Roman Wallner galt einst als größtes Stürmertalent Österreichs. Der gebürtige Grazer kam als 17-Jähriger von Sturm zu Rapid Wien, wo er gemeinsam mit dem... Anekdote zum Sonntag (50) – Katzer allein zuhause

Markus Katzer_abseits.atRoman Wallner galt einst als größtes Stürmertalent Österreichs. Der gebürtige Grazer kam als 17-Jähriger von Sturm zu Rapid Wien, wo er gemeinsam mit dem etwas jüngeren Andreas Ivanschitz rasch zur neuen Hoffnung des Rekordmeisters avancierte. Wallner, der 2001 zum Krone „Fußballer des Jahres“ gewählt wurde, gab einer eingeschlafenen Rapid wieder Schwung.

Doch der Erfolg schien ihm zu Kopf zu steigen: Der Angreifer erschien alkoholisiert beim Training und verzichtete nur ungern auf seine Pizza Salami. Auch im Wiener Nachtleben kannte man den Fußballer nur zu gut und so war es nicht verwunderlich, dass die kurzfristige Euphorie rund um die jungen grün-weißen Wilden nicht in einen vollen Erfolg mündete: Als Wallner Wien 2004 verließ, hatte er keinen Titel geholt.

Während seines Rapid-Engagements traf das enfant terrible beizeiten auf einen Kumpel, der für die Admira die Knochen hinhielt: Markus Katzer, der spätere Hütteldorfer Verteidiger, versuchte Wallners Torabschlüsse bei Spielen gegen den Rekordmeister zu verhindern. Obwohl sie bei verschiedenen Vereine engagiert waren, kannten und mochten sie sich. Gerne verbrachten die beiden ihre Freizeit zusammen, so auch einen gewissen lauen Sommerabend Anfang der 2000er-Jahre: Die zwei Kicker machten die Nacht zum Tag. Eine Beisltour führte sie in den Wiener Volksgarten und schließlich nachhause in den 13. Bezirk. Der Einfachheit halber übernachtete Katzer in Wallners vier Wänden. Der Wecker des Stürmers läutete jedoch sehr, sehr früh: Nach wenigen Stunden böseln musste Wallner sich aufraffen und mit dem Koffer nach Wien-Schwechat düsen: Das Rapid-Trainingslager in Jerez, Spanien stand an. Der Grazer stand auf, rieb sich den Schlaf aus den Augen, schnappte sich sein Gepäck, knallte die Tür zu und versperrte sie von außen. Bald saß er im Taxi Richtung Flughafen und verschwendete keinen Gedanken mehr an seinen Kumpel, der noch im Gästebett Schafe zählte.

Als „Mecki“ einige Stunden später wach wurde, realisierte er bald, dass er nicht nur mutterseelenallein, sondern auch eingesperrt in der Wohnung war. Das Admira-Training in der Südstadt harrte seiner und der Verteidiger wollte schon den Schlüsseldienst rufen. Doch dann sah er aus dem Fenster und beschloss die Situation selbst in die Hand zu nehmen: An der Hauswand lehnten einige Leitern, die zu einer Dachdeckerei im Erdgeschoss des Wohnhauses gehörten. Katzer hangelte sich eine Steighilfe, kletterte rasch hinunter und eilte in die Südstadt. Am Abend telefonierte er mit seinem Freund, der ihm lachend mitteilte, dass auch er selbst beizeiten den Dienst der Dachdecker-Arbeitshilfen in Anspruch nahm: Nämlich immer dann, wenn er den Hausschlüssel in der Wohnung vergessen hatte. Zu diesem Zweck stand in der Wallner-Wohnung auch stets ein Fenster offen.

Diese Unbekümmertheit des jungen Roman mag zum Schmunzeln sein, seine sorglose Art brachte ihm bald jedoch nur mehr Probleme ein: Als der Spieler 2004 zu Hannover 96 wechselte, „glänzte“ er fast ausschließlich mit Skandalen anstatt mit seiner Leistung. Aus dem Traum- „Sturm (Wallner und Linz, Anm.) um den uns ganz Europa beneiden wird“ wurde nichts. Wallner spielte mit mäßigem Erfolg bei sämtlichen österreichischen Bundesligaklubs, darüber hinaus auch in Schottland und Griechenland. Markus Katzer dagegen ging zu Rapid, als sich sein Freund nach Deutschland aufmachte und blieb trotz anhaltendem Verletzungspech neun Jahre lang eine Stütze der Mannschaft. Erst 2013 wechselte der damals 33-Jährige zurück nach Mödling. Katzer spielt heute bei der Vienna, Roman Wallner verließ Bundesabsteiger Grödig mit Saisonende.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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