In den letzten Tagen war rund um die Heute-für-Morgen-Erste-Liga der Name Andreas Dober in aller Munde: Der 25-Jährige bestritt 135 Bundesligaspiele für den SK... Einst Nationalteam und Champions League, jetzt TSV Hartberg – der Absturz des Andreas Dober

In den letzten Tagen war rund um die Heute-für-Morgen-Erste-Liga der Name Andreas Dober in aller Munde: Der 25-Jährige bestritt 135 Bundesligaspiele für den SK Rapid Wien, stand dreimal für das österreichische Nationalteam auf dem Platz und startet nun beim TSV Hartberg seine Karriere neu. Wie kam es zum Absturz des rechten Außenverteidigers und was darf man in Zukunft von „Dobschi“ erwarten?

Der 2. Mai 2004: Andreas Dober debütiert 18-jährig im Derby gegen den FK Austria Wien für Rapid. Der Außenverteidiger wird in der 75. Minute eingewechselt und serviert Stürmer Jovica Vico mit einer mustergültigen Flanke das 1:2. Rapid verliert jedoch aufgrund zweier Tore von Sigurd Rushfeldt mit 1:2 – bereits drei Tage später steht Dober beim 3:2-Heimsieg gegen den FC Kärnten erstmals in der Startelf der Hütteldorfer. Später wird Dober nach Altach verliehen, kommt als Stammspieler zu Rapid zurück und gibt am 8. Oktober 2005 sein Debüt für das österreichische Nationalteam: Bei der 0:1-Niederlage im Old Trafford zu Manchester zählt der junge Wiener zu den Besten, die Rapid-Anhänger bejubeln den vielversprechenden Defensivmann aus dem eigenen Nachwuchs.

Barisic sortiert Dober aus

Fünf Jahre danach sieht alles anders aus. Andreas Dober wird von einem großen Teil der Rapid-Fans angefeindet, niemand will dem Rechtsfuß mit dem scharfen Schuss mehr zusehen. Zu regelmäßig stellte er seine Fehler und taktischen Unzulänglichkeiten zur Schau. Im Winter zieht sich Dober schließlich eine Bänderverletzung zu, fällt drei Monate aus, kämpft sich sehr langsam wieder zurück, ist dennoch zuversichtlich, dass Rapid seinen auslaufenden Vertrag verlängern würde. Im April 2011 folgt der Bruch: Im Training kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Mario Sonnleitner, deren Folge Dobers Rausschmiss durch Interimscoach Zoran Barisic ist. Dober freute sich wenige Monate davor über die interimistische Bestellung Barisics als Rapid-Trainer, kam der 183cm große Verteidiger doch immer gut mit dem ehemaligen Co-Trainer Peter Pacults aus. Barisic jedoch drehte das Verhältnis, stellte klar, dass er nun nicht mehr eine kumpelhafte Anlaufstelle für die Spieler ist, wie er es unter dem unnahbaren Red-Bull-Leipzig-Trainer war, sondern selbst Chef. Im Klartext sollte dies heißen: Entweder du bringst deine Leistung, oder du spielst nicht bzw. fliegst aus der Mannschaft.

Vertragsende trotz 18 Jahren Rapid

Nach Dobers Suspendierung wurde er zu den Amateuren verbannt, half bei den Jungrapidlern in fünf Spielen aus, sah viermal Gelb und erzielte einen Treffer. Dass sein Vertrag nicht verlängert werden würde, war Dober zu diesem Zeitpunkt bereits bewusst. Das Ende einer 18 Jahre andauernden Rapid-Karriere, wo der gebürtige Wiener bereits für die Miniknaben spielte, war besiegelt. Dober ging auf Vereinssuche, fand jedoch trotz Verbindungen mit englischen Klubs und dem FC Ingolstadt bis vor einer Woche keinen neuen Verein. Wer nach 18 Jahren in Form eines schlichtweg nicht mehr verlängerten Vertrags von Rapid verabschiedet wird, muss Fehler gemacht haben. Rapid gilt weithin nicht als Klub, der derart verdienstvolle Spieler leichtfertig abserviert – dafür ist das „Wir“- bzw. Familiengefühl in Hütteldorf zu stark. Was war also in den sechs Profijahren des Andreas Dober (abgesehen von bereits erwähnter Undiszipliniertheit im Training) vorgefallen, dass die Karriere des Spielers eine derart abrupte Wende nehmen konnte?

Dober joggt seinen Vertrag aus

In seinen letzten Jahren bei Rapid verspielte Dober die Vorschusslorbeeren, die er sich als Jungprofi mühsam erarbeitet hatte. Zwar wurde der 25-Jährige stets als „echter Rapidler“ respektiert und von den Fans für seine Vereinstreue gelobt, die Wahrheit liegt jedoch bekanntlich auf dem Platz. Und die war im Fall des Andreas Dober unschön. Woche für Woche lieferte der Eigenbauspieler teils katastrophale Leistungen, spulte seine wenigen Kilometer immer im selben Joggingtempo ab und fabrizierte defensiv haarsträubende Fehler. Nicht selten ließ er Gegenspieler einfach passieren oder positionierte sich falsch, wodurch die Viererabwehrkette der Grün-Weißen instabil wurde. Dober ließ Biss und Kampfkraft vermissen, trottete zeitweise lockerlässig über den Platz und büßte zudem seine Torgefahr ein: Während er in der Meistersaison 2007/08 noch vier Saisontreffer in 24 Spielen erzielen konnte, waren es in den Saisonen darauf nur zwei in 70 Ligaspielen. Außerdem wirkte der Verteidiger nicht immer fit, war der Aufgabe die ohnehin sehr offensive rechte Seite rund um Kapitän Steffen Hofmann defensiv abzusichern nicht mehr gewachsen.

Neues Glück in Hartberg?

Nachdem er von Rapid verabschiedet wurde, gab Dober ein Interview im Hanappistadion. Dabei betonte er, dass er „nicht so schlecht sein kann, wie alle behaupten“. Allgemein keine gute Basis, wenn ein Spieler seine Interviews so beginnen muss. Dem gegenüber steht jedoch, dass sich kein anderer heimischer Bundesligaklub für Dober interessierte und dieser somit bis Oktober „stand“. Selbst in Österreichs zweiter Spielklasse traute sich niemand über das Preis-Leistungs-Paket Dober drüber. Es erbarmte sich schließlich der TSV Hartberg, Abstiegskandidat in der Heute-für-Morgen-Erste-Liga, der Dober dank eines externen Sponsors finanzieren konnte.

Die Fehler werden bleiben

Bereits in seiner ersten Partie für den TSV zeigte Dober, dem allerdings mit Sicherheit noch die Matchfitness fehlt, nachdem sein letztes Spiel außerhalb der Regionalliga Ost (Rapid Amateure) am 15.Dezember 2010 bei Rapids 0:2-Niederlage bei Besiktas Istanbul stattfand, wieso er sich in Wien nicht mehr durchsetzen konnte. In der 70. Minute packte er im eigenen Strafraum gegen Benjamin Freudenthaler vom LASK die Sense aus, foulte ihn, hätte damit einen Elfmeter verschuldet, was Schiedsrichter Hameter jedoch zu Dobers Glück anders sah. Es war ein Vorgeschmack auf das, was Dober auch in Zukunft „auszeichnen“ wird. Klar ist der Ex-Rapidler spielerisch einer der besseren Spieler in Österreichs zweiter Spielklasse, aber seine traditionellen Defensivfehler wird er nur schwer ausmerzen können. So wird der 25-Jährige auch in Hartberg, wo er bei weitem nicht so routinierte und spielstarke Nebenspieler wie einst bei Rapid hat, stets ein Garant für Fehler sein. Dass der Wiener diese Fehler abstellt ist unwahrscheinlich, zumal er nicht als Führungspersönlichkeit oder Spieler, der eine Mannschaft aus dem Dreck ziehen kann, bekannt ist. Einen Rückschritt von Rapid zu Hartberg zu verkraften ist für keinen Spieler leicht und so wird Andreas Dober in Zukunft Stammgast bei Erste-Liga-Klubs oder Bundesliga-Abstiegskandidaten sein. Den Sprung zu einem österreichischen Großklub oder gar Stammspieler im Ausland wird der Rechtsverteidiger aus fußballerischen, läuferisch-taktischen und professionellen Gründen nicht mehr schaffen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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