Ernst Weber hatte als aktiver Fußballer keine große Karriere hinter sich. Menschlich und fachlich war der Trainer Weber jedoch top und kam über die... Anekdote zum Sonntag (143) – Franz, der Baumeister

Ernst Weber hatte als aktiver Fußballer keine große Karriere hinter sich. Menschlich und fachlich war der Trainer Weber jedoch top und kam über die Admira, Eisenstadt, den Kremser SC, Lask, Vorwärts Steyr, die Wiener Austria und Braunau als Coach in Österreichs U-Nationalmannschaften. Weber trainierte sowohl Österreichs beste Juniorendamen als auch -herren.

Seine eigene Laufbahn begann als Achtjähriger in seinem Heimatverein. Als er mit 33 Jahren seine Fußballschuhe in der Regionalliga an den Nagel hängte, wurde er gleich Trainer im Nachwuchsbereich. Zum Zeitpunkt seines Todes besetzte der Niederösterreicher sogar zwei Funktionen im ÖFB-Team, ehe er im April 2011 – unter bis heute nicht geklärten Umständen – aus dem Leben schied. „Wir sind alle fassungslos und erschüttert.“, sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner in einer ersten Stellungnahme. Auch der damalige Kapitän des österreichischen Nationalteams Christian Fuchs teilte mit, welch großen Einfluss Weber einst auf seine Entwicklung gehabt hatte.

Der 62-Jährige hinterließ Ehefrau und Sohn, er wurde auf dem Friedhof in Mödling beigesetzt. Als Erinnerung wurde ein LAZ-Futsal-Konvent nach dem legendären Trainer benannt. Der Gewinn der Bronzemedaille bei der U17-EM in Portugal gehörte zu Webers größten Erfolgen. Als Trainer des SC Krems wurde er gegen Ernst Happels FC Tirol 1988 ÖFB-Cupsieger. Damals war ein gewisser Franz Blizenec von Rapid nach Niederösterreich verliehen worden um Spielpraxis zu sammeln. Dem gelernten Fernmeldemonteur saß der Schalk im Nacken: Als er einmal nach einer Niederlage hörte, wie Ernst Weber beim Interview erklärte, er habe zu viele Handwerker in der Mannschaft, kam dem „Bliz“ der Geistesblitz. Er besorgte sich am nächsten Tag im Baumarkt einen feschen Blaumann und einen gelben Helm. Aus seinem Werkzeugkasten steckte sich Franz außerdem einen Hammer ein, den er mit in die Kremser Kabine nahm. Derartig kostümiert setzte sich der Mittelfeldspieler vor seinen Spind und harrte dem Beginn des Vormittagstrainings. Seinen Mitspielern erklärte er grinsend, welch tieferer Sinn hinter seiner Aufmachung steckte. Ernst Weber, der ebenfalls ein Spaßvogel erster Klasse war, nahm es ebenfalls mit Humor. Und seit jenem Apriltag vor über sieben Jahren gehört diese Anekdote rund um die Bauhacklerpanier zu den liebsten Erinnerungen all jener, die Ernst Weber kannten und schätzten.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag