Die letzte Niederlage von Austria Lustenau datiert vom 25. November 2011 – gegen Blau Weiß Linz. Mit einer tollen Serie spielten sich die Vorarlberger... Blau Weiß Linz chancenlos gegen Austria Lustenau – 0:3 (0:2) ein paar Tage vor dem ‚Spiel des Jahres‘

Die letzte Niederlage von Austria Lustenau datiert vom 25. November 2011 – gegen Blau Weiß Linz. Mit einer tollen Serie spielten sich die Vorarlberger in den Titelkampf. Pierre Boya (6., 35.) und Dursun Karatay (91.) sicherten den klaren Erfolg gegen die Linzer, denen nach wie vor zwei Punkte auf den anvisierten Klassenerhalt fehlen, der mit 40 Punkten gesichert ist. Allerdings beträgt der Vorsprung auf die vorletzte Vienna zehn Punkte und auf Hartberg 18.

Die taktischen Vorgaben veränderten sich im Gegensatz zu den letzten Wochen kaum. Thomas Weissenböck hatte ohnehin schon in den letzten drei Spielen die Doppelsechs aufgelöst und vertraute auf den jungen Simon Piesinger hinter einem Vierermittelfeld und Daniel Poljanec als Solospitze. Eine kleine Änderung gab es dennoch, da sich Stammtorhüter David Wimleitner kurz vor der Partie verletzte und so Ersatzmann Daniel Bartosch spielen durfte.

Helgi Kolvidsson wiederum hatte wenig Grund umzustellen. Hinten vertraute er auf seinen auch spielerisch wertvollen sechs Mann zählenden Abwehrverbund, davor rotierten die Routiniers Sascha Boller und Gerald Krajic um Jan Zwischenbrugger. Dieser sollte auf der Zehn den ehemaligen kamerunischen Teamspieler Pierre Boya unterstützen, der in fünf Ligaspielen ebenso oft genetzt hatte.

Frühes Tor und cleveres Spiel

Teodoro Soares gab mit der ersten guten Aktion nach wenigen Spielsekunden die Richtung vor. Sehr ballsicher tankte er sich durch die Abwehr und holte gleich einen Eckball heraus. Und es klingelte sogleich auch früh im Spiel. Boya wurde in der 6, Minute super eingesetzt, knapp an der Grenze zum Abseits startend, und schob klasse neben dem chancenlosen Daniel Bartosch zu seinem sechsten Treffer im ebensovielten Ligaspiel ein. Den Assist gab Oldie Krajic. Doch Blau Weiß versteckte sich keinesfalls, nach einem Freistoß kam Boris Arapovic aus gut 20 Metern zu einer Weitschussmöglichkeit. Sein Schuss nach Faustabwehr von Kofler strich nur ein paar Zentimeter über das Gebälk (13.). Die Linzer versuchten durch ansehnliches Flachpassspiel vor das Tor der Lustenauer zu gelangen, die Gäste waren aber ganz abgeklärt, standen sicher und warteten ab, was auf sie zukommen würde.

Nach der nächsten nennenswerten Szene – ein flacher Weitschuss von Philipp Huspek in 24. Minute, Austria-Schlussmann Alexander Kofler hielt sicher – drehten die Lustenauer wieder auf. In der 35. Minute war Bartosch dann zum zweiten Mal geschlagen. Boya schickte den agilen Sascha Boller rechts in den Strafraum, schlich sich in den Rücken der Verteidigung und schob aus seiner Lieblingsdistanz – um die elf Meter – ein. Die Reaktion der Blau Weißen war ein tolles Dribbling von Svetozar Nikolov als die bislang beste Chance. Er ließ gleich drei, vier Gegner aussteigen, sein Schuss strich aber am rechten Pfosten knapp vorbei. Bis zur Pause hatten sie zwar weiterhin das Kommando, Zählbares kam dabei aber nicht heraus.

Kaum etwas los im zweiten Durchgang

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine – die Austria musste nicht wechseln, bei Blau Weiß vertraute Weissenböck noch seiner ersten Elf. Und er tat gut daran, denn sein Team kam zumindest sehr motiviert aus der Pause. Mehr als ein paar hohe Bälle in den Sechzehner sahen dabei aber nicht heraus. In der Folge tat dann wieder die Austria etwas für das Spiel, ohne aber so richtig nach dem dritten Tor zu suchen. Das war auch nicht notwendig. 20 Minuten lang passierte nichts, worüber hier berichtet werden könnte oder sollte. Lustenau war abgeklärt, Linz einfach nicht fähig, den vermehrten Ballbesitz zu nutzen. In der 67. Minute entschloss sich Kolvidsson etwas zu tun und beendete den Arbeitstag des guten Jan Zwischenbruggers und brachte Dursun Karatay. In der 72. Minute haute der 21-jährige Ersatztorhüter der Linzer dann über einen hohen Ball drüber, der doppelte Abpraller landete vor den Füßen von Boya. Der Lob ging aber drüber. Das weckte die Gäste wieder auf und nach einer durch Boller gut eingeleiteten Aktion setzte Karatay kurz darauf einen Kopfball aus kurzer Distanz neben das Tor. Doch es blieb beim 2:0 und somit bestand wenigstens ein bisschen Hoffnung, dass sich noch etwas tun würde. In der 74. kam dann Thiago de Lima Silva statt dem Doppeltorschützen aufs Feld und auch für Simon Piesinger und Daniel Poljanec war der Arbeitstag beendet. Für sie kamen Aridany Tenesor und Harun Sulimani für eine Schlussoffensive. Kurz darauf erschöpften die Linzer ihr Wechselkontingent, Michael Guselbauer lief statt Boris Arapovic ein.

Zunächst prüfte Thiago nach einem Solo Goalie Bartosch (77.), dann spielte der eben eingewechselte Sulimani einen Pass aus der Tiefe auf den genau so gekommenen Guselbauer, dieser brachte eine Flanke zur Mitte, die aber nicht verwertet werden konnte. Das war  nur ein kurzes Strohfeuer, zu sicher standen die Gäste. In der 84. Minute holte sich Sascha Boller noch seinen Extraapplaus von der Handvoll mitgereisten Fans, Benedikt Zech ersetzte ihn. In der ersten Minute der Nachspielzeit besiegelte Karatay mit einer schönen Bogenlampe aus gut 30 Metern den Endstand. Gegenwehr gab es keine mehr.

Im Kopf beim Derby

Klar, ein frühes Gegentor ist immer unangenehm und die Austria ließ den Gegner brav kommen, die Taktik hätte aber gepasst, an der Umsetzung haperte es. Zwar war in Ansätzen Pressing erkennbar, zwar war in Ansätzen ein gutes Flachpassspiel erkennbar, zwar wurde das Spiel oftmals gut verlagert – aber bei „zwar“ blieb es auch. Die Elf der Linzer blieb im Grunde genommen über die volle Spielzeit zu ungefährlich. Das hatte wiederum Gründe, die nicht im taktischen Bereich lagen. Etwaiges Pressing wurde zu inkonsequent, sprich von zu wenig Spielern, ausgeübt. Der erkämpfte Ball konnte nicht schnell genug verarbeitet werden. Dazu kamen sehr viele aufgrund mangelnder Konzentration zustande gekommene Abspiel- und Stoppfehler, was den Vorarlbergern ungemein in die Karten spielte. Woher diese Nervosität letztlich kam, war nicht ersichtlich. Immerhin stand und steht man wie Eingangs erwähnt in der Tabelle ausgezeichnet da! Allerdings scheint sich bei den Spielern schon das kommende Derby in den Köpfen festgesetzt zu haben, welches am kommenden Montag steigt. Die Mannschaft ist nach wie vor eine Wundertüte, schlägt zuerst den Aufstiegsaspiranten Altach, um eine Woche darauf gegen die Vienna zu verlieren. Der Fokus liegt wohl tatsächlich am Linzer Derby. Entschieden ist da noch nichts, die bisherigen Saisonduelle endeten alle unentschieden.

Alles richtig machen

Der Sportclub bewies, warum dieser seit Ende November ungeschlagen ist. Vorne eiskalt und hinten komplett dicht. Die sechs Defensivleute verstehen sich auf einen konservativen, aber konsequenten Spielaufbau und die Kicker vorne rotierten hinter Solospitze Boya. Auch nahmen die drei Offensiven am Defensivspiel teil, was es für Blau-Weiß noch zusätzlich erschwerte, Überzahlsituationen im letzten Angriffsdrittel zu generieren. Die sichere Defensive ist extrem Kräfte sparend und so ist es seit Wochen einfach, Punkte einzufahren. Schwierige Spiele wie gegen Altach, bei der Vienna oder gegen die spielfreudigen St. Pöltner wurden unentschieden über die Bühne gebracht und das Team um Spielmacher Boller hat auch die notwendige Ruhe, komplexe Situationen zufriedenstellend zu lösen. Helgi Kolvidsson, der zuvor „nur“ den SC Pfullendorf in der Regionalliga Süd betreute, entpuppt sich mehr und mehr als der richtige Mann, um defensive Stabilität und offensive Spielfreude zu verbinden.

100 Prozent

Diese volle Leistungsfähigkeit zeigten die Blau Weißen diesmal nicht, weswegen auch, trotz des unglücklichen Spielverlaufs mit dem frühen Gegentor, von einer verdienten Niederlage gesprochen werden muss. Mit 80 Prozent gewinnt man kein Fußballspiel. Schon gar nicht gegen einen Gegner, der so abgezockt auf seine Chancen warten kann und diese auch ausnützt. Die Austria ist voll im Titelkampf drinnen und zeigt im Grunde genommen auf taktischer, mentaler und physischer Ebene, dass sie in die Bundesliga wollen.

Die Heute-für-Morgen-Erste Liga bietet derzeit Spannung ohne Ende. Sieben Runden vor Schluss ist weder oben, noch unten alles entschieden. Also: Entweder das TV-Gerät einschalten oder – besser – selbst ins Stadion gehen!

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander