Peter Pacult hat sich einmal darüber beklagt, dass er als Trainer immer in die „Happel-Schule“ hineingedrückt werde. Fakt ist, dass der Spieler Pacult den... Anekdote zum Sonntag (141) – Ernst sein ist alles – Teil IX

Peter Pacult hat sich einmal darüber beklagt, dass er als Trainer immer in die „Happel-Schule“ hineingedrückt werde. Fakt ist, dass der Spieler Pacult den „Alten“ als Trainer bei Innsbruck kennen und lieben gelernt hatte. Der ehemalige Weltklasseverteidiger imponierte dem Floridsdorfer Stürmer. „Der war ganz anders, als er dargestellt wurde. Natürlich hat er nicht viel mit den Spielern gesprochen, natürlich war er mürrisch. Aber es war nicht so, dass er nie mit uns Karten gespielt hat.“, erzählte PP vor zehn Jahren dem Standard.

Ums Kartenspielen soll sich auch diese neunte Anekdote mit dem knorrigen Wiener als Hauptperson drehen: Fußball war zwar die Hauptleidenschaft der Rapid-Legende, doch Happel liebte auch die Würfel und Schnapskarten. Seine Freizeit verbrachte er gerne im Casino und wenn er während seiner Auslandsengagements seiner Heimatstadt einen Besuch abstattete, wurde im Café Ritter tarockiert und „Schwarze Katz“ gespielt. Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger fuhr der FC Tirol auf Trainingslager ins heiß-feuchte Malaysien. Die oft 90% hohe Luftfeuchtigkeit wurde für die Spieler zu Qual. Happel ließ seine Burschen allerdings trotzdem Kondition schinden. Die karge Freizeit wurde deshalb sooft es ging am bzw. im Hotelpool verbracht. Den Österreichern leisteten dabei die Profis des Hamburger Sportvereins Gesellschaft, die mit Happel einige Jahre zuvor Meister und Europapokalsieger geworden waren. Eines Nachmittags forderte Happel Pacult und einen anderen Kicker zu einem gepflegten Bauernschnapser heraus. Er hatte sich Kurt Garger, den gestandenen Abwehrspieler aus dem Bezirk Güssing, als Partner erwählt. Welch eine Ehre für den vierfachen österreichischen Meister!

Nahe am Beckenrand machten es sich die Kartendippler unterm Sonnenschirm bequem und die Partei begann. Garger legte sich ordentlich ins Zeug um beim Coach einen Stein im Brett zu haben. Er wusste, dass Happel ein Hasardeur der Sonderklasse war und als die ersten Runden gutliefen, schickte sich auch der Burgenländer an immer größere Risiken einzugehen. Beide Teams hatten an die zwanzig Punkte gesammelt, als es in der letzten Runde um alles ging: Der tollkühne Kurtl war mit „Atout-Rufen“ dran und überlegte nicht lang: Herz! Der Clou an der Sache: Er selbst hatte keine einzige Spielkarte mit Herzsymbol, baute aber auf die Hilfe Happels. Happel wiederum dachte, dass sein Compagnon lauter Atout in der Hand hatte und das Spiel gewinnen würde. Jeder, der schon einmal geschnapst hat, weiß, dass man schon an den ersten Karten sieht, ob man verloren hat: Es war erst ein-, zweimal ausgespielt und schon wusste Happel, dass er und Garger das „Bummerl“ bekommen würden. Dem Ex-Paris-Legionär stieg das Blut in den Kopf und er wurde wütend. Er schleuderte dem verdutzen Garger sein Blatt ins Gesicht und rief: „Mit dir spiel ich nie wieder!“ Pacult und sein Spielpartner hatten keine Zeit sich über den Sieg zu freuen, denn Happel packte – allen Ernstes (!) – den Tisch und warf ihn mitsamt der Karten in den Pool. Die HSV-Kicker, die der Szenerie bewohnten, staunten nicht schlecht. Happel erklärte auf seine eigene Art und Weise das Bauernschnapsen-Turnier für beendet. Noch Fragen, warum das kleine Volksblatt dem Wiener nach dem verlorenen Halbfinale bei der WM 1954 „zehn Jahre Fegefeuer, verschärft durch täglich zwanzig verlorene Schnapspartien.“ gewünscht hatte?

Marie Samstag