Kennen Sie Hans Kaulich? Hans Kaulich nicht zu verwechseln mit Hans Kudlich, dem Bauernbefreier oder Hans Kudlich, dem deutschen Jurist. Kaulich war einer der... Anekdote zum Sonntag (149) – Code: Unbekannt

Kennen Sie Hans Kaulich? Hans Kaulich nicht zu verwechseln mit Hans Kudlich, dem Bauernbefreier oder Hans Kudlich, dem deutschen Jurist. Kaulich war einer der kürzesten ÖFB-Teamchefs. Seine Mini-Laufbahn umfasst genau ein Spiel, nämlich die 2:3-Niederlage des Nationalteams gegen die Tschechoslowakei. Er selbst begann nach dem Ersten Weltkrieg bei der Vienna mit dem Kicken, ehe er in den späten 20er-Jahren Schiedsrichter wurde. Darüberhinaus betätigt er sich als Verbandsmitglied des Wiener Fußballverbandes und des ÖFBs. Am 10. Dezember 1954 bestellte ihn der Bundesvorstand zum neuen Bundeskapitän. Kaulich war ein kluger Mann und hatte Ahnung vom Kicken, jedoch war er schon etwas älter und betätigte sich vorwiegend als erfolgreicher Lederwarenhändler. Über zehn Jahre lang verfolgte er das Alltagsgeschehen auf den Fußballplätzen Wiens nicht mehr. Seine Mannschaften stellte der Kommerzialrat zusammen, indem er Zeitungskritiken studierte und so Spieler auswählte. Der Herr mit weißem Schnauzer und Hut verfügte außerdem nicht über das beste Gesichtergedächtnis und so geriet die Begrüßung der Teamspieler zur Farce: „Grüß Gott, Herr Zeman!“, sagte Kaulich zu WM-Held Kurt Schmied. Vienna-Verteidiger Rudi Röckl sprach er mit Leopold Barschandt (Sportclub) an. Viele Spieler grinste daraufhin und stellten sich mit anderen Namen vor. Nach der Niederlage war jedoch niemandem mehr zu lachen zumute. Kaulich trat – vorgeblich aus gesundheitlichen Gründen – zurück. In Wirklichkeit gingen ihm die hämischen Kritiken zu weit. Wahrscheinlich spürte er aber auch, dass er nur ein Lückenbüßer für Walter Nausch, der nach dem 3. Platz bei der Endrunde in der Schweiz seinen Hut genommen hatte, gewesen war.

1959 passierte dem langjährigen ÖFB-Generalsekretär Kurt Liegl ein ähnlicher Faux-pas wie Kaulich: Liegl wollte partout einen ihm unbekannten Herrn nicht in den Bus steigen lassen. Die Mannschaft sollte nach einer 2:5-Niederlage gegen Frankreich vom Pariser Stadion Richtung Hotel abfahren. Der Mann glaubte zunächst an einen Schmäh: „Ich bin Spieler!“ Das könne ja jeder sagen, entgegnete Liegl. Tatsächlich handelte es sich um den im „biblischen“ Alter von 35 Jahren (!) debütierenden Karl „Charlie“ Höfer. Der Linksaußen war Liegl nicht bekannt. Erst nach Intervention von Gerhard Hanappi, Karl Koller und Max Horak durfte Höfer einstiegen. Kurt Liegl musste sich nicht an den Mann mit schwindendem Haupthaar gewöhnen, denn die klare Niederlage gegen die équipe tricolore sollte Höfers einziger Teameinsatz bleiben.

Auch über die schwindenden Sehkräfte des legendären Bela Guttmann wurde in dieser Serie schon berichtet: Guttmann übernahm 1964 das rot-weiß-rote Nationalteam. Der legendäre Austria-Geschäftsführer Joschi Walter hatte den polyglotten Ungarn nach Wien gelotst. Am 12. April 1964 feierte der Welttrainer mit einem 1:1 gegen die Niederlande in Amsterdam seinen Einstand. Als er vor dem Match rund um die Grachten spazierte, wurde er von vielen Exil-Ungarn und -Österreichern erkannt. Einer wich dem Trainer nicht von der Seite und redete ununterbrochen auf ihn ein. Guttmann machte höflich Konversation. Plötzlich winkte jemand von weitem und rief: „Servas, Bela!“. Guttmann hob die Hand und murmelte einen Gruß zurück. Sein Gesprächspartner unterbrach daraufhin seinen Redefluss und fragte: „Wer war denn das?“ Guttmann entgegnete trocken: „Woher soll ich das wissen?! Ich weiß nicht einmal, wer du bist!“

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag