30 Jahre lang gibt es die Ultras Rapid – man hasst und liebt sie. Gegründet haben sie Roland Kresa und vier anderen Initiatoren. Damals... Anekdote zum Sonntag (132) – Haltet den Dieb!

30 Jahre lang gibt es die Ultras Rapid – man hasst und liebt sie. Gegründet haben sie Roland Kresa und vier anderen Initiatoren. Damals in den 80ern – erzählt der Floridsdorfer – holte Rapid zehn Titel, war jedoch bei weitem kein Zuschauermagnet. Kresa sagte sich: „Was is wauma irgendwos auf die Fiaß stön?“ Der URvater der Ultras hatte mit seinem Fanklub „Die Löwen“ schon Erfahrungen gesammelt und wollte nun noch mehr Zuschauer in den Block West locken. Man buchte eine Italienreise zu „Studienzwecken“ um Udine- und Genua-Fans auf die Finger zu schauen. Zurück in Wien war eine Zettelchoreografie der Startschuss der farbenfrohen Tradition der aktiven Rapidanhänger. Es ging schnell bergauf: Ruck-zuck hatten die Ultras 400 Mitglieder und geben bis heute lautstark den Ton in der Kurve an.

Roland Kresas Leidenschaft für Rapid begann schon als Knirps. Schuld war sein Stiefbruder, der mit Leinenfahne „bewaffnet“ mit der Tram in den Westen Wiens zu den Spielen der Grünen fuhr.  Im Laufe der Jahre häufte Kresa eine schier unheimliche Masse an Fanartikeln an. Der Keller seines einstigen Hauses wurde zum Rapid-Museum umfunktioniert: Unzählige Schals ergänzten Wimpel und Trikots, es gab Matchkarten noch und nöcher, sowie witzige Kuriositäten wie grün-weiße Gartenzwerge. Stolz präsentierte der Ultrasgründer einst für ein Kamerateam der ORF-Sendung „Am Schauplatz“ eine Kennzeichentafel mit der Aufschrift „W – Rapid 1“. Die Tafel sah täuschend echt aus, war aber nur ein Plastikfabrikat und für den Straßenverkehr nicht zu gebrauchen. Der Rapid-Fanatiker hatte sie einst von einem Freund geschenkt bekommen. Als Kresa das vermeintliche KFZ-Kennzeichnen in die Kameras hielt, ahnte er noch nicht welch unrühmliches Nachspiel diese Aktion haben sollte. Es gab tatsächlich einen Wiener Rapidfan, der einst einige Scheine für ein solches Wunschkennzeichen hingeblättert hatte. Schon mehrmals war ihm die Tafel gestohlen worden, zeitaufwendige behördliche und finanzielle Schritte waren die Folge gewesen. Der Rapidler, der begeistert die Ausstrahlung der Sendung verfolgt hatte, war überzeugt jetzt zumindest einen Langfinger seines Kennzeichens zu kennen. Triumphierend schaltete er die Polizei ein, die prompt bei Kresa anrief um ihn mit der Sachlage zu konfrontieren. Die Kieberer warfen ihm vor, dass Nummernschild gestohlen zu haben. Kresa glaubte an einen Spaß und legte auf.  Auch ein erneuter Anruf konnte ihn nicht von der Ernsthaftigkeit des Anliegens überzeugen. Kresa spuckte das Götzzitat aus und drückte abermals auf die rote Taste seines Handys. Dein Freund und Helfer ließ allerdings nicht locker: Zwei Beamte rückten in personam an um den vermeintlichen Dieb zu verhaften. Als die Uniformierten vor seiner Tür standen, erkannte der Wiener schließlich doch den Ernst der Lage und führte die beiden in sein Kellerstüberl. Dort präsentierte er das Plastiktaferl und schnell war klar, dass es sich nicht um ein KFZ-Identifikationsmerkmal handeln konnte. Die Polizei zog unverrichteter Dinge ab und musste den aufmerksamen Rapidler enttäuschen. Sein Wunschtaferl blieb ein unfreiwilliges „Wechselkennzeichen“.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag