Für einen Aufsteiger gibt es in einer Zehnerliga eine magische Marke: 40 Punkte. Am 30. Spieltag übertrafen die Blau Weißen diese Marke, noch dazu... Die neue Nummer eins in Linz – FC Blau Weiß Linz im Preseason-Check

Für einen Aufsteiger gibt es in einer Zehnerliga eine magische Marke: 40 Punkte. Am 30. Spieltag übertrafen die Blau Weißen diese Marke, noch dazu mit einem Derbysieg gegen den LASK. Bis auf einen holprigen Saisonstart hatten die Stahlstadtkicker aber nichts mit dem Abstieg zu tun. Das soll auch so bleiben.

Die Nummer eins

Es war sicherlich eine riesige Portion Genugtuung bei den Blau Weißen dabei, als dem ASK die Lizenz verweigert wurde. 1997 ging der FC Linz, als SK VÖEST 1973/74 österreichischer Meister, im nicht gerade innig geliebten LASK auf. Seitdem arbeitete sich Blau Weiß Linz, in Anlehnung an die seit 1972 verwendeten Farben noch im selben Jahr neu gegründet, immer weiter bergauf, bis schlussendlich der Aufstieg in die zweite Spielklasse und somit den Profifußball gelang – auch, weil Wattens-Routinier Armin Hobel doch kein Panenka war. Dass nun die Athletiker eine Spielklasse weiter unten kicken müssen, verhindert zwar Derbys, aber zeichnet doch ein Grinsen in das Gesicht von so manchem „Vöestler“.

Nach den erwähnten Akklimatisierungsproblemen etablierten sich die Linzer in der Heute für Morgen-Ersten Liga. Auf der ungeliebten Gugl statt im heimischen Donaupark konnte Thomas Weissenböcks Elf vor allem ab dem Herbst sehr gute Spiele abliefern. Wie gut gearbeitet wurde, lässt sich an zwei Transfers ablesen: Simon Piesinger, 19-jähriger defensiver Mittelfeldmann, ergatterte einen Vertrag bei Wacker Innsbruck in der Bundesliga, der Slowene David Poljanec (26), der über das österreichische Unterhaus zu Blau Weiß kam, konnte nach einem tollen Jahr in die zweite deutsche Liga zu Paderborn wechseln.

Ermöglicht hat das Ganze ist neben dem Präsidium vor allem Thomas Weissenböck. Bevor er im Juli 2011 den Trainerposten von Interimscoach Gerald Perzy übernahm, arbeitete er bei Grieskirchen im Nachwuchs, unter Heinz Hochhauser und Helmut Kraft war er Rieder Co-Trainer, kurz Cheftrainer und war vor seinem Engagement bei Blau Weiß beim LASK tätig. Weissenböck ist ein akribischer Arbeiter, der nach der schlechten Serie bei Ried sein Wissen stets vergrößerte. Seit dem Aufstieg beweist er, dass er als Cheftrainer Spieler und Mannschaften entwickeln kann.

Oldies und Youngsters

Tormann David Wimleitner (36) ist seit 2008 beim Verein, Torsten Knabel (32) seit 2009 und Kapitän Konstantin Wawra (33) seit 2008. Die drei sind der Kitt, der das Team zusammenhält und gemeinsam mit Miksits und Bubenik die einzigen, die über 30 Jahre alt sind. An deren Seite können sich junge Spieler entwickeln. Der linke Mittelfeldspieler Philipp Huspek (21) überzeugte durch ein Tor und sechs Assists, Thomas Höltschl (22), der 2010/11 beim LASK schon Bundesligaluft schnupperte, zeigte gute Leistungen im offensiven Mittelfeld. Wie allerdings die Abgänge von Piesinger (28 Mal in der Startelf) und Poljanec (19 Tore) kompensiert werden können, ist noch nicht klar. Ex-Bundesliga-Stürmer Matthias Lindner (23) ist eine Alternative. Dazu wurde noch Marcel Ketelaer (34) verpflichtet, der als spielendes und erfahrenes Bindeglied zwischen erster und zweiter Mannschaft wirken soll. Bei der langen Liste an Arbeitgebern – unter anderem Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV, Pasching oder Rapid – sollte das kein Problem sein.

Weissenböcks Plan

Thomas Weissenböck wird auf ein Fünfermittelfeld bauen. In der vergangenen Saison tat er dies mit einem Sechser, der ist aber weg. Somit könnte Wawra, der oftmals in der offensiven Viererkette agierte, mit dem slowenischen Neuzugang Alen Coralic die Doppelsechs bilden. Davor bildet eine Dreierreihe die Organisation im Angriff. Das Hauptaugenmerk wird, wie das 4-2-3-1 erahnen lässt, auf einer sicheren Defensive liegen, aus dieser sollen einstudierte Spielzüge schnell zum Torabschluss führen.

Wunschelf

Gesichertes Mittelfeld

Das Ziel der Linzer kann wieder nur sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Altach, Kapfenberg, die Austria, Grödig und St. Pölten haben höhere Ambitionen. Wichtig wird sein, dass man nicht in einen Negativlauf zu falschen Zeit hineinläuft. Drei Spiele ohne Punkt, wie es nach der Winterpause der Fall war, dürfen im Herbst 2012 nicht passieren. Auch wenn der FC Lustenau und die Vienna hinter Blau Weiß anzusiedeln sind, können auch diese massiv punkten. Die neue Nummer eins in Linz muss sich im zweiten Jahr der Rückkehr in den Profifußball beweisen – es ist allgemein bekannt, dass es einfacher ist, nach oben zu kommen, als dort zu verweilen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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