Bis auf ungefährliche Flanken und Distanzschüssen kamen sie nie wirklich gefährlich vor das Tor. In Sachen Kreativität und Durchschlagskraft im dritten Drittel blieb noch sehr viel Luft nach oben.

Deshalb liefen die Wattener in der zweiten Halbzeit an und hatten mehr vom Ball, die gefährlichere Mannschaft war aber Wacker. Sie konnten sich auf das Umschaltspiel konzentrieren und fanden dafür auch sehr passende Positionen.

Schlüsselrollen spielten dafür wieder die beiden Flügelspieler. Sie positionierten sich in dieser Druckphase relativ hoch und breit hinter den Außenverteidigern von Wattens bzw. liefen in diese offenen Räume. Zusammen mit den beiden Stürmern konnten sie dadurch immer wieder für Entlastung sorgen und die Innsbrucker blieben trotz des erhöhten Drucks der Wattener die gefährlichere Mannschaft.

Nach dem dritten Treffer (frühe Balleroberung durch Freitag mit anschließendem Pass in die Tiefe) war die Partie erledigt.

Fazit

Es war ein verdienter Derby-Sieg für den FC Wacker Innsbruck. Die interessantesten Aspekte waren die Matchpläne beider Teams im Spiel gegen den Ball sowie deren Ähnlichkeit. Und beide Teams haben gezeigt, dass sie in diesen Konzepten sehr stabil und kompakt auftreten können.

Schlussendlich war der FC Wacker bei den zweiten Bällen noch griffiger und im Umschaltspiel effektiver, wodurch sie jetzt bereits mit einem Spiel weniger auf dem 3. Tabellenplatz geklettert sind und in dieser Saison noch ungeschlagen bleiben.

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank

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